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krets-Kmtsblatt * Myememer amUicherKnzeLyer für $m Kreis -chlüchtem

Nr. 10

(1. Blatt)

Donnerstag, den 23. Januar 1930

82. Jahrs.

Amtliche Bekanntmachung

Kreisausschuß.

J.=Hr. 260 K.=R. Jnfolge Auflösung von Gutsbezirken hat der Herr Regierungspräsident mit Wirkung vom 1. Januar 1930 folgende Aenderungen in der Abgrenzung der Standesamtsbezirke angeordnet:

Name des aufgelösten Gutsbezirks

Der aufgelöste Gutsbezirk ge­hörte zum Standesamte

Bezeichnung der Grundstücke

Die nebenbezeichneten Grundstücke

sind vereinigt mit der Gemeinde

werden zugeteilt dem Standesamts

Marjoß Forst

Marjoß

a) Distrikt 293 mit Forstdienstgehöst Kreuzgrund, bestehend aus den parz. 82 bis 107, 110 bis 143, 145 bis 155, 159 bis 190, 197/156, 198/157, 199/158, 203/108 usw., 204/109 usw., 205/108 usw., 225/144 und 226/144 des Kbl. C der Gemarkung Iossa in einer Größe von zusammen 28,4250 ha......

Iossa

Marjoß

b) Der Rest wird mit dem Restgutsbezirk Sal­münster, Forst zu einemGutsbezirk Spessart, Anteil Kreis Schlüchtern" vereinigt.

neuer Gutsbezirk Spessart, Anteil Kr. Schlüchtern

| Salmünster

Salmünster Sorft

Salmünster

a) Der bewohnte Teil des Distrikts 68, bestehend aus den parz. 38, 39, 40, 36 teilweise, 36 a teilweise und 41 teilweise in Kbl. L der Gemarkung Salmünster in einer Größe von zusammen 2,0716 ha . .......

Salmünster

Salmünster

b) Der Rest wird mit dem Restgutsbezirk Mar­joß zu einem GutsbezirkSpessart, Anteil Kreis Schlüchtern" zusammengelegt.

] neuer Gutsbezirk > Spessart, Rnteil J Kr. Schlüchtern

| Salmünster

Der Landrat. Dr. Müller.

Schlüchtern, den 20. Januar 1930.

3^-435 K. A. Die Wahl oes Karl Zirkel jum Bür­germeister und des Karl zum Beigeordneten der Ge­meinde Züntersbach habe ich gemäß § 55 der Landgemein­deordnung für die Provinz Messen-Nassau vom 4. August 1897 bestätigt.

I Schlüchtern, den 21. Januar 1930.

|________________________Der Landrat: Dr. Müller.

ktadt Schlüchtern.

Ausschreibung.

t Die Weißbinder- und Anstreicherarbeiten für den Neubau her Volksschule der Stadt Schlüchtern sollen vergeben wer­den.

D Angebotsformulare, Bedingungen, Zeichnungen pp- lie­gen im Stadtbauamt, Schloßgasse Nr- 15, während der Dienftftunben zur Einsicht offen* iRngebotsformulare kön- daselbst in Empfang genommen werden-,

t Die Angebote sind bis spätestens Mittwoch, den Januar 1930 vormittags 10 Uhr dem 11 a ö t b a u a m t verschlossen einzureichentz

|Die (Deffnung der Angebote geschieht daselbst zu der Erstehend festgesetzten Zeit in Gegenwart etwa erschie­nener Bewerber-1

k öuschlagserteilung bleibt vorbehalten. »Schlüchtern, den 22. Januar 1930.

Der Magistrat. Gaenßlen.

Bekanntmachung.

18. Januar bis zum 8. Februar 1930 findet die Peinigung und das Ausbrennen der Schornsteine in fol= Wen Straßen der Stadt statt: Ahlersbacher-, Hospital- Mße, Elmweg, Graben-, Kaiser-, Kronprinzen-, Garten-, Pleibrüder-, Kurfürsten-, Bahnhof-, Breitenbacher-, Brücke- Wer-, Fuldaer-, Weinberg- und Rite Straße.

V schlüchtern, den 18. Januar 1930.

Die Polizeiverwaltung Gaenßlen.

lle Formulare

| für die Herren Bürgermeister und Gemeinderechner

. sowie Zahlungsbefehle sind ab Lager sofort zu beziehen durch die

Vuchdruckerei H. Steinfeld Söhne.

VvÄttfihL ZLfüMini-tistößv.

