Offener Brief.
’ llu den Wahlausschuß der
vereinigten Bürgerliste (Liste Venhard)
In dem am Kbend vor der Wahl verteilten gelben Blütt- chen haben Sie den Wählern der Stabt Schlüchtern derart unlogische und der Wahrheit Hohn sprechende Behauptungen nufgetischt, daß sie nicht unwidersprochen bleiben dürfen. Daß Sie das Flugblatt erst spät am Nbend vor der Wahl verteilt haben, hat seinen Grund doch darin, daß Ihre Kandidaten selbst befürchteten, die gebührende Antwort noch vor der Wahl zu erhalten, wenn das nicht geschehen ist. — es hätte noch geschehen können — so hat das seinen Grund darin, daß unsere Liste es sich zum Vorsatz gemacht hatte, den Kampf in vornehmer und nicht in so gehässiger Weise zu führen, wie Sie es als einzige der 5 Listen getan haben.
Sie haben die anderen Listenbewerber — die genau wie Sie das Prädikat Bürger und Bürgerinnen in Anspruch nehmen — einer Kritik unterworfen und als Verschwender zu kennzeichnen versucht in einer Weise, für die geschmacklos noch ein gelinder Ausbruch ist. Wir wollen Ihnen zu Gute halten, daß die Satzbildung aus der Feder der bisherigen Stadtverordneten Ihrer Fraktion jedenfalls nicht stammt; die Helfershelfer des Verfassers scheinen jedoch nicht zu wissen, was in der abgelaufenen Wahlperiode im Stabtparlament vorgegangen ist. Wir wissen, daß die bisherigen Stadtverordneten unserer Fraktion nur von dem einen Grundsatz beseelt waren, für das Wohl unserer Stabt zu arbeiten und alle Ausgaben zu vermeiden, die nicht zwangsläufig und nicht zu vermeiden waren. Auch das verdient betont zu werden und muß Ihren Fraktionsfreun- den in's Gedächtnis zurückgerufen werden, daß auch die 4 Mitbürger, die der Sozialdemokratischen Partei angehören, unter Hintansetzung aller Parteigrundsätze im Stadtparla- ment während der abgelaufenen Wahlperiode in vorbildlicher Weise mitgearbeitet und niemals daran gedacht haben, Sonderinteressen zu vertreten ober gar solche für sich und Ihre Parteifreunde in Anspruch zu nehmen.
Sie greifen d-ann die Beamtenschaft in verhöhnender Weise an, die Ihnen bereits die gebührende Antwort erteilt hat.
Dann kommen Sie zu unserer Liste. In gehässigster Weise suchen Sie dieselbe als jüdisch-demokratische zu kennzeichnen. wir haben dieser Geschmacklosigkeit gegenüber die Genugtuung, daß wir Männer auf die Liste gesetzt haben, die sich der Verantwortung voll und ganz bewußt sind, die sie mit dem Amt eines Stabtuerorbneten übernehmen. Das eine sei Ihnen in die Erinnerung zurückgerufen, daß, wenn es Stabtoerorbnete waren, die an allen Ecken und Enden sparen wollten, es unsere Fraktionsfreunde Rubolf und Kotschild gewesen sind, wenn Sie 490 Stimmen auf Ihre Liste vereinigt haben, so ist dies ohne Zweifel der Leichtgläubigkeit eines größeren Teiles der Wählerschaft zuzuschreiben.
Der Wahrheit zu Ehre sei Ihnen nun folgendes gesagt: । In Ihrem gelben Blättchen findet sich u. A. die jeder Logik und Wahrhaftigkeit ffohn sprechende Behauptung folgenden Inhaltes:
„Daß der Schuldendienst der Itadt die fetzige Höhe erreicht hat und in den nächsten 3a^ = ren noch so weit steigen wird, daß die Einnahmen nicht mehr die Ausgaben decken werden, daran hat diese Gruppe redlich Anteil."
Sie meinten damit die Sozialdemokratische Partei und die vereinigte bürgerliche Liste Kudolf— Sichel—Kreß— Hoppe.
In der 5V2 jährigen Wahlperiode hatte sich die Stadtver- ordnetenversammlung mit 581 Sitzungssälen zu befassen. Davon wurden 562 Beschlüsse einstimmig gefaßt und nur bei 19 gingen die Meinungen auseinander. Bei diesen 19 Sachen Handelle es sich zum Teil um Gegenstände, die auf die finanzielle Belastung der Stabt und der Steuerzahler wirklich ohne Einfluß waren.
' Die Hauptsache ist vielleicht die, daß die bisherigen 'Stadtverordneten von Ihrer Liste gegen den Bau der städtischen Häuser in der Weinbergstraße und gegen das Sechsfamilienhaus im Sandgarten gestimmt zu haben. Gerade bei dem Punkt Hausbauten, die die Stabt ausführen lassen, müssen wir etwas länger verweilen. Die Stadt hat seit 1921 insgesamt 40 neue Wohnungen gebaut, davon 25 nach der Inflation. Mit verhältnismäßig billigem Geld sind ansehnliche Werte für die Stabt geschaffen worden. Legen wir Ihnen folgende Frage vor: wo hätten die 40 Familien ein Unterkommen finben sollen? wieviel Handwerker und sonstige Arbeitskräfte sind beschäftigt worden zu einer Seit, als das Baugewerbe vollständig darniederlag? wieviel Wohnungselend ist durch die neuen gesunden Wohnungen gemildert worden? 6 Familien können in dem jetzt fertig gestellten Sechsfamilienhaus im Sandgarten Aufnahme finden und wieviel Familien haben sich um die Wohnungen beworben? Es sind rund 30. Nicht etwa, daß dies nun Leute sind, die nach einer städtischen Wohnung streben, nein, sie wohnen zum Teil in recht schlechten und engen Wohnungen, zum Teil werden sie von den Hausbesitzern zum Auszug gedrängt, die die vermieteten Räume für sich in Anspruch) nehmen. Mit Stolz können die Stadtverordneten auf ihr Werk zurückblicken, die auf dem Gebiete der Wohnungspolitik ihre Schuldigkeit getan haben. wenn unsere Fraktionsfreunde für die Wohnungs- bauten gestimmt haben, so rechnen sie sich dies zur besonderen Ehre. Sie bringen ihr Verhalten bei Abstimmung über diese Punkte jederzeit mit ihrer Pflicht und ihrem Gewissen in Einklang- sie lassen sich nicht durch Parteioder Listenzwang binden, um gegen ihre eigene Ueberzeugung gegen eine Vorlage zu stimmen, die nur das wohl der Stadt zum Ziele hat.
