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Das neue Straftest.

Ablehnung des Ehebruchsparagraphen.

Der Reichstagsausschuß für das Reichsstrafgesetzbuch setzte am Dienstag seine Beratungen beim 23. Abschnitt des Ent­wurfs fort, Der die Verbrechen und Vergehen gegen Ehe und Familie betrifft. Es sind in den Paragraphen 310/16 Straf« Bestimmungen gegen Doppelehe, Ehebetrug, Ehebruch, Ent­ziehung eines Minderjährigen aus der elterlichen Gewalt, Verletzung der Unterhaltspflicht, Verlassen eines Kindes und Personenstandsfälschung getroffen. Zunächst beschäftigte sich der Ausschuß mit bem Paragraphen 312 (Ehebruch), der nach dem Entwurf wie folgt lautet:Wer die Ehe bricht, wird mit Gefängnis bis zu einem Jahr bestraft. Die Tat wird nur auf Verlangen des verletzten Ehegatten und nur dann ver­folgt, wenn"die Ehe wegen des Ehebruchs geschieden worden ist. War zur ZeiQder Tat die eheliche Gemeinschaft der Ehe­gatten aufgehoben, so kann das Gericht von Strafe absehen." Reichsjustizminister v. Guörard erklärte^ er wolle keinen Zweifel darüber lassen, daß er eine-Streichung dieser Straf- Vorschrift nicht für erträglich halte.

Nach lebhafter Aussprache wu^>e § 312 mit 14 Stimmen der Demokraten, Sozialdemokraten und Kommunisten gegen die gleiche Stimmenzahl der übrigen Parteien, also mit Stimmengleichheit, abgelehnt. Schließlich fand § 310 des neuen Entwurfes mit 15 Stimmen Annahme. Der Ausschuß vertagte sich auf Donnerstag, 28. November.

Jusammenbruch des Freiburger Bankhauses Bürkle & Lo.

Auch der Deutsche Charitasvcrbaud aaset den Geschädigten.

Der schwere Zusammenbruch des Bankhauses Bürkle & Co. in Freiburg scheint weite Kreise der Geschäftswelt in Mitleidenschaft gezogen zu haben. Viele Geschäfte hatten auf ihr Bankguthaben größere Weihnachtsbestellungen gemacht und Wechsel ausgestellt, die unter Protest zurückgingen. Der Deutsche Charitasverband soll allein einen Verlust von 300 000 Mark erlitten haben, das Kloster St. Trudbert einen solchen von 500 000 Mark. Viele Geistliche und Beamte, die auf das allgemeine Vertrauen hin, das das Bankhaus genoß, ihre Er- sparnisse bei der Bank angelegt hatten, sind um ihr Geld be­trogen. Noch am Vortage der Konkursanzeige wurden Gel­der angenommen und an andere Kunden, die auf Zurück­zahlung ihrer Einlagen drängten, ausgezahlt, Große Bestür­zung hat das Bekanntwerden des Geständnisses der beiden Inhaber der Bank hervorgerufen, daß sie sich an den Depots vergriffen hätten. Nach der Konkursanzeige sammelte sich vor dem Bankgebäude eine zahlreiche Menschenmenge an, so daß die Polizei eingreifen mußte, um die Straße für den Verkehr freizuhalten. Da viele Geschäftsleute und Handwerker ihr Geld bei Bürkle & Co. angelegt hatten, befürchtet man, daß eine größere Anzahl von Geschäftsleuten und Handwerkern ebenfalls in Zahlungsschwierigkeiten gerät.

Wachsende Rot der deutschen Kolonisten

Der Auswandererstrom schwillt an.

Nach einer Meldung aus Moskau hat der deutsche Bot­schaftsrat von Twardowski mit führenden Persönlichkeiten des Außenkommissariats erneut eine längere Unterredung über die Auswanderung der deutschen Kolonisten aus der Sowjet­union gehabt. Ueber das Ergebnis dieser Unterredung ist noch nichts bekannt geworden. Die Sowjetregierung hat trotz der Erteilung der Einreiseerlaubnis für 1000 Kolonisten durch die deutschen Behörden die Pässe noch nicht ausgestellt. Die deutschen Kolonisten befinden sich in einer furchtbaren Lage, da inzwischen ihre Gelomittel zu Ende gehen.

Infolge des Brotkartenzwanges in Moskau haben sie auch nicht die Möglichkeit, sich auf normalem Wege Lebensmittel zu beschaffen. Der Auswandererstrom hält trotz der Zwangs­maßnahmen der Sowjetregierung au. Die deutschen Kolo­nisten, die mit der Eisenbahn aus verschiedenen Richtungen kommen, verlassen etwa 50 bis 60 Kilometer vor Moskau die Züge und versuchen, zu Fuß oder u Pferde in die Stadt zu kommen, um so der Stadtkontro" zu entgehen.

