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Nr. 15

Gchlüchterner Zeitung

2. Blatt

Hationale Virtschastspropaganda in England.

^Von Dr. L. Rudloff, Berlin.

"Das -englische Mutterland hat nach Ueberwindung der Kriegs­folgen die heimische Landwirtschaft wieder demfreien Spiel der Kräfte" überlassen, d- h. die Sorge für die regelmäßige Be­lieferung der Vereinigten Königreiche mit landwirtschaftlichen Waren haben wieder der angelsächsische Farmerstand in Nord­amerika urch die englischen Dominions, Kolonien und Halb­kolonien in Indien und Südamerika übernommen. Die Sicher­heit dieser regelmäßigen Nahrungsmittelzufuhr ist wieder allein den englischen Schiffskanonen anvertraut.

Dennoch hat die anhaltende Notlage der Landwirtschaft das Parlament, die Regierung und die Presse des Mutterlandes von neuem mobil gemacht. Der Weizenbau soll ausgedehnt und intensiviert, der Zuckerrübenbau durch Erziehungszölle gefördert, die Bauernschaft zur Gründung von Absatzgenossenschaften er­zogen werden alles das soll der heimischen Scholle mehr als bislang die Möglichkeit gewähren, für die Ernährung der Be­völkerung und Schaltung der Volkskraft stärker nutzbar gemacht zu werden.

Darüber hinaus ist das Mutterland mehr denn je bestrebt, Las Chamberlainsche Ideal der Schaffung eines autarken Weltwirtschaftsreiches zu verwirklichen. Das bedeutet die ausschließliche Lieferung von Nahrungs- und Genußmitteln und anderen landwirtschaftlichen Rohstoffen nach Großbritan­nien aus der eignen Scholle und demEmpire". England hat jedesmal, wenn eine große nationalpolitische Aufgabe von ent­scheidender Bedeutung zu lösen war, eine solche Arbeit mit vor­bildlicher Großzügigkeit und nachhaltiger Energie erledigt. Welch gewaltige Bedeutung dabei die Propaganda spielt, zeigt der mit ungeheuren Mitteln auf dem ganzen Erdball gegen Deutschland im Weltkriege in Gang gebrachte Verleumdungsfeldzug. England hat sich imEmpire Marketing Board", zu deutsch etwa Reichsabsatzamt" ein solch riesiges Propaganda-Werkzeug ge­schaffen, um die Bevölkerung des Mutterlandes und der Kolo­nien für die Weltreich-Autarkie zu gewinnen. Alsunpolitische" Regierungsstelle, in deren Vorstand alle politischen Parteien des Weltreichs vertreten sind, organisiert das E. M. B. die Ge­winnung des Volkswillens in England für den Bezug der Riesen- Lebensmittelproduktion der überseeischen Länder und für die Zuführung des von Jahr zu Jahr ansteigenden Einfuhrbedarfs der Dominions und Kolonien an den heimischen Export. Dem E. M. B. stehen jährlich 20 Millionen Reichsmark zur Durch­führung seiner Aufgabe zur Verfügung. Man appelliert an das National- und Zusammengehörigkeitsgefühl der britischen Bür­ger und weckt den Wunsch zur wirtschaftlichen Blüte der engeren und weiteren Heimat, zum eigenen und zum Wohl der Mit­bürger beizutragen.

