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z Kreis-Amtsblatt * Allgemeiner amtlich erAnKeiHer für tat Kreis Schlüchtern

(1. Blatt)

Dienstag, den 28. Januar 1930

82. Iahrg

1 Amtliche Bekanntmachungen

JLandratsamt.

; : Sprechstunden beim Landratsamt: Dienstags : 1 : und Freitags, vormittags von 9 bis 12 Uhr i

Erreichung der veränderungsanzeigen zu den Forensen- i Verzeichnissen gemäß § 48 der Aussührungs-Bestimmungen 3 zum Einkommensteuergesetz,

NdLrl. b. MdI. u. b. FM. v. 7, 1, 1930

| IV St 1465 u, II st 12992.

Unter Hinweis auf den RrtErL v. 7- 11. 1927 IV 5 $t. 1221 u. II st 11955 (MBliv. S. 1063) weisen wir die rGemeindebehörden besonders darauf hin, daß bis zum 2 10. 1. 1930 wiederum die jährlichen Veränderungsan­zeigen zu den Forensenverzeichnissen an die zuständigen ^Finanzämter einzureichen sind. Wegen der Wichtigkeit der ^Vollständigkeit dieser Verzeichnisse, namentlich auch für die Z Feststellung der reichsrechtlichen Nechnungsanteile der Ge- meinden an der Einkommen- und Körperschaftssteuer, ersu- Men wir die Gemeinden, der rechtzeitigen Uebersendung Her veränderungsanzeigen besondere Aufmerksamkeit zu

Bekanntmachung.

Es mehren sich die Fälle, in denen Schuldner der Stabt die noch ausstehenden Beträge für Landabgabe an der Umgehungsstraße verrechnen wollen. Dies ist wegen des Jahresabschlusses nicht möglich und auch deshalb nicht, da es sich« um verschiedene Gläubiger handelt. Die städti­schen Restbeträge können z. 3t. noch nicht verrechnet wer­den mit dem Kaufgelb, das seitens des Herrn Landeshaupt­mannes gezahlt wird, da das Kulturamt Fulda mit der Berechnung der einzelnen abgetretenen Grundstückstchle noch nicht fertig ist. Nach Eingang dieser Abrechnung erhält im Laufe der nächsten Wochen dann jeder einzelne schriftlichen Bescheid über die Größe der abgetretenen Flä­chen.

vorzeitiges Drängen hat keinen Wert.

Steinau, den 24. Januar 1930.

Der Magistrat: Dr. Kraft.

- I.-Nr. 373 K- A. Wird veröffentlicht. Der Ministerial- - Erlaß Dom 7. November 1927 IV St 1221 und II st

<411955 ist im Kreisblatt Nr. 150 vom 15. 31927 abgedruckt.

|| Schlüchtern, den 24. Januar 1927.

Der Vorsitzende des Kreisausschusses: Dr.

Dezember

Müller.

3.=Rr. 670- Der Landweg UttrichshausenMotten wird

von Montag, dem 27. d. Mts- bis einschließlich Mittwoch, dem 5. n. Mts- für alle Fuhrwerke gesperrt. Der verkehr ist über Döllbach zu leiten.

I Uebertretungen werden nach der Straßenverkehrsord­nung vom 24. September 1926 (Beilage zum Reg. stmtsbl. &Kr. 40 von 1926) bestraft.

Schlüchtern, den 25. Januar 1930.

3

Der Landrat: Dr. Müller.

3

3.=Rr. 496- Die Grtspolizeibehörden und Landjägerer

i eamten werden auf den im M. BI. t v. 1930 S. 55 Mthaltenen Erlaß vom 16. d. Mts- II 1250, betr. das j erbot von Versammlungen und Umzügen, aufmerksam 4 -macht.

; schlüchtern, den 24. Januar 1930.

7 ; Der Landrat: Dr. Müller.