Dann noch der Schuldendienst. Wir raten Ihnen, einmal das Protokollbuch der Stadtverordnetenversammlung von 1924 bis 1929 nachzusehen, und es wird Ihnen in
die Erinnerung zurückgerufen werden, daß alle Anleihen einstimmig genehmigt worden sind, mit Ausnahme vielleicht derjenigen für die beiden Häuser, gegen die Ihre Fraktionsfreunde gestimint haben- ob mit oder gegen deren Ueberzeugung, mag dahin gestellt bleiben.
Die_ Stadt hat Anleihen nur für notwendige und nützliche Zwecke ausgenommen. Die Zinsen erdrücken die Stadt noch lange nicht, das sei den Wählern zu ihrer Beruhigung und den Herren von der Liste Denhard zum Hinweis auf die Wahrheitsliebe gesagt. Einstimmig hat die Stadtverordnetenversammlung auch den Volksschulneubau genehmigt. Es liegt kein einziger Beschluß vor, der Legen die Stimmen Ihrer Fraktionsfreunde gefaßt wurde. Was deshalb in dem gelben Blättchen damit gesagt sein soll, daß Ihre Fraktionsfreunde „Rein" gesagt hätten gegenüber der Forderung von Mitteln bei dem Neubau der Volksschule, die z. Zt. nicht unbedingt nötig seien, wissen wir nicht. Die Stadtverordnetenversammlung ist damit nicht beschäftigt worden.
Es muß auch daran erinnert werden, daß gerade Sie zu den größten Opfern für die bekannte Krusius-Schule, bereit gewesen wären. Daß diese Schule, wie unsere Vertreter richtig voraussahen, von vornherein nicht lebensfähig war, ist wahr geworden- sie hat sich in Wi^nhausen nicht entfalten können und ist kaum begonnen, wieder schlafen gegangen. Die staatliche Aufbauschule hätten wir dann nicht bekommen und was wäre dann geworden? Die Antwort sollen Sie uns geben.
Daß die neue Stadtverordnetenversammlung in eine Zeit- spanne eintritt, die für die städtischen Finanzen nicht besonders rosig sein wird, das wissen wir und haben wir schon
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lange erkannt, wir werden sparen, ohne uns sich selbst auszudrücken belieben — notwendigen J lieben Bewilligungen zu versagen. Wir, seien roir^ ger evangelischen, katholischen oder jüdischen werden und müssen sparen, um weitere nicht J Belastungen zu vermeiden.
Wenn Sie uns in anständiger sachlicher Form wollen, so wird uns dies freuen, auf gehässige CrtuM geben wir keine Antwort.
vereinigte bürgerliche Liste Rubolf—Sichel—Kreß—hoppe.
△ Limburg a. 8. (B e i lebendigem ihn Tode gekocht.) Ein entsetzlicher Unglücksfall im Reichsbahn-Ausbesserungswerk Limburg. Der in^M Jahren siebende Schweißer Philipp Klanw aus der sich in die sogenannte Kochbude, einen Raum, ein mit kochendem Wasser gefülltes Bassin zum Ent ^Mk chmierter Maschinen- und Eisenteile befindet, iel dort auf unaufgeklärte Weise in die Kochgrube hi^'W^ Wärter der Kochbude, der sich unterdessen auf einem® lichen Gang befand und erst einige Minuten nach beinlh ' zurückkehrte und nur den Kopf des Unglücklichen « brodelnden Inhalt deS Bassins herausragen sah, rief einige in der Nähe weilende Arbeiter herbei, die ben
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des von dem siedenden Wasser buchstäblich zu Tode G 1 Arbeiters mit Stangen herausfischten. Der Ventz -lsone
Stangen berausfischten hinterläßt eine Frau und drei Kinder.
△ Singhofen. (Befreiungsdenkmal.) Auzz der Räumung der zweiten Zone wurde hier ein Besitz denkmal enthüllt. Es wurde hierzu ein großer UM» dem Gemeindewald verwendet, arf dem eine entsprechet schrill angebracht ist.
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Weihnachtsstimmung rm ganzen Hause! Innen u. aussen die sehenswerte Weihnachts- dekoration. In den Abteilungen reiht sich Geschenk an Geschenk I Tausende der einfachen und nützlichen Gaben, die Sie für wenig Geld erwerben können, Tausende der besseren Geschenke von bleibendem Wert! Wenn Sie unser Haus durchwandern, werden Sie auf Ihre Frage „Was schenke ich“ unzählige Antworten bekommen. Unser Haus mit seiner reichen Auswahl ist eben die idealste Einkaufsstätte für Weihnachtsgeschenke jeder Art und für jeden Zweck. LEON HAR D TIETZ AKT.-GES. HANAU A. M