Die Propagandamittel sind zahlreich. In Einzelprospekien wird geworben für australische Rosinen und australischen Wein, Aepfel aus Neu-Seelond, Kaffee von Ostafrika, Tiefseefische aus den heimischen Gewässern usw. Jedem Prospekt sind erprobte Rezepte für Verwertung dieser Lebensmittel beigelegt. Das Motto eines Frucht- und Gemüsekalenders ist:Die Männer und Frauen, die diese Früchte gHflanzt, verpackt und übers Meer gebracht hüben, sind britische Staatsbürger". Eine Fülle volkstümlicher Schriften informiert Produzenten, Händler und Verbraucher über Tätt^eit, Arbeitsweise und Ziele des E.M.B. Gut illustrierte, leicht einprägsame und auf nachhaltigen Ein- 1 druck ab gestimmte Werbeplakate werden in allen Städten mit über 10000 Einwohnern, von großen Unternehmungen in ihren Werfftätten und in mehr als 20 000 Schulen verteilt. Schau­fensterplakate werben gemeinschaftlich für indischen Tee, irische i Butter, indischen Reis, südafrikanische Orangen, tropische Höl- ' zer usw. Den gleichen Werbedienst leisten Text- und Bildanzei­gen in der Tagespreffe, in Magazinen, illustrierten und Fach­zeitschriften. Auf bedeutenden Messen und Ausstellungen hab das E. M B. Ausstellungspavillons errichtet. Kochkurse vev- anstaltet und Rezepte verteilt. Verkaufstage mit Schau^enper- wettbewerben erfassen den Detailhandel, Vorträge, mit Diaposi- ; üben ausgestaltet, oder im Rundfunk gesprochen, werben um ; die Hausfrauen. Der Film ist natürlich auch vor den Wa- i gen dieser Werbung gespannt. Broschüren in Hunderttausenden ! von Exemplaren begleiten die Inseraten-, Prospekt- und Plakat- | Werbung. Alle Werbeveranstaltungen sind ein pädagogisch aus­gezeichneter Anschauungsunterricht über die Fülle der Nahrungs- I Mittel, die in dem Reiche angebaut werden, in dem die Sonne I nicht untergeht.

Die englischen Produzenten und Händler unterstützen diese I nationale Ausklärungswerbung des E. M. B. und bauen auf I ihr die Firmenwerbungen auf. Eine ReiheEmpire"-Re- I gierungen haben in London zusammen mit dem E. M. B. Pro- I Pagandabüros errichtet. Der letzte Jahresbericht des E. M. B. | spricht von Einzelheiten eines bemerkenswerten Anwachsens der I ,Empire"-Wareneinfuhr nach dem Mutterlande. Die Einfuhr I australischer Rosinen wächst von Jahr zu Jahr; der australische | Wein hat seinen Export nach England verdoppeln können. Neue IRekorde" erreicht die Einfuhr von Aepfeln, Birnen und Frucht- I konserven aus Australien, von Käse, gefrorenem Hammel- und I Schweinefleisch aus Neu-Seeland, von Orangen, Wein, Birnen, I Grapefruits und Rohzucker aus Südafrika, von Kaffee aus I Ostafrika, von Tabak aus Rhodesia, von Weizen und Tabak | aus Kanada; alles englische Länder!

Es ist nicht zweifelhaft, daß die Wirkung dieser riesigen I nationalen Werbearbeit des Empire Marketing Board die Han- | delsbeziehungen zwischen Mutterland und Empire immer enger I knüpfen und das größte Weltreich zu einem Wirtschaftsgebiet 1 umwandeln wird, in welchem alle landwirtschaftlichen Rohstoffe: Brot- und Futtergetreide, Vieh und Fleisch, Molkereierzeugnisse, Gemüse, Obst und Südfrüchte, Hack- und Oelfrüchte, tierische I and pflanzliche Spinnstoffe usw. erzeugt werden können, die I Acht nur das englische Mutterland benötigt, sondern ein ganzes 1 Weltreich, welches den vierten Test der Menschheit beherbergt.

~ Bei einer Explosion auf der Zongoldak-Grube wurden nach Berichten aus Konstantinopel 13 Bergarbeiter getötet und sechs ver- wundet, unter ihnen vier schwer.

Der englische ZerstörerBersatile" hat sich nach Berichten 0118 Gibraltar während eines heftigen Sturmes von seiner Ver­ankerung losgerissen und ist auf Grund gelaufen.

~~ In den Gebäuden einer Petroleumgesellschaft in San Fran- ^sko sind 25 000 Petrolcumfässer in die Luft geflogen. Ein Arbeiter urde hierbei getötet und sechs andere schwer verwundet, Der Scha- «n belauft sich auf sieben Millionen.

Preußischer Landlag.

Berlin, 8. Februar.

Das Haus nahm zu Beginn seiner Samstagssitzung ohne Aus«, spräche einen Antrag des Landwirtschafts-AusschusseS an, worin die Staatsregierung ersucht wird, die Preußenkasse zur Prüfung der Frage zu veranlassen, ob es in Zukunft möglich ist, die Düngemittelkredite auf 18 Monate zu verlän- g e rn. Schließlich wurde noch ein weiterer Antrag des Landwirt- schafts-Ausschusses angenommen, der verlangt, daß bei der Reichs­regierung umgehend in dem Sinne einer unverzüglichen Erledigung der dem Volkswirtschaftlichen Ausschuß des Reichstages vorliegenden Winzeranträge eingewirkt wird.