3-Nr. 480. Vorläufiges Ergebnis der Viehzählung Dezember 1929 im Kreise Schlüchtern.

vom

Es

wurden gezählt:

i. Pferde

1666

Stück

2. Esel

2

3. Rindvieh

14957

4. Schafe

2558

//

5. Schweine

13226

6. Ziegen

4371

//

7. Kaninchen

2887

//

8. Federvieh

69795

//

davon sind Legehühner

50643

9. Bienenstöcke

(Bienenvölker) 1119 gesamte Viehbestand im Kreise

Der Wocklumer Räuber verurteilt.

Krnsber'g, 26. 1. (WV) Das Schwurgericht in strns« berg verurteilte Samstag nacht nach dreitägiger Verhand­lung den Räuber Liesegang wegen schweren Raubes zu 6V2 Jahren Zuchthaus und seinen Komplizen Garde wegen schweren Raubes und versuchten Totschlages zu einer Ge­samtstrafe von 71/2 Jahren Zuchthaus. Die Angeklagten waren am 25. November v. 3- in das Verwaltungsgebäude der chemischen Fabrik in Wocklum eingedrungen und hatten dabei etwa 600 Mark erbeutet. Die Räuber waren dann geflohen. Zwischen ihnen und den verfolgenden Gendar­meriebeamten entwickelte sich ein Feuergesecht, wobei ein Räuber namens Wichert erschossen wurde. Liesegang ist mit 15 Jahren Zuchthaus wegen Raubes mit tödlichem Ausgang und Garde mit 13 Jahren Zuchthaus vorbestraft. Leide Angeklagten sind seiner Zeit von dem erschossenen Wichert aus der Irrenanstalt Buch befreit worden. Das Gericht kam zu der Entscheidung, daß die Angeklagten als Ueberzeugungstäter gehandelt hätten. Wenn es ihnen auf die Erlangung von Geld angekommen wäre, so hätten sie dies leichter bei anderen Einbrüchen erhalten können. Bei der politischen Einstellung der Angeklagten Liese­gang bezeichnet sich als Anarchist und Garde als Linkskom­munist bestehe die Möglichkeit, daß sie bei dem Ein­bruch es auf Pläne abgesehen hätten, die ihnen irgendwie bei späteren Terrorakten nützlich sein könnten.

Mord auf der Elbbrücke.

stuf der Wittenberger Elbbrücke unternahm gestern der verheiratete Zimmermann Lichenbaum an seiner Geliebten einen Mordversuch. Er brächte dem Mädchen stark blu­tende Wunden bei und warf sie dann in die Elbe. Trotz eifrigen Suchens konnte das Mädchen noch nicht wieder aufgefischt werden, so daß es vermutlich den Tod in den Fluten gefunden hat. Man nimmt an, daß Lichenbaum die Tat begangen hat, um sich ihrer zu entledigen. Er konnte noch im Laufe der Nacht verhaftet werden.

Der Umfang des Erdbebens im Lahngebiet.

I Der I09462

//

belauft

sich

Stück und hat gegenüber dem Jahre 1928 Dtück zugenommen.

I Schlüchtern, den 21. Januar 1930.

Der Land rat. Dr. Müller.

auf um

Frankfurt, 27. Januar. Nach dem jetzt vorliegenden Mate- l läßt sich nach einer Mitteilung des Universitäls-Jnstituts Meteorologie und Geophysik über das Beben vom 22. Januar etwa folgendes aussagen: Die am stärksten er­schütterten Orte liegen im Innern des Gebietes, das durch md Lahn begrenzt wird, in der Nähe der Wisper- uf der linken Rheinseite wurde das Beben anscheinend spürt und auch aus der Jdsteiner Senke liegen bisher Meldungen vor. Wieweit sich das Gebiet mit fühl- ' ui um ^^.oalb hinein erstreckte, läßt stellen. Die Aufzeichnung der ersten Wellen sservatorlum erfolgte um 9 Uhr 44 Minuten

rial

für

nicht ber|

keinerlei Meldungen_____________ ,

barer Erschütterung in den ^Bestem sich noch nicht festste... 2 ' '_ auf dem Taunusobfervatorium erfolgte um 9 Uhr 44 Minuten 44 Sekunden abends, dabei wurde eine Bodenbewegung von drei Tausendstel Millimeter festgestellt.

