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Nr. 15 (1. Blatt) Dienstag, den 4. Februar 1930

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82. Fahrg.

Amtliche Bekanntmachungen

L a n d r a t s a m t.

Die Zuchthengste vom Landgestüt Villenburg sind wieder hier eingetroffen. Die Herren Bürgermeister ersuche ich, dies ortsüblich bekannt zu geben und die Züchter daran zu erinnern, daß sie die fälligen Füllengelder ungesäumt an den Stationswärter zu zahlen haben.

Schlächtern, den 3. Februar 1930.

Der Landrat. I. D.: Schultheis.

Jugendpflege.

| I.-Nr. 752 F- Im Nahmen des sozialpädagogischen zwei­ten Iunglehrerkursus findet auf dem Habertshof vom 21. 'bis 26. Februar eine Singwoche, geleitet von Lehrer G. Kuwilski, Treysa, und vom 1.8- März ds. Ars. ein Laienspiellehrgang, geleitet vom künstlerischen Mitarbei­ter des Bühnenvolksbundes Dr. Gentges, Berlin, statt. Um die hier gebotene Arbeit zugleich für die Jugendpflege des Kreises auszuwerten, möchte ich die Herren Pfarrer, Lehrer und andere Iugendführer des Kreises auf diese beiden Veranstaltungen besonders Hinweisen.

f Meldungen zur Teilnahme an dem Singkursus bitte ich mr bis spätestens zum 8. Februar ds. Ars und olche zur Teilnahme an dem Laienspiellehrgang bis spä- estens zum 22. Februar ds. Ars. einzureichen. Interessenten können auf Wunsch auf dem Habertshos Unterkunft und Verpflegung gegen Entrichtung eines Ta- erbeitrages von 2. Rm. erhalten.

Schlächtern, den 31. Januar 1930.

Kreiswohlfahrtsamt: Dr. Müller.

I.-Nr. 6150 K- A. Die Herren Bürgermeister der Stadt- nd Landgemeinden des hiesigen Kreises werden hierdurch »die Einsendung des Vc

Leu Oktober - Dezembers 929 erhobenen Vergnügung,. ßuern mit einer Frist von 8 Tagen erinnert Bchlüchtern, den 29. Januar 1930.

Der Vorsitzende des Kreisausschusses: Dr. Müller.

ie kommunistische Aktion

Um Mitternacht abermals Zusammenrottungen.

| Im Zusammenhang mit den Kommunisten-Zwischenfällen n Hamburg sind im ganzen 100 Personen fest - jenommen worden. Gegen die Mitternachtsstunden hatten ßch am Groß-Neumarkt abermals stärkere Zusammenrottun- M gebildet, gegen die die Polizei mit dem Gummiknüppel Krging. Der PUch wurde in ganz kurzer Zeit geräumt.

I Im ganzen wurden von der Polizei in der inneren Stadt Nki Lokale ausgehoben. In den Stadtteilen Barmbeck, Eims- diittel und Rotyenburgsort bildeten sich ebenfalls Zusammen­rottungen von jeweils 60 bis 100 Personen, die jedoch von der hlizei sofort wieder auseinandergetrieben wurden. Aehnlich «ar es im Güngeviertel.

Die Kundgebungen gescheitert.

Am Sonntag erweckte es in Hamburg den Anschein, als die kommunistischen Führer zum Rückzug geblasen haben. Waimiäßig sollte an diesem Tage der großeHungermarsch" ^dj die Stadt stattfinden, doch war hiervon den ganzen Tag Mr auch nicht das geringste Anzeichen zu bemerken. herrschte vielmehr vollständige Sonntagsruhe. Wie verlautet, Wen die beiden kommunistischen Reichstagsabgeordneten Mumann und Vogt nach Hamburg gekommen, um hier die Manie kommunistische Aktion zu leiten. Von der kommu- Wischen Zentrale sei die Parole ausgegeben worden, durch Heinere Unternehmungen der Polizei Schwierigkeiten zu machen. «In Berlin ist die Nacht zum Sonntag ohne Wunenswerte Zwischenfälle verlaufen. Hin und lieber kam es zu kleinen Auseinandersetzungen zwischen Mersdenkenden.

ist die Nacht zum Sonntag ohne Zwischenfälle verlaufen. Hin und

«In Treptow, Oberschöneweide, im Tiergartenviertel 1, in Rostockerstrahe, Brunnenstraße, Turmstraße, am Bulow- und am Maybach-Platz mußte die Polizei e i n g r e i f e n.