Die allgemeine Aussprache zum Wohlfahrtshaushalt wurde dann beim Abschnitt

WohnungS- und Siedlungswesen fortgesetzt.

Wohlfahrtsminister Hirtsieser gab einen Ueberblick über den Stand des Wohnungswesens in Preußen. Er erklärte u. a., daß im Jahre 1929 etwa 199 00 neue Wohnungen erstellt worden seien, was gegenüber dem Vorjahre einem Mehr von 13 000 entspräche. Diese Leistung sei nur unter äußerster Inanspruchnahme von Krediten aller Art möglich gewesen, und es lasse sich noch nicht übersehen, wie sich die Bautätigkeit im Jahre 1930 gestalten wird. Die preußische Haus- zinssteuerordnung werde um ein weiteres Jahr bis zum 31. März 1931 verlängert werden müssen, da das Gebäudeentschuldungssteuer­gesetz voraussichtlich nicht mehr bis zum 1. April verabschiedet wer­den könne. Die Versorgung des Wohnungsbaues mit Hypotheken sei mit dem rapide abwärtsgehenden Pfandbriefabsatz schlechter gewor­den. Wenn trotzdem die Wohnungsbauten durchgeführt werden konn­ten, sei das in erheblichem Maße auf die sehr verdienstvolle Hilfe > der öffentlichen Sparkassen zurückzuführen. Umso bedrohlicher sehe deshalb die Lage für das begonnene Baujahr aus. Der Minister erklärte, daß seine Bemühungen um eine Beseitigung des Steuer­abzuges vom Kapitalerträge für die festverzinslichen Werte, von der er eine Belebung des inländischen und einen Zufluß vom ausländi­schen Geldmarkt erwarte, leider bis heute ergebnislos gewesen seien.

Er, der Minister, habe sich dagegen mit allem Nachdruck für eine restlose Befreiung ohne Unterschied zwischen alten und neuen Emmis- sionen eingesetzt und halte es für dringend erwünscht, daß das Reich ohne Verzug in diesem Sinne handele. Die hohen Zinsen der ersten Hypotheken bedeuteten eine schwere Belastung für den Wohnungs­bau. Eine Besserung in der Frage des Realkredits werde nur im Zu­sammenhang mit einer nachhaltigen Hebung der allgemeinen Wirt­schaftslage zu erwarten sein. Der Staat sei an 13 gemeinnützigen Wohnungsgesellschaften beteiligt, die seit Jahren ausgezeichnet arbeiteten.

Die Erfahrungen seit Aufhebung der Zwangswirtschaft für ge­werbliche Räume, hätten die Zweckmäßigkeit der Miet-Vorschristen bestätigt. Hieran änderte auch der in bevorzugten Gegenden ver­langte hohe Mietpreis nichts, da das Angebot ständig wachse. Die völlige Beseitigung der Zwangswirtschaft, vor allem die Aufhebung des Mieterschutzes werden erst erfolgen können, wenn die Mieten der Altwohnungen und die der Neubauwohnungen dem allgemeinen Preisstand, aus einer, für das Einkommen der breiten Masse erträg­lichen Höhe angenähert seien und wenn das Angebot von Woh­nungen der Nachfrage einigermaßen entspräche. Ein gewisser Mehr- bestand von Wohnungen sei zum Ausgleich von Angebot und Nach­frage erforderlich.

An der Aussprache beteiligten sich die Abgg. Meyer-Solingen (Soz.), Home (Deutschnat.), Hebborn (Ztr.), Oberdörfter (Kom.), »r. Neumann (D. Vp.), Ladendorff (W. P.), Hoff (Dem.), Mentz (W. P.), Dr. Ponsick (D. Fr.).

Dann vertagte sich das Haus zur Einzelberatung auf Montag, 12 Uhr.

Die Galapagos-Hnselgruppe im Stillen Ozean, auf der ein Berliner Ehepaar, ein Robinson-Leben führend, aufgefunden wurde. .

