Russisches Bauernschicksal
Von Arthur Feiler.
««tausend deutschstämmige Bauern warten vor den Moskaus auf ihr Schicksal. Sie kommen aus Sibi- , nd haben alles hinter sich gelassen. Sie wissen nicht, * «erden soll, und warten nun in ihrer großen Not. c 6: -heute Bauernschicksal in Sowjetrußland ist, das schil- Miur Feiler u. a. in seinem Buch „Das Experiment d RollLewismus" (Frankfurter Societätsdruckerei E. m. Frankfurt a. M.). Der Verfasser hat in diesem Jahre dreimonatige Studienreise durch Sowjetrußland unter- und er hat sich dabei im besonderen bemüht, die
und er yar pcy vaocc mi oeivaveren vemuyi * für die Entmutigung der Bauern festzustellen. ^.L;^ ist bak heute in armren Veiten
Bestreitbar ist, daß heute in großen Teilen der
1. „Mast eine schwere Mißstimmung herrscht. Es be- ■ k .h a heute die landwirtschaftliche Produktion vielfach M i Zustande der Entmutigung, der sie lähmt und - a Lirft Schwere Mißernten 1921 und 1922 an der in ^n letzten beiden Jahren in der Ukraine, der m und im Kaukasus sind einander gefolgt. Naturge- ^ » L aber dies genügt nicht zur Erklärung. Wie um- bit'die Tatsache, daß Rußland heute nicht mehr das ^ ’ Getreideexportland ist wie vor dem Kriege und das inben nächsten Jahren noch nicht wieder werden wird, nicht für sich allein den Maßstab der Beurteilung geben • der russische Getreideexport vor dem Kriege ist be- mt'crmaßen ein Hungerexport gewesen, erzwungen durch hohen Steuern und andere Lasten, die den Bauer zum leideverkauf nötigten, während er selbst Mangel litt.
3^ e^ herrschende Regime sucht hierin vor allem die ‘5 uns »Mdung, die Entschuldigung auch für die weitgehenden ir h Irrigkeiten, die sich in der schlechten Versorgung der Ä die drastisch zeigen. Der Bauer, so geht diese Lesart, ertiv me sich nicht mehr mit der frugalen Ernährung oer - H Mszeit. Er habe seinen Eigenkonsum sehr gesteigert, l allem auch an Fleisch, an Milch, an Butter und Eiern, sie« s erzeuge also weniger als früher für den Markt, weil lug» einen größeren Teil seiner Erzeugung selbst konsumiere. ^T z sei die natürliche Folge der Landaufteilung, die eben r A sibe diejenigen Schichten der bäuerlichen Produzenten legte ‘ >iiigt und zurückgeschraubt habe, die in erster Linie
1 Mutzproduktion liefern konnten, den Großgrundbesitz , des Großbauerntum. Und es sei ferner die natürliche ge des Warenmangels, durch den man eben nicht genug sage; asirkrerzeugnisse auf das Land liefern könne, um im : es ins tausch dagegen Lebensmittel für die Stadt zu erhalten: mich« der Bauer die Waren, die er haben möchte, doch nicht »e, so verbrauche er eben seine Nahrungsmittel selbst, ch eins Das letztere weist natürlich schon auf ein sehr starkes, UM Gemäßen instinktives Mißtrauen großer Teile der mnschaft gegen das Regime. Denn wenn schon der - -Hieumangel als ein gegebenes Uebel hingenommen wird
| er ist das in dem tatsächlichen Umfange nur zum Teil, :e A,M er durch die Wirtschaftspolitik des Regimes verschärft aus Ä die auf forcierte Steigerung der Produktionsmittel- mstrien zu Lasten der Erzeugung von Konsumgütern «acht ist —, so bliebe dem Bauer immer noch die Möglich- t MM der Ansammlung von Spargeldern aus dem Verkauf ^il>.Mi Produkte; wenn er statt dessen diese lieber selbst
g so eben darum, weil ihm der Wert solchen Sparens aus rW betn herrschenden Regime problematisch erjMiL^ ------- ———■ , —
