Kreis-Amtsblatt * UlLyernemer arnUicherKazeLyer für A«r Kreis -Echtem
Nr. 23
(1. Blatt)
Gamstag, den 22. Februar 1930
82. Fahrg.
Amtliche Bekanntmachungen
Kreisausschutz.
Jugendpflege.
I.-Nr. 1736 $. 3m Rahmen des sozialpädagogischen oeiten Iunglehrerkursus findet aus dem Habertshof vom 1,-26 Februar ds. Jrs. eine Zingewoche, Meidet von chrer G. Kuwilski, Trepsa, und vom 1.—8. März d. rr. ein Laienspiel-Lehrgang, geleitet vom künstlerischen K'tarbeiter des Bühnenvolksbundes Dr. Gentges, Berlin att.
3m Interesse der Jugendpflege des Kreises mache ich die errn Pfarrer, Lehrer und andere Iugendführer im Kreise uf diese beiden Veranstaltungen nochmals aufmerksam. Interessenten, die an dem Zingkurs teilnehmen, wollen £ wegen der Kürze der Seit mit der Leitung des Haberts- jfs unmittelbar in Verbindung setzen. Meldungen zur eilnahme an dem Laienspiel-Lehrgang bitte ich, bis spä- stens 27. Februar ds. Jrs. nach hier einzureichen. Die, eilnehmer können auf Wunsch auf dem Habertshof Un- rkunft und Verpflegung gegen Entrichtung eines Tages- ütrags von 2.— Rm. erhalten.
5chlüchtern, den 20. Februar 1930.
Kreiswohlfahrtsamt: Dr. Müller.
>tadt Sch^üchtern.
Ausschreibung.
Die Beschaffung von Beleuchtungskörpern für den Volks- [[ulneubau der Stabs Lchlüchtern soll vergeben werden.
Üngebotsformulare, Bedingungen pp. liegen im Stabt* auamt, Zchloßgafse Nr. 15, während der Dienststunden ir Einsicht offen.
Die Angebote sind bis spätestens Freitag, den 28. ebruar 1 9 3 0, vormittags 1 0 Uhr dem S t a b t= au am t verschlossen einzureichen.
-Sie«<Wsnung der Angebote geschieht daselbst zu der erstehend festgesetzten Seit in Gegenwart etwa erschü- euer Bewerber-
Zuschlagserteilung bleibt vorbehalten. Schlüchtern, den 20. Februar 1930.
Der Magistrat: Gaenßlen.
ItamöfitoeS Interesse für Domier-Guper- wal D. 17SS
TNB. Berlin, 21. 2. (Eigene Meldung.) Am Mittwoch wurde, nach einer Meldung der Germania aus Bin- >en, die Bevölkerung, die immer noch in Hellen Sparen um Hafen eilt, um dort den notgelandeten Dornier-Buxer- val D 1785 zu besichtigen, unangenehm überrascht. Rcht ranzösische Flugzeuge waren vom Flugplatz Wackernheim ^schienen und flogen stundenlang über dem Rhein und >em notgelandeten Flugzeug Sie führten Kunstflüge aus mb gingen stellenweise bis 10 Meter über das notgelandete Flugzeug herunter und photographierten und filmten es ton allen Seiten.
Grosse Femperaturschwantungen in den
Vereinigten Staaten.
ll)TB. New Park, 20. 2. Nachdem der ganze Dsten Mi Tage lang unter einer Kältewelle bis zu minus 14 zu leiden hatte, herrschte heute hier geradezu sommer- "ches Wetter. Die Temperatur stieg nachmittags auf plus Grad, was noch etwas höher als der bisherige Höchst- rekord um diese Jahreszeit ist. Die Wetterwarte erklärt, N für heute Kälte nicht zu erwarten sei.
Wieder ein Dampferbrand.
WTB. Iersey Tity, 20. 2. Auf dem Dampfer der Oellar Lteamship Line „Presedent Garfield", der vorgestern ®°n einer Weltreise zurückgekehrt war und am P er von oersey Tity angelegt hatte, brach heute in einem Laderaum ®ummi Feuer aus. Dichte Rauchwolken hüllten das ein. Die Löschungsarbeiten sind im Gange. Die Feuerwehr hofft, den Brand aus seinen Herd zu beschrän- M können.