M dem Hause Weidenweg 79

Wmzingelten die Kommunisten eine Polizeiabteilung und schlugen sie zu Boden.

«Drei Beamte wurden am Kopf verletzt und mußten zur Mungsstation gebracht werden. An allen anderen Plätzen Wär sich die Polizei der Kundgeber mit dem Gummiknüppel Wehren. Vielfach zerstoben die Züge schon beim Erscheinen | Polizei,

Anruhen auch auf dem Schauplatz der Maikämpfe.

IN dem Schauplatz der Maikämpfe in Berlin hatten sich 8 Armstag abend gleichfalls Unruhen abgespielt. Etwa gegen Wuhr abends wurde in der Prinz Handjery-Straße in der- Weise wie im Mai der Versuch gemacht, St ratzen- Wrikaden zu errichten. Aus den Häusern wurden Mull- I® auf die Straße geschlep.pl, der UlüU ausgeschüttet und die

Beraubung eines Schlüchterner Bostautos auf der Landstraße Hutten-Rückers.

8000 Mark Bargeld erbeutet Hohe Belohnung für Ermittlung der Täter.

Am Sonnabend, den 1. Februar, gegen 9 Uhr vormittags wurde das fahrplanmäßige Postauto auf der Landstraße HüttenBäckers bei Schlächtern beraubt. Nach Angaben des Kraftwagenführers Karl Blum aus Schlüchtern, der sich ohne Begleitung befand, hielten zwei Unbekannte das Postauto unter Vorhaltung von Schußwaffen an. Sie nah­men dem Fahrer die Schlüssel ab und raubten aus dem wagen 11 große Ledertaschen, die sie im naheliegenden Walde aufschnitten und leerten, vermißt werden etwa 8 000 Rm. Bargeld, in Papier und Münzen. Das Geld befand sich in 10 leinenen hellgrauen Geldsäckchen (Größe 30 mal 18 Ttm.) und 11 rotbraunen Ledermäppchen (22 mal 16 Ttm. groß) mit Messingschiebeverschluß. Auf die­sen Mäppchen sind die Namen der Ortschaften: Bäckers, Schweben, Magdlos, Buchenrod, Kauppen, Hauswurz, Wei- denau, Bernhards, Hintersteinau, Stark und Höf und Haid in lateinischer Schrift eingepreßt. Bußerdem raubten die Täter zwei Wechsel sowie eine Unzahl Post- und Zah­lungsanweisungen, welche für Bewohner der vorgenannten Ortschaften bestimmt waren. Weiter behielten die Täter einen langen Lederriemen mit vier Schlüsseln für das Postauto sowie ein schweres Vorhängeschloß (8 Ttm. Durch­messer). Das Schlüsselloch des Vorhängeschlosses ist mit einer Messingklappe verdeckbar, die den Neichspostadler

It. ~Drw* geraubte Gut fit ä.

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gebrachten hellgrauen Sack

Der Kraftwagenführer be=

Kasten ebenso wie Bett inatratzen und anderes Hausgerät in Form von Barri?« den aufge. richtet. Die Polizei wurde aber noch rechtzeitig benachrichtigt, so daß mehrere Ueberfallwagen von der noch offenen Seite in die Straße einbringen und die aufgerichteten Barrikaden zer­stören konnten.

