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Nr. 22 0. Blatt) Donnerstag, den 20. Februar 1930 82. Jahrs.

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Amtliche Bekanntmachungen

Kreisn nsschutz.

ErrlehungsbeihLlfen für Kriegerwaisen.

3.=Hr. 480 $. Nach einem Erlaß des Herrn Reichsar- »eitsministers sind, wenn Empfangsberechtigte Anträge nebst W notwendigen Unterlagen nicht rechtzeitig bei der fürsorgeftelle einbringen, die Erziehungsbeihilfen erst vom Ersten des Bewilligungsmonats ab zu zahlen. Line Nach- ahlung für Höchstens 3 Monate kommt nur dann in Frage, oenn den Antragsteller ein verschulden an der Verzögerung er Entscheidung nicht trifft. Das gleiche gilt in Fällen, in enen es sich um Weitergewährung der Erziehungs- eihilfe handelt. Die Weiterzahlung ist stets rechtzeitig ei der Fürsorgestelle zu beantragen.

Um die Rriegshinterbliebenen vor Stäben zu bewahren, lache ich auf vorstehendes besonders aufmerksam. Ferner mpsehle ich, Anträge auf Weitergewährung von Trzie- nngsbeihilfen, deren Bewilligungsdauer mit Ende März 930 abläuft, bei fortbestehender Berufsausbildung usw. löglichst umgehend hier einzureichen.

Zchlüchtern, den 15. Februar 1930.

Rreiswohlsahrtsamt.

I.-Rr. 981 K. A. Durch Verfügung des Herrn Regie= angspräsidenten zu Kassel vom 11. Februar 1930 ist der Ärgermeister Fink in Ro ms that zum Standesbeamtenstell- ertreter des Standesamtsbezirks Romsthal ernannt worden. Standesbeamter des genannten Standesamtsbezirk ist ach wie vor der Bürgermeister a. D. Most in Romsthal.

Schlüchtern, den 18. Februar 1930.

Der Landrat: Dr. Müller.

I.-Rr. 990 K. A. Ich habe mehrfach beobachtet, daß ememdevertretungen von Landgemeinden über Verhand- mgsgegenstände durch Stimmzettel abgestimmt haben, iefes Verfahren ist, wie sich aus § 71 der Landgemeinde- :dnung ergibt, unzulässig. Diese Gesetzvorschrift besagt asdrücklich, daß die Beschlüsse nach Stimmenmehrheit zu lssen sind und daß bei Stimmengleichheit die Stimme des Ersitzenden den Ausschlag gibt. Dies ist aber nur mög= ch, wenn öffentlich abgestimmt wird, sei es durch ja kr nein, oder durch Aufstehen oder Sitzenbleiben, oder urch Handerheben. Ich ersuche die Herren Bürgermeister er Landgemeinden, die Abstimmung bei Gemeindebeschlüs- m künftig streng nach dem Gesetz vorzunehmen.

Schlächtern, den 16. Februar 1930.

Der Vorsitzende des Rreisaüsschusses: Dr. Müller.

Stöbt Schlüchtern.

Staatliche Rufbautlassen zu Schlächtern.

Den beiden z. 3 t. vorhandenen Klassen Untertertia nd Obertertia wird Ostern 1930 die Untersekun­da angegliedert.

Anmeldungen von Schülerinnen und Schülern zu Mrn dieses Iahres werden bis zum 1 5. März von m Unterzeichneten mündlich oder schriftlich entgegenge- Mmen. Dabei sind einzureichen: ein selbstgefertigter Le- »enslauf, Geburtsschein, Wiederimpfschein, die letzten Schul- fagnisse sowie das Abgangszeugnis der zuletzt besuchten 'Me. Wenn dieses noch nicht vorliegt, kann es bis zur Aufnahmeprüfung nachgeliefert werden. Durch den Rlas- fmehrer ist unmittelbar an die Schulleitung ein Gutachten

Diesen, Begabungsrichtung und Leistungsfähigkeit der Malerin (des Schülers) und über die Eignung zum Besuch ^aer Ausbauschule vorzulegen.