Jn dem jetzt vom Kabinett genehmigten Reichshaus- Mt für 1930, der einschließlich der diesmal etatsmätzig esonders behandelten Uebertreibungen an die Länder und ^meinden mit 3 234 Milliarden sich auf 11 114 Milliarden flaust, Jinb 3 Mill. für die Zeppelin-Luftschiffbau G. m. h- eingestellt, wovon 23/2 Millionen als Restrate für neue große Luftschiffhälle und der Rest für Stubien* irrten bestimmt sind.
, ^r 25 jährige Angestellte eines chemischen Labo- "lonums in Detroit (Michigan) James Baker, der wegen Mordverdachtes verhaftet worden war, hat eingestanden, ^n letzten Jahren acht Menschen mit Gift umgebracht haben.
Ein Auto vom Zug Überfuhren.
Der Auloführer tot, zwei Personen schwer verletzt.
Auf dem schienengleichen, beiderseits beleuchteten Bahnübergang zwischen Bahnhof Z 0 llern und H e ch i n g e n ist ein mit drei Personen besetzter Personenkraftwagen durch die geschlossene Schranke hindurch auf das Gleis gefahren und von einem Personenzug angefahren und zertrümmert worden.
Der Kraftwagenführer Rudolf Wagenitz wurde getötet; die Insassen, Gärtner Wolf von Stetten bei Hechingen und Fräulein Wißmann von Hechingen wurden verletzt.
Schweres Grubenunglück bei Mlhausen.
Fünf Tote.
Ein schweres Grubenunglück ereignete sich in der Kaligrube „Fernand" in W i t t e n h e i m bei Mülhausen, das fünf Menschenleben forderte. Ein Ingenieur einer Pariser Baufirma war in Begleitung des Grubeningenieurs und von vier Arbeitern in die Grube hinabgestiegen, um Versuche mit einer Belastungsmaschine zu unternehmen. Plötzlich hörte man verdächtiges Krachen und laute Warnrufe.
Wenige Sekunden später stürzte die Decke des Stollens ein und begrub fünf der Anwesenden. Nur einem gelang es, sich noch rechtzeitig aus dem Gefahrenbereich zu retten, doch hat er durch den Schreck die Sprache verloren. Die sofort angestellten Rettungsarbeiten führten nur zur Freilegung der fünf Leichen.
Der rote Hahn.
Neue Brandstiftungen in Niederbayern.
Wiederum ist von neuen Brandfällen in Niederbayern zu berichten, durch die die Beunruhigung der Bevölkerung sich noch gesteigert hat. In der Ortschaft Berg bei Bubach brach in dem Anwesen des Martin Worzer Feuer aus, dem das ganze Anwesen bis auf den Stadel zum Opfer fiel. Der Brand dehnte sich auf das Nachbaranwesen des Georg Biberger aus und äscherte es vollkommen ein. Wegen des Wassermangels und des '.4k'mÄwen Windes war die ganze Ortschaft in Gefahr, von den Flammen ergriffen zu werden. Ein Aschenregen ging über den Dächern nieder. In Weiher bei Frontenhausen ist der umfangreiche, etwa 30 Meter lange Stadel des Landwirtes Salz- berger niedergebrannt. Mitverbrannt sind die Dampfmaschine und die Dreschgarnitur. Der Schaden beläuft sich auf 20 bis 25 000 Mark.
In beiden Fällen wird Brandstiftung angenommen.
Sie Zollsriebenskousereuz.
Besprechung der Minister der Südoststaate«.
