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Nr. 6 0. Blatt) Dienstag, den 14. Januar 1930 82. Jahrs»
Amtliche Bekanntmachungen
: Sprechstunden beim Landratsaint: Dienstags : : und Freitags, vormittags von 9 bis 12 Uhr!
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I.-Nr. 178 K. st. Die Wahl a) des Kaspar Hit zum Bürgermeister, b) des Johannes Müller zum Beigeordneten der Gemeinde 5 t e r b f r i tz habe ich gemäß § 55 der Landgemeindeordnung für die Provinz Hessen-Nassau vom 4. August 1897 bestätigt.
Schlüchtern, den 10. Januar 1930.
Der Landrat: Dr. Müller.
Stadt Schlächtern.
Ausschreibung.
Die Weißbinder- und Anstreicherarbeiten zur Instandsetzung der Wohnung im Nathaus sollen vergeben werden.
Die Angebote sind bis spätestens Donnerstag, den 1 6. Januar 1 930, vormittags 10 Uhr dem Stadtbau- amt verschlossen einzureichen, woselbst die Geffnung derselben in Gegenwart etwa erschienener Bewerber erfolgt. Angebotsformulare können vorher dortselbst in Empfang genommen werden.
Zuschlagserteilung bleibt dem Magistrat vorbehalten.
Schlüchtern, den 11. Januar 1930.
Der Magistrat: Gaenßlen.
Stadt Steinau.
Bekanntmachung.
In den nächsten Tagen wird mit der Einziehung der Mitgliedsbeiträge für 1928 und 1929 begonnen. Da im allgemeinen das Interesse am Verkehrsverein nachgelassen hat, legte der Vorstand Wert darauf festzustellen, wer sich »nach. zum verein bekennt Aus diesem Grunde fall die Nichtzahlung der Beitragsleistung und die Erklärung an den Einziehenden, dem Verein nicht mehr angehören zu wollen, als Austrittserklärung angesehen werden, der dem verein bann Rechnung trägt.
Steinau, den 11. Januar 1930.
Der Vorsitzende des Verkehrsvereins: Dr. Kraft
Bekanntmachung.
Am Donnerstag, den 1 6. ds Mts. abends 8 Uhr soll im Zimmer Nr. 3 des Nathauses das Anfahren von etwa 100 cbm. Basaltsteinen von Distrikt 4 nach Distrikt 10 c „Marjosser Pfad" vergeben werden.
Interessenten wollen sich um diese Zeit auf dem Nathaus einfinden.
Der Zuschlag bleibt dem Magistrat vorbehalten.
Steinau, den N. Januar 1930.
Der Magistrat: Dr. Kraft.
Gefunden.
Eine kleine Geldtasche. Kann auf dem Nathause abgeholt werden.
Steinau, den 10. Januar 1930.
Die Polizeiverwaltung: Dr. Kraft
Bekanntmachung.
Die vor der Eisenbahnüberfahrt „vor der Dreiturmstraße" stehenden Nirschbäume sollen am Donnerstag, den 16. j ds. M ts. mittags 1 htz Uhran (Drt und Stelle öffentlich ; meistbietend gegen Barzahlung versteigert werden.
Interessenten wollen gest im Termin anwesend sein.
Die Entfernung der Bäume muß umgehend vorgenommen ; werden.
Steinau, den 11. Januar 1930.
Der Magistrat: Dr. Kraft. ,
GladtlGalmünster.
Die städtische Spar= und Vorschußkasse in Salmünster weist darauf hin, daß vom 15. 1. 1930 ab ihre Dienst- ■ räume Nachmittags für den Publikumverkehr geschlossen sind. Das Publikum kann also nur vormittags von 8 i bis 1 Uhr ankommen. Sie läßt auch den Sparern hiermit sagen, daß die Gutschrift der Jahreszinsen von Sparein- lagen 1929 vom 1. 1. 1930 ab erfolgt, auch wenn ihr die Sparbücher erst im Laufe des Jahres 1930 vorgelegt werden.
