KreLs-KMMatt * Myernemer amtlicherKnzeML für den Kreis -chlüchtem
-«vck»>m- Verlag: H. Stmnfelö Söhne* <S«sch4si-^^atMhofftr.H * fernfpv'.Nr.i^ * pofifiheckrluPmrU^mtLLl-Sroo
Nr. 5
(1. Blatt)
Gamstag, den 11. Januar 1930
82. Zahrg.
Amtliche Bekanntmachungen
Landratsamt.
Behandlung aufgefundener Luftballons mit wissenschaftlichen Apparaten.
I.-Nr. 16. 3ur Sicherung der Luftfahrt und zu wissenschaftlichen Zwecken werden von verschiedenen meteorologischen Instituten im Deutschen Reich mittels Ballonen und Drachen Instrumente ausgelassen, die die Temperatur und andere Wetterelemente selbsttätig aufzeichnen. Die Finder solcher Ballone oder Drachen mit Registrierinstrumenten werden ersucht, die an denselben befindlichen Knweisungen genau zu befolgen. In diesen Zuweisungen ist stets die Drahtanschrift oder der Fernruf des in Frage kommenden Instituts enthalten. Dem Finder werden die Unkosten für die Benachrichtigung erstattet. Bei richtiger Behandlung der Instrumente, die genau angegeben wird, erhält der Finder außerdem eine Belohnung. Die Ballone, Drachen, sowie die mitgeführten Apparate sind Staatseigentum. Böswillige Beschädigung oder Entwendung wird strafrechtlich verfolgt.
Schlüchtern, den 8. Ianuar 1930.
Der Landrat: Dr. Müller.
Kreisausschutz.
I.-Nr. 163 K. A- Die Wahl a) des Nikolaus Richter zum Bürgermeister, b) des Iakob Geyer zum Beigeordneten der Gemeinde Marjoß habe ich gemäß § 55 der Landgemeindeordnung für die Provinz Hessen-Nassau vom 4. August 1897 bestätigt.
Schlüchtern, den 10. Ianuar 1929.
Der Landrat: Dr. Müller.
I.-Nr. 164 K. A- Die Wahl des Bäckermeisters Wilhelm Fink in Romsthal zum Bürgermeister der Gemeinde Roms- |^,-^M ich geMätz-H -LG - der die Provinz Hessen-Nassau vom 4. August 1897 bestätigt. Schlüchtern, den 11. Ianuar 1930.
Der Landrat: Dr. Müller.
I.-Nr. 161 K. A. Die Wahl
a) des Iohannes Schüßler zum Bürgermeister,
b) des Friedrich Elm und
des Konrad Lckard zu Stoffen,
c) des Iohannes Schmidt zum Schöffenstellvertreter der Gemeinde Schwarzenfels habe ich gemäß § 55 der Landgemeindeordnung für die Provinz Hessen-Nassau vom 4. August 1897 bestätigt.
Schlüchtern, den 9. Ianuar 1930.
Der Landrat: Dr. Müller.
NeueS'tMittel gegen die Maul- und Klauenseuche?
i Aus Rulaß der letzten Maul- und Klauenepidemie wurden in Dänemark mit einem neuen Desinfektionsmittel Versuche angestellt und vorzügliche Wirkungen erzielt. Das Mittel ist eine Mischung von Lysol und Natron. Es stellt sich um 90 Prozent billiger als die bisher angewandten Desinfektionsmittel. Bei den Versuchen wurde einwandfrei festgestellt, daß die sogenannte Stechfliege, die bisher als- Krankheitserreger galt, unschuldig an der Maul- und Klauenseuche ist. Die versuche auf Heilung der Krankheit werden fortgesetzt, da in Dänemark auch die radikale Maßnahme der Rbschlachtung verseuchter Viehbestände die Weiterverbreitung der Krankheit nicht zu verhindern vermocht hat.
Massentreffeu auf den Schlachtfeldern. Ein Plan des Reichsbanners Schwar;-rot-gold.
