Nr. 24
(L Matt)
Dienstag, den 25. Februar 1930
82. Jahrs.
Amtliche Bekanntmachungen
Sandra tsaWt.
3.4fr. 1579. Ruf Anordnung der Reichsregierung findet am 1. März d. 3s. ein 5 chw e ine - Zw is ch e nz ählung statt. Die Zahlung dient allgemeinen, volkswirtschaftlichen und statistischen Zwecken.
Die näheren Anweisungen für die Durchführung der Zäh- lang enthalten die den Herren Bürgermeistern zugehenden Formulare zu den Zählbezirkslisten T und den Gemeinde- listen E. Mit dem Inhalt dieser Anweisungen und der Formulare wollen die Herren Bürgermeister sich alsbald vertraut machen und wegen der Ausführung der Zählung das Weitere veranlassen. Etwaiger Mehrbedarf an Formularen ist alsbald hier anzumelden.
Die sorgfältig aufgestellten Zählbezirks- und Gemeinde- ■ listen sind vollzählig sobald wie möglich, spätestens jedoch bis zum 5. März d. 3s., hierher einzureichen und zwar die Zählbezirkslisten in doppelter und die Gemeinde- . listen in einfacher Ausfertigung. Der für die Einsendung der Listen festgesetzte Termin darf nicht überschritten werden, da zu deren Zusammenstellung und Nachprüfung hier nur wenige Tage zur Verfügung stehen.
Da bei früheren «Zahlungen in einigen Füllen Tiere verheimlicht worden sind, ersuche ich die Herren Bürgermeister, die Viehbesitzer darauf hinzuweisen, daß neben der Strafe (Gefängnis bis zu 6 Monaten oder Geldstrafe bis zu 10000 Rm.) die Beschlagnahme der verheimlichten Tiere angeordnet werden kann.
Ich mache ferner darauf aufmerksam, daß die in den f Zählbezirkslisten aufgenommenen Angaben über den Viehbesitz der einzelnen Haushaltungen nicht für Zwecke der Steuerveranlagung verwendet werten dürfen. Ueber diese | Eingaben ist das Amtsgeheimnis zu wahren.
Ich ersuche die Herren Bürgermeister für geeignete Le- Ihanntgabe 311 sorgen, auch die Zähler anzuweisen, sie M ewohner ihrer Zählbezirke auf diese Bestimmungen beson- Mrs aufmerksam zu machen.
: 5chlüchtern, den 22. Februar 1950.
| _________________Der Landrat: Dr. Müller.
«Stadt Steinau.
Bekanntmachung.
I Die Unternehmer landwirtschaftlicher und gewerblicher «betriebe werden erneut auf die gesetzlichen Vorschriften in
§§ 1152 und 1153 der Reichsversicherungsordnung Hin- Mwiefen, rvonach sie jeden Unfall in ihrem Betriebe, durch Wen ein im Betrieb Beschäftigter getötet oder so verletzt ! ist daß er stirbt oder für mehlr als 3 Tstge völlig oder ^teilweise arbeitsunfähig wird, binnen 3 Tagen anzuzeigen Wben. Die Anzeige ist schriftlich oder mündlich der Grts- Wolizeibehörde des Unfallortes und schriftlich dem Lektions- Morstand auf dem vorgeschriebenen Formular zu erstatten. I Die Letriebsunternehmer sind weiter verpflichtet, bei Wetriebsunfällen versicherter dafür zu sorgen, daß den Uverletzten die notwendige erste Hilfe zuteil wird und dahin M wirken, daß bei allen nicht ganz leichten Unfällen »unverzüglich Behandlung durch einen Arzt stattfindet.
U Die Betriebsunternehmer haben das für die Zuziehung
Arztes und die Ueberführung des verletzten in ein Wankenhaus notwendige Fuhrwerk entweder selbst zu stel- W oder zu beschaffen,' die Kosten fremden Fuhrwerks sonnen von der Berufsgenossenschaft in angemessener Höhe »chetzt werden.