Die Aufnahmeprüfung für Untertertia findet 'snstag, den t und Mittwoch, den 2. April 1930, von J2 W ab statt, die Aufnahmeprüfungen für die übrigen Mittwoch, den 23. April 1930, von 8H2 Uhr ab. oen Aufnahmeprüfungen sind mitzubringen Schreibun- Löschblatt, Federhalter mit Feder und Bleistift. Ebführliche Prospekte über die Anstalt und das .uerinnenheim werden auf Wunsch zugesandt.

Schlächtern, den 18. Februar 1930.

Der Leiter der Staatlichen Aufbauklassen:

Dr. Fenner, Studienrat.

Städtische Lateinschule;u Schlächtern. e^a bis Obertertia einschließlich, Lehrplan des Reform- realgymnasiums bzw. der Gberrealschule)

, Anmeldungen von Schülern und Schülerinnen k Ostern d. I. werden bis zum 1 5. März von dem ^Zeichneten mündlich oder schriftlich entgegengenommen. °er sind Geburtsschein, Impfschein und das Abgangs- ;Mis der zuletzt besuchten Schule einzureichen. Wenn

x0^ n^ vorliegt, ist das letzte Schulzeugnis beizu- ' oas Abgangszeugnis muß dann nachgeliefert werden.

Die Aufnahmeprüfung für Sexta findet Dienstag, den 8. April 1930, von 81/2 Uhr ab statt, die für die übrigen Klaffen Mittwoch, den 23. April 1930, von 81/2 Uhr ab. Es sind mitzubringen Schreibunterlage, Löschblatt, Federhalter mit Feder und Bleistift.

Schlüchtern, den 18. Februar 1930.

Der Leiter der Städtischen Lateinschule: Dr. Fenner, Studienrat.

Bekanntmachung

Anstelle des Stadtverordneten Adam Denhard, der fein Mandat infolge feiner Wahl zum Magistratsmitglied nieder­gelegt bat, tritt als Nachfolger derVereinigten Bürgerliste" (Liste Denhard) der Schneidermeister Georg Post als Stadt­verordneter in die Stadtverordnetenversammlung ein.

Schlüchtern, den 17. Februar 1930.

Der Magistrat: Gaenßlen.

Stadt Steinau.

Bekanntmachung.

Am Donnerstag, den 20. ds. Mts. wird eine Revision der Invalidenkarten vorgenommen.

Es wird deshalb ersucht, die Karten bereitzuhalten.

Steinau, den 18. Februar 1930.

Die Polizeiverwaltung: Dr. Kraft.

Zwei Schlitten versinken im See.

Neun Fischer ertrunken.

Eine schweres Fischerunglück hat sich bei Plateliai ereignet, das etwa 30 Kilometer von Litauisch-Krottingen ent­fernt liegt. Eine größere Anzahl Fischer aus Plateliai und Um­gebung war mit Schlitten zum Fischfang auf dem zugefrorenen Plateliaisee gefahren, der ungefähr 40 Kilometer lang und sieben

-^ilmneter breit ist.

Gegen 17 Uhr kehrten zwei Schlitten, die aneinander

gebunden waren, von einem Pferde gezogen, zurück. Als die beiden Schlitten sich in der Mitte des Sees befanden, brach der erste ein und riß den zweiten mit in die Tiefe. Auf beiden Schlitten befanden sich insgesamt 20 Personen, die alle in das Wasser fielen. Mit Mühe gelang es einem der Fischer, sich auf das Eis zu retten. Dieser zog nun einige Fischer heraus, die in das nächste Dorf eilten und Hilfe herbeiholten. Insgesamt sind acht Personen gerettet worden. Acht Männer und eine Frau sind ertrunken.

Fünf Todesopfer eines Schiffsunglücks.