Der frühere Bayerische Generalstabsmajor Mayr vom Bundesvorstand des Reichsbanners Schwarz-rot-gold teilt in der Sonnabend erscheinenden Nummer des „Reichsbanners" mit, daß unter Voraussetzung der Zustimmung der deutschen und der französischen Regierung im Spätsommer 1930 ein Massentreffen des Reichsbanners mit französischen Kriegsteilnehmern auf den Schlachtfeldern des Weltkrieges, am Themin des Dames oder bei Verdun, stattfinden soll.
— Der französische Kreuzer Edgar Duinet ist jetzt aus- einandergebrochen. Dem Marineminister ist eine Interpellation über den Verlust des Schiffes angekündigt worden.
— An der Westküste Frankreichs, besonders in der Bretagne, wurde am Donnerstag ein mehrere Sekunden dauernder Erdstoß verspürt, der in Nantes und Vannes Schaden unrichtete. Das Meer war während des Erdstoßes aufgewühlt.
— In der Wohnung feiner Mutter in Moabit hat sich Mittwoch abend ein 17 Iahre alter Sekundaner mit Das vergiftet, weil er zu Ostern nicht versetzt werden sollte.
Das neue Republikschutzgesetz.
Vor dem Strafrechtsausschuß des Reichstages.
Der Strafrechtsausschuß des Reichstages nahm am Dennerstag die Beratung des neuen Republikschutzgesetzes wieder auf. Zur Behandlung stand § 4, der nach kurzer Aussprache auf Grund eines Antrages des Abgeordneten Dr. Wunderlich (D. Vp.) folgende Fassung erhielt: „Wer gegen den Reichspräsidenten oder gegen ein Mitglied der Reichsregierung oder einer Landesregierung einen Angriff aus Leib oder Leben (Gewalttätigkeit) begeht, wird, sobald nicht andere Vorschriften eine schwerere Strafe androhen, mit Gefängnis nicht unter drei Jahren bestraft. Wer eine solche Gewalttätigkeit mit einem anderen verabredet, oder, nachdem sie begangen worden ist, belohnt, wird mit Gefängnis bis zu drei Jahren, jedoch nicht unter einem Monat bestraft.
Nach § 5 der Vorlage wird mit Gefängnis nicht unter drei Monaten bestraft, wer an einer geheimen oder staatsfeindlichen Verbindung teilninunt, die das Bestreben verfolgt, die verfassungsmäßig festgestellte republikanische Staatsform des Reiches oder eines Landes zu untergraben. Von dcutschnatio- naler Seite wurde dieser Paragraph als überflüssig und gefährlich erklärt und darauf hingewiesen, daß ähnliche Bestimmungen vom Ausschuß bei der Beratung des neuen Strafgesetzbuches bereits abgelehnt worden seien. Staatssekretär Zweigert betonte demgegenüber, daß die Regierung auf die Beibehaltung des Paragraphen entscheidenden Wert lege.
6efuu66eifsfrageu im Parlament. Papageienkrankheit. — Die Erkrankungen der deutsch-russischen Flüchtlinge.
Wie aus Berlin gemeldet wird, begann der Haupt- ausschuß des Preußischen Landtages am Donnerstag, die Beratung des Wohlfahrtshaushalts beim Abschnitt über das Gesundheitswesen. Ein Regierungsvertreter hob in seinem Bericht über den Gesundheitszustand hervor, daß im Jahre 19li9 eine Verschlechterung zu verzeichnen sei. Beigetragen habe dazu die strenge Kälte im letzten Winter. Der jtojSjjjÄäjiÄtiiijigHiigjijsdÄiäägka^W!^ genannten Papageienkrankheit. Man sei'dieser Krankheit, die bereits früher in England und in Holland ausgetreten sei, bisher noch nicht beigekommen, hoffe aber, sie überwinden zu können. Als letztes Mittel müsse zur Verhinderung weiterer Fälle ein Einfuhrverbot für Papageien ergehen.
Was die Erkrankungen in Hammerstein angehe, so sei das Reichsgesundheitsamt damit beschäftigt, den Krankheitserreger festzustellen. Es handele sich nicht um eigentliche Masern, sondern um eine masernähnliche Erkrankung. Es habe den Anschein, daß auch noch eine andere Krankheit in Frage komme, deren Erreger aber noch nicht habe festgestellt werden können. Auch hier habe man die Bekämpfung tatkräftig in Angriff genommen. Es sei zu hoffen, daß die Epidemie demnächst zum Stillstand gebracht werde.