120000 M unterschlagen.

Die Veruntreuungen bei der Kreissparkasse zu Berleburg.

In der Kreissparkasse zu Berleburg des Kreises Wittgen- stein sind vor einiger Zeit Unterschlagungen tn beträchtlicher Höhe aufgedeckt worden, die jetzt nach einer amtlichen Bekannt­gabe des Kreisausschusses auf insgesamt 120 000 Mark zu bemessen sind.

An den Unterschlagungen und Verfehlungen mannigfacher Art sind nicht nur der langjährige Sparkassenrendant Hart- mann und der Gegenbuchführer, sondern auch eine größere Anzahl Angestellter der Kreissparkasse beteiligt. Neun Ange­stellte haben laut amtlicher Bekanntgabe zugegeben, Beträge in Höhe von zusammen 44115 Mark sich zu Unrecht angeeignet und durch falsche Buchungen verheimlicht zu haben.

Im Ruhrgebiet waren Gerüchte verbreitet, nach denen es dem Reichspräsidenten gesundheitlich nicht gut gehen solle. Wie auf Ansrage bei zuständiger Stelle mitgeteilt wurde, sind diese Gerüchte falsch. Der Reichspräsident sei Wohlaus.

Am Donnerstag trat ein deutsch-polnisches Abkommen in Kraft, das den deutschen Flugzeugen die Uebersliegung des Kor­ridors im Luftverkehr mit Ostpreußen und den polnischen Flug­zeugen die Uebersliegung deutschen Gebiets auf dem Luftwege zwischen Posen und Kattowitz sowie zwischen Tanzig und War­schau gestattet.

DerExcelsior" veröffentlicht eine Unterredung seines Berliner Vertreters mit Professor Einstein, der sich für eine Ver­ständigung zwischen Deutschland und Frankreich aussprach.

Der englische Außenminister Henderson empfing den deut­schen Botschafter Dr. Sthamer. Wie verlautet, bezog sich die Unter­haltung auf die Einberufung und die Verhandlungsgegenstände der Haager Konferenz.

Zu den Verhandlungen über die Regierungsbildung in Prag wird gemeldet, daß eine Große Koalition der tschechische» Parteien q^ne Deutsche und Ungarn gebildet werden soll.

Gegen den Beimahlungszwang von Roggen und Weizenmehl.

Eine Entschließung aus dem Bäckergewerbc.

In Wiesbaden tagten Vertreter der Zweigverbände Mitteldeutschland und Rhein-Main-Nahe des Zentral. Verbandes Deutscher BäckerinnungenGer - in a n i a", die sich mit der Frage des Beimahlungszwanges von Roggen- zum Weizenmehl befaßten. Man lehnte die For- derung, auf dem Verordnungswege einen Beimahlungszwang von Roggen, zum Weizenmehl durchzuführen, entschieden ab, da durch eine solche Maßnahme keine Hebung des Roggen- verbrauches erreicht wird. Die Qualität der aus Mischmehl hergestellten Kleinbackwaren würde sehr beeinträchtigt werden und infolgedessen der Verbrauch dieser Produkte und damit auch der Mehlkonsum stark vermindert werden. Besonders im besetz t e n G e b i e t wäre das Bäckerhandwerk hart getrof-

.da sich dort größere Bäckereien und Koditoreien in aus­ländischem Besitze befinden und von dieser Verordnung nicht betroffen wurden. Diese Bäckereien könnten ihre Waren mit unverruischtem Mehle herstellsn und würden als konkurrenz­fähige Gegner das einheimische Bäckergewerbe schwer schädi­gen Die Landwirtschaft, die in der Zeit der Zwangswirtschaft zu stärkerem Roggenanbau gezwungen wurde, solle sich zu einer Verminderung der Roggenanbaufläche zugunsten des Weizenanbaues entschließen. '

. J der Resolution wird der Vorschlag gemacht, daß die Neichsregierung aus dem Verordnungswege bestimmen möge, daß sämtliches Großbrot, also das Volksbrot, in den Geacn- L-nd-nen es bis jetzt nicht der Fall war, nur noch in einer

"""bestens 60 v. H. Roggenmehl-Zusatz her- darf. Hierdurch würde bereits eine bedeutende Steigerung des Roggenverbrauches entstehen.

Heue Vanlschwierigleit in Frankfurt a. M.

Selbstmord des Inhabers.