— Nachdem neuerdings aus Nhode Island drei $älle van Papageienkrankheit gemeldet wurden, beabsichtigt nunmehr die Bundesgesundheitsbehörde ein Einfuhrgebot für Papageien zu erlassen, sobald festgestellt ist, aus welchen Rändern die erkrankten Tiere kommen.
— Neichsbankpräsident Dr. Schacht ist Sonntag abend nach dem Haag abgereist.
Santtiousfrage und Völkerbund.
Ein neuer Lösungsversuch. — Tardieu und Schacht. — Um die Tributbank. — Die Rede des Reichsaußen- ministers Curtius vor der internationalen Presse. — Das deutsche Eigentum in den englischen Dominions.
* Ein Ausweg.
Wie ein Berliner Blatt aus dem Haag erfährt, wird bei der französischen Delegation in der Frage, wie der Briefwechsel zwischen Deutschland und Frankreich über die Maßnahmen nach der vom Haager Schiedsgericht festgestellten „Zerreißung" des Aoung-Planes durch Deutschland formuliert werden solle, jetzt folgender Ausweg erwogen: Man wolle erst in irgendeiner Weise den Völkerbundsrat auf Grund des Artikels 11 des Völkerbundspaktes einschalten, um einen Ersatz für die Bestimmungen des Artikels 430 im Versailler Vertrag zu finden.
Es scheine, daß Briand mehr als Tardieu diesem Lösungs- oersuch zuncige und daß der französische Ministerpräsident jetzt, wie man von französischer Seite höre, darüber Erkundigungen bei maßgebenden Politikern in Paris, namentlich bei Poincarö, cinholen wolle.
Tardieu will mit Dr. Schacht verhandeln.
Wie aus dem Haag berichtet wird, beabsichtigt der französische Ministerpräsident Tardieu, das Eintreffen des Reichs- bankpräsidenten Dr. Schacht zu persönlichen Verhandlungen mit diesem über die Haltung Deutschlands der Frage der Frage der Privatisierung bzw. der ersten aufzulegenden Tranchc der Privatisierungsanleihe zu benutzen.
Der Vadener Ausschuß für die Tributbank.
Der Baden-Badener Ausschuß für die Bank für Internationale Zahlungen (Tribut-Bank) in Basel wird am Montag im Haag zusammentreten. An den Verhandlungen wird auch Reichsbankpräsident Schacht teilnehmen. Die Frage der Mobilisierung der deutschen Noung-Annuitäten ist bisher noch nicht zur Erörterung' gelangt, wird jedoch in den Beratungen des Badener Ausschusses von französischer Seite zur Erörterung gestellt werden.
Die französische Abordnung hat der deutschen Abordnung mitgeteilt, daß sie einen Vorschlag für die Mobilisierung der Privatisierung bzw. der ersten aufzulegenden Tranche der Privatisierungsanleihe zu benutzen.
Der Eindruck der Eurtius-Rede.
Die Rede des Reichsaußenministers Dr. Curtius auf dem Frühstück der Völkerbunds-Journalisten im Haag wird in Konferenzkreisen viel erörtert. Man betont, daß das die einzige politische Rede gewesen sei, die auf dem Frühstück gehalten wurde.
Dr. Curtius, der zum ersten Mal vor einem derartigen internationalen Forum sprach, hat, wie allgemein bemerkt wurde, besonderen Wert darauf gelegt, sich nicht den allgemein üblichen Redewendungen über Völkerbund und Völkerversöh- nung anzupassen, sondern er hat eindeutig darauf hingewiescn, daß Deutschland sich in einer besonderen Lage befinde und daß an Deutschland Forderungen auf Uebernahme der gewaltigsten Zahlungsverpflichtungen der Welt gerichtet würden.
