Nr. 11 (1. Blatt) Gamslag, den 2S. Januar 1930 S2. Jahrs.
Amtliche Bekanntmachungen
Landratsamt.
I.-Nr. 462- Auf Antrag der zuständigen Horstverwaltungsbehörde wird dem staatlichen Horstgehilfen Döring in Heubach die Ausübung der Jagdpolizei in den Gemeindejagdbezirken Heubach, Oberzell, Uttrichshausen und Weichersbach übertragen.
Schlüchtern, den 18. Januar 1930.
Der Landrat. 3. D.: Schultheis.
Kreisausschuß.
I .-Nr. 12955 H.
Unentgeltliche Sprechtage für Sprachgestörte in der Landestanbstummenanstalt in Homberg
durch den Facharzt für Sprachstörungen, Herrn Dr. med. Hoepfner in Kassel, finden in nächster Zeit wie folgt statt:
Sonnabend, den 1. Februar 1930
„ „ 1. März
„ „ 5. April
„ 3. Mai
„ „ 31. Mai
„ „ 21. Iuni
„ „ 9. August
„ „ 6. September „
„ „ 18. Oktober ,
„ /z 15. November „
, „ 6. Dezember „
Sprachgestörte, die die Beratung des Facharztes in Anspruch nehmen wollen, werden ersucht, dieses spätestens 3, Wochen vor dem Sprechtag dem Kreiswohlfahrtsamt mitzuteilen unter Angabe von Namen, Wohnort und Geburtstag, ferner zu welchem Sprechtag sie sich in homberg einfinden werden.
Schlüchtern, den 20. 3anuar 1930.
Kreiswohlfahrtsamt.
Finanzamt.
Geffenllrche Aufforberuna zur S^gabe von Steuer- erklärungen für die Frühjahrsveronlagung 1930.
Die Steuererklärungen für die Einkommensteuer, Kör- perschaftssteuer und Umsatzsteuer sind in der Zeit vom 1- bis 15. Februar 1930 unter Benutzung der vorge- sschriebenen Vordrucke abzugeben. Steuerpflichtige, die zur Abgabe einer Erklärung verpflichtet sind, erhalten vom Finanzamt einen Vordruck zugesandt. Die durch das Ein- Kommensteuergesetz, Körper^chaftssteuergef tz und Umsatzsteuergesetz begründete Verpflichtung, eine Steuererklärung abzugeben, auch wenn ein Vordruck nicht übersandt ist, i bleibt unberührt; erforderlichenfalls haben die Pflichtigen Vordrucke vom Finanzamt anzufordern.
Schlüchtern, den 20. 3anuar 1930.
sFinanzamt.
Allg. Ortskrankenkasse Schlüchtern.
s, Nach Entscheidung des Dberversicherungsamtes Kassel pst der seitherige Kassenarztbezirk Schlüchtern b (II), welcher zuletzt vom Herrn prakt. Arzt Fömmel in Schlüchtern versehen worden ist, zur Teilung gekommen in Schlüchtern t b (II) und Schlüchtern c (III).
Bis auf Weiteres umfaßt nunmehr der Kassen- arztbezirk: Schlüchtern b )I I) die Mitglieder in den ; ®rten Breitenbad), Hütten, Ahlersbach und Hohenzell und ) 9Üt als Kassenarzt für diesen Bezirk, Herr prakt. Arzt Fömmel in Schlüchtern, und
) schlüchtern c (III) die Mitglieder in den Grten | ^rolz und Gundhelm und gilt als Kassenarzt für diesen bezirk, Herr Dr. med. Tamnitzer in Schlüchtern.
Unter Bezugnahme auf unsere Bekanntmachungen im | Areisblatte Nr. 118 vom 29. 9. 1928 und in Nr. 63 vom
5. 1929 bringen wir dieses den Versicherten und Arbeitgebern unserer Kasse zur Kenntnis.
Schlüchtern, den 15. Januar 1930.
Der Vorstand der Allgemeinen Ortskrankenkasse für | —___den Kreis Schlüchtern. Preiß, Vorsitzender.