Die Polizei hat in dem gefährdeten Viertel einen erhöhten Streifendienst eingerichtet. Mehrere Lastkraftwagen der Polizei durchfuhren die gefährdeten Straßen in kurzen Zwischenranmen um neuerliche Versuche der Aufrührer im Keime zu ersticken. Die Häuser werden von den Polizeiautos mit Scheinwerfern abgeleuchtet und sämtliche Fenster müssen geschloffen werden.

Desgleichen ist es in C h a rl o t te nb u r g zu Zwischen- fällen gekommen, allerdings nur leichterer Natur. So wurde in der Wallstraße aus dem Hause einer dortigen Speditionsfirma «in Möbelwagen auf die Straße gezogen und dort umgeworfen

Die polizeilichen Sicherungen in Berlin.

Der 1. Februar, für den von den Kommunisten eine besondere Aktion angekündigt worden war, ist im allgemeinen ruhig ver­laufen.

Wie dieBZ" berichtet, ist bei der Festnahme von 76 kom­munistischen Funktionären auch eine Menge Material beschlag­nahmt worden, unter dem sich auch die genauen Pläne über die, trotz des Verbotes beabsichtigten Demonstrationen und Auf­märsche sowie über die weitere Aufreizungskampagne der Kom- munisten befanden.

Entgegen der von derRoten Fahne" ausgestellten Behaup­tung, daß Teile des 5. und des 6. Infanterieregiments von Ostpreußen nach Berlin gezogen worden seien, Wirb von den maßgebenden preußischen Stellen mit Entschiedenheit versichert, daß die Aktion gegen die Kommunisten allein von der preu­ßischen Polizei geführt wird.

Neue Festnahme vonHungermärschlern".

Trotz des Verbotes des Hungermarsches nach Hamburg ver­suchte eine ganze Anzahl Lübecker Kommunisten mit Partei­genossen aus der Umgebung auf Uniwegen nach Hamburg zu gelangen.

Sie wurden jedoch von der Polizei ungehalten und wegen Uebertretung des Kundgebungsverbotes der Strafanstalt Lauer- hof zugeführt. Es handelt sich um etwa fünfzig Personen, dar­unter zwei Mitglieder der Lübecker Bürgerschaft.

In Schwarzenbeck wurden vier Personen festgenommen, die im Verdacht standen, sich auf dem verbotenen Hungermarsch nach Hamburg zu befinden. Unter ihnen befand sich auch ein Sträfling, der am Mittwoch aus der Anstalt Neulauerhof aus­gebrochen war. Er wurde nach Lübeck zurückbefördert.

Die kommunistischeHamburger Volkszeitung" verboten.

Der Senat hat das Erscheinen der kommunistischenHam­burger Volkszeitung" und ihres Kopfblattes, derNorddeut­schen Zeitung", einschließlich aller etwaigen Ersatzblätter mit Wirkung vom 1. Februar bis auf weiteres verboten.

Die verhafteten Berliner Kommunistenführer freiaelassen.

Der Sonntag ist in Berlin völlig ruhig verlaufen. Die am Freitag in dem kommunistischen Verkehrslokal in der

schreibt die Täter wie folgt: Der eine 1,75 Meter groß, schlank, trug grauen Mantel und hellgrüne Wickelgama­schen, sprach Schlüchterner Dialekt; der zweite Täter 1,65 Meter groß, untersetzt, trug schwarzen Mantel, dunkle lange Hose, beide Täter hatten ihre Hüte links gewendet und ihre Mantelkragen hochgestellt. Ihre Gesichter hatten si^ durch Kopsschützer verdeckt, die lediglich die Augen freiließen. Der eine Täter hatte ein einläufiges Gewehr, der andere eine Pistole mit langem Lauf bei sich. Für die Ergreifung der Täter und die Herbeischaffung der ge­raubten Gutes steht eine namhafte Belohnung zu erwar­ten. Personen, die sachdienliche Angaben machen können, werden gebeten, der nächsten Polizei- oder Landjägerei- station bezwi Postdienststelle oder der Landeskriminalpoli- zeistelle in Frankfurt am Main Mitteilung zu machen. Auf Wunsch werden solche Nachrichten vertraulich behan­delt. An Sonderheit interessieren bei der Aufklärung des Raubüberfalls die Fragen: Wer wurde am Sonnabend, den 1. Februar in den Morgenstunden bis zur Mittagszeit in der Nähe des Weges HüttenBäckers oder Umgebung beobachtet?, wo sind 2 Männer, auf welche die Beschreibung paßt, am Tattage eingekehrt?, wer wurde mit einem Sack beobachtet?, wer wurde mit grünen Wickelgamaschen gesehen?, wer hat die Postwagenschlüssel, das Schloß, die