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Vor allem: es bliebe dem Bauern der Weg der „natürlichen Akkumulation", das heißt insbesondere die Vermehrung seines Viehbestandes und die Intensivierung feines Landanbaues — Formen der privaten bäuerlichen Kapitalbildung also, mit der, wie früher dargelegt, der Fünfjahresplan in großem Umfang rechnet. Gerade daran aber fehlt es heute vielfach. Und während im ganzen bis etwa 1927 die Linie aufwärts ging, zeigt sich speziell in den letzten beiden Jahren die umgekehrte Erscheinung: daß nämlich erhebliche Teile der Bauernschaft sich auf die Selbstversorgung zurückziehen. „Alles, was einer verkauft, macht verdächtig, also baut man lieber nur so viel, wie man selber braucht." — „Wer sein Wahlrecht verliert, weil er zwei Kühe hat, der schlacktet eine, in der Hoffnung, es dann wieder zu bekommen." — „Wozu soll man sich Häuser bauen, vergrößern oder renovieren, wenn man sich dadurch nur die Gefahr vergrößert, daß man Einquartierung in die Häuser bekommt oder daß sie einem ganz weggenommen werden; da läßt man sie lieber verfallen." Das sind Aeußerungen, wie ich sie von Bauern in verschiedenen Landesteilen öfters gehört habe. Und das weitverbreitete Mißtrauen, die tiefgehende Mißstimmung unter den Bauern wird vielleicht am besten illustriert durch das Wort einer Kleinbäuerin, die mir sagte: „Erst haben sie die Großen arm gemacht, jetzt werden auch die Mittleren drankommen und am Ende auch wir."
Der Bauer im ganzen fühlt sich bedrückt. Das besagt gewiß nicht, daß er in seiner Gesamtheit etwa heute schon bewußt und entschlossen gegen das Regime stünde. Es besagt nicht einmal, daß er in seiner Gesamtheit bei einem Ernstfälle das Regime im Stiche lasten oder zu seinem Sturze helfen würde. Die Masten der armen und Mittelbauern haben sicherlich dauernd im Bewußtsein, daß die Revolution es war, die ihnen das Land gegeben hat. Und nirgends ist mir dies so deutlich entgegengetreten wie unter deutschen Bauern an der Wolga. Dort war die Stolypinsche Reform besonders stark durchgeführt worden — diese Reform^ die darauf abzielte, den Großbauern größer zu machen, indem sie ihm den Ankauf des Landes der armen Bauern erleichterte, um dadurch neben diesen Großbauer den proletarischen Landarbeiter und künftigen Industriearbeiter zu setzen. Solche armen Bauern an der Wolga haben mir erzählt, wie damals dieses Bauernlegen vor sich ging. Da luo der Großbauer den Kleinen zu sich ein, setzte ihn unter Alkohol und schwatzte dem Familienoberhaupt dabei den eigenen Landanteil und den der Söhne, den einzigen Besitz der Familie, zu einem Spottpreis ab; kam der dann nach Hause, dann betrank er sich wohl aus dem empfangenen Geld vor allem noch einmal und heulte dann im Suff: „Ach, meine armen Kinder, die haben jetzt gar nichts mehr!" Posten (Pfosten) nennt man an der Wolga die Erenzzeichen, mit denen dfies damals aufgeteilte frühere Gemeindeland als Eigenbesitz der Großbauern abgesteckt wurde. Und unter der Parole „Die Posten raus!" vollzog sich 1917 unter diesen deutschen Bauern die Oktoberrevolution. „Ich kam gerade rechtzeitig aus dem Kriege zurück, um mich an diesem Herausreißen der Posten zu beteiligen und mir das Land zurückzunehmen, das mein Vater vertrunken hatte," sagte mir grimmig einer dieser Leute. Der ganze Groll und die ganze Entschlossenheit der Enterbten sprach, als ob es erst gestern gewesen wäre, aus seiner Miene upd Haltung. So ist es unter den armen und Mittelbauern zweifellos weithin im ganzen Land; und daß _ini Bürgerkrieg die Weißen Generäle, wo sie die Oberhand
gewannen, vor allem damit begannen, daß sie den Erund- nerren das aufgeteilte Land wieder Zurückgaben, das ist in der Erinnerung ebenfalls so lebendig, als ob es gestern gewesen wäre. Die Bauern werden sich das Land nicht wieder nehmen lassen, und sie werden kein Regime dulden, das dies versuchte. Aber solange sie sich darin nicht bedroht suhlen, denken sie natürlich mehr an ihre täglichen Nöte. Das ist die Unsicherheit und vielleicht schon in manchen Gebieten die Gefahr, der heute das Regime gegenübersteht, besonders, wenn ihm nicht gute Ernten erleichternd zu Hilfe kommen. Denn diese täglichen Nöte fühlen die Bauern vor allem seit 1927 wachsen, und zwar offenkundig durch die Politik des herrschenden Regimes.
