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Schlüchiemer Zeitung

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Nr. 17 (1. Blatt) Gamstag, den s. Februar 1930 82. Jahrs.

Amtliche Bekanntmachungen

Landratsamt.

Auf die Bekanntmachung des Vorstands der Unfalloersi- cherungskasse für die Feuerwehren des Regierungsbezirks Kassel vom 24. Januar d. 3s-, betr. Unfälle bei der Feuer­wehr Reg. Umtsbl. S- 22 mache ich die Herren Bür= germeifter besonders aufmerksam.

Schlüchtern, den 5. Februar 1930.

Der Landrat. 3. D.: Schultheis.

I.-Nr. 900- Diejenigen Grtspolizeibehörden welche mit kr Erledigung meiner Verfügung vom 24. Dezember v. 3$. Rr. 11365, betr. Trunkenboldlisten, noch im kückstande sind, werden hiermit daran erinnert.

Schlüchtern, den 5. Februar 1930.

Der Landrat. 3. V.: Schultheis.

Stadt Schlüchtern.

Russchreibung.

stuf die Angebote vom 29. 1. 1930 über die lveißbinder- inb Unstreicherarbeiten für den Neubau der Volksschule ;at ein Zuschlag nicht erteilt werden könnem

Die vorgenannten Arbeiten werden daher hiermit noch- nals zur Vergebung ausgeschrieben.

Hngebotsformulare, Bedingungen, Zeichnungen pp- lie­gen im Stabtbauamt, Schlotzgasse Rr 15, während der lienststunden zur Einsicht offene iNngebotsformulare Kön- ten daselbst in (Empfang genommen werden-

Die Angebote finb bis spätestens Dienstag, den 1 1. februar 1 93 0, vormittags 10 Uhr dem $tabt= lauamt verschlossen einzureichen.

Die Geffnung der Angebote geschieht daselbst zu der erstehend festgesetzten Zeit in Gegenwart etwa erschie- ener Bewerber^

Zuschlagserteilung bleicht-Vorbehalt; n>. "FDuoDkn, den 7. Februar 1930.

Der Magistrat: Gaenßlen.

"

Polizeiverordnung

Der Maschinenfabrikant Julius Reis, hier, ist zum Stell* ertreter des Drtsbrandmeisters für die Stadt Schlüchtern rnannt worden.

Schlüchtern, den 5. Februar 1930.

Die Polizeiverwaltung Gaenßlen.

Bekanntmachung.

$ür das in dem Termin vom 30. 1. 1930 verkaufte Nutz- Plz ist der Zuschlag erteilt worden.

Schlüchtern, den 7. Februar 1930.

Der Magistrat: Gaentzlen.

Sitzung des Gozialbemotrat. Fratlionsvorstanhes. , Der Vorstand der Socialdemokratischen Neichstagsfrak- »n trat, wie die Blätter melden, am Donnerstagnachmittag einer Sitzung zusammen, um sich mit den haushalts- chd Steuerplänen zu beschäftigen. An der Sitzung nahmen sozialdemokratischen Mitglieder des Ueichskabinetts teil.

Der Ausverkauf der K. P. D.

Der Sozialdemokratische Pressedienst teilt mit:Es steht mh daß seit der zweiten Hälfte des Oktober die maß- gebende kommunistische Instanz bemüht ist, die Druckereien

Gebäude der K. P. D- möglichst schnell zu veräußern, ^d daß als letzter Termin dieser Veräußerung der 1. oebruar in Aussicht genommen war. Es wurden zu diesem Meck u. a nicht nur mit dem Hugenberg-Xonzern, son- prn zugleich auch mit dem Elbmühl-Nonzern verhand- lungen geführt, in deren Verlauf eingehende Besichtigun­gen der kommunistischen Druckereibetriebe und Kontrollen Wanden, die insbesondere einen genauen Ueberblick über Verschuldung der K. P. D- gestatten,

L " Die New Parker Bundesreservebank hat ihren Dis= «cntfa% von 41/2 auf 4°o herabgesetzt.

