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II

Nr. 38

(1. Blatt)

Gamstag, den 29. Märr 1930

82. Aahrg

Amtliche Bekanntmachungen

Landrat samt.

Auszug aus der Polizeiverordnung

M Schutz der einheimischen Vogelwelt und des Waldes.

Das Ausroden und Abbrennen auf Feldrainen stehen- j bet Büsche, Hecken und Bäume und das Abbrennen von ; öodendecken auf Wiesen, Feldrainen, Oedland, an hängen ' und Wildhecken sowie von Bohr und Schilf ist verboten- ebenso ist das Abbrennen von Büschen, Hecken, Bäumen, Gras-, Bohr- und Schilfflächen, die weniger als 100 Meter von Waldgrundstücken entfernt sind, verboten.

Das Beschneiden von Büschen und Hecken ist in der |M vom 1. März bis 31. Juli eines jeden Jahres verboten | und darf in der übrigen Zeit nur mittels der von der k zuständigen Polizeibehörde zum ordnungsmäßigen Gebrauch j bestimmten Werkzeuge (Heckenschere usw.) vorgenommen I werden, wobei die Kronen unbedingt stehen bleiben müssen.

Lchlüchtern, den 24. März 1930.

Der Landrat. I. V.: Schultheis.

K r e i s a u s s ch u tz.

Freiwillige Ganitätskolonne Schlächtern.

I.-Nr. 260 K. A. Am Sonntag, den 30. März H930 nachmittags 3 Uhr findet im Breistagssaal ' hierselbst der letzte Ausbild ungsunter richt statt. Die Mitglieder der freiwilligen Lanitätskolonne werden ; deshalb gebeten, zu diesem Unterricht vollzählig zu erschei- ; nen. > >

| Lchlüchtern, den 24. März 1930.

Männerverein vom Boten Breuz

Der Vorsitzende: Dr. Müller, Landrat.

^Stadt

Kulturarbetter gesucht.

Für die Kulturarbeiten im Stadtwald werden Arbeiter rund Arbeiterinnen gesucht. Meldungen werden bis zum 11. April d. 3s. im Rathaus Zimmer 4 entgegenge- I Kommen. In Betracht kommen zunächst nur Personen, die lin Lchlüchtern wohnen.

Lchlüchtern,. den 28. März 1930.

Der Magistrat: Gaenßlen.

f Am M o n t a g, b e n 3 1. März 1 930, vormittags p Uhr wird auf dem Rathaus- Banzlei der Schaf- k pferch öffentlich verpachtet.

Lchlüchtern, den 28. März 1930.

Der Magistrat: Gaenßlen.

16.

24.

Auf Grund des § 1 der Polizeiverordnung vom Kiärz 1927 Schlüchterner Zeitung Nr. 36 vom IHärj 1927 werben die Besitzer von Bienenstöcken auf­gefordert, bis zum 15. April d. 3s. die Zahl der von ihnen gehaltenen Bienenstöcke und Bienenvölker bei der (Drts= Polizeibehörde anzumelden.

Lchlüchtern, den 26. März 1930.

________ Die Polizeiverwaltung: Gaenßlen. Stadt Steinau.

kim Montag, Dienstag, Mittwoch, Donnerstag und Frei- tag sind die Dienststunden des Bürgermeisteramts von norm. 9121/2 Uhr. An allen anderen Wochentagmittagen und am Samstagoormittag ist das Rathaus für den Verkehr ®cs Publikums geschlossen.

Die Einwohnerschaft wolle hiervon Kenntnis nehmen und gebeten, für die Einhaltung der Dienststunden besorgt M sein.

Die Meldezeit der Arbeitslosen findet nur von vorm.

Uhr statt. Spätere Meldungen können nicht berück- Hd)tigt werden.

Steinau, den 27. März 1930.

Der Magistrat: Dr. Kraft.