E Betriebsunternehmer haben darauf zu achten, daß verletzte die Arbeit unterbricht, solange eine offene Wände nicht wenigstens durch einen Notverband sachgemäß »^schlössen ist.
I Die Unternehmer land- und forstwirtschaftlicher Betriebe, En ^nen außer dem Unternehmer selbst und zwei Familien- Wgehörigen regelmäßig 5 oder mehr versicherte voll be= Einigt werden, sind verpflichtet, auf ihre Kosten minde- eine Anleitung für erste Hilfe bei Unglücksfällen an Geeigneter Stelle im Betriebe auszuhängen und einen vor- », Verbandszeug zu halten und gegen Verunreinigung r'M an einem leicht zugänglichen Ort aufzubewahren. L Betriebsunternehmer sind ferner verpflichtet, dafür E l^gen, -daß auch außerhalb des Hofes bei jeder Leschäf- ■ |AUn9 an tierisch oder motorisch angetriebenen Arbeitsma-
(3. B. Motorpflug, Dresch-, Mäh- und ähnlichen Ma- I tNen) das notwendige Verbandszeug leicht erreichbar ist.
me Versicherten haben jede Verletzung im Betriebe dem ^riebsunternehmer oder seinem Vertreter zu melben oder zu lassen, sobald sie hierzu im Btande sind.
versicherten sind ferner verpflichtet, bei Betriebs- v^icht ganz leichter Art sich sofort von der nächst „Abaren geeigneten Stelle (Arzt, Betriebshelfer', Kram Schwester usw.) erste Hilfe leisten zu lassen und den Rn= ^>iungen ^er ^je erste Hilfe leistenden Stellen nachzukom- insbesondere die Anordnung, einen Arzt aufzusuchen
oder sich in ein Krankenhaus aufnehmen zu lassen, zu befolgen. •
Die bei der Grtspolizeibehörde zur Einsicht für die Interessenten offenliegenden Unfallverhütungsvorschriften sind zu beachten.
Der Bektionsvorstand der Hess. Nass. landw. Berufsge- nossenschaft, Sektion Schlächtern.
Der Vorsitzende: gez. Dr. Müller.
*
wird hiermit veröffentlicht.
Steinau, den 17. Februar 1930.
Der Magistrat: Dr. Kraft.
Bekanntmachung.
Am Dienstag, den 25. ds. Mts. abends 7 Uhr soll auf dem Rathaus das Rücken von 945,00 Fm. Nadelholz aus Distrikt 12c nach Distrikt 15 und 17 vergeben werden.
Interessenten wollen sich um diese Zeit am Rathaus einfinden.
Steinau, den 21. Februar 1930.
Der Magistrat: Dr- Kraft.
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Der Raubüberfall auf den Derfonenzug.
TNB. Berlin, 24. 2. (Eigene Meldung.) Zu dem Landitenüberfall auf den Personenzug bei Reinschdorf in Oberschlesien teilt die Montagspost mit, daß in der Nacht Beamte des Bahnschutzes neben dem Bahndamm zwei Geldtaschen mit etwa 150 Mk. Inhalt wieder gefunden haben. Der Zugführer, den die Banditen mit Revolvern bedroht hatten, prüft einen schweren Nervenchock und er ist noch nicht vernehmungsfähig. Man vermutet, daß es sich bei den Räubern Am aus dem Zuchthaus Groß-Strelitz entsprungene Strafgefangene handelt.
Die Hirltung der rttrlir»tffche» Flottetrabordnung.
Rom, 21. Febr. Mussolini empfing die beiden au3 London von der Flottenkonferenz zurückgekehrten italienischen Minister und hat ihre Tätigkeit gutgeheißen.
Herzog von Alba spanischer Außenminister.
Madrid, 24. Febr. Der bisherige Unterrichtsminister, Herzog von Alba, wurde zum Minister des Aeußern ernannt.
Der nationalsozialistische Student Wesscl seinen Verletzungen erlegen.