oder die ledernen Geldtäschchen gesehen?

Langestraße verhafteten 76 Funktionäre her komunistischen Partei sind in der Nacht zum Sonntag wieder entlassen worden.

Schietzerel in Pforzheim.

Nach vlättermeldungen aus Pforzheim kam es am Sonn­abend abend zwischen Nationalsozialisten und Kommunisten zu schweren Zusammenstößen, ja deren Verlauf auch zahl­reiche scharfe Schüsse fielen. <owei Nationalsozialisten und ein Kommunist wurden verletzt ins Krankenhaus einge* liefert. Am Sonntagnachmittag gab es in Vittlingen zwi­schen Nationalsozialisten aus Karlsruhe und Pforzheim und Mitgliedern der" Ortsgruppe Pforzheim des Reichsbanners schwere Schlägereien. Nuch hier wurde geschossen. Der Führer des Reichsbanners erhielt einen Schuß ins Bein. Mehrere Personen wurden verletzt.

gusammenstotz zwischen Polizei und Kommunisten.

Eleve, 3. 2. (W. B.) Zu einem Zusammenstoß zwischen Polizei und Kommunisten kam es hier am Sonntagabend. Etwa 150 Kommunisten, die größtenteils von auswärts, hierher gekommen waren, hatten in einer Wirtschaft in der Oberstadt eine Lenin-Feier verunstaltet. Nach der Feier versuchten sie in geschlossenem Zuge unter INitführung von Transparenten und unter dem Gesang der Internationale durch die Stadt zum Bahnhof ziehen. Bereits in der Ober­stadt' stießen sie auf zwei Polizeibeamte, die sie zum Aus« einandergehen aufforderten. Als die Kommunisten der Auf­forderung keine Folge leisteten, versuchten die Polizisten den Zug mit ihren Gummiknüppeln zu sprengen. Darauf rissen die Kommunisten die Transparente auseinander und drangen mit den Latten auf die Beamten ein. In ihrer Bedrängnis mußte« die Polizisten von der Schußwaffe Gebrauch machen, worauf die Kommunisten auseinander- stoben. Es konnte nicht festgestellt werden, ob Vemonstran- ten verletzt worden sind.

Remarque in der Schule.

Die Montagspost veröffentlicht eine Meldung aus Am» stadt in Thüringen, daß dort gegen einen Berufsschullehrer Erhebungen eingeleitet worden sind, weil er im Unterricht Remarques BuchIm Westen nichts Neues" verwendet hat. Berliner Stadtverordneten-Ausfchuß gegen Stresemann-Straße.

Berlin, 3 Februar. Der Stadtverordneten-Ausschuß hat sich im Berliner Rathaus mit der Magistratsvorlage über die Um- benennung der Königgrätzer-Straße in Stresemann-Straße be- schäftigt. Die Vorlage wurde von der Mehrheit des Ausschusses glatt abgewiesen. . ant

Die Wartenburger Posträuber erwischt! Laut einer Mel­dung aus Allenstein ist jetzt der Ueberfall auf den Post- Wagen in Wartenburg aufgeklärt worden. AIS Täter sind der Reisende Gustav Zielfli aus Abbau-Gedaithen und ein Albert Schiprowski aus Neu-Schöneberg verhaftet worden.