Kreis-Amtsblatt * M-emeiaer amtlicherKareLger für Sea Kreis Lchlüchtem
Nr. 4T
(L Blatt)
Samstag, den 19. April 1930
82. Iahrg.
Amtliche Bekanntmachungen
LandratsaNt.
Unter Vezugnahine auf die Verordnung des Herrn Ober- präsidenten vom 13. Mai 1905, betreffend verbot der siusfuhr von Reben aus reblausverseuchten Gemarkungen (Amtsblatt Rr. 21 von 1905) wird hierdurch zur öffentlichen Kenntnis gebracht, daß z. 3t. als reblausver- seucht zu gelten haben die Gemarkungen: Bob Aßmannshausen, Dörscheid, Lltville, Erbach, Frauenstein, Geisen- Heim, Hallgarten, Hattenheim, Hochheim, Iohannisberg, Kiebrid), Lorch, Lorchhausen, Mittelheim, Oestrich, Rauen= thal, Rüdesheim, Winkel, Laub und Reuborf, sämtlich im Regierungsbezirk Wiesbaden.
Die Gemarkungen Winkel und Destrich gelten zusammen mit dem verseuchten Teil der Gemarkung Zohan- nkberg als ein Gemeindebezirk im Sinne des § 6 der Verordnung vom 16. August 1905 (Amtsblatt Rr. 34 von 1905). (A III. £• u. K. 528 a '30.)
j Kassel am 31. 3. 1930- Der Reg.-Präsident.
3.=Rr- 3517. Die GrtspolizeibeHürden mache ich auf die im Deutschen Reichs- und preußischen Ztaatsanzeiger Rr. 74 1930 sowie im Min- Blatt der preußischen Verwaltung für Landwirtschaft, Domänen und Forsten von 1930 Seite 188 ff. veröffentlichte viehseuchenpolizeiliche Anordnung, betr. die Ein- und Durchfuhr von Hunden, vom 18. März 1930 aufmerksam. Nötigenfalls kann die Anordnung hier ringesehen werden.
- Zchlüchtern, den 14. April 1930..
Der Landrat: Dr. Müller.
3.=Rr- 3627. Aus die Anordnung, betr. Klebringe an )bftbäumen vom 26. September v- 3s., — Kreisblatt Ir. 118, nach welcher die Klebringe in der Zeit vom 15- ^Uj bis M April jedes Jahres wieder zu entfernen sind-, mache ich aufmerksam.
Zchlüchtern, den 15. April 1930-
________________Der Landrat. 3. V.: Zchultheis-
Kreisausschuß.
ö.-M- 2292 K. A. Den Bildhauern Willi Fensterer und lugust Schneider in Bab Loden ist aus Anlaß ihres 25 jähren Arbeitsjubiläum bei der Firma Seb. Herbst in Bab »oben je eine Prämie von 25 RMk. aus Kreismilteln be- villigt worden.
Zchlüchtern, den 17. April 1930-
Der Vorsitzende des Rreisausschusses: Dr. Müller.
^-Mr. 2291 K. A. Dem Arbeiter Loses (Eber in Bab So= m ist aus Anlaß seiner 25 jährigen ununterbrochenen ätigkeit bei der Firma Tarl Anselm in Bab Soden eine 'ramie von 25 RMK. aus Kreismitteln bewilligt worden Zchlüchtern, den 17. April 1930-
Der Vorsitzende des Rreisausschusses: Dr. Müller-
'ladt Schlüchter«.
Ordnung
« Einweihuogsfeier der neuen Stadtschule am Sonntag, den 27. April 1932, nachmittags 27, Ahr.
1. Musikstück: „Friedensfeier-Guverture" von W. Nehl Musikoerein Schlächtern.
-- Lhorlied: „G Schutzgeist alles Schonen", Weihelied von Mozart
Gremmels'scher Männerchor.
ö. Begrüßung durch den Bürgermeister und Uebergabe bes neuen Schulhauies an die Schulgemeinde.
I. Uebernahme des neuen Schulhauses durch den Rektor ^r Stadtschule.
lhorlied: „Mit dem Herrn fang alles an"
Rinderchor der Stadtschule.
