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Nk. 98

(1. Blatt)

Donnerstag, den 15. August 1929

81. Jahrs,

Amtliche Bekanntmachungen

Landratsamt.

Die verfassungsfeier auf dem Reisbrunnen hat einen in jeder Hinsicht befriedigenden und erhebenden Verlauf genommen. Dieser schöne Erfolg ist nur durch die rege An­teilnahme und opferbereite Mitarbeit weitester Kreise der Bevölkerung ermöglicht worden. Bei der großen Zahl von Körperschaften und Einzelhelfern, die sich mit Rat und Tat an der Vorbereitung und Durchführung des Festes beteiligt haben, ist es mir nicht möglich, jedem einzelnen für seine Mitarbeit zu danken. Ich darf daher ollen denjenigen, die durch ihre Mitwirkung zu dem Ge­lingen der Feier beigetragen haben, auf diesem Wege meinen allerherzlichsten Dank aussprechen. Möge uns allen der schöne Erfolg des Tages ein Ansporn sein zu weite­rem unermüdlichen Einsatz aller Kräfte in unserer Ar­beit für Volk und Vaterland!

Zchlüchtern, den 15. August 1929.

Der Landrat: Dr. Müller.

I-Nr. 7018. Die Herren Bürgermeister werden erneut auf bie Verfügung vom 22. 2. 12 Nr. 1213 Kreis= blatt Nr. 9 -e aufmerksam gemacht und ersucht, die Ver- imberungen (Zu- und Abgänge) zu der Nachweisung der noch nicht schulpflichtigen, taubstummen und blinden Kin­der alsbald hierher anzuzeigen.

5chlüchtern, den 13. August 1929.

Der Landrat. 3. V.: Lchultheis.

Stadt Steinau.

Bekanntmachung.

stm Dienstag, den 2 0. ds. Mts. nachmittags l Uhr findet die Grundsteilegung zu dem Neubau der Seifenfabrik Victor Wolf Steinau statt.

öu der vorhergehenden allgemeinen Feier ist bic ^ - völkerung Steinaus am Bauplatz eingeladen.

Steinau, den 13. August 1929.

Der Bürgermeister. Dr. Kraft.

Hrtschritte in der Mumungssrage.

Sie englische» Truppen räumen vor Jahresende das Rhein­land. Steht das Datum der Rheinlandsräumung schon lest? Stresemanns Standpunkt. Macdonalds Rücken- Klkung für Snowden. Vorschlag eines englisch-französischen Ausgleichs. Keine amerikanische Vermittlungsaktion.

Macdonald auf der Völkerbundstagung.

Der englische Ränmungswille.

Der diplomatische Korrespondent desDaily Telegraph" P in der Lage, auf Grund von Auskünften von maßgebender Stelle mitzuteilen, daß die englischen Truppen unter allen Wänden und unbeschadet des Ergebnisses der Haager Kon- lttenz bis Ende des Jahres aus dem Rheinland zurückgezogen M tverden. Die Zurückziehung der englischen Truppen werde M nicht davon abhängig gemacht werden, ob man sich im Mg auf eine besondere Ueberwachungskommission der ent­militarisierten Zone einige oder nicht. Diese Entscheidung der juglischen Regierung sei entweder bereits den übrigen Alliier- M und der deutschen Regierung übermittelt worden, oder diesen in den nächsten Tagen zugehen.

Was die gegenwärtig im H.rag erörterten drei verschiede- Pläne anbelangt: 1. die von Frankreich stammende Idee ^ Einsetzung eines Feststellungs- und Ausgleichskomitees, die Schaffung einer ständigen Versöhnungskommission in Übereinstimmung mit dem deutsch-französischen Schieds- Mchtsvertrag, Her dem Locarnopakt beigegeben ist, und Errichtung eines Unterkomitees des Völkerbundes, so miirdc weder Deutschland noch England eine Lösung anneh- M die aus einer Ueberwachung deutschen Gebietes über tn 10. Januar 1935 hinaus bestehe. Die zeitliche Begren- des Versailler Vertrages für die Räumung der dritten des Rheinlandes sei unbedingt endgültig.

Französische Befürchtungen.

, DerExcelsior" befaßt sich mit den Sänger Verhandlun- J^er die Rheinlandräumung und kritisiert dabei die über- Heimlichtuerei der französischen Abordnung. Dem i w zufolge haben die Verhandlungen während der bis- Sitzungen sehr große Fortschritte gemacht. Man sei Wu ^'" Datum der Räumung augelangt. Der Politische msschuß sE die materiellen Bedingungen für die Räumung ruft haben. Der einzige Sachverständige, der eine Ver- Mung hervorrnfe, sei der französische technische Sachver- Je, ein höherer Jnteudanturoffizicr, der telegraphisch 8 Koblenz herbeigerufen wurde.

«. Priand und Berthelot beständen bei der Aufstellung des Z^tokolls jedenfalls auf der Einfügung der von der französi- Abordnung aufgestellten Vorbehalte. Leider scheine man .Joek deutschen, britischen und auch italienischen Seite nicht Atnb den französischen Vorbehalten Rechnung zu tragen, «./.putsche öffentliche Meinung bilde in dieser Frage eine «lchlossene Front.

Ein Redekampf zwischen Briand und Stresemann.

Im Politischen Ausschuß rollte Henderson die Frage der Rhciulandräunjunß auf. Briand machte Einwände dagegen, die aber von Dr. Stresemann widerlegt wurden.