Das Bankhaus Rudolf R. Bauer in Frankfurt a. M. ist in Zahlungsschwierigkeiten geraten. Trotzdem von verschie­denen Seiten Stützungsaktionen eingeleitet waren, die auch einen erfolgversprechenden Verlauf nahmen, ist der Firmen- inhaber, Bankier Bauer, am Mittwoch aus Frankfurt ver­schwunden. In einem Brief an seine Familie äußerte er Selbstmordabsichten. Am Donnerstag fand man in einem Wiesbadener Hotel die Leiche eines vergifteten Mannes. Es stellte sich bei der Untersuchung heraus, daß es sich um den Bankier Bauer handelte, der sich mit Veronal vergiftet hatte.

Wo die Verlustquellen des Bankhauses liegen, steht noch nicht fest. Vorläufig berechnet man die Passiven mit 7 Mil­lionen Mark, die mit rund einer Million als überdeckt be­zeichnet werden. Die Firma hat größere KontokorrentgeschLfte und Beteiligungen mit größeren Firmen der Lebensrnittel« branche und der Chemischen Apparatebau-Industrie i« Frank, ftu-t a. M. unterhalten.

Auf der Höhe bleiben!

Nicht nur mit der Ware, nicht nur mit den Preisen konkurrieren, sondern auch mit der

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nur das heißt Schwung verleihen dem kommenden

Weihnachtsgeschäft.

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Gchlüchterner Zeitung".

Brandstiftung.

Und dreifacher Mord?

Aus G ö r l i tz wird gemeldet: In dem Heidedorf H ei­lig e u s e e bräunte am Dienstag die zum dortigen Kammer­gut gehörende Mühle nieder. Als vermutlicher Brandstifter wurde der in der Mühle beschäftigte Müller Wandelt ver­haftet. Wandelt war vor einiger Zeit wegen Unordentlichkeit und Trunkenheit der Dienst gekündigt worden, und er sollte am Dienstag die Stellung verlassen. Aus diesem Grunde dürfte er den Brand angelegt haben.

Seine Frau mit zwei Kindern ist verschwunden. Es be­steht der Verdacht, daß die Frau entweder Selbstmord verübt hat oder mit den Kindern von Wandelt ermordet worden ist. Der Brandschutt konnte noch nicht nach den Leichen durchsucht werden. Die zahlreich erschienenen Feuerwehren konnten ein Uebergreifen der Flammen aus die benachbarten großen Guts­gebäude verhüten. *

Niesenseuer.

Wie aus N o ß l a u (Anhalt) gemeldet wird, sind Bit Meinsdorfer Mühle' werke einem Niesenseuer zum Opfer ge­fallen. Der Brand entstand gegen ^4 Uhr morgens. Als die Mühlenwerke im Erdgeschoß noch in vollem Betrieb waren, brannte es bereits im Dachstuhl. Sämtliche Feuerwehren aus Zerbst, Dessau, Roßlau usw. weilen an der Brandstätte. Das Werk ist restlos vom Feuer ergriffen worden. Die Entstehungs­ursache ist noch unbekannt.

Zum Totenfeste.

Der Sturmwind scheucht die letzten Blätter. Es träumt in Schwermut die Natur.

Du gehst im trüben Herbsteswetter Gedankenvoll zur Gräberflur . . . Bei jenen düstern Leichensteinen, Die heut die Liebe sinnig schmückt, Willst du in stiller Trauer weinen Ums liebste Herz, das dir entrückt.

Da ruht dies Herz, das dich entzückte, Das deine Sonn', dein Sternenglanz, Das dich mit zarter Lieb beglückte Still liegt es unter'm Totenkranz. Und rings in Gräbern tiefes Schlafen Don Kinderlust, die jäh verscholl, Von müden Herzen, die zum Hafen Der Stille kamen leidensvoll.

O schwarzumflorte Grabesnächte, Die nicht das tiefste Fleh'n erhellt, Wer all das Glück zurück jetzt brächte Aus eurer allzu fernen Welt!

Wer all die Grabespforten sprengte, Ob Rieogras oder Blumen drauf, Und all die Tränen rasch verdrängte Ja, tausend Himmel schlöss' er aus!

Ruht sanft, ihr heißgeliebten Seelen Im herbstlich-stillen Friedhofsgrund: Wenn auch die frohen Lerchenkehlen Richt rufen mehr vom Himmelrund, Wenn auch der Lenz sein Blüh'n und Düften Richt mehr aus eure Hügel weht: Die Liebe grünt und blüht an Grüften, Die Lieb', die niemals untergeht!

Neue Verhaftungen in der bombetraffärt.