Berlin, 21. 1. (WB) Zu großen Ausschreitungen kam es Dienstag abend in einer von den Nationalsozialisten ein= berufenen Versammlung in einem Lokal am Friedrichs­hain. Jn dem überfüllten Saal hatten sich zahlreiche Kom­munisten eingefunden, die wiederholt die nationalsozialisti­schen Redner durch Zwischenrufe störten. Auch vor dem Lokal hatten sich zahlreiche Kommunisten angesammelt, die mit den Nationalsozialisten, die keinen Einlaß mehr ge­funden hatten, in Streitigkeiten gerieten. Die Polizei schritt ein und nahm 10 Sinterungen vor. Als gegen HV2 Uhr nachts die Versammlung für beendet erklärt wurde, be­gann im Saal ein ungeheurer Tumult, und die Kommu­nisten fielen über die Nationalsozialisten her. Es entstand eine wüste Schlägerei, bei der von Biergläsern, Stuhl- und Tischbeinen ausgiebig Gebrauch gemacht wurde. Das Lokal wurde vollständig demoliert. Die Schutzpolizei, die Ver­stärkung erhalten hatte, griff bereits während des Kam­pfes ein und nahm eine Durchsuchung sämtlicher Betei­ligten nach Waffen vor. Insgesamt wurden 21 Personen, darunter 2 Frauen, festgenommen und der politischen Rb= teflung des Polizeipräsidiums zugeführt, weil man bei ihnen Schlagwerkzeuge aller Art vorgefunden hatte. Wiederholt mußte die Polizei bei dieser Aktion, die um Mitternacht beendet war, vom Gummiknüppel Gebrauch machen, da sie von der Menge angegriffen wurde, bezw. zahlreiche Ruhestörer sich- durch die Flucht ihrer Feststellung zu ent­ziehen suchten.

32 Morde in einem Jahr.

Nach dem neuenWegweiser durch die Polizei", den das preußische Innenministerium für 1930 Herausgeaeben hat, wurden 1929 in Berlin 32 Morde verübt, von denen bisher 2 noch nicht aufgeklärt sind. Weiter kamen 14 Mordversuche mit ebenfalls zwei unaufgeklärten Fällen zur Anzeige, von 13 Totschläaen ist nur einer bisher nicht aufgeklärt, während 8 Totschlagsversuche zur (Ermittlung der Täter geführt haben. Dagegen sind von 277 Fällen von Raub und räuberischer Erpressung noch 164 unauf­geklärt und von 138 versuchen zu diesem verbrechen 93.

S-Tage-Woche und 16 bis 24 Mark Verdienst pro Saa.

In einer Unterredung eines Vertreters der Kölnischen Zeitung mit dem Generaldirektor Heine der Deutschen Ford­gesellschaft äußerte sich dieser über die Lohn- und Arbeits- verhältnisse der Arbeiter in der in Aussicht genommenen Kölner Fordniederlassung u. a.:Es ist ebensogut möglich, daß wir mit nur 800 Mann Belegschaft beginnen, und wir nicht gleich zu Anfang 1500 einstellen werden. Ruf jeden Fall werden wir jedem Arbeiter einen Mindestlohn von 16 Mark am Tage zahlen, steigend bis 24 Mark täglich. Es stimmt auch, daß wir in unserem Kölner Be­triebe die 5-Tage-Arbeitswoche einführen werden (40 Ar­beitsstunden in der Woche)."

Sie Londoner Wllenkonseren;.

Der Auftakt.

Am Dienstag nachmittag ist die Londoner Flotten-Konferenz eröffnet worden. Aus diesem Anlaß verunstaltete am Vorabend die britische Regierung im Savoh-Hotel ein großes Festessen, an dem etwa 450 Personen teilnahmen. Ministerpräsident MacDonald erklärte in seinem Trinkspruch, er sei überzeugt, daß die Konferenzteilnehmer mit Herz und Seele danach streb­ten, die Konferenz zu einem überragenden Erfolg zu bringen. Die einer Einigung entgegenstehenden Schwierigkeiten seien offenkundig, aber alle seien sich des großen Segens bewußt, den ein erfolgreicher Verlauf der Konferenz der Welt bringe. MacDonald fand für jeden einzelnen Staatsvertreter Worte per- sönlichr Anerkennung und bezeichnete Briand als den Doyen und Vater der Internationalen KonferenMn.

Staatssekretär Stimson sagte in seiner Erwiderung, der Hauptzweck der Konferenz liege darin, die Flottenrüstungen von einem Wettbewerb zu einem gegenseitigen Uebercinkommen zu führen. Das wirkliche Ziel bestehe darin, jeder Nation eine aus­reichende Landesverteidigung zu schaffen, ohne aber gleichzeitig für die Nachbarn eine Quelle der Sorge und des Mißtrauens zu sein.