Ein Schiffsunglück, das fünf Menschen das Leben kostete, ereignete sich in F r a n z ö s i s ch - M a r 0 k k 0 an der Mündung des Sebu. Acht Marokkaner hatten in einer Barke Platz ge­nommen, um sich zu dem in Bau befindlichen Hafenabschnitt von Madhya zu begeben. Ein heftiger Sturm trieb sie jedoch gegen die Ankerketter eines Schleppers und brächte das Boot zum Kentern. Drei der Insassen konnten im letzten Augenblick gerettet werden, während die übrigen fünf ertranken.

McDonalds Ausirttt aus der Arbeiterpartei.

Premierminister MacDonald ist, anscheinend als Protest­maßnahme gegen die zahlreichen Angriffe auf seine Politik vom linken Flügel der Partei, aus der Unabhängigen Arbeiterpartei ausgetreten. Als Haupt der Regierung scheint er es nicht mehr verantworten zu können, einer Partei anzugehören, die ein noch sozialeres Programm fordert, als er selbst es für durchführ­bar hält. ,

Die Biersteuererhöhung gesichert.

ENV. Berlin, 19. 2. (Eigene Meldung). Ueber die gestrigen Beratungen der Finanzsachverständigen mit dem Reichsfinanzminister Dr. Moldenhauer berichtet die voss. 3tg., daß das Zustandekommen der Biersteuer als gesichert gilt, da Bayern seine grundsätzlichen Bedenken gegen diese Steuer zurückzustellen beabsichtigt, falls seine Sonderwün- sche bei der Rücküberweisung erfüllt werden. Dem Berl. Tageblatt zufolge wurde mit Rücksicht auf die bayeri­schen Wünsche die Biersteuererhöhung von 360 auf 180 Millionen Mark reduziert.

Der deutsche Gesandte in Belgrad Dr. Röster, der an einer Blindarmentzündung erkrankt und operiert wor­den war, ist Dienstag abend gestorben.

Mehr als 200 führende Persönlichkeiten der Wirt­schaft und Wissenschaft haben eine Erklärung veröffentlicht, in der es als unerläßlich bezeichnet wird, die Finanz- und Wirtschaftspolitik Deutschlands einheitlich und folgerichtig auf die endgültige Ordnung der öffentlichen Finanzen und auf die Steigerung der Produktivität der deutschen Gesamt­wirtschaft einzustellen.

Dienstag fand eine planmäßige polizeiliche Durch­suchung des Karl Liebknecht-Hauses der K. p. D. in Ber­lin statt, wobei umfangreiches Material beschlagnahmt wur­de. Während der Durchsuchung kam es zu kleineren Zu­sammenrottungen kommunistischer Trupps, die schnell von der Polizei zerstreut wurden.

Sie ZollfMenskoksMNZ.

Es sprechen zunächst Vertreter von Oesterreich und Belgien. Die Rede des deutschen Vertreters. Für Mitarbeit des Deutschen Reiches.

' Die erste Sitzung.

In der ersten Sitzung der Konferenz für europäische Wirt­schaftsverständigung in Genf sprachen zunächst die Vertreter Oesterreichs (Hainisch) und Belgiens. Beide Redner erklärten sich für denZotlfrieden.

Die zweite Sitzung am Dienstag begann mit Ausführungen des deutschen

Reichswirtschaftsministers Schmidt.

Er legte den grundsätzlichen Standpunkt der Reichsregierung zu dem Gedanken der europäischen Wirtschaftsverständigunz dar und stellte fest, die Konferenz müsse Mittel und Wege finden, um einen Zollfrieden und die wirtschaftliche Annäherung der Staaten zu erreichen. Dies sei möglich:

1. durch eine universale Regelung, die sich auf sämtliche Staaten der Welt erstrecke,

2. durch eine Regelung, die nur für einzelne Erdteile oder Länder bestimmt sei.

