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(1. Blatt)

Samstag, den 24. August 1929

81. Jahrs.

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Amtliche Bekanntmachungen

K r e i s a n s s ch n ß.

3.=Kr. 3729 K- A. Am Sonnabend, den 1 4. Sep- tc m b e r 1 9 2 9 vormittags von 10 Uhr ab findet in zchluchtern an der Dreschhalle eine

Körung für Jung-Ziegenböcke statt. Zu dieser sind sämtliche jünge Ziegenböcke, deren Anhörung gewünscht wird, vorzuführen.

Die Herren Bürgermeister des Kreises ersuche ich, dafür 3u sorgen, daß das gesamte körfähige Material an 3ung= böthen zur Vorführung gelangt. Es ist erforderlich, daß jede Gemeinde durch den Bürgermeister oder eine andere Persönlichkeit bei der Körung vertreten ist, damit der erforderliche Bedarf an Jungböcken gleich gedeckt werden ton.

Wie bekannt ist, muß für 80 deckfähige Ziegen ein Both, sobald diese Zahl überschritten ist, ein zweiter Bock galten werden. Da die Zählung der Ziegen vor Kurzem taitgefunden hat, sind die Herren Bürgermeister selbst

Finanzam t.

Gesfentliche Aufforderung zur Abgabe von Gteuerertlärungen für die Herbstveranlagung.

Die Steuererklärungen für die Einkommensteuer, Kör» perschaftssteuer und Umsatzsteuer sind von den Steuerpflich- tigen, deren Wirtschaftsjahr zwischen dem L 3anuar und 30. 3uni 1929 geendet hat, in der Zeit vom 1. bis 15- September 1929 unter Benutzung der vorgeschriebenen Vor­drucke abzugeben. Steuerpflichtige, die zur Abgabe einer Erklärung verpflichtet sind, erhalten vom Finanzamt.einen Vordruck zugesandt. Die durch das Einkommensteuergesetze Nörperschastssteuergesetz und Umsatzsteuergesetz begründete Verpflichtung, eine Steuererklärung abzugeben, auch wenn ein Vordruck nicht übersandt ist, bleibt unberührt,' erfor­derlichenfalls haben die Pflichtigen Vordrucke vom Finanz­amt anzufordern.

Schlüchtern, den 22. August 1929.

Das Finanzamt.

zur in der Sage, zu prüfen, wieviel gekörte Ziegenböcke sie ers [ir ihre Gemeinde benötigen.

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Die Herren Bürgermeister ersuche ich, wiederholt auf die ziegenbockkörung in ortsüblicher Weise in ihren Gemein­en aufmerksam zu machen.

Schlüchtern, den 20. August 1929.

Der Landrat: Dr. Müller.

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-tadt Schlüchtern.

K b s ch r i f t

l Nachtrag

iiinrOrtsftatut, betr. die Benutzung der städtischen Wasser­leitung in Schlüchtern zum privalgebrauch.

Auf Grund des § 13 der Städteordnung für die Pro- mz Hessen-Nassau vom 4. August 1897 und der 88 9t 9, 70, 75 und 77 des Kommunalabgabengesetzes vom 4 3uli 1893 in der Fassung der Novelle vom 26. August 921 (G. S. Z. 495) und der Verordnung zur Abänberung es Kommunalabgabengefetjes vom 13. November 1923

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6.S. S. 507) wird hiermit für den Stadtbezirk Schlüch- ern folgender Nachtrag zum Grtsstatut vom 2. Februar 921, betr. die Benutzung der städtischen Wasserleitung »Schlüchtern zum privatgebrauch, erlassen:

Der § 5 des Ortsstatuts vom 2. Februar 1921 in der iGmg der Nachträge vom 18. Mai 1925 und 14. Sep= mber 1927 wird aufgehoben. An seine Stelle treten fol= imbe Bestimmungen:

Artikel I.