Berlin, 24. Febr. Der nationalsozialistische Student und Abteilungsführer Horst Weffel, der bekanntlich vor einiger Zeit in seiner Berliner Wohnung von dem inzwischen festgenommenen kommunistischen Führer Höhler durch Mundschuß niedergestreckt worden war, ist im St. Joseph-Krankenhaus seinen schweren inneren Verletzungen erlegen.
Die feierliche Eröffnungssitzung der Gencralsynode.
Berlin, 24. Febr. Im Vollsitzungssaal des Reichswirtschaftsrates trat die Generalsynode, die oberste Vertretung der evangelischen Kirche der altpreußischen Union zu ihrer verfassungsmäßigen Tagung zusammen, deren Dauer auf zwei bis drei Wochen berechnet ist.
Im Auto verbrannt.
Wiesbaden, 24. Februar. Spaziergänger trafen auf der Straße nach der Platte einen Kraftwagen in Hellen Flammen an. Es gelang ihnen, den Fahrer noch aus dem Auto zu befreien, doch war er schon so schwer verletzt, daß er wohl kaum mit dem Leben davonkommen dürfte. Der Verunglückte ist der 42 Jahre alte Kaufmann K r ö ch e l aus Mainz. Das Auto ist vollkommen verbrannt.
Explosion bei der Herstellung vo« Feuerwerkskörperu.
Paris, 24. Febr. In einer kleinen Fabrik zur Herstellung von Feuerwerkskörpern in Alencon ereignete sich eine Explosion, die die ganze Werkstatt in Brand setzte. Zwei Arbeiterinnen verbrannten bei lebendigem Leibe, während ein dritte so schwere Brandwunden davontrug, daß an ihrem Aufkommen gezweifelt werden muß. Drei andere Arbeiterinnen erlitten ebenfalls mehr ober weniger schwere Brandwunden.
3n einem Hause in der Rue de Flandre in Brüssel ereignete sich eine schwere Gasexplosion, durch die das Haus stark beschädigt wurde. vier Personen erlitten schwere Verletzungen.
Zwischen (Leltow und Lichterfelde geriet eine Autodroschke in eine von einem Maskenfest heimkehrende Gruppe. Zwei Personen wurden getötet, eine lebensgefährlich verletzt.
Nach dem nunmehr vorliegenden Gesamtergebnis der Parlamentswahlen in Japan hat die Regierung eine Mehrheit von 80 Mandaten über alle anderen Parteien davongetragen.
Auf der Chaussee Mttenberge-Lenzen rannte ein Auto mit drei Insassen in voller Fahrt gegen einen Baum. Alle drei Insassen wurden getötet.
Set besuch Schobers in Lettin.
Das politische Ergebnis des ersten Tages»
^n der ersten politischen Aussprache zwischen dem österreichischen Bundeskanzler und den deutschen Politikern wurde vor allen Dingen über den Handelsvertrag gesprochen, über den eine so weitgehende Klärung noch vor der Abreise Schobers herbeigeführt werden soll, daß später der Vertrag nur noch abgeschlossen bzw. unterzeichnet zu werden braucht. Daneben sind alle die politschen Fragen besprochen worden, die sich seit der zweiten Haager Konferenz, wo die genannten Staatsmänner zum letzten Male zusammengetroffen sind, ergeben haben.
Im Mittelpunkt dieser Fragen steht selbstverständlich der österreichisch-italienische Freundschaftsvertrag, dem man bekanntlich in Berliner Regierungskreisen mit Sympathie be- gegnet ist
Das Essen zu Ehren Schobers.
Der Reichskanzler und Frau Müller gaben zu Ehren des österreichischen Bundeskanzlers Dr. Schober und seiner Begleitung ein Essen. Während deS Essens hieß der Reichskanzler im Namen der Reichsregierung Schober willkommen.
Ihr Besuch, Herr Bundeskanzler, so führte der Reichskanzler aus, fällt in ernsten Tagen der Entscheidungen. Ju solchen Tagen wird der Besuch eines lieben Freundes besonders dankbar empsvriden. Sie haben selbst an den Haager Verhandlungen teilgenommen und wissen, von welcher außerordentlicher Tragweite die dort getroffenen Vereinbarungen für das Reich sind.