W Unter allem Vorbehalt gibt ein französisches Blatt Nachricht wieder, daß auf der Straße von Roucas blaue in der Nähe von Marseille ein Mann mit schweren .M= und Beinverletzungen aufgefunden worden ist, der gewisse Reinlichkeit mit dem verschwundenen russi- MN General Nutiepow haben soll. Der Mann ist im rankenhaus seinen Verletzungen erlegen.

^ I ^ der Berliner Donnerstags-Börse erfolgte eine erneute der Zinsrate für Privatdiskonte um v. H. auf nunmehr

I Mitte Januar erlitt Direktor Ban der Meuten, der seit 1906 Wr,®enteiubelnffe Kevelaer beschäftigt und seit 1917 Leiter der k k Üb einen Neruenzusammenbruch. Nach den bisherigen Mel- Mn ist in der Kas>^ ein Fehlbetrag von insgesamt 30 000 bis "°°° Mark festgestellt worden.

I $« König vo, England hat den australischen Ministerpräsi- en Stuliin zum Mitglied des englischen Kronrates ernannt.

Der Haushalt im Aeichskabmeit.

Die erste Beratung.

Amtlich wird mitgeteilt: Das Reichskabinett trat unter Vor­sitz des Reichskanzlers in eine erste Beratung über die Ge­staltung des Etats 1930 ein. Der Reichsfinanzminister erstattete über den gegenwärtigen Stand der Vorbereitung des Haushalts und die sich daraus ergebenden Notwendigkeiten einen ausführ­lichen Bericht, dem eine eingehende Aussprache folgte. Es wurde in Aussicht genommen, am Freitag vormittag mit den Partei­führern eine Besprechung über den gleichen Gegenstand zu ver­unstalten.

Dazu wird berichtet: Die amtliche Mitteilung über die Be­ratungen des Reichskabinetts ist deshalb so inhaltsarm, weil Beschlüsse noch in keiner Weise gefaßt worden sind. Dagegen sind in aller Ausführlichkeit die Möglichkeiten einer Umsatzsteuer­erhöhung, einer Biersteuererhöhung und einer Stützungsaktion für die Arbeitslosenversicherung erwog m worden. Zuverlässigen Informationen zufolge berechnet ma: i n Reichsfinanzministe­rium den Fehlbetrag, der unbedingt ?n decken sein w'rds nun­mehr mit 700 Millionen Mark.

Die SamverhaxdlWge».

Aufgabe der französischen Zurückhaltung.

Nach einer Pariser Meldung verlautet von frazosi- scher Seite, daß dem kurzen Pariser Aufenthalt des französi­schen Ministerpräsidenten, der am Mittwoch nach London zurückkehrte, eine gewisse Bedeutung für den Fortgang der Saarverhandlungen beizumessen ist. Der Minister für öffent­liche Arbeiten, Pernot, der die französische Saarabordnung leitet, hat mit Tardieu eine ausführliche Aussprache gehabt, in der letzterer über den Gang der Saarverhandlungen auf das genaueste unterrichtet wurde.

Man erwartet, daß Pernot, der sich bisher einer außer­ordentlichen Zurückhaltung befleißigte, von Tardieu neue Richtlinien erhalten hat. Ob diese ein Entgegenkommen gegen­über Deutschland bedeuten, ist allerdigns mehr als fraglich. Doch dürften sie das Gute habe-r, dak Pernot aus feiner^ sinnen Zurückhaltung -heran»,,rhe« dürste- Es besteht Ho,s- nung, daß man deutscherseits in Zukunft genau wissen wird, woran man ist, was bisher nicht der Fall war.

And nun Mgenesidenie !

Etwa 900 Auswanderer im Hammersteiner Lager erkrankt. Die Krankheit aus Rußland eingeschleppt.

Im H a m m e r st e i n e r Lager ist eine Trachomepidemie ausgebrochen, die von den deutschen Auswanderern aus Ruß­land miteingeschleppt worden ist. Auf Veranlassung der Sani­tätsbehörden ist Prof. K r ü ck m a n n von der Universität Ber­lin nach Hammerstein berufen worden, da sich die Krankyeit stark ausgebreitet hatte.