Dr. Schmidt behandelte Deutschlands Wirt­schaftslage, die er folgendermaßen zusammenfaßte: Kapi­talknappheit, Reperationen., Arbeitslosigkeit, landwirtschaft­liche Notlage und ungünstige Begleiterscheinungen der Ratio­nalisierung. Deutschland befinde sich seit andert­halb Jahren im Zeichen absteigender Kon­junktur. Insbesondere seit dem vorigen Herbst habe sich das Wirtschaftsleben erheblich verschlechtert. Seit der Stabili­sierung fei die Konjunktur in Deutschland nicht mit der euro­päischen Konjunkturbewegung zusammengegangen. Der Grund dafür sei der

Mangel an mobilem Kapital, da es in Deutschland nicht gelungen sei, so viel Kapital zu fgffWKlri, um der Industrie und Landwirtschaft die nötigen Mittel zuzuführen. Auslandskapital könne niemals die innere Kapitalbildung voll ersetzen. Die gewaltige Repara­tion s l a st von durchschnittlich zwei Milliar­den Reichsmark jährlich erschwere die Kapi­talbildung und könne auf die deutsche Wirtschaftspolitik nicht ohne Einfluß bleiben, da sie zu einer aktiven Handels­bilanz zwinge. Deutschland leide unter einer starken Arbeits­losigkeit, die bereits aus 2.3 Millionen Personen gestiegen sei. Ganz besondere Sorge bereite außerdem die Notlage der Land­wirtschaft.

Leider seien in den letzten Monaten in den meisten Staaten Europas

Zollerhöhungen in Vorbereitung,

so daß eine neue Zollwelle bevorstehe. Desto mehr sei es zu be­grüßen, daß der Völkerbund sich dem Gedanken des Zollfriedens zuwende, der als Segen für Gesamteuropa betrachtet werden müsse. Dabei dürften die Schwierigkeiten jedes Landes nicht verkannt werden.

Auch in Deutschland lägen zahlreiche Zoll­erhöhungswünsche der Industrie und der Landwirtschaft vor, die zur Zeit von den gesetzgebenden Körperschaften geprüft würden. Der vom Wirtschaftsausschuß des Völkerbundes der Konferenz vorgelegte Entwurf für einen Z 0 llwafsenstillstand sei aber eine ge­eignete Verhandlungsgrundlage. Man dürfe jedoch an dem Problem, die Erweiterung der Märkte zu be­treiben, nicht achtlos vorübergehen. Für eine Verbesserung der Wirtschaftslage seien daher folgende Vorbedingungen notwendig: Hebung der Produktion der Industrie und Landwirtschaft und eine Erweiterung des Marktes.

Die Not der Landwirtschaft und ihre dadurch verringerte Kaufkraft wirke auch auf die Industrie zurück und habe einen Rückgang der Lebenshaltung, insbesondere in den Kreisen der Arbeiterschaft zur Folge. Dr. Schmidt schloß mit der Fest­stellung, daß Deutschland grundsäblich bereit sei, jede Mitarbeit zu leisten, die aus eine wirtschaftliche Verständigung und An- Näherung der Nationen gedacht sei.

Eine Ehrung des deutschen Kapitäns Dreyer.

New Nork, 19. Febr. Wie aus Montevideo berichtet wird, hat die Stadtverwaltung beschlossen, eine neue Straße zu Ehren des mit dem deutschen DampferMonte Cervantes" untergegangenen Kapitäns Theodor Dreher-Straße zu be- nennen.

DasBinger - Loch" frei.

Bingen, 19. Febr. Nachdem an der Entleerung des Kahnes Anton", der auf einer Felsenbank im Fahrwasser desBinger Loches" festsaß, gearbeitet worden war, konnte der Kahn aus seiner Lage befreit und auf die Binger Reede geschleppt wer­den. Durch den Schiffsunfall im Fahrwasser des Binger Loches war die Schiffahrt des Rheins fast eine Woche behindert wor­den. Gerade während des niedrigen Wasserstandes des Rheins wurde dieser Ucbelstand doppelt unangenehm empfunden.

Bei Talarasi kenterte auf der Donau eine zu schwer beladene Fähre. 11 Fahrgäste, meist Bauern aus der Umgegend ertranken.

Am Dienstag wurde in Warschau der deutsch-pol­nische Roggenexportoertrag unterzeichnet, der die (Leitung der Exportquoten für Roggen im Verhältnis 40 (Polen) zu 60 (Deutschland) vorsieht.