Die Verhandlungen im Haag.
Die deutsch-französische Aussprache.
Ueber ben Inhalt dieser ersten deutsch-französischen Unterredung in der Sanktionsfrage wird von deutscher Seite folgendes mitgeteilt: Zur Behandlung sind zwei Fragen gelangt:
1. Die Feststellung, daß im Rahmen des Noung-Plancs keine Sanktionen möglich sind und daß die Beziehungen zwischen den Gläubigermächten und Deutschland während des Bestehens des Aonng-Planes sich ausschließlich nach dem Poung-Plan und nach dem Völkerrecht regeln.
2. Was geschieht in dem Fall, wenn irgendeine Regierung in Deutschland den Noung-Plan „zerreißt" und der Uoung- Plan anf der Gegenseite als nicht mehr bestehend angesehen wird?
In den Besprechungen wurde vorgesehen, daß die Sank- tionssrage, die heute noch nicht auf der Tagesordnung der Voll- konferenz steht, auf dem Wege direkter Verhandlungen zwischen der deutschen und der französischen Abordnung geregelt werden soll. In dem Schlußprotokoll der Haager Konferenz sollen die Bestimmungen über die Regelung der Beziehungen zwischen den Gläubigermächten und. Deutschland während des Be- stehens des Noung-Pbanes aufgehrmmen werden, während in einem direkten Notenwechsel zwischen Deutschland und Frankreich die Frage behandelt werben soll, welcher Zustand im Falle des „Zerreißens" des Noung-Planes eintritt.
Die deutsche Abordnung hat sich Vorbehalten, zu diesen, zur Behandlung stehenden Fragen der französische« Abordnung in allernächster Zeit einen Vorschlag einzureichen. Auf deutscher Seite wird ferner darauf hingcwiesc«, daß die französische Denkschrift nicht als ein Vorschlag aufzufasien sei, sondern lediMch ein Schriftstück darstelle, das den Ausgangspunkt der PoM^lungen in der Sarrktlonsfrage bilden soll. ______j
Ersatz „eolhcinM".
Um den Bau des Panzerschiffes B.
Die Meldung eines Zeitungsdienstes, daß sich unter den Abstrichen beim Haushalt der Reichsnmrine auch der erste Teilbetrag für den Bau des Panzerschiffes „B" (Ersatz „Lothrin- jen") befinde, ist, wie von zuständiger Seite mitgeteilt wird, m Dieser Form nicht richtig. Die Verhandlungen darüber schwebten noch. Daher könne Abschließendes noch nicht gesagt werden.
Die französische Sanktionsnole.
Der Notenentwurf in der SanktionSfrage. — Snowden hält die französische Sanktionsformel für ungenügend. — Die deutsche Meinung. — Die Verhandlungen. — Die Franzosen und Dr. Schacht.
Der Inhalt.
Pertinax berichtet, daß der der deutschen Abordnung überreichte Notenentwurf in der Sanktionsfrage nach einer Unterredung Tardieus mit Snowden ausgearbeitet worden sei. Man habe sich gehütet, in diesem zweiten Vorschlag zur Sanktionsfrage das Wort „Sanktionen" anzuwenden, um den Schuldner nicht abzuschrecken. Zur Feststellung von Verfehlungen nach Ablauf eines zweijährigen Moratoriums könne nur der Internationale Gerichtshof in Frage kommen, da das Protokoll im vorgesehenen Reparations-Sondergericht nur für AusführungS- streitigkeiten zuständig sei.
Nach einer ordnungsmäßig festgestcllten Verfehlung sei es von Bedeutung, die folgenden Etappen festzulegen: Kündigung des Noung-Plancs, Rückkehr zum Versailler Vertrag, Beratung der Gläubigerregierungen. Wenn die Deutschen es vorziehen sollten, diesem Vorschlag nicht zuzustimmen, so werde man keine Unterschrift von ihnen verlangen. Eine Erklärung der Gläu- bigerländer, sich die Rechte aus dem Versailler Vertrag v»rz»- behalten, falls der Nvung-Plan nicht erfüllt werde, würde dam» nach Ansicht Pertinax in dieser Angelegenheit genügen. Srunsden Habe diese» Plan, wie man versichere, in großen ZstSW «w- nommen.