$tabt Schlüchtern.

I Ausschreibung.

Die Lieferung von Tezett-Fußreinigern für die neue Wurrschule soll vergeben werden und zwar:

1 Stück Tezett-Fußreiniger schwerer Ausführung, feuerverzinkt, einschl. Winkel-Tisenzarge mit Stein= | ankern, Größe 40/70 Ttm., Höhe 20 Millimeter.

8 Stück desgl. wie vor, Größe 60/120 Ttm., Höhe L 30 Millimeter.

$ Stü& desgl. wie vor, Größe 40/132, Höhe 20 Millimeter.

stngebotsformulare sind bis spätestens Samstag,

L "ugevoisformulare pno 01s |paie|iens samstag, p !; Februar 1 9 30, vormittags 1 0 Uhr dem / t b a u a m t verschlossen einzureichen, woselbst die ssnung derselben in Gegenwart etwa erschienener Be* erfolgt.

^^i ^ ^"" ^ uittui uviuei/uueii.

^cyluchtern, den 25. Januar 1930.

Der Magistrat. Gaenßlen.

Polnische Militärflieger über deutschem Reichsgebiet.

Marienberg, 27. Januar. Zwei Doppeldecker überflogen bei Rüssenau in Höhe von etwa 400 Meter deutsches Reichsgebiet. Sie flogen in der Richtung Groß-Nebrau, Kreis Marienwerder, machten eine Schleife und entfernten sich dann in der Richtung Neuburg. Nach einer halben Stunde kehrten sie zurück und ver­schwanden in der Richtung Graudenz. Es steht fest, daß es sich um zwei polnische Militärflugzeuge handelt, doch konnten die Nummern nicht einwandfrei schgestellt werden.

Die Saarverhandlungen in Paris.

Paris, 27. Januar. Zu Beginn dieser Woche findet erneut ein Bufammenfunft zwischen Staatssekretär von Simon, dem Leiter der deutschen, und dem Minister für öffentliche Arbeiten, Pernot, dem Leiter der französischen Saarabordnung statt, die als oFrtsetzung der Besprechung vom 21. Januar zu betrach­ten ist.

(::) Der bayrische Ministerpräsident Held traf in Velin ein, um Bayern im Reichsrat bet den Verhandlungen über den Moung-Plan und die Haager Abkommen zu vertreten.

Dr. Curllus begrüntet

Berlin, 26. Januar.

DieNationalliberale Korrespondenz" bringt über die Gründe, die für die deutsche Delegation im Haag ausschlag­gebend waren, das dort beschlossene Abkommen zu unterzeichnen, einen bemerkenswerten Artikel. Da diese Ausführungen offenbar auf Informationen durch den Außenminister Dr. Curtius zuruckgehen, beanspruchen sie allgemeines Interesse. Wir geben daher ohne selbst dazu sachlich Stellung zu nehmen als eine Art amtlicher Begründung der deutschen Stellungnahme ;u dem Young-Plan hier wieder. Der Artikel sagt:Man wird nicht fehlgehen, wenn man annimmt, daß für die Unterschriften unserer Delegierten unter das Haager Schlußprotokoll in der Hauptsache folgende Gründe maßgebend gewesen sind:

1. Der Young-Plan bringt zum ersten Male eine kapitalmäßige Festsetzung unser Reparationsschuld, deren Gegenwartswert auf 34 Milliarden geschätzt wird, wäh­rend wir in dem Londoner Ultimatum, das bis zur Ratifizierung des Young-Planes juristisch fortbesteht, zu einer Schuld von 132 Milliarden Mark verpflichtet wurden.

Hinsichtlich der Jahreszahlungen tritt eine Erleichterung von einer halben Milliarde ein, w^nn man nur die Annuitäten berechnet; man darf aber nicht außer acht lassen, daß gleichzeitig der Wohlstandsindex aufgehoben ist, der uns nach dem Tawes- system außerdem noch viele hundert Millionen Mark auferlegt hätte. Die Erleichterungen treten vor allem in den ersten Fahren ein.