Kriegsmittel gegen den Krieg.
Professor Nernst über seit Gaskrieg.
An dem zur Zeit in Kopenhagen stattfindenden nordischer: Jngenieurkongreß nimmt als Vertreter der Berliner Universität auch der Vorsitzende des physikalischen Instituts der Universität, Professor Dr. Nernst, teil. Professor Dr. Nernst hatte eine Unterredung mit einem Pertreter des „Ekstra Bladet", wobei er auch auf den Gaskrieg zu sprechen kam. Er führte u. a. aus:
Die Wissenschaft habe heute hinsichtlich des Krieges nur eine einzige Aufgabe, nämlich einen neuen Krieg zu verhindern, das werde auch gelingen. Auf welche Weise, könne er im einzelnen noch nicht sagen. Er wisse aber, wie man zum Ziele kommen werde. Der Krieg werde an seiner eigenen Furchtbarkeit zugrunde gehen. Es würden neue Kriegsmittel entstehen, die so bestialisch in ihrer Wirkung seien, daß die eine Partei es ganz einfach nicht wagen werde, die andere anzugreifen und auf diese Weise würde der Krieg unmöglich gemacht werden. Bereits Nobel habe diesen Gedanken vertreten. Er habe sich jedoch vorgestellt, daß dieses durch Hilfe von Sprengstoffen geschehen werde. Er habe gemeint, Sprengstoffe, die so stark seien, daß sie eine ganze Armee im Laufe weniger Sekunden pulverisieren könnten. Nun wisse man, daß dieser Weg nicht gangbar fei und daß es der chemische Krieg sein werde, der schließlich den Ausschlag geben werde. Was die kleinen Nationen betreffe, so brauchten sie keinerlei Sorge zu hegen. Auch für ihre Sicherheit werde gesorgt werden. Die militärische Technik würde sich so entwickeln, daß selbst ein kleines Land wie Dänemark im Laufe von zehn bis zwanzig Jahren imstande sein werde, sich solche Mittel zu schaffen, daß selbst der größte Staat üicht wagen -verde, den kleinsten anz^reifen.
Auch eine Statistik.
Eine der seltsamsten Statistiken wurde dem kürzlich in Chicago abgehaltenen Kongreß der Riechswffabrikanten vor- aelegt. Es wurde errechnet, daß die im Laufe eines Jahres in den Vereinigten Staaten von den Frauen zwischen 14 und 64 Jahren verbrauchten Lippenstifte ausreichen würden, um die Häuser von Hollywood anzumalen. Im nächsten Jahr werden die Lippenstifte in einer weit größeren Auswahl auf den Markt gebracht werden, so daß man bald so weit kommen wird, mit de« verbrauchten-Lippenstiften ganz New Kort ai^usirerchen.
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ergeben noch keine guten Cigaret- ten, wenn sie nicht zueinander passen und sich in ihrem Aroma vollkommen ergänzen.
DieGeschmacksharmonieistsehrwich- tig, denn die ausgeglichenste Mischung von edlen Spitzentabaken ist auch die bekömmlichste.
REEMTSMA
CIGARETTEN
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