Von den etwa 4600 Personen in Hammerstein sind ungefähr 900 von Trachomen befallen, einer entzündlichen Augenkrank- Heit, die an der Bindehaut kleine Knötchen und Geschwüre her- vorrufen und sogar zur Erblindung führen kann. Prof. Krück- mann hat bereits eine Anzahl von Personen operiert, um ihr Erblinden zu verhüten. Die Abreise der erkrankten Auswanderer ist von den Behörden selbstverständlich untersagt worden.

Merkwürdigerweise sind von der Krankheit hauptsächlich Jugendliche und alte Frauen befallen worden, während Erwach­sene bis zum 50. Lebensjahre sich als widerstandsfähig erwiesen haben.

Ressiveranschlag in Mexiko.

Sechs Schüsse auf den neuen Präsidenten.

Nach einer Meldung aus Mexiko-Stadt gab ein junger Student sechs Revolverschüsse auf den neuen Präsidenten Ortiz R u b i 0 ab, als dieser nach der Amtseinführung den Regie­rungspalast verließ. Es wurde niemand verletzt.

Wie aus einer späteren Meldung hervorgeht, ist der Präsi­dent leicht verletzt worden. Desgleichen haben seine Frau, seine Nichte sowie der Führer des Autos unbedeutende Ver­letzungen davongetragen. Ein unbeteiligter Zuschauer hingegen wurde schwer verwundet. Die Kugel, die den Präsiden­ten traf, ist inzwischen beseitigt worden. Es besteht keinerlei Gefahr für sein Leben. Der Attentäter konnte verhaftet werden.

In Mexiko-Stadt herrscht infolge des Anschlages auf den Präsidenten Ortiz Rubio wilde Erregung. Der Täter gab beim Verhör drei verschiedene Namen an. Es scheint jedoch sicher zu fein, daß er aus San Louis stammt und Daniel Salazar heißt.

Er gestand, daß der Anschlag vom unterlegenen Präsident­schaftskandidaten Vasconcelos angJtiftet wurde, der sofort nach der Ermordung das gesamte Kabinett unschädlich machen und die Rcgicrungsgcwalt an sich reißen wollte. Es sind noch sieben Verdächtige verhaftet worden.

Sofort nach dem Anschlag wurde der K r i e g s z u st a n d und die Telegramiuspcrre verhängt, aber zwei Stunden später wieder ausgehoben.

Die Südamerikafahrt desGraf Zeppelin".

R e w York, 6. Febr. Nach einer Meldung der Associated Preß aus Rio de Janeiro gestattete die Regierung für die gc- plante Fahrt desGraf Zeppelin", die von Scvilla ihren Aus- gang nimmt, die Landung des Luftschiffes in Natal und in Rio de Janeiro. Weiter sagte sie jede mögliche Unterstützung bei der Landung und die Lieferung von Brennstoff und Lebensmitteln zu.

Siesterile" Konferenz.

Abkomme« zwischen Amerika und Japan. London nick der Kreuzer B. England und Frankreich. Ein

Borschlag. Italienische Meinung.

Uebereinkunft zwischen Amerika und Japan.

Zwischen Amerika und Japan ist vereinbart worden:

1. Verlängerung des Dienstalters der Schlachtschiffe von 20 auf 25 Jahre,

2. Herabsetzung des Geschützkalibers für Großkampfschiffe von 40 auf 35 Zentimeter,

3. Herabsetzung der Tonnage für Schlachtschiffe von 35 000 auf 25 000 Tonnen,

4. Verlängerung der Baudauer von drei auf vier Jahre,

5. Einführung des Baufriertages bis 1936.

Die in den beiden Ländern schwebenden technischen Einzel- fragen, insbesondere die Frage der japanischen Kreuzerquote, sind dagegen noch ungelöst.

TypErsatz Preußen".