Die Richtzahl der Großhandelspreise.

Berlin, 2. Februar. Die auf den Stichtag des 29. Januar berechnete Großhandelsrichtzahl des Statistischen Reichsamtes ist gegenüber der Vorwoche von 131.7 auf 131.1 oder um 0.5 vom Hundert gesunken.

Mißtrauensantrag gegen den Ministerpräsidenten Dr. Braun.

Berlin, 2. Februar. Die Wirtschaftspartei hat gemeinsam mit mehreren Abgeordneten der Deutschen Fraktion im Preu­ßischen Landtag aus Anlaß der Neubesetzung des Kultus­ministeriums einen Mißtrauensantrag gegen den Ministerpräsi­denten Braun eingebracht.

Um den Abbruch der Dirschauer Eisenbahnbrücke.

Berlin, 2. Februar. In der Presse ist die Meldung erschie­nen, daß nach dem Abbruch der Münsterwalder Eisenbahnbrücke nunmehr auch die sehr wichtige Dirschauer Eisenbahnbrücke ab­gebrochen werden solle. Von Berliner zuständiger Stelle wird erklärt, daß von dem Abbruch der Dirschauer Brücke bei der deutschen Gesandtschaft in Warschau nichts bekannt fei. iedock werde dort die Angelegenheit weiter verfolgt.

Der mexikanische Geschäftsträger aus Moskau abgereist.

Kowno, 2. Februar. Wie aus Moskau gemeldet wird, hat der mexikanische Geschäftsträger in Moskau mit dem gesamten Psrffl^ll Moji^u verlassen.

Eröffnung derGrünen Woche".

Die Begrüßung. Eine Rede des ReichsernährungSministerS.

Der preußische Landwirtschaftsminister spricht. In den Berliner Ausstellungshallen.

In den Berliner Ausstellungshallen.

In den Ausstellungshallen der Stadt Berlin wurde die Grüne Woche Berlin" feierlich eröffnet. Hans Jürgen von Hake vom AuSstellungs-, Messe- und Fremdenamt der Stadt Berlin betonte als Leiter der Grünen Woche in seiner Be­grüßungsansprache,

daß die Ausstellung dazu Beiträge, Bei der Großstadtbevölke- rung das Verständnis für die schwere Notlage der deutschen Landwirtschaft zu fördern. Hierauf nahm als Vertreter der Reichsregierung der

Reichsminister Dietrich

das Wort. Er führte u. a. aus, daß sich die deutsche Landwirt­schaft noch immer in einer schweren Krise befinde, deren Ursachen vornehmlich in der Zollgesetzgebung des Jahres 1925 und dar­über hinaus in der Auswirkung der Reparationslasten zu suchen seien. Wenn auch die Verschuldung der Landwirtschaft zu einem gewissen Stillstand gekommen sei, so sei doch die Zinslast uner­schwinglich. Auch die Zollaktionen des vergangenen Jahres hätten sich bis zur Stunde noch nicht voll ausgewirkt, weil sie nur nach und nach in Kraft gesetzt werden könnten. Der Redner schilderte dann die Lage auf dem Weizen- und Roggenmarkt und betonte, daß man Wege suchen müsse, um den Jnlandsver- brauch an Roggen zu vermehren. Die Reichsregierung wisse, was mit der Lösung des Roggenproblems auf dem Spiele stehe.

Die deutsche Bevölkerung müsse zu einem stärkeren Roggen­verbrauch veranlaßt werden. Der jetzige Zustand, bei guter Ernte eine halbe Million Tonnen oder noch mehr Roggen ins Ausland zu verschleudern und gleichzeitig für 5 oder 600 Millionen Mark Weizen einzuführen, sei unhaltbar. Die Grüne Woche stehe dieses Mal im Dienste der Meliorationen. Ungeheuer viel sei noch auf diesem Gebietern tun.

Für die Preußische Regierung

sprach der Minister für Landwirtschaft, Domänen und Forsten, Dr. h. c. Steiger. Der Redner wies darauf hin, daß alle Meliorationen das Endziel hätetn, Deutschland von der Einfuhr ausländischer Lebensmittel, die das deutsche Volksvermögen all­jährlich um annähernd vier Milliarden Mark verringern, unab­hängig zu machen. Der Minister erwähnte dann die Lehrschau Holz, die in erschöpfender Weise die mannigfaltige Verwendungs­möglichkeit des so überaus wichtigen Werkstoffes Holz dartue.