Alton«, 21. November. In der Bombenangetz heit wurden neuerdings der Gemeindevorftcher, Rönne, Bick, der Landwirt Luhmann aus CluesH Winsen) sowie der Dentist Nitschke aus Artlenburgs genommen und dem Untersuchungsrichter Dr. W im Polizeipräsidium Altona vorgeführt. Ritsch!! nach seiner Vernehmung wieder freigelassen um

Große Ueberschwemmungen in Wales. Die ftot Regenfälle in den letzten Tagen haben in Waleszu« reichen Überschwemmungskatastrophen geführt. Ducch ü, Dammbruch des Duffrh-Sees bei Neath in GlamerganA sind weite Ländereien des Gebietes überflutet. ZW Häuser der umliegenden Dörfer stehen unter Wasser, mußten geräumt werden. Die Flüsse Avon und Lltch, weit über ihre Ufer getreten, während am Fluß Ebbhj schen Cardiff und Newport ein Damm gebrochen ist. In;! reichen Dörfern stehen viele Straßen unter Wasser, so das Verkehr eingestellt werden mußte. Der Zugverkehr istP weise stillaelegt. Der Schaden in den Ueberschwem« gebieten ist beträchtlich. Bisher ist nur der Verlust« Menschenlebens zu beklagen.

Tod des armlosen Artisten Unthan. Der Mai armlose Artist Karl Hermann Unthan ist nach längerem! den im 82. Lebensjahre in B e r l i n gestorben.

- P ^ Toter, zwei Schwerverletzte bei eurem Kraiw« "nfall. Ein schweres Autounglück ereignete sich auf derü straße in der Nähe des Ortes Z a n o w (Kreis Schlawej. mit drei Personen besetzter Kraftwagen stieß in voller gegen einen Baum, wobei ein Mann so schwer verletzt tril daß er gleich darauf starb, während eine Frau fotoit Führer des Kraftwagens mit schweren Verletzungen in Krankenhaus in Köslin übersührt wurden.

Nach dem 8-Zhlinder- den 12-Zhlinder-KraM Die Mahbach-Motorenwerke in Friedrichs hafenii als erste deutsche Firn« den serienmäßigen Bau eines«! 12-Zylinder-Motors für Kraftwagen in Angriff gen« dessen Konstruktion auf Grund der Erfahrung mit dem Zylinder-Luftschiffmotor desGraf Zeppelin" au^M* wurde. Schon in nächster Zeit soll mit dem Verkauf neuen 12-Zylinder-Großkraftwagens begonnen Werdens dem die seit Frühjahr d. I. laufenden Versuche unb bk« gedehnten Prüsfahrten zur vollen Zufriedenheit der Kos teure ausgefallen sind.

Prof. Walter Firle f. In München starb im« von 70 Jahren der bekannte Kunstmaler Prof. Walters« Prof. Firle wurde in Breslau. geboren, wo er später » das Geschäft seines Vaters, eines Breslauer GroßkaujM eintrat. Den kaufmännischen Beruf vertauschte er spät»! der Malerei. Seine Werke haben meist religiöse Motidk; Gegenstand.

Wiederherstellung der durch das Seebeben rf Ueberseekabel. Die Kabelgesellschaften, deren Kabel durch; Seebeben an der Nordamerikanischen Küstegeb^ sind, haben sofort Maßnahmen zur Wiederherstellung derE zerstörten Linien eingeleitet. Verschiedene Kabelschiist bereits unterwegs, um die Bruchstellen zu suchen. Der samtschaden, der den Gesellschaften entstanden ist, tvm mehrere Millionen Mark geschätzt. Am schwersten W ist die Commercial Cable-Ch, von deren vier EuroM? drei gebrochen sind. Der Nachrichtenverkehr ist durch " Ausfall stark beeinträchtigt. .

D Erdstöße auf dem Atlantischen Ozean. Einers Aorker Meldung zufolge berichtete der Kapitän des ® Star-DampfersOlympia" bei seiner Ankunft in daß das Schiff 640 Meilen von New 8) o r k eutfc». vollkommen ruhiger See einige heftige Stöße verspür!^ Kapitän habe zunächst angenommen, daß eine der >- Schiffsschrauben abgesprungen sei. Es habe sich 1^ geben, daß es sich um die Ausläufer eines Erdbebens 8 delt habe. Der Vorgang verursachte große Aufregung den Passagieren.

Eine moderne Arche Noah. Eine moderne Arche liegt zurzeit im Kopenhagen er Freihafen. Es V sich um den DampferShonectady" der American y Line, der auf der Reise nach Schweden in KoveichE getroffen ist. Der Dainpfer führt über 200 junge füchse und zehn Blaufüchse' mit, die für neu zu erl schwedische Fuchsfarmen bestimmt sind, ferner eine « Reihe anderer Tierarten. Der Wert des Transpou^ weitere, noch größere folgen sollen, wird auf eine hm" ihm Kronen geschätzt.

Erstes Todesurteil gegen einen Juden in

I a s f a e r Gericht fällte das erste Todesurteil g"g" f Juden, der beschuldigt war, während, der UpE Mäher erschossen zu haben.