Die auf der Zollfriedenskonferenz in Genf anwesenden Wirt- schafts- und Handelsminister der drei Mächte der kleinen Entente, ferner Polen, Griechenland, Bulgarien und Ungarn haben in einer gemeinsamen privaten Besprechung sich darüber verständigt, daß im Hinblick auf die überwiegend landwirtschaftliche Struktur ihrer Länder eine einheitliche Haltung dieser Mächte in den grundsätzlichen, auf der Zollfriedenskonferenz zur Verhandlung stehenden Fragen herbeizuführen sei. Die Minister dieser Mächte haben beschlossen, während des Verlaufs der Konferenz ständig in Fühlung zu bleiben und insbesondere sich über neue Vorschläge und Anregungen, die auf der Konferenz auftauchen sollten, vorher zu verständigen. Ferner ist in dieser privaten Besprechung die Bildung eines ständigen Ausschusses in Erwägung gezogen worden, der die wirtschaftliche Entwicklung dieser sieben Staaten, insbesondere in den agrarpolitischen Fragen, verfolgen und eine Uebereinstimmung zwischen den Mächten herbeiführen , soll. Ferner ist in dieser Besprechung der Gedanke eines Kartells für Früchte in Aussicht genommen worden.
, Das Beileidstelegramm des südslawischen Königs an den Reichspräsidenten.
Berlin, 21. Febr. Der König von Südslawien hat anläßlich des Todes Dr. Küsters an den Reichspräsidenten ein Beileidstelegramm gerichtet. Am Donnerstag mittag hat in Belgrad im Beisein des diplomatischen Korps und von Vertretern der südslawischen Regierung für Dr. Küster eine Trauerfeier statt* gefunden. Im Anschluß an sie wurde der Sarg im V-Zuge nach Berlin übergeführt, wo er am Freitag nachmittag eintreffen wird. Die Beisetzung des verstorbenen Gesandten findet am Samstag mittag in Hamburg statt.
Der Reichöetat 1930/31.
Berlin, 21. Febr. Die Sozialpolitiker der Regierungsparteien hatten am Donnerstag nachmittag eine letzte, zwei Stunden dauernde Besprechung mit Reichsfinanzminister Dr. Moldenhauer und Reichsarbeitsminister Wissell über die Deckungsvorschläge für die Sanierung der Arbeitslosenversicherung. Damit sind alle Vorbesprechungen für die Aufstellung des Reichshaushaltsplanes 1930 und der dazu gehörigen Deckungsvorlage beendet. Die nächsten Tage sind der Ausarbeitung der Deckungsvorlage im Kabinett gewidmet. Es ist damit zu rechnen, daß das Kabniett den Haushalt und die Deckungsvorschläge zu Anfang der nächsten Woche den Parteien unterbreiten kann.
Aus den vereinigte« Reichslagsausschüssen
Ein Journalist in der vertraulichen Ausschußsitzung.
Berlin, 20. Febr. Der Zusammenstoß zwischen dem Reichsminister Dr. Wirth und dem Abgeordneten von Frey tagh- Loringhoven war, wie sich jetzt herausstellt, auf einen Bericht zurückzuführen, den die „Deutsche Zeitung" über die vertrauliche Sitzung vom Montag veröffentlicht hatte. Der Bericht stammte von einem Redakteur der „Deutschen Zeitung , Joachim Nehring, der durch eine versehentlich offene Tür die JournLlistentribüne des Reichstiges betreten und auf diese Weise ver Sitzung des Ausschusses beigewohnt hatte. Dr. Wirth war jedoch der Ansicht gewesen, daß dieser Bericht von einem Mitglied des Ausschusses verfaßt worden sei und hatte den Abgeordneten von Freytagh-Loringhoven im Verdacht. Der Vorgang war Gegenstand der Beratungen der gemeinsamen Sitzung des Auswärtigen und des Haushaltsausschusses. Der Vorsitzende, Abg. Scheidemann (Soz.) gab eine Erklärung, die sich gegen die Berichterstattung der „Deutschen Zeitung" über die Ausschußverhandlungen wendet, ab. Zunächst betonte er, daß die Annahme, der Artikel der „Deutschen Zeitung" auf- Grund von Indiskretionen eines Ausschußmitgliedes (gemeint ist Freytagh) zustandegekommen sei, habe sich erfreulicherweise nicht als richtig herausgestellt. Vielmehr schein sich der Vertreter der „Deutschen Zeitung" auf die Journalistentribüne geschlichen zu haben, deren Tür durch ein Versehen des Reinigungspersonals des Reichstages kurze Zeit unverschlossen geblieben war. Der Ausschuß verhandele nicht vertraulich, um der Presse die Arbeit zu erschweren, sondern aus vaterländischem Interesse. Der Artikel der „Deutchsen Zeitung" gebe die Verhandlungen falsch und entstellt wieder und gefährde das deutsche Interesse aufs allerschärfste. Der Redner sprach dann den Wunsch aus, daß der Reichstagspräsident dem Journalisten die Karte ent- ziehen werde.