Wir sehen, daß unser Volk noch einen schweren Weg vor sich hat. Wir sind aber überzeugt, daß dieser Weg uns doch nach oben führen wird und wir vertrauen darauf, in unseren österreichischen Brüdern stets treue Weggenossen zu finden. Wir freuen uns mit Ihnen, daß Sie im Haag für Oesterreich eine befriedigende Regelung wichtiger Fragen haben erzielen können.
Bundeskanzler Dr. Schober antwortete: Aufrichtig .danke ich Ihnen, Herr Reichskanzler, für diese herzliche-Be- grüßung und ebenso für den freundschaftlichen Empfang, den mir die deutsche Regierung und die deutsche Oeffentlichkeit bereitet haben.
Ich erblicke hierin einen neuerlichen Beweis der innigen Beziehungen, die das Deutsche Reich und Oesterreich verbinden. Die Ausgabe, Volk und Staat nach dem furchtbaren Zusammenbruch mteber aufzurichten, lastet schwer auf Deutsch- land und Oesterreich.
Das Deutsche Reich kann daher auch bei den schwerwiegenden Entschlüssen, die es in diesen Tagen zu fassen haben wird, der brüderlichen Anteilnahme Oesterreichs sicher sein.
Sie erste Fahrt der „Europa".
Eine schwierige Arbeit. — Doch das Schiff ist flott.
Die Herausschaffung der „Europa", des neuen LlohddampferS, von Hamburg in die offene See, gestaltete sich außerordentlich schwierig. Mehrfach geriet das Schiff im seichten Wasser auf Grund. Dabei wurde die „Europa", die nach der Ausfahrt aus dem Kuhwärder Hafen mit dem Steven elbabwärts lag, durch den starken Flutstrom herumgetrieben und quer in den Elbström gedrückt, so daß für kurze Zeit die Gefahr bestand, daß der Riese stromaufwärts getrieben wurde.
Den gewaltigen Anstrengungen von sieben Schleppern gelang es jedoch, das Schiff wieder beizudrehen, doch auch in dieser Lage war eine Weiterfahrt nicht möglich; denn wiederum berührte das Schiff den Grund und wurde erneut von dem Flutstrom herum- gerisien.
Nach dem Eintreten höheren Wafferstandes machten zahlreiche Schlepper erneut den Versuch, die „Europa" wieder flott zu bringen. Bald passierte die „Europa" die von großen Menschenmengen dicht besetzten Altonaer Landungsbrücken. Die Vorbei- fahrt des Schiffes löste bei den unzähligen Zuschauern unaussprechlichen Jubel aus.
Eine ganze Flotte von kleineren Dampfern und Barkasse« gaben dem Riesen das Geleit. In langsamer majestätischer Fahrt, umweht von den Rauchschwaden der zahlreichen Begleitfahrzenge, entschwand die „Europa" allmählich den Blicken der Zuschauer.
Die ^Europa" auf offener See.
Nachdem die „Europa" auf ihrer Weiterfahrt elbabwärts bei Brunsbüttel wegen des ungewöhnlich niedrigen Wafferstan- des der Elbe vor Anker gegangen war, wurden am Sonntag- morgen die Anker mit auflaufendem Wasser gelichtet und die Fahrt aus eigener Kraft fortgesetzt. Um 9.25 Uhr wurde Eux- Haven in glatter Fahrt passiert. Auf der Alten Liebe und auf dem Deich bis zur Kugelbaake hatten sich zahlreiche Menschen eingefunden, die dem schwimmenden Riesen die letzten Grüße und Wünsche zuwinkten.
Die „Europa" gewann bald die offene See und verschwand t« nördlicher Richtung am Horizont.
Der Lawine, die mehrere Landhäuser bei Bolognola unter sich begrub, sind 13 Menschen zum Opfer gefallen. Drei Personen sind schwer und zrvei leicht verletzt, außerdem sollen noch sieben Bewohner in den verschütteten Häusern begraben liegen.