Ferner hat Dr. Curtius unzweideutig zum Ausdruck gebracht, daß Deutschland sich nicht nur auf dieser Konferenz in , einer besonderen Lage befinde, sondern auch an dem Tage der Ansprache, — dem zehnten Jahrestage des Inkrafttretens des Versailler Vertrages. Allgemein bemerkt wurde neben diesem, den deutschen Standpunkt wenn auch in diplomatischer Form, so doch eindeutig kennzeichnenden Hinweis, daß Curtius ausdrücklich die Bereitwilligkeit der deutschen Regierung betonte, mit den übrigen Mächten im Völkerbund mitzuarbeiten. In dieser Weise hat man auf deutscher Seite, wie in Konferenzkreisen allgemein hervorgehoben wird, der schwierigen Lage, in der sich der deutsche Redner vor dem Forum der Gläubigermächte befand, Rechnung getragen.
Am das deutsche Eigentum.
Nach einer „Times"-Meldung beabsichtigen die Vertreter Australiens, Neuseelands und Kanadas, zur Durchführung einer völligen Liquidierung der Vergangenheit Sonderabkommen mit den Deutschen in der Frage des Verfügungsrechtes über das im Weltkriege befchlagna^nte deutsche Eigentum abzu- schließem
Der deutsche Standpunkt in der Sanktionsfrage.
Von flut unterrichteter französischer Seite verlautet, tub zwischen Curtius und Tardieu von deutscher Seite eine schriftliche Niederlegung des deutschen Standpunktes in der Sanktionsfrage vereinbart worden ist. In dieser Niederschrift seien folgende drei Punkte hervorgehoben worden:
1. Deutschland ist der Ansicht, daß in einem Vertrag, der, wie der Uoung-Plan auf gegenseitigem Vertrauen beruht, nicht eine Klausel ausgenommen werden kaun, die bereits Nnehrlich- keit auf der einen Seite, nämlich Deutschlands, Vorsicht. Aus diesem Grunde können in dem Schlußprotokoll der Haager Konferenz keinerlei Bestimmungen ausgenommen werden, die die Ehrlichkeit Deutschlands und den guten Willen, seine im Doung-Plan feierlichst übernommenen Verpflichtungen zu erfüllen, irgendwie in Frage steifen. 2. Die deutsche Abordnung ;
ist der Ansicht, daß nach der Kommerzialisierung der deutschen Voung-Zahlungen nur privatrechtliche und finanzielle Maßnahmen in Frage kommen können. 3. Wird hierbei gegen die Zusammensetzung des Schiedsgerichts des Young-Plans Ein- wand erhoben und eine Erweiterung der deutschen Vertretung in dem Schiedsgericht verlangt.
Curtius fährt nicht nach Genf.
Reichsaußenminister Dr. Curtius hat seine Reise nach Gens aufgegeben. Als Begründung wird von deutscher Seite mitgeteilt, daß die Verhandlunen in den letzten Stunden sowohl in der Sanktionsfrage, als auch in den reparationspolitischen Fragen sich derart zugespitzt hatten, daß eine Abwesenheit des Reichsaußenministers vom Haag nicht möglich erscheine.
Die vom englischen Schatzkanzler Snowden geforderte Einigung in den reparationspolitischen Fragen konnte nicht erzielt werden. Die Auffassungen stehen vielmehr, wie betont wird, von neuem außerordentlich schroff einander gegenüber. Staatssekretär v. Schubert reiste nach Genf und wird Deutschland im Völkerbundsrat vertreten.
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Scharfe Erklärungen Gnowbens im Haag. Eurtius erwidert.
Haag, 13. Januar. Der englische Schatzkanzler Snowden hat in der Sitzung am Samstag eine wenn auch nicht in der Form, so doch in der Sache außerordentlich scharfe Erklärung abgegeben, in der er die Konferenzlage als gefährdet bezeichnete. Trotz der Annehmlichkeiten der holländischen Gastfreundschaft habe er nicht die Absicht, sein ganzes Leben im Haag zu verbringen. Es sei ausgeschlossen, daß die deutschen Unterhändler sich zu jedem einzelnen Punkt die Zustimmung chrer Regierung einholen müßten. Die deutschen Vertreter müßten über genügende Vollmachten verfügen, um selbständige Entscheidungen treffen zu können. Wenn die deutsche Abordnung den Doung- Plan nicht annehmen wolle, so solle sie das gleich erklären. Der Dawes-Plan würde dann in Kraft bleiben. Von alliierter Seite wurden in der Sitzung neue Forderungen in der Moratoriumsfrage angemeldet.