Stadt Schlüchtern.
Ausschreibung.
i ... Die Lieferung und Anbringung von Zonnenvorhängen pf die Klassenfenster der neuen Volksschule für die Stadt schlüchtern soll vergeben werden .
Angebotsformulare, Bedingungen, Zeichnungen pp- lie- M im Stadtbauamt, Schloßgasse Nr- 45, während der ^enststunden zur Einsicht offen.
Die Angebotsformulare sind bis spätestens Samstag, /n 1- Februar 1 930, vormittags 10 Uhr dem dtadtbauamt verschlossen einzureichenk
Die Oeffnung der Angebote geschieht daselbst zu der vorstehend festgesetzten Zeit in Gegenwart etwa erschienener Bewerber-
Suschlagserteilung bleibt vorbehalten.
Schlüchtern, den 23. Januar 1930.
Der Magistrat. Gaenßlen.
MacDonald am Rundfunk.
Wie aus London gemeldet wird, richtete der englische Ministerpräsident MacDonald im Rundfunk eine Botschaft an das amerikanische Volk: Ein zweifacher Erfolg müsse von bet Flottenkonferenz erzielt werden: 1. Dürfe es in Zukunft ke m Bauwettbewerb für Kriegsschiffe mehr geben; 2. müßten die Sauprogramme so vermindert werden, daß innerhalb von 5 oder 6 Jahren die auf der Londoner Flottenkonferenz vertretenen Mächte in der Lage sein, weitere Verminderungen vor- zunehmen. Dann werde eine tatsächliche Abrüstung erreicht und eine Sicherung des Friedens möglich sein.
Die britischen Rüstungen zur See, zu Lande und in der Luft seien seit Kriegsende ständig vermindert (?) worden. Ohne ein Rüstungsabkommen würde der Wettbewerb im Bau von Riesenschiffen, der Zerstörung weitergehen und die Stcuerbe- lastung der Völker würde ins Ungeheure steigen, bis ein neuer Krieg käme.
Herr MacDonald ist reichlich optimistisch und muß es als Einberufer und Leiter der Konferenz selbst auch sein. Es scheint aber, daß sein Optimismus in den Tatsachen nicht recht begründet ist. Das zeigt schon die folgende Meldung über die Haltung Frankreichs.
Frankreich und die Flottenkonferenz.
Nach weiteren Meldungen aus London dauern die Meinungsverschiedenheiten zwischen den auf der Flottenkon- fercnz vertretenen Mächten fort. Das gilt für alle Länder, doch stehen die von Frankreich ausgehenden Einwände im Mittelpunkt. In den englisch-französischen Verhandlungen wurde ein Plan erörtert, die Rüstungsbeschränkungen sowohl der Gesamttonnage nach, wie nach Kategorien vorzunehmen, wobei eine gewisse Handlungsfreiheit gelten soll, so daß ein kleiner Teil der Tonnage von eine Kategorie nach der anderen verschoben werden kann. England hat Bedenken dagegen, denn es könnte auf diese Weise eine Macht neue Unterseeboote über die vorgesehene Höchsttonnage hinaus bauen, eine andere Macht die Quote für die schweren 10 000 Tonnen-Kreuzer umgehen.
Schwierigkeiten ergeben sich auch auf politischem Gebiet durch die verschiedenen Auffassungen Frankreichs und.Amerikas, von denen das erstere ein Londoner Abkommen nur als einen Bestandteil der Abrüstungsarbeiten des Völkerbundes ansehen will, während Amerika jede Verbindung mit &enf ab- lehnt. Daneben aber werden wahrscheinlich, wie der diplomatische Berichterstatter des „Daily Telegraph" hört, die Franzosen nach Ablehnung einer Ergänzung des Kelloggpaktes durch die Amerikaner versuchen, sich mit Großbritannien über eine straffere Auslegung des Artikels 16 (Sanktionsartikel) der Völkerbundssatzung insbesondere nach der finanziellen und wirtschaftlichen Seite hin zu einigen.