Die Hauptfragen.

Die in den Vorbesprechungen der Flottenabordnungen in der Hauptsache behandelten Fragen bezogen sich auf die fran­zösische Anregung für den Abschluß eines Atlantik- oder Kanal­paktes in Verbindung mit einem Mittelmeer-Locarno und auf Berichte aus WashinAon, wonach Präsident Hoover einen Plan für eine größere Verminderung der Schlachtschiffe genehmigt habe. Eine amtliche Bestätigung dieser amerikanischen Berichte war allerdings in amerikanischen Konferenzkreisen in London nicht zu erhalten.

In französischen Kreisen wird geltend gemacht, daß eine Durchführung des angeblichen Planes des Präsidenten Hoover die neuen deutschen Kreuzer in den Vordergrund rücken würde. Frankreich würde dann vielleicht gezwungen sein, neue 15 000 Tonnen-Schlachtschiffc mit M-Zentimeter-Geschütze» zu bauen.

Japan und die Flottenkonferenz.

Der japanische Ministerpräsident veröffentlicht nach Meldun­gen aus Tokio eine Erklärung, nach der die japcmi'che Regierung den Vereinbarungen der Londoner Flottenkonferenz über die Ausdehnung der Lebensdauer der Großkampfschiffe und der Be­grenzung der Tonnage der Kreuzer und Unterseebootzerstörer mit großer Hoffnung entgegensehe.

Japan erachte es als notwendig, daß in Uebereinstimmung mit den Beschlüssen der Washingtoner Konferenz vom Jahre 1920 die Flottenabrüstung auch für die anderen Schiffsarten im Rahmen der damaligen Beschlüsse durchgeführt werde.

Die Eröffnungsansprache des englischen Königs

In der Königlichen Galerie des englischen Oberhauses, dem hinter dem Sitzungssaal des Oberhauses gelegenen größten Raum, der in den beiden Häusern des englischen Parlaments enthalten ist, wurde mittags um 11 Uhr englischer Zeit die- Flottenab- rüstungskonferenz durch eine Ansprache des englischen Königs Georg V. feierlich eröffnet. Der Käsig führte u. a. aus:

Seit Beendigung des Weltkrieges seien die Länder zu der Ueberzeugung gekommen, daß nichts unversucht bleiben dürfe, um eine Wiederholung eines so schrecklichen Ereignisses, wie es der Weltkrieg gewesen sei, zu verhindern. Eine der bedeutendsten Aufgaben bei diesen Bestrebungen sei die Beschränkung der Flottenstärken. Die Verminderung der Flottenrüstungen sei aller­dings mit großen Schwierigkeiten verbunden. Die Washingtoner Konferenz habe hinsichtlich der Schlachtschiffe gewisse Erfolge gehabt. Nun aber sei man übereingekommen, in selbstloser Weise eine Gefamtflottenabrüstung herbeizuführen. Im Interesse des Fortschrittes der Zivilisation mußten alle Hindernisse ein für allemal Beseitigt werden. Alle Länder hätten verschiedenartige . Bedürfnisse. Die jetzt in London eröffnete Flottenkonferenz sei nicht eine Sache, die nur die auf der Konferenz vertretenen Länder angehe, sondern eine Sache, an der die ganze Mensch­heit allergrößtes Interesse habe.

Im Namen der auswärtigen Mächte begrüßte T a r d i e u (Frankreich) und Stimson (Amerika) die Konferenz, zu deren Präsidenten der englische Ministerpräsident Ramsay MacDonald gewählt wurde.

MacDonald spricht:

Nach kurzen Dankesworten für die Wahl zum Vorsitzenden führte Ramsay MacDonald aus, er werde sein Bestes tun, um die Arbeiten so unparteiisch wie möglich zu überwachen. Für die erste öffentliche Rede des Königs sprach er dem König den Dank und die Glückwünsche der Konferenz aus. Der Wettbewerb in den Seerüstungen müsse unter allen Umständen aufhören, da die Welt sonst niemals zum Frieden kommen würde. Die Ar­beiten der Konferenz müßten im wesentlichen unter zwei Ge­sichtspunkten berücksichtigt werden: 1. Die Verschiedenartigkeit der Bedürfnisse der verschiedenen Länder, so z. B. in geographi­scher Hinsicht; 2. obgleich die Rüstungen nicht in verschiedene Klassen eingeteilt werden könnten, stehe dennoch jede Waffen­gattung in gewisser Beziehung zur anderen Waffengattung.

Es sprachen noch die Vertreter Japans und der anderen beteiligten Staaten. Sie betonten ihren Friedenswillen und wünschten der Konferenz guten Erfolg.