2. Deutschland wird von den ausländischen Kontrollen befreit.

Es werden nicht nur die Ausländer aus der Verwaltung der Reichsbank, der Reichsbahn und der Kommissar für die ver­pfändeten Einnahmen verschwinden, sondern die ganze Repa­rationskommission mit Parker Gilbert, an dessen Stelle die eigene Verantwortung des Reiches für feine Wirtschaft und die Durch­führung des ganzen Planes tritt.

3. Im Falle einer Gefährdung unserer Wirtschaft und Wäh-

, '-etc: der neue Plan die erforderlichen Schutzmaßnahmen in der Form des

Transfer-Moratoriums und des^Aufbringungs-Moratoriuurs sowie in der Möglichkeit, in dem Sonderausschuß für die Inter­nationale Bank jederzeit ein Wirtschastsgremium zusammen zu berufen, dessen Aufgabe es ist, im Falle drohender Schwierig­keiten die gesamte Wirtschaftslage Deutschlands zu prüfen und Vorschläge zu machen, die geeignet sind, eine Gefährdung von Wirtschaft und Währung zu verhindern.

Die Delegation ist überzeugt, daß sich gerade hier der Ge­danke der wirtschaftlichen Lösung außerordentlich stark durch­gesetzt hat, während in den Jahren 1919 bis 1924 die Repa- rationsfrage von unseren Gläubigern lediglich als ein politisches Problem behandelt wurde und auch noch in der zweiten Phase der reparationspolitischen Entwicklung von 1924 bis 1929 sich starke politische Kontrollen gegenüber wirtschaftlichen Erwä­gungen durchsetzten.

Jetzt hat sich die wirtschaftliche Lösung so stark durchgesetzt, daß im Schluß-Protokoll die Durchführung des neuen Planes direkt als eine wirtschaftliche Gemeinschaftsaufgabe bezeichnet wird.

4. Der neue Plan bringt die

Räumung des Rhcinlandes

Mitte dieses Jahres ohne Kontrolle und unter völliger Aus­hebung des Sanktionssystems des Versailler Vertrages.

Wenn auch diese Erfolge keineswegs die wirtschaftliche und politische Liquidation des Krieges und der Kriegsfolgen be­deuten, so stellen sie doch wettere Fortschritte dar. Hinzu kommt noch auf wirtschaftlichem Gebiet die

Verbesserung der Sachlieferungsverträge,

der Fortfall der sog. Recovery-Akte und die Tatsache, daß wir auch im Haag keinen allgemeinen Verzicht auf die Liauiditäts- üsserschüsse unterschrieben haben. Die Aufhebung des Recovery- Aktes bedeutet, daß künftig eine unmittelbare Erhebung der Devisen bei den deutschen Exporteuren wegfällt. Das Reich leistet die erforderlichen Sicherheiten unmittelbar bei der Reichsbank."

Soweit die Ausführungen des genannten Organs. Sie be­rühren natürlich nur die für uns günstigen Momente des neuen Reparationsplanes, da sie die Haltung der deutschen Unter­händler zu begründen bestimmt sind. In den zu erwartenden Reichstagsdebatten über die Ratifizierung wird man beson­ders von der oppositionellen Seite auch etwas über die Schatte"^eiten der neuen Regelung hören.

Ställen ist zufrieden.

Wie aus Paris gemeldet wird, geben die Blätter eine Unterredung mit dem zurzeit dort weilenden italienischen Finanz­minister Volpi wieder, in der der Minister feststellte, daß alle Teilnehmer der Haager Konferenz außerordentlich zufrieden (für die deutschen Teilnehmer dürfte das etwas zu viel gesagt sein! Red.) seien, so natürlich auch Italien. Denn es habe sehr an Ansehen gewonnen und auch erhebliche Vorteile errungen.

Die Jahresrate von 42 Millionen Goldmark sei unberührt geblieben und die italienische Kriegsschuld an England und Amerika sei durch die deutschen Zahlungen voll aedeckt.