Weitere Ansprachen-
. Lhorlied: „Die Vesper" von Beet honen
Arbeitergesangverein Zchlüchtern.
Schlußwort bes Bürgermeifters-
Musikstück: „Große Phantasie über Themen aus Ri= dxirb Wagners Lohengrin"
Musikverein Schlächtern.
A'ächließend Besichtigung der neuen Räume durch die
’ versehenen Festteilnehmer.
? Uhr nachmittags gemeinschaftliches Essen im Hessischen
j;’3ur.Mitnahme an dem gemeinschaftlichen Essen ist die ^iqnung in die auf dem Rathaus, Zimmer Rr. 3, auf- ^ynbe Teilnehmerliste erforderlich. Die Einzeichnung muß N i.Westens Mittwoch, den 23. d- Mts., nachmittags erfolgen.
^lächtern, ben 16. April 1930-
Der Magistrat: Gaenßlen.
Zur Innenausstattung des neuen Schulhauses der Stadtschule
sind aus den Kreisen der Bürgerschaft und von sonstigen Freun- den der Schule in reichem Maße Zuwendungen an Geld, Ein- richtungsgegenständen und durch Stiftung von Glasmalerei- Einlagen für die Fenster des Treppenhausvorbaues erfolgt. Nacb uns bekanntgewordenen Aeußerungen zu schließen, mag bei manchen, an die mangels Gelegenheit nicht persönlich herangetreten werden konnte, der Wunsch bestehen, auch noch etwas für die Innenausstattung des Schulhauses zu spenden oder vielleicht eine Glasmalerei-Einlage zu stiften.
Wer noch eine solche Zuwendung machen möchte, wird herzlich gebeten, sich möglichst bis 23. d. Mts. mit dem unterzeichneten Bürgermeister in Verbindung zu setzen.
Allen gütigen Gebern sei einstweilen schon an dieser Stelle herzlicher Dank gesagt.
Schlüchtcrn, den 17. April 1930.
Der Magistrat: Gaenßlen.
Betrifft: Wiederaufbau der städtischen Schwimm^ babeanstalt.
Es ist geplant, bei dem Wiederaufbau der städtischen Schwimmbadeanstalt die gesamte Anlage in neuzeitlicher Weise um- und auszugestalten. Das Vadebecken soll ausbetoniert und mit einem breiten Strand umgeben, die in erheblich vermehrter Zahl zu erstellenden UmKleidezellen, Der« waltungs- und Wirtschaftsgebäude sollen entsprechend von dem Badebecken abgerückt werden. So „soll die städtische Schwimmbadeanstalt in ihrer neuen Gestalt nicht nur für die hiesige Bevölkerung ein ansprechender und gern aufgesuchter Grt der Erholung und körperlichen Ertüchtigung, sondern auch ein starker Anziehungspunkt für den Fremdenverkehr werden.
Die Verwirklichung des Planes hängt davon ab, daß es gelingt, die dazu nötigen Mittel zu tragbaren Bedingungen zu beschaffen. Eine Aufnahme am freien Geldmarkt kommt bei den derzeitigen hohen Zinssätzen für langfristige Rommunalanleihen nicht in Frage. 3n Betätigung echten Gemeinsinns haben sich bereits eine Reihe hiesiger Persönlichkeiten bereit erklärt, der Stadt Darlehen zu billigem Zinsfuß zu dem gedachten Zweck auf längere Frist zu gewähren. Diese Darlehen sollen mit 5 0. ft. jährlich verzinst, vom 6. Darlehnsjahre ab sollen jährlich 8—10 v. t). der Darlehenssumme zur Rückzahlung ausgelost werden.
Es ergeht hiermit der Aufruf an die Einwohner, den gemeinnützigen Zweck fördern zu helfen, indem sie der Stadt zu den vorstehenden Bedingungen Gelder darlehensweise zur Verfügung stellen. Zeichnungen werden auf dem Rathaus — Zimmer Rr. 2 — während der Dienststunden entgegen genommen.
Schlächtern, den 18. März 1930-
Der Magistrat: Gaenßlen.
*
wiederholt veröffentlicht.