Polen-Abkommen und Soung-Ptan.
Polen sagt: sie gehören zusammen.
Die halbamtliche Warschauer. „Gazeta Polska" stellt fest, -Kiß A. »^inbuug skujaum dem ^.u.'ch-poUü^hen A.kommen und dem Noung-Plan keinem Zweifel unterliegen könne. Dlese Tatsache sei übrigens in Artikel 1 und 6 des Abkommens klar zum Ausdruck gebracht worden. Der Wortlaut des Artikels £ besage, daß das Abkommen und sein Schlußprotokoll gleich- zeitig mit dem Aoung-Plan ratifiziert und in Kraft gesetzt werden solle. Der Streit darüber, ob es sich um ein politisches oder juristisches Junctim handele, ändere nichts an der Sache selbp. Die Tatsache könne durch keine sophistische Deutung beseitigt werden. Die deutsche Regierung habe also in dieser Beziehung gar keine Wahl. Unter diesem Gesichtspunkt könne das Gerücht über einen angeblichen deutschen Schritt bei der französischen Regierung nur als Versuchsballon gewertet werden, durch den ein Druck auf Polen im Hinblick auf die Handelsvertragover- Handlungen ausgeübt werden solle.
Zollerhöhungen für Kaffee und Tee beschlossen.
Berlin, 20 Febr. Amtlich wird mitgeteilt: Das Reichs- kabinett ermächtigte in seiner unter dem Vorptz des Reichskanzlers stattgehabten Sitzung den Reichsfinanzminister zum Erlaß einer Verordnung über die Inkraftsetzung der Zoll- erhöhungen für Kaffee und Tee, welche in dem Gesetz vom 8. April 1922 über Erhöhung von Zöllen beschlossen sind. Die Erhöhung tritt am 5. März ds. Js. in Kraft.
Vollsitzung des Reichsrates.
Berlin, 21. Febr. Der Reichsrat stimmte am Donnerstag in einer Vollsitzung dem Gesetzentwurf zu, der das Reichsjustiz« Ministerium ermächtigt, bis zum April 33 Hilfsrichter in Zivil- und Strafsachen vom Reichsgericht hinzuzuziehen.
Das Glückslos Nr 148 984.
Berlin, 21. Febr. Bei der Ziehung der Preußisch-Süddeutschen Klassenlotterie am Donnerstag fiel ein Gewinn von 200 000 Mark auf das Los Nr. 148 984, das in der ersten Ab« teilung in Bernburg, in der zweiten in Berlin gespielt wird.
— Beim Abstürze eines finnischen Militärflugzeuges wurden der Führer und sein Mechaniker getötet.
— Von den 49 spanischen Provinzen haben 37 zur Stunde eine Temperatur von mehreren Graden unter Null. In der Provinz Aorila herrscht seit drei Tagen eine Kälte von 20 Grad. Zahlreiche Tiere sind dem Frost bereits zum Opfer gefallen. Eine derartige, mehrere Tage anhaltende Kältewelle war bisher in Sounien noch nicht vorgekommen.
— Die italienische Denkschrift zur Flottenabrüstung hat sowohl in amerikanischen wie in britischen Kreisen einen guten Eindruck gemacht.
— Wie aus Johannesburg gemeldet wird, ist in Südafrika die Pest ausgebrochen. Bisher sind etwa 100 Fälle, von denen 60 tödlich verliefen, zu verzeichnen.
— Die bisherigen Ergebnisse der Neuwahlen für das japanisch.- Unterhaus haben eine Mehrheit für die Regierungspartei Minseito gebracht.
— In Schanghai sind vier Personen, darunter zw-ü führende Vertreter des linken Flügels der Kuomintang ermordet worden. Die Mörder sind unerkannt entkommen. Der Mord hat in der Stadt größtes Aussehen erregt.