Für die Stadt Berlin

sprach Bürgermeister S ch o l z, der ausführte, daß die ®wt» stehung und

Entwicklung der Grünen Woche Serif« beweise, daß der Ge- bmtle der Berliner Fachausstellungen und Fachmessen auf keiner künstlichen Züchtung, auf rein fremden Verkehrs politischen Er- Vägungen beruhe, sondern auf einer breiten im Einvernehmen mit den beteiligten behördlichen und Privaten Wirtschafts- und sonstigen Organisationen geschaffene« natürlichen vsMwirtschaft- lichen Grundlage ausgebaut sei.

Sie Belüge der Seichsmiuisler.

Nach den Beschlüssen des Haushaltsausschusses des Reichstags.

Der Haushaltsausschuß des Reichstags hat sich in verschie- denen Sitzungen mit dem Reichsministergesetz befaßt. Dabei wurden auch die Bezüge der Minister geregelt.

Danach beträgt das AmtSgehalt des Kanzlers jährlich 45 000 Mark, des Reichsministers jährlich 36 000 Mark. Hierzu tritt ein örtlicher Sonderzuschlag in derselben Höhe, in der ihn Reichsbeamte beziehen. Weiter erhalten der Kanzler und die Reichsminister eine Wohnungsentschädigung von jährlich 3600 Mark und eine Dienstaufwandsentschädigung, deren Höhe im Etat bestimmt wird. Dieser Paragraph und ebenso § 15 (Be­stimmungen über Umzugsentschädigung, Dienstwohnung usw.) wurde unverändert angenommen.

Zu § 16, der bestimmt, daß ein Beamter bei der Ernennung zum Reichsminister kraft Gesetzes in den Ruhestand Übertritt, wurde eine Entschließung angenommen, worin die Reichs­regierung ersucht wird, darauf Bedacht zu nehmen, daß Minister, Sie bei der Ernennung ihre Beamteneigenschaft ver­loren hatten, bei ihrem Rücktritt wieder möglichst in geeignete Reichsbeamtenstellen eintreten können. § 17, der die liebe r- gangsgelder regelt, wurde unverändert angenommen, da­nach sollen die Reichsminister grundsätzlich keine Pension, sondern ein Uebergangsgeld erhalten, und zwar für die gleiche Zahl von Monaten, für die sie ohne Unter­brechung Amtsbezüge als Minister erhalten haben, jedoch min­destens für sechs Monate und höchstens für fünf Jahre. Das Uebergangsgeld ist in der Regel die Hälfte der Amtsbezüge. § 18 wurde in neuer Fassung angenommen. Danach erhält ein Reichsminister eine Ruhcrente, wenn er bei Ausübung seines Amtes oder im Zusammenhang mit seiner Amtsführung ohne eigenes Verschulden eine Gesundheitsschädigung erlitten hat, die seine Arbeitsfähigkeit wesentlich und dauernd beein­trächtigt. Dasselbe gilt, wenn ein Reichsminister bei seinem Ausscheiden das 65. Lebensjahr erreicht und das Amt des ReichSministers mindestens vier Jahre bekleidet hat. Die Ruhe­rente darf 12 000 Mark im Jahre nicht übersteigen, das sonstige Einkommen des Berechtigten wird darauf voll ungerechnet.

Zusammentritt deS Reichstages.

Berlin, 2. Februar. Die für Mittwoch nächster Woche ein- berufene Vollsitzung deS Reichstages, in der die erste Beratung der Young-Gesetze erfolgen sollte, ist inzwischen abgesagt wor­den. Der Termin der Sitzung steht bisher nicht fest. Voraus­sichtlich wird der Reichstag aber am Freitag zusammentreten.

Keine Kürzung der Beamtengehälter.

Berlin, 2. Februar. Der Beamtenbund veröffentlicht eine Zuschrift, in der aufs neue die Behauptung aufgestellt wird, daß eine Kürzung der Beamtengehälter beabsichtigt sei. Wie von zuständiger Stelle mitgeteilt wird, sind solche Pläne von der Regierung niemals erwogen worden.