Die bisherigen Zeichnungen haben bereits eine erfreuliche Kühe erreicht. Doch fehlen uns an der erforderlichen Summe noch etwa 6000 XK wer noch mithelfen möchte, das Werk zustandezubringen, wird herzlich gebeten, seine Dar- lehenszeichnung bis längstens Mittwoch, den 23. b- Mts. auf dem Rathause — Zimmer Rr. 2 — zu bewirken-
Zchlüchtern, den 17. April 1930-
Der Magistrat: Gaenßlen.
Haushaltsplan 1930 best.
Der Entwurf bes Haushaltsplanes der Stadt Zchlüchtern für das Rechnungsjahr 1930 liegt gemäß § 76 Abi. 2 der Stäbteorbnung vom 4. 8- 1897 in der Zeit vom 22. bis 29. April b. 3s- während der Vormittags-Dienststunden von 8—12 Uhr im Rathaus — Zimmer Rr. 2 — zur Einsicht der Gemeindeangehörigen offen.
Zchlüchtern, den 17. April 1930-
Der Magistrat. Gaenßlen.
Bekanntmachung.
3n der Zeit vom 22. bis einschl. 24. April d. 3s. erfolgt die Reinigung der Schornsteine in der Hanauerstraße, Ho- Henzellerstraße, Schloßstraße, Wassergasse, Rirchstraße, Sackgasse und Altebahnhontraße.
Zchlüchtern, den 16. April 1950-
Die Polizeiverwaltung: Gaenßlen.
— Als zwölftes Opfer der Trichinose ist heute in einem Stuttgarter Hospital eine Frau Bretzler gestorben.
— Reichskanzler Brüning und die Reichrminister Dietrich und Treviranus sind in Ladenweiler zum Kuraufent« halt eingetroffen.
— Bei Sagunto in Spanien hat ein mit Bergarbeitern besetzter Zug ein Runbreifeauto überfahren. Dem Unglück sind 12 Menschenleben zum Opfer gefallen. 16 Personen wurden verletzt.
politische Ostern.
W. F. „Der Winter ist vergangen — siehe, es ist alles neu geworden!" Dieses biblische Wort gilt heute wörtlich, gilt für unsere gesamte Umwelt. In den Wäldern und auf den Feldern, in den Gärten und an Den Rainen, wo noch vor wenigen Wochen die Erstarrung herrschte, sproßt, grünt und blüht es, und von den Bäumen und Sträuchern und aus den Lüften herab lassen die gefiederten Sänger ihre Lieder erschallen. Regierte bisher der Tod in der Natur, so hat jetzt frisches, junges, fröhliches Leben seinen Einzug gehalten. Alles ist neu geworden. W i r feiern Ost ern. Zwar etwas spät im Vergleiche mit den anderen Jahren, aber trotzdem ist das Fest herbeigekommen, das erste Frühlingsfest, das Fest der A u s e r st e h u n g der Natur.
Auferstehung! Auch die Kirchen und ihre Gläubigen begehen ein Fest des Wiedererwachens, das Fest der Auferstehung Christi nach seiner zwei Tage und zwei Nächte dauernden Grabesruhe. Wie der Tod dem Meister das Leben auf die Dauer nicht rauben konnte, so konnte seine Lehre, die Lehre der Liebe und des Friedens, in den seinem Wirken auf der Erde folgenden Jahrhunderten nicht unterdrückt werden. Ja, sie blieb nicht nur wach und lebendig, bei ihren Bekennern und den Jüngern und Anhängern des Heilandes, sie ist zum Bestandteile der gesamten Kultur geworden. Das, was der Meister als das vornehmste Gebot erklärt hat, ist iwch heute nicht durch ein besseres ersetzt worden, uäwlicb, daß der Mensch Gott über alles und den Nächsten wie sich s e l b st lieben soll. Der Nächste ist aber jeder, der unsere Hilfe brauchen kann. Mag der Zeitgeist nach neuen Wegen suchen, über dieses Gebot der sittlichen Weltordnung kann er nicht hinaus. Aber ein Gemeingut der gesamten Menschen ist es noch immer nicht geworden. Wie Ostern auch in unserem Jahre spät gekommen ist, wie es aber trotzdem kam, so wird auch die Botschaft von der Liebe zu Gott und dem Nächsten sich auch auf dem ganzen Erdenrunde einmal durchsetzen, wenngleich Jahrzehnte und Jahrhunderte darüber vergehen sollten.