Die Schwierigkeiten, die sich der Inangriffnahme der eigentlichen Aufgaben der Konferenz vorläufig noch entgegenstellen, lassen sich auf die Formel bringen, daß die Amerikaner mit starkem Nachdruck die sofortige Behandlung der Einzelfragen verlangen, dabei von den Italienern voll und von den Engländern teilweise unterstützt werden, während die Franzosen daran festhalten, daß das Programm erst nach Klärung der wichtigen grundsätzlichen Fragen bestimmt werden soll.
— Durch einen Brand wurden auf dem Rennplatz von New (Drieans zwei Stallgebäude eingeäschert, wobei drei Personen schwere Brandwunden erlitten. Mindestens 15 wertvolle Rennpferde sind in den Flammen umge= kommen.
— Auf dem Marktplatz in Lüneburg veranstalteten die Kommunisten Donnerstag Abend eine Kundgebung gegen das preußische Versammlungsverbot. Die Polizeibeamten, die von den Demonstranten beschimpft wurden, machten von dem Gummiknüppel reichlich Gebrauch. Mehrere Personen wurden festgenommen.
— Der von der Mehrheit der Solinger Stadtverordnetenversammlung zum Oberbürgermeister gewählte Kommunist Weber wird von der preußischen Regierung nicht bestätigt werden. Line dahingehende Entscheidung des preußischen Innenministers ist zu erwarten.
— In der letzten Stadtverordnetenversammlung von Oräfenhainichen wurde beschlossen, den Etat für 1929 abzulehnen und das Konkursverfahren über die Stadt zu beantragen. Ein Antrag, die Selbstverwaltung der städtischen Betriebe aufzulösen, wurde gleichfalls angenommen.
— Zu den Koalitionsverhandlungen in Preußen hört man, daß die Demokraten große Opfer bringen sollen. Außer dem Handelsminister Schreiber, der durch den volks- parteilichen Abgeordneten Professor Dr. Leidig ersetzt werden soll, sollen sie nämlich auch das Kultusministerium verlieren, für das ein Socialdemokrat vorgesehen sein soll. Der Rücktritt Dr. Beckers würde allgemeines Bedauern hervorrufen.
Sie Räumung.
Am 30. Juni kann geräumt werden.
Nach einer Meldung aus Berlin ist, wie aus Regierungskreisen verlautet, damit zu rechnen, daß der Doung-Plan bis Ende Februar in Kraft getreten ist. Der Reichsrat wird den Poung-Plan bereits in acht Tagen, der Reichstag in vierzehn Tagen behandeln, und man hofft, die gesamte Beratung des Planes in vierzehn Togen durchführen zu sönnen. Der Dawes-Plan ist bekanntlich seinerzeit innerhalb zwölf Tagen vom Reichsrat und Reichstag verabschiedet worden. Das französische Parlament wird einer Mitteilung Dar- dieus zufolge den Noung-Plan bis spätestens Ende Februar verabschieden. Auch die Parlamente in England, Belgien und Italien werden bis Ende Februar den Poung-Plan angenommen haben. Die Internationale Bank dürste bis etwa zum 20. März errichtet sein, so daß hiernach nur noch die Ueberreichung der deutschen Schuldzertifikate übrig bliebe, um die Bedingungen für die Rheinlondräumung zu erfüllen.
Vom April ab würden also drei volle Monate für die technische Räumung der dritten Zone der Rheinlande übrig bleiben. Diese Zeit dürfte genügen, um den Franzosen jeden Vorwand für eine Verzögerung der Räumung zu nehmen. Man hofft daher in Regierungskreisen, daß die Rheinlandräumung tatsächlich, wie vorgesehen, bis 30. Juni beendet sein wird.
Die Regelung der Sanktionsfrage im Haag bedeutet, wie aus Regierungskreisen verlautet, nach Ansicht der deutschen Regierung nichts anderes, als daß die Sanktionen ein für allemal abgeschafft worden sind. Es wird betont, daß die Beilegung aller Streitigkeiten in Reparationsfragen sich m Bufunft nach den Bestimmungen des Doung-Planes richten müßte, /
Sie leuere Keichsposl.