Auf die Ausführungen des englischen Schatzkanzlers hat Außenminister Curtius eine Erklärung grundsätzlichen Charakters abgegeben. Eindeutig sei folgendes festzustellen: Der Juristenausschuß habe auf Grund der Vorschläge der alliierten Juristen einen Gesamtvorschlag eingereicht, den die deutsche Abordnung bereit sei anzunehmen. Die Gläubigermächte seien jedoch von dem Vorschlag ihrer eigenen Juristen abgerückt. Zu der Frage der Tarifpolitik der Reichsbahn habe ein einstimmiger Beschluß des Organisationsausschusses vorgelegen. Es wären wieder die Gläubigermächte gewesen, die dieser Konferenz neue Vorschläge unterbreitet hätten. Reichsaußenminister Curtius protestierte auf das schärfste dagegen, daß die deutschen Unterhändler nicht genügend Vollmachten besitzen sollten. Die deutsche Abordnung habe niemals mit der Hinzuziehung Dr. Schachts zu den Verhandlungen gedroht. Es wären vielmehr die Gläubigermächte gewesen, die den Baden-Badener Ausschuß nach dem Haag gerufen hätten, in dem Dr. Schacht vertreten sei.
Er müsse ferner aufs schärfste den Vorwurf ablehnen, daß die deutschen Unterhändler die Verhandlungen verzögerten, um das Eintreffen Dr. Schachts abzuwarten. Die deutschen Unterhändler seien selbstverständlich in der Lage, ohne in jedem einzelnen Punkt mit der Berliner Regierung Fühlung zu nehmen, selbständig Entscheidungen zu treffen und sofort verantwortliche Erklärungen abzugeben. Reichsaußenminister Dr. Curtius gab sofort eine Erklärung ab, in der er zu sämtlichen offenen acht Streitfragen eindeutig den deutschen Standpunkt präzisierte und sich bereit erklärte, bereits nach zwei Stunden diese Erklärungen in schriftlicher Form den alliierten Gläubigern bekanntzugeben.
Die alliierten Gläubiger haben die ihnen inzwischen übermittelte schriftliche Erklärung deS deutschen Außenministers über den deutschen Standpunkt in den einzelnen offenen Streitfragen geprüft.
Gbserver;ur Lage im Haag.
London, 1 2. 1. (VB) Der Haager Korrespondent des Gbserver faßt die Lage auf der Konferenz wie folgt zusammen : Es war eine ausgesprochene Tendenz auf Seiten der Gläubigermächte zu verzeichnen, die Verbandlungen zu beschleunigen und einige endgültige Vorschläge von Deutschland zu erhalten. Es besteht eine angemessene Aussicht auf eine Regelung der ausstehenden Punkte der eigentlichen deutschen Reparationsfragen, während noch Vereinbarungen zwischen den Franzosen und den Deutschen über die Frage der französischen „Sanktionen" erzielt werden müssen. Man hofft, daß die endgültige Uebereinkunft über die strittigen Fragen am Montagnachmittag erzielt wird.
— Der Deutsche Hilfsverein in Paris veranstaltete gestern abend ein großes Wohltätigkeitsfest, an dem mehr als 1000 Deutsche teilnahmrn, darunter auch der deutsche Botschafter v. Hoesch. Man rechnet mit einem Reingewinn von 75 000 Franken zugunsten der Kasse des Hilssvereins.
— verschiedene deutsche Segelflugsachverständige werden in einigen Wochen nach England fahren, um die Mitglieder des neu gebildeten britischen Segelflugverbandes im Segelflug zu unterrichten. Auch mehrere deutsche Segelflugzeuge werden demnächst nach England verschifft werden.