Das Wassergeld beträgt je Lbm. 0,20 ^^ 2. Der Mindestbetrag des Wassergeldes für

jedes angeschlossene Grundstück oder Ge­

bäude beträgt jährlich 10. 3UC

Sofern durch den klnschluß mehrere getrennte Haushal- Wn oder Gewerbebetriebe mit Wasser versorgt werden, v ter Mindestbetrag für jeden selbstständigen Haushalt ^ für jeden Gewerbebetrieb, der nicht mit dem Haushalt einigt ist, zu entrichten.

Artikel II.

Dieser Nachtrag tritt mit dem Tage seiner Deröffent- Mg in Kraft.

Wächtern, den 25. Juni 1929.

Der Magistrat:

^ Gaenßlen. Fenner. Ackermann, venhard. Flemmig.

*

Erstehender Nachtrag wird mit dem Bemerken veröf- fn*W, daß derselbe durch Bescheid des Herrn Vorsitzenden ? Bezirksausschusses vom 10. August 1929 B. A- '*266/29 genehmigt worden ist.

Züchtern, den 21. August 1929.

Der Magistrat: Gaenßlen.

Bekanntmachung.

Gefunden:

1 Taschenuhr.

Züchtern, den 21. August 1929.

Die Polizeiverwaltung: Gaenßlen.

Bekanntmach tt n g

i Mittwoch, den 4. September 1929, nachmittags i 'tsi wird im Rathaus Zimmer Nr. 2 die städtische (. Fischereigerechtsame

öahrc öffentlich verpachtet.

[ Zangen werden im Termin bekanntgegeben.

) "Züchtern, den 19. August 1929.

c Der Magistrat: Gaenßlen.

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c ^Hstunden beim Landratsamt: Dienstags: li® Freitags, vormittags von 9 bis 12 Uhr:

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Fast hoffnungslose Lage im Haag.

Ein Angebot von 50 v. H. Stresemanns Mahnung. Die Italiener als Gegner Englands. Briands Starrsinn. England räumt unter allen Umständen. Verhandlungen in Gruppen. Königstein wird am 20. September geräumt.

Ein Angebot an die Engländer.

grankreich, Italien, Belgien und Japan haben auf Grund erichtes der Finanzsachverständigen beschlossen, der eng­lischen Regierung ein endgültiges Angebot von 50 v. H. ihrer gesamten Forderungen zu machen.

Eine Erklärung Stresemanns.

In einer Besprechung der Vertreter der sechs auf der Kon­ferenz vertretenen Hauptmächte führte Dr. Stresemann aus:

In Paris sei von den ersten Sachverständigen der Welt anerkannt worden, daß Deutschland die Lasten des Dawes- Planes nicht tragen könne. Als Höchstmaß seiner Leistungs­fähigkeit habe man die Zahlen des Aoung-Planes aufgestellt. Wenn ein Gläubiger seinem Schuldner bestätige, daß er zu höheren Leistungen nicht in der Lage sei und ihn trotzdem zu diesen höheren Leistungen zwinge, so schädige er seinen Kredit. Das treffe besonders deswegen zu, Weil die Pariser Sach­verständigen mit größter Deutlichkeit darauf gedrungen hätten, den doung-Plan am 1. September in Kraft zu setzen. Für die Verzögerung des Inkrafttretens und ihre Folgen für Schuld- ner und Gläubiger müsse jede Verantwortung abgelehnt wer­den. Die Haager Konferenz habe sich so entwickelt, daß eine solche Verzögerung tatsächlich kaum mehr zu vermeiden sei. Ebensowenig sei eine Regelung der mit der Tributfrage auf das engste zusammenhängenden politischen Probleme vor dem L September zu erwarten.

Doung-Plan tatsächlich von allen Mächten angenommen WM. Ein Provisorium als Zwischenstadium wird mit der Begrün­dung abgelehnt, daß es juristisch nicht möglich sei.

Erneute Vertagung im Haag.