Jetzt haben wir noch Kampf und Streit. Kampf jud? außen mit den Reichten, die sich zu den Gsäubmern unseres Volkes gemacht haben. Kampf und Streit auch in dem Reichshause lelbst. Nach dem griechischen Weisen Heraklit ist freilich der Kampf der Vater aller Dinge, und es ist richtig, Altes und Ueberlebtes, das dem Neuen Platz machen muß, ist nur nach Kampf zu beseitigen. Auch in unserem Staatsleben ist ein Widerstreit der Meinungen häufig genug recht heilsam. Denn nur dadurch, daß jede Partei zu Wotte kommt, und das Für und Wider vorgetragen wird, durch ein Prüfen und Erproben aller Gründe und Gegengründe, ist es möglich, zu dem guten und zweckmäßigen Ziele zu kommen. Nicht notwendig ist aber, daß die Meinungen in unduldsamer Weise vorgebracht werden, daß der politische Gegner als ein Mann von unlauterem Charakter hingestellt wird. Denn auch er ist von seiner Sache überzeugt, auch er kämpft für sein Ideal, das er für gut und erhaben ansieht, mag es falsch oder richtig sein. Und haben wir eine Bür^chafl dafür, daß wir in allen Dingen das Richtige ersannt haben? Weil wir Menschen sind, können wir irren. Die ganze Wahrheit, hat Lessing in seiner „Duplik" gesagt, if nur für Gött allein. Des Menschen Wissen ist, wie Paulus im 13. Kapitel des Korinther Briefes bekannt hat, Stückwerk. Unser Ziel ist zwar immer die Wahrheit, aber auf dem Wege dahin können wir allzuleicht auf Seitenvfadc. auf Irrwege, geraten. Darum ziemt es uns auch hier, die Tugend der Bescheidenheit zu üben, aus der heraus wir die Meinungen »er anderen betrachten müssen. Die ehrliche Ueberzeugung des Nebenmenschen verdient selbst dann, wenn wir vermuten, daß sie falsch ist, unsere Achtung, denn wir wissen nicht, auf welchen dornenvollen Pfaden er zu ihr gekommen ist, mit welcher Not und Entbehrung er sie sich erarbeitet hat. „Homo homini saernm' — der Mensch soll dem Menschen etwas Heiliges sein, hat der römische Weise Seneca gesagt, und diese Forderung hat für uns, die wir uns für fortgeschrittener halten, als die Männer, die, wie Seneea, vor fast 2000 Jahren gelebt haben, eine noch wuchtigere Bedeutung.
Verstehen wir es, uns auf den Boden einer solchen Duld- kamkett im politischen Leben zu stellen, dann werden wir d 1 e Sorgen, die unser Vaterland erfüllen, leichter »erjagen können als bei einem Kampfe aller gegen alle. Prinzipien mögen schön und gut sein, ahxr wenn sie sich nicht in Sinfiang bringen lassen mit dem Wohle des Ganzen, dann sind sie schlecht und wett, daß wir sie über Bord werfen.
-Sind solche Gedanken unser unvergängliches Eigentum dann werden wir auch leichter die Fragen lösen, die die Politik und die deutsche Zukunft uns gibt. Die Achtung des Neben- menschen und feiner Ueberzeugung ist eine Vorbedingung zur Gemeinschaft und ihrer Pflege. Ohne deutschen Gemein schaftswillen wird es aber kein Wiedererstarken unseres Volkes, kein deutsches Ostern geben. Und ein deutsches Ostern muß das Ziel all unseren Tuns und Laffens sein.
Frohes Fest!
— 3n ben schlesischen Bergen fällt seit Donnerstag- nachmittag ununterbrochen Zchnee. Da in den schlesischen Bergen noch Altschnee liegt, sind durch den neuen Zchneefall gute (Gster-) Sportmöglid)keilen für Ski vorhanden.
3n Altmoabit ereignete sich in der Karfreitagsnacht eine Ehetragädie. Der Arbeiter Beilmann erschlug seine Ehefrau mit dem Beil und erhängte sich dann am Fensterkreuz.