Snowden und die SanMonsporderüND.
Der „Petit Parisien" schreibt, in der Sanktionsfrage gäbe es einen Irrtum zu zerstreuen. Im allgemeinen schiebe man grankreich die Hauptforderung in dieser Angelegenheit zu. In Wirklichkeit sei aber bereits in Paris eine grundsätzliche Eini- gung in dieser Frage zwischen der französischen Regierung unb dem deutschen Botschafter v. Hoesch erzielt worden. Diese Formel sei aber im Haag von Snowden für ungenügend befunden worden.
Di§ Sanktrousuole und bis devifH^v 'S erdeter
Ueber den Eindruck, den die Prüfung der französischen Diskussionsgrundlagen erbracht hat, die der deutschen Delegation überreicht worden sind, erfährt eine Korrespondenz: Einigkeit wird zu erzielen sein darüber, daß unter der Regelung des Aoung-Plans die Beziehungen zu den Gläubigermächten sich ausschließlich nach diesem Plan richten und Sanktionen nicht in Frage kommen werden.
Die Franzosen werfen die Frage auf, was geschieht, wenn Deutschland sich vom Noung-Plan loSfagt. Sie haben uns darüber einige Gedanken unterbreitet. Wir sind in deren erste Prüfung eingetreten. Der Eindruck ist ser einer große« Sorge, ob • es möglich sein wird, eine Klarstellung und Regelung zu erzielen, die uns eine Annahme ermöglicht.
Die Verhandlungen.
Die Sanktionsfrage stand am Donnerstag im Mittelpunkt der Verhandlungen. Die ursprünglich für Mittwoch vorgesehene Zusammenkunft zwischen Tardieu, Briand und Curtius findet nun endlich statt. Die französischen Minister sind in Begleitung eines Juristen um 11 Uhr 15 Min. im Hotel „Zentral" bei der deutschen Abordnung erschienen.
Die Unterredung stellt die erste direkte Verhandlung über die Sanktionsfrage zwischen Deutschland und der französischen Ad- ordnung dar. Um 12.30 Uhr traten die fünf Gläubigermächte mit den deutschen Ministern zu der zweiten Lesung der offenen reparationspolitischen Streitfragen zusammen.
Französische Furcht vor Dr. Schacht.
Die Franzosen erblicken in der bevorstehenden Teilnahme Dr. Schachts an den Haager Verhandlungen eine Gefahr für den Verlauf der Konferenz. Bei dieser Gelegenheit läßt man mf französischer Seite durchblicken, daß der ReparatlonSagent Parker Gilbert einen Feldzug gegen Schacht eingeleitet hat.
— Auf der Zeche Bruchstraße bei Bochum gerieten zwei Bergleute unter herabstürzende Kohlenmassen. Der eine Konnte als Leiche geborgen werden. An den zweiten verschütteten ist man noch nicht herangekommen.
— Auf der Schachtanlage IV bis VIII der Bergbaugruppe Hamborn wurden ebenfalls zwei Bergleute verschüttet. Trotz der sofort aufgenommenen Bergungsarbeiten konnten die beiden verunglückten nur als Leichen geborgen werden.
— In Hohenelbe hat sich am Mittwoch ein schweres Bobunglück zugetragen. Sieben junge Burschen im Alter von 14 bis 19 Iahren fuhren mit einem Bob beim Bahnübergang in Hennersdorf mit voller Wucht an die Bahnschranke. vier voll ihnen blieben schwer, einer leicht ve» letzt liegen.
— Der englische Minister zur Bekämpfung, der Arbeitslosigkeit Thomas hat in Besprechungen mit Bankkreisen erreicht, daß die 6 leitenden Banken England; Verpflichtungen eingegangen sind, deren Auswirkungen, wie man erwartet, einen belebenden Einfluß auf die Besserung der Arbeitslosigkeit ergeben werden.
I