Die Sechsmächte-Besprechung am Donnerstag ist um H12 Uhr abgebrochen und auf Freitagnachmittag ^5 Uhr vertagt worden. Es ist beschlossen worden, bis Montagnach­mittag in kleinem Kreise eine Lösung zu suchen.

Die Mächte werden zu diesem Zweck in Gruppen ver­handeln. Zunächst sollen die toter Gläubigrrmächte gemein­sam mit England unter Hinzuziehung Deutschlands verhan­deln. Gleichzeitig sollen die politischen Fragen im Rahmen weiterer Gruppenbesprechungen zur Verhandlung gelangen. Sollte sich bei diesen Gruppenbesprechungen die Möglichkeit einer Beilegung der englrich-französischen Gegensätze ergeben, so soll am Samstag dre endgültige Entscheidung über Weiler- führung der Verhandlungen fallen.

Die Konferenz in Permanenz,

In der Sechs-Mächte-Konferenz hat sich übereinstimmend folgende Auffassung abgezeichnet: Falls sich eine Einigung zwischen den vier Gläubigerstaaten und England als möglich erweist, soll die gegenwärtige Konferenz gewiffermaßen in Permanenz erklärt werden, bis eine Regelung aller Fragen gefunden worden ist. Die Konferenz soll somit nicht, wie ursprünglich beabsichtigt war, für eine kurze Zeit unterbrochen werden, um dann zur Unterzeichnung des Schlußprotokolls zusammenzutreten, sondern soll ununterbrochen weiterarbeiten.

Vor dem Abbruch?

Snowdens parlamentarischer Sekretär Hedgson teilte mit, daß nach englischer Auffassung eine Vertagung der Konferenz nicht mehr in Erwägung gezogen werde. Entweder gelange man in den nächsten Tagen zu einer grundsätzlichen Einigung oder zu einem völligen Abbruch.

Briand und die Räumung.

Briand. erklärte, er denke nicht daran, sich über die Meix- nung seiner rnilitärischen Ratgeber hinwegzusetzen. Die Räu­mung der dritten Zone könne nicht vor dem September 1930 beendet sein. Sie könne erst nach dem 1. März beginnen, um die Soldaten unter guten Gesundheitsverhältnissen zurück-

»tember 1930

zubefördern.

Räumung von Königstein am 20. September.

Die Königsteiner englischen Besatzungsbehörden haben Dem Magistrat mitaeteilt, daß Köniasteln am 20. September geräumt werden foll. Entsprechenden Befehlen in dieser Richtung aus dem englischen Hauptquartier 7

Stellen entgegen. Mit dem Abzug der Engländer werden 64 Wohnungen frei, Die Räume, die vorher dem Kurgewerbe dienten, finden zum weiteren Ausbau des Kurbetriebes Ver- fpMdung; die übrigen werden Wohnungsuchenden überwiesen.

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Wenn nun der von den Sachverständigen vorgesehene Zeit­punkt durch die Schuld der Gläubiger und nicht des Schuld­ners nicht eingehalten werden könnte, dann müßten die Gläu­biger auch die Konsequenzen tr« Richt verlangt werden, daß es md. ..

agen. Von Deutschland könne lehr zahle, als die Pariser Sach-

verständigen von ihm gefordert hatten. Es müßte also minde­stens eine Regelung für die Zeit bis zum wirklichen Inkraft­treten des Aoüng-Planes gefunden werden, damit Deutschland ab 1. September im Höchstfälle die Joung-Anuuität zu zahlen habe."

Ueber die Stellungnahmen B r i a n d s und S n o w - dens melden die Blätter übereinstimmend, daß die beiden Redner den Vorschlag kühl und ablehnend aufgenonnnen hät­ten. Falls die Konferenz scheitere, würde Eng­land Anspruch auf seinen durch den Dawes - Plan vorgesehenen Anteil erheben. Briand habe mit aller Entschiedenheit die Auffassung vertreten, daß der Dawes-Plan selbstverständlich weiterlaufen müsse.