Die seitens des Herrn Elektromeister Püttger beanftan- veten Mängel bezgl. der Hausinstallationen sind bei einer 9W[fen Anzahl Einwohner noch nicht in Ordnung gebracht "erden. Es wird hiermit nochmals daraus hingewiesen, die ^anstandeten Mängel spätestens bis zum 1. Juni d. 3s. Erführen zu lassen, andernfalls wir uns gezwungen sehen, ? klwa eintretenden Schadenfällen der Hess. Brandoersi- ^rungsanstalt in Bassel Anzeige zu erstatten.

Lteinau, den 27. März 1930.

Der Magistrat: Dr. Kraft.

Da$ gekaufte Holz aus Distrikt 13c (Eisenberg Abtrieb) l'h' wegen der Kultur bis zum 1. Mai bs. 3s. abge­fahren sein.

Steinau, den 27. März 1930.

Der Magistrat: Dr. Kraft.

Regierungskrisis im Reiche.

Die Reichsregierung zurückgelreten.

Berlin, 28. März. Das Reichskabinett trat am Donnerstag um 19 Uhr noch einmal zusammen. Die Sitzung war nur von kurzer Dauer. Angesichts der parlamentarischen Lage beschloß das Kabinett seinen Rücktritt.

Die entscheidende Sitzung.

In der enscheidenden Sitzung des Reichskabinetts, an bei für den Reichspräsidenten Staatssekretär Dr. Meißner leib nahm, formulierte Reichskanzler Müller zwei Fragen:

1. Soll das Reichskabinett unbekümmert um die letzten Vorgänge die Deckungsvorlage ohne die Frage der Arbeits losenversicherung im Parlament durchzubringen suchen?

2. Wenn dies nicht möglich ist, soll das Reichskabinett zurücktreten?

Reichsfinanzminister Dr. Moldenhauer erklärte darauf, daß für seine Partei die Lösung der Deckungsfrage ohne du der Arbeitslosenversicherung und der Steuersenkungen nicht möglich sei, widrigenfalls müßte er, Moldenhauer, zurück­treten. Reichskanzler Müller erklärte darauf, daß demzufolge nichts anderes als der Rücktritt des Gesamtkabinetts übrie bleibe.

Nach der Kabinettssitzung, in der der Rücktritt der Reichs- regierung beschlossen wurde, begab sich Reichskanzler Müller um 20 Uhr zum Reichspräsidenten, um ihm den Gesamt« rücktritt des Kabinetts zu überreichen.

Das Rücktrittsgesuch des Kabinetts Müller angenommen.

Reichspräsident von Hindenburg hat das Rüütrittsgefnch des Kabinetts Müller angenommen und den Reichskanzler Müller mit der Wetterführung der Geschäfte bis zur Neubildung der Reichsregierung beauftragt.

Es ist ein eigenartiger Zufall, daß der Rücktritt des Kabinetts Müller am 27. März 1930 erfolgt, nachdem am 27. März 1920 Hermann Müller nach dem Kapp-Putsch als Nachfolger Bauers zum Reichskanzler ernannt worden war. Müller bildete damals

Ueber die nächsten Schritte des Reichspräsidenten besteht noch keine Klarheit. Man ist aber der Auffassung, daß der Reichspräsident bis spätestens Samstag mittag entschieden haben wird. In den letzten Tagen fanden im Hause des Reichspräsidenten Besprechungen mit Vertretern bürgerlicher Parteien statt, darunter mit Persönlichkeiten, die nicht der bis­herigen Regierungskoalition angehörten.

Was nun?

TNB Berlin, 28. 3. (Eigene Meldung.) Die Frage, was nach bem Rücktritt des Reichskabinetts werden soll, nimmt in den Artikeln der Berliner presse über die Babi- nettsdemission den größten Raum ein. Mit den Gründen, die zu dem Rücktritt der Reichsregierung geführt haben, beschäftigt sich am eingehendsten dieVossische Zeitung" unter der Ueberschrift:Wisset besiegt Müller". Nicht die Opposition, die machtlos war, hat, so schreibt das Blatt, die Mehrheitsregierung der Großen Koalition gefällt. Die Gegner saßen im Kabinett. Von innen heraus Ist es ge­sprengt worden. Nicht um einen großen politischen Gegen­satzes willen, sondern wegen einer Differenz, deren Objekt 70 Millionen mehr oder weniger für die Arbeitslosenversi­cherung war. Der Banzler, der Beichsinnenminister und der Beichswirtschaftsminister waren bereit, sich mit dem Erreichbaren abzufinden. Aber gestern hat der Gewerk­schaftler über den Politiker gesiegt, hat Wissell Müller- Franken schachmatt gesetzt.