Deutfchland, das teuerste Land des Kontinents.
In einem^Vortrog über die zu teuren Telephon- gebühren führte der bekannte Reichsminister a. D. Dr. G o t- hein u-a. aus, Deutschland sei überhaupt das teuerste Land des ganzen Kontinents. Ganz besonders ober seien die Steuern, Soziallasten und die sich gleichfalls steuerlich auswirkenden Gebühren der Verkehrsmittel derart hoch, daß nach den Berechnungen wirtschaftlicher Kapazitäten 40 bis 50 v. H. des gesamten Volkseinkommens an die öffentliche Hand abgeführt werden.
In ganz außerordentlichem Maße aber habe die Reichspost- Verwaltung ihre Gebühren, in erster Linie die Fernsprechgebühren, in die Höhe geschraubt, so daß sie heute etwa das 12- bis 14fache wie vor dem Kriege ausmachen. Während in allen übrigen Ländern Europas die Durchschnittsgebühr für ein Ortsgespräch zwischen 0.6 und 4.13 Pfennig schwankt, beträgt sie in Deutschland 10-2 Pfennig. Dabei könnte die Reichspost-Verwaltung ohne Mindereinnahmen den Wünschen der hauptsächlichsten Interessenten entgegenkommen, wenn sie sich enffchließen wollte, zur Pauschalgebühr von 10 Mark für jeden Haupt- und 7.50 Mark für Nebenanschluß zurückzukehren und dafür auf alle Sprechgebühren (außer im Fernverkehr) zu verzichten. Er berechnet, daß dadurch nach der Statistik von 1928 rund 735 Millionen Mark eingekommen wären, also um 33 Millionen mehr, als bei der jetzt üblichen Berechnung eingingen.
— Der neue amerikanische Botschafter für Berlin, Sacketts, ist mf dem Dampfer „President Harding" von New York abgereist. Er bcgibt sich über London zum Antritt seines neuen Amtes nach Berlin.
— Die amerikanische Gesandtschaft in Warschau ist zur Botschaft erhoben worden. Präsident Hoover ernannte Alexander Moore, den gegenwärtigen Gesandten in Peru, zum Botschafter in Warschau.
. — ~a5 kanadische Motorschiff „Taiheiyo" ist an der mexikanischen Küste von einem amerikanischen Küstenwachtschiff bei der Berfolgung gerammt morden, so daß es unterging. Die kanadische Regierung hat gegen die Versenkung des Schiffes Einspruch erhoben.
— Line 30 Jahre alte Frau namens Nagel in Mannheim wurde mit ihren drei Kindern, Knaben im Alter von 4, 6 und 8 Jahren, seit Mittwoch vermißt. Die Polizei stellte Nachforschungen an und fand Donnerstag abend die Leiche der Frau in einem Weiher. Nach den Kindern wird noch gesucht, da angenommen wird, daß auch sie den Tod in dem Wasesr gefunden haben. AIs Grund der Verzweiflungstat werden Familienzwistigkeiten genannt.
— Der französische Flieger Moriet legte heute die Strecke Le Bourget—Brüssel mit seinem 500-P. S.-Tin- decker in 51 Minuten zurück. Lr hat damit die 275 Kim. mit einer Stundengeschwindigkeit von 325,5 Klm. durch- slogen.
— Der große Rat des Kantons Basel-Stadt hat mit 96 gegen 24 Stimmen trotz der Gewährung der Steuerfreiheit die Maßnahmen für die Unterbringung der Internationalen Zahlungsbank in Basel genehmigt.
— Nach Blättermeldungen soll sich der Oberbürgermeister von Berlin Böß bereit erklärt haben, sein Amt sofort niederzulegen, wenn er die ihm zustehende Pension erhalte. Der Oberpräsident der Provinz Brandenburg soll sich damit einverstanden erklärt haben. Es sind aber neue Verhandlungen notwendig geworden, da die Wirtschaftspar- tei eine Kürzung der etwa 28 000 Mark betragenden Pension gefordert hat.