Beachtenswert ist die Neigung zu der Annahme, daß auf französischer Seite die Kompromißbereitschaft inzwischen in den Finanzfragen gewachsen sei, während der eigentliche Wider­stand von italienischer Seite komme.

Neue Verhandlungen.

Die Beratungen der sechs Mächte sind wieder ausge­nommen worden. Die Lage ist nach wie vor völlig aussichts­los. Es bestätigt sich, daß Briand eine Bekanntgabe der fran­zösischen Räumungstermine in der Mittwochabendsitzung unter den bekannten Vorwänden abgelehnt hat. Von englischer Seite wird dagegen mitge^eilt, daß Schatzkanzler Snowden Briand erwidert habe, England werde unter allen Umständen das Rheinland bis Weihnachten räumen. England vertrete nach wie vor den Standpunkt, daß die Räumung des Rheinlandes von den Besatzungsmächten unabhängig von der Annahme des Donng-Planes zu erfolgen habe.

Der ursprüngliche Gedanke, wenigstens das Zahlungs- schema des Aoung-Planes als ein Provisorium für die nächste Zeit zu retten, hat gegenwärtig kaum eine Aussicht aus An­nahme. Die französische und, wie es scheint, auch die eng­lische Regierung vertreten die Ansicht, daß ein Nebergang vom Tawes-Blan zum Aouna-Plan nur möalick ist, wenn der

Deutscher Beitrag zur Befriedigung Englands.

Ueber die von Frankreich an Deutschland im Haag gestell­te Zumutung, sich an der Befriedigung der englischen For- derungen nach Erhöhung des Anteils an dem ungeschütz­ten Teil der Poungannuitäten zu beteiligen, berichten die Blätter verschiedene Versionen aus dem Haag. Der Mehr­zahl der Berichte zufolge soll der ungeschützte Teil der deutschen Annuitäten in folgender Form erhöht werden: 3n dem ungeschützten Teil in Höhe von 660 Millionen Mark befinden sich auch die 88 Millionen für den, Zins- und Tilgungsdienst der Dawesanleihe. Run soll diese Summe von 88 Millionen {^ausgenommen werden und zu dem geschützten Teil zugeschlagen werden, ohne daß sich dadurch die gesamten Jahresleistungen Deutschlands erhöhen. 88 Millionen ist» gerade die Summe, die zur Befriedigung der englischen Ansprüche noch fehlt, wenn man England 32 Millionen der ungeschützten Annuitäten überläßt, über die zugunsten der kleinen Staaten verfügt werden sollte. Diese Kombination soll jedoch, wie derVorwärts" meldet, infolge des Widerstandes von Turtius und Hilferding spät abends wieder fallen gelassen worden sein, die in folgender Neuerung bestehen würde: während nach dem Poung- plan die ungeschützten Zahlungen mit 37 Jahren aus- hören, und in den' letzten 21 Jahren nur noch geschützte Reparationen zu zahlen wären, will man eine Art unge­schützten Teil in Höhe von 56 Millionen Mark bis zum Jahre 1988 neu schaffen. _

Eine dritte Version findet sich in derDop. $ tg. , oie folgendermaßen lautet:

Die deutsche ungeschützte Annuität soll im Durchschnitt von 660 Millionen Mark jährlich nicht verändert werden, dagegen soll eine gewisse Staffelung eintreten, und zwar derart, daß man die Annuitäten in den ersten Jahren, während der Dienst der Dawesanleihe noch läuft, etwas erhöht, ihn dafür aber nach Ablauf ber zwanzig Jahre der Dawesanleihe entsprechend herabsinken läßt, so daß ein Durchschnitt von 660 Millionen herauskommt. Bei der Erhöhung für die nächsten Jahre soll es sich um eine Summe'von etwa 20 Millionen handeln.