Diese Ausführungen werden durch den Bericht desvor­wärts" über den Verlauf der Beratungen in der sozial­demokratischen Reichstagsfraktion bestätigt-. In der Debatte sei an ein Wort erinnert worden, das auf dem Magbe= burger Parteitag gefallen war und dort allgemeinen Bei­fall gefunden hatte, daß nämlich die Partei sich nicht von den Gewerkschaften trennen dürfe, wenn es über die Ar- beitslosenfrage zu einem Begierungskonflikt komme.

Aus den Betrachtungen der Blätter über das, was war, ist noch hervorzuheben, daß sich in mehr als einer Zeitung anerkennende Worte für Reichskanzler Hermann Müller finden. So erinnert dieD. 5h 5-" an das Auftreten des Reichskanzlers auf der Völkerbundstagung im Jahre 1928, das unvergessen bleiben solle, und sagt, daß Hermann Müller, auch in den inneren Fragen ein hohes Maß von staatsmännischer Einsicht und persönlicher Selbstverleug­nung bewiesen habe.

DieGermania" betont, daß Hermann Müller sich mit größter Hingabe seiner schweren Aufgabe gewidmet und an ihr seine körperlichen Kräfte verzehrt habe.

Soweit die Rückschau der presse in die Vergangenheit.

In Beantwortung der Frage, was nun werden soll, sind die Blätter darüber einig, daß der Vorsitzende der Zentrumssraktion Dr. Brüning der kommende Mann ist, wenn auch in zweiter Linie hier und dort der Essener Ober­bürgermeister und frühere Staatssekretär in der Beichs-

Kanzlei Dr. Bracht und der volksparteiliche Führer Scholz * genannt werden.

DieV. A. Z." ist der Meinung, daß der Augenblick ge­kommen ist, ein Kabinett der bürgerlichen Sammlung zu bilden. In diese bürgerliche Sammlung schließt das Blatt auch die Deutschnationalen ein und erinnert an das Manifest des Reichspräsidenten vom 13. März.Wir halten es für ausgeschlossen, daß die Deutschnationale Volkspartei, deren Mitglied er war, sich seinem dringenden Appell entziehen könnte."

DieGermania" hat die Gewißheit, daß die Entschei­dung über die Bildung des neuen Kabinetts mit größter Beschleunigung gefällt werde. Das Zentrumsorgan erklärt: Das ganze Volk verlangt gebieterisch, daß auf der ganzen Linie eine kraftvolle Staatspolitik geführt wird, sowohl im Kabinett als auch im Parlament, und wenn es sein muß, auch einmal gegen das Parlament, falls dessen Ver­sagen die allerdringlichsten Aufgaben einer deutschen Sa­nier ungspolitik gefährdet.

DieDeutsche Tageszeitung" spricht ebenso wie dieV. A. Z." von der Bildung eines Hindenburg-Babinetts als der gegebenen Lösung.Politisch wie sachlich spricht gleich viel dafür, daß der Reichspräsident nicht durch mühselige Verhandlungen mit' Fraktionen zur Regierungsbildung zu kommen sucht, sondern endlich von seinem verfassungsmä­ßigen Becht Gebrauch macht und ohne vorherige Befra­gung des Parlaments eine Regierung aus den Männern bildet, die er als besonders geeignet zur Lösung der großen Aufgaben erkennt. Die Not der Stunde erfordert schnelle und ganze Maßnahmen. Die Bahn dafür ist frei."