Uebrigens sind die innerdeutschen AuSsinandersetzunge« über den Bau eines zweiten deutschen Kreuzers vom Typ der Ersatz Preußen" für die drei Flottenhauptmächte ohne irgend­welche praktische Bedeutung. Auch die französischen Forde­rungen werden hierdurch nicht beeinflußt, auch wenn Frankreich die deutsche Baumöglichkeit als bequemes taktisches Mittel für die Durchsetzung seiner Wünsche ausnützt. Eine deutsche Ab- rüstungsgcste dieser Art würde den sachlichen Ausgang der Flot- tenkonferenz in keiner Weise beeinflussen. Jede gegenteilige Be­hauptung ist entweder von gewissen Tendenzen diktiert oder stellt eine völlige Verkennung der tatsächlichen Lage dar.

Englisch-französischer Gegensatz.

Im Arbeitsausschuß der Flottenkonferenz hat der Erste Dmb j - Ad.mrHM, Mäander, darauf hlngrwiesen, daß auch nach den kürzlich angekündigten englischen Baueinschränkungen die englische Flotte bis zum Jahre 1936 das gegenwärtig vor­handene Uebergewicht über die französische und japanische Flotte behalten müsse. England hat danach indirekt gefordert, daß die anderen Länder chre Bauprogramme gleichfalls be­schneiden. Auch in der Behandlung des französischen Vorschlags zeigt England nicht mehr das Entgegenkommen,- das bisher auf französischer Seite erwartet wurde. Die englische Forderung bedeutet, daß Frankreich bis zum Jahre 1936 auf etwa 175 000 Tonnen verzichten müsse, zuzüglich etwa 70 000 Unterseeboot­tonnage.

Hand in Hand mit der englisch-französischen Entfremdung ist eine Annäherung zwischen der französischen und italieni­schen Abordnung zu verzeichnen.

Einschrotlung von 17 Großkampfschiffen.

Wie dieDaily News" hört, wird zwischen drei der fünf Abordnungen der Flottenkonferenz gegenwärtig ein Plan er­örtert, dessen Durchführung die Einschrottung von insgesamt 17 Großkampfschiffen mit sich bringen würde und zwar acht für England, sechs für Amerika und drei für Japan. J

Vorläufig handelt es sich aber um private Verhandlungen zwischen den drei Mächtevertretern.

Italienische Kritik.

Zu der Flottenkonferenz schreibt derMessagero", in Lon­don geschähe, was die italienische Abordnung von Anfang an vorausgesehen habe. I

Die Aussprache bleibe steril, solange man nicht die eigent­lichen Probleme in Angriff nehme und zwar die Festsetzung der Flotten, verbunden mit einem wirklichen Programm der Ver­minderung der Rüstungen. Die Aussprache über diese Fragen fei verschoben worden und die Folgen dieses Irrtums seien deutlich zu spüren.

MacDonald über die Abrüstung der yeere.

MacDonald erklärte im Unterhaus auf die Frage, ob die Regierung die Einberufung einer allgemeinen Konferenz der Großmächte zur Herabsetzung der Heercsrüstungen erwägen wolle, daß die gesamte Abrüstungsfrage einschließlich der Land­abrüstung von der Regierung sehr sorgfältig geprüft werde. Er hoffe, daß nach Abschluß der Seeabrüstungskonferenz eine Ar­beitstagung der vorbereitenden Abrüstungskonferenz des Völker­bundes abgehalten und der Völkerbund dadurch in die Lage ge­setzt werde, die Abrüstung der Heere zu behandeln-

Zuspitzung der französisch-russischen Beziehungen.

Kowno, 7. Febr. Wie aus Moskau gemeldet wird, ver­öffentlicht die gesamte russische Presse einen Bericht über die politische Lage der Sowjetbotschaft in Paris im Zusammen­hang mit dem geheimnisvollen Verschwinden des Generals Kutjepow. Wie sich derTas" aus Paris melden läßt, ver­langt die frmrzösische Presse und Oeffenilichkeit die sofortige Abberufung des russischen Botschafters in, Paris und eine Haussuchung in der russischen Botschaft. Wie weiter gemeldet wird, hat der stellvertretende Außenkommissar der Sowjet­union, Litwinow, am Mittwoch abend eine längere Besprechung mit dem französischen Botschafter in Moskau gehabt, die jedoch keine Klärung gebracht hat.