DerLokal-Anzeiger" beschäftigt sich vor allen Dingen mit der Frage, wie sich die Deutschnationalen zu einem Kabinett Brüning stellen sollen und sagt: Eine Duldung der Deutschnationalen für ein Finanzprogramm, wie es Dr. Brüning vorschwebt und wie es durch die Verhand­lungen der letzten Wochen ja schon ziemlich klar umrissen ist, blirj^^ zu erreichen sein. Ein solches Finanz- programm wäre eines der Behelfe und keins der grund­sätzlichen Reformen. Da das Zentrum die Sozialdemokraten in Preußen an der Macht beließ, bleibt Brüning nur die Möglichkeit, so zu regieren, daß ihm die Sozialdemokra­ten die parlamentarische Möglichkeit, zu leben, durch Stimmenthaltung verschaffen.

Demvorwärts" ist zu entnehmen, daß die Sozialdemo- kratie noch keineswegs zur Opposition entschlossen ist. Das Blatt sagt: Die Brise ist dadurch entstanden, daß die Deut­sche Volkspartei einen beharrlichen Angriff aus die sozia­len Errungenschaften der Arbeiterklasse führt. Sie lasse von diesem Angriff ab, sie erkenne, daß gegen den Willen der Sozialdemokratie und der Gewerkschaften ein Abbau der Arbeitslosenversicherung nicht möglich ist und die Brise ist behoben. Andernfalls wird sie in dieser oder jener Form fortbauern und sich gefährlich verschärfen. Was Herr Scholz, der Vorsitzende der Deutschen Volkspartei, vor einer Woche in Mannheim sagte, ist auch heute noch richtig:Wer mit den Verhältnissen rechnet, wie sie nun einmal sind, der muß zum mindesten zur Zeit feststellen, daß ein Regieren gegen oder ohne die Sozialdemokratie auf die Dauer kaum möglich ist."

Ein mit 16 Personen besetztes Bergarbeiter-Trans­portauto fuhr infolge Versagens der Bremse bei Witten (Buhrgebiet) gegen einen Straßenmast und stürzte um. Line Frau wurde getötet, alle übrigen Insassen mehr oder we­niger schwer verletzt.

Im Zuchthaus zu Iefferson Titp (USA), wo erst Mittwoch mehrere hundert Sträflinge gemeutert hatten, kam es am Donnerstag wieder zu einer Meuterei, an der sich 700 Sträflinge beteiligten. Sie mußten mit Hilfe von Gummiknüppeln und Tränengasbomben in ihre Zellen getrieben werden. 20 Sträflinge wurden dabei verletzt.

von zuständiger thüringischer Seite wird demen­tiert, daß die Nationalsozialisten nach einem Beamten­posten für ihren Führer Hitler streben, um ihm die deut­sche Staatsangehörigkeit zu verschaffen .

Bei Arbeiten in einem Gashochdruckschacht eines Berliner Lisenbetriebswerks wurden durch Bohlenoxydgase drei Arbeiter betäubt. Zwei von ihnen verstärken trotz stundenlanger Wiederlebungsversuche.

Die neuen landwirtschaftlichen Zölle.

Berlin, 28. März. Wie wir erfahren, sind die neuen Zölle für Weizen, Hafer und Gerste Donnerstag 24 Uhr in Kraft ge­treten. Die neuen Zollsätze für Malz, Kartoffeln, Mehl, Kleie und Zucker werden am 29. März in Kraft gesetzt. Das Mais- zollgesetz wird am 1. April in Kraft treten.

Tokio, 28. März. Vor einer großek Volksmenge hielt der Kaiser Hirohito eine Ansprache, in der er die Bevölkerung zu dem vollendeten Wiederaufbau der durch das Erdbeben zer- ^örten Hauptstadt beglückwünschte. Der Andrang war so ge­waltig, daß vier Personen zu Tode gedrückt wurden. Außerdem mußten vierzehn Verletzte ins Krankenhaus geschafft werden.