Er erklärte mit größter Entschiedenheit, daß eine An­nahme des Aoung-Planes für Deutschland ohne eine völlige und sofortige Räumung völlig undenkbar sei. Die Räumung sei kein finanzielles Geschäft mit Leistung und Gegenleistung, sondern eine Forderung der völkerrechtlichen Ethik. Die Welt würde das Ergebnis dieser Konferenz nach dem politischen Ergebnis beurteilen. Frankreich könne der technischen Schwie­rigkeiten ohne weiteres Herr werden, wenn es den französi­schen Truppen einen weiteren Winter im Rheinland erspare.

Das Telegramm Macdonalds an Snowden.

Das Telegramm Macdonalds an Snowden wird auch von amtlicher englischer Seite als eine Rückendeckung für den Schatzkanzler bezeichnet. Es sei ein sehr bedeutsames Ein­greifen und habe einen günstigen Einfluß im Haag ausgeübt.

Ein französisches Angebot an England.

Die französischen Vertreter haben an England das An­gebot einer Uebergangslösung über die Verteilung der deut­schen Tributzahlungen gemacht.Havas" berichtet darüber: Diese Uebergangslöstmg würde, ohne die für die Großmächte vorgesehene Verteilung zu ändern, darin bestehen, den eng­lischen Anteil zu erhöhen, indem man England einen großen Teil des Restes der deutschen Jahresleistungen zuerkennt, die zur Deckung der Bedürfnisse der Hauptmächte verfügbar ge­blieben sind.

Da der Aoung-Plan die Zuteilung eines Restbetrages au die übrigen kleinen Mächte, Rumänien, Südslawien, Griechen­land und Portugal, Vorsicht, wird diesen Ländern ein Aus­gleich in Form einer Herabsetzung ihrer Kriegsschulden gegen­über den Gläubigerstaaten gewährt werden. Mit den Ver­tretern der interessierten Mächte haben die Verhandlungen schon begonnen.

Paris wünscht kemc Vermittlung Morgans.

Die aus London vorliegenden Meldungen, die von einer Vermittlung Morgans im Haag wWn wollen, finden in Paris eine unfreundliche Ausnahme. Ein Teil der französi­schen Presse weist darauf hin, daß die Sachverständigen, deren Plan von den verschiedensten Seiten angegriffen werde, vor allem von englischer, nicht die geeigneten Leute seien, um nun als Schiedsrichter aufzutreten, insbesondere der sozialistische Soir" ist über diese Aussicht recht empört. Als ameri­kanischer Vermittler zwischen England und Frankreich ist auch General Dawes genannt worden. Von amtlicher ameri­kanischer Seite wird dazu mitgeteilt, daß das Staatsdeparte­ment keinerlei Grund dafür habe, den Botschafter Dawes nach dem Haag zu senden.

Das Konkordat zwischen Preußen und der Kurie.

Austausch der Ratifikationsurkunden.

Am Dienstag mittag um 13 Uhr wurden im Preußischen Staatsministerium die Ratifikationsurkunden über den Ver­trag zwischen dem Heiligen Stuhl und dem Preußischen Staat ausgetauscht.

Im Laufe des Dienstag fand eine Sitzung des preußischen Kabinetts statt. Entgegen anderslautenden Meldungen wurde die Frage, welche Richtlinien für die kommenden Verhand­lungen mit den evangelischen Kirchen maßgebend sein sollen, zunächst noch nicht erörtert, da die evangelischen Kirchenführer erst in den nächsten Tagen in Berlin eintrcfsen.

Der Austausch erfolgte zwischen dem apostolischen Nun­tius Dr. P a c e l l i und dem preußischen Ministerpräsidenten Dr. Braun. An dem Austauschakt nahmen alle preußischen Minister, Staatssekretär Dr. Lammers, die Ministerialdirek­toren Dr. Nobas, Trendelenburg und Dr. Schnitzler, der Ministerialrat Dr. Meyer und der Universitätsprofessor Dr. Heyer-Bonn teil.

DieGermania" zum Austausch der Ratifikations­urkunden des Konkordats.

Zu beut jetzt erfolgten Austausch der Ratifikations­urkunden des Konkordats schreibt dieGermania", daß die von Nuntius Pacelli dem preußischen Ministerpräsidenten überreichte Urkunde vom Papst Pius XI. eigenhändig unter­zeichnet ist. Auf der Außenseite zeigt das kunstvoll in weißem Leder gebundene Buch das päpstliche Wappen. Der Text ist in deutscher und italienischer Sprache abgefaßt.

Das Blatt schreibt dazu: Die langjährigen Verhandlun­gen haben nunmehr zu einem positiven Abschluß geführt, der für die katholische Kirche in Preußen den Beginn einer neuen geschichtlichen Aera bedeutet. Am heutigen Tage sei nochmals dankbar der Persönlichkeiten gedacht, die im Interesse von Kirche und Staat an diesem Friedenswerk führenden Anteil genommen haben.

Die hervorragende feingeistige Person des päpstlichen Nuntius Pacelli wird von den deutschen Katholiken stets mit besonderer Hochachtung und Dankbarkeit im Zusammenhang mit dem Vertragswert genannt werden, von dem wir uns eine Befruchtung des kirchlichen Lebens aller preußischen Diö­zesen auf Jahrzehnte hinaus erhoffen. Ein besonderes Ver­dienst der wissenschaftlichen Mitarbeit kommt dem Bonuer Staatsrechtslehrer Professor Heyer zu.

Einigung aus Deutschlands Kalten?

Berlin, 13. August. Seit einigen Tagen sind in Haager jtonferengfreifen Gerüchte über englisch-franzö­sische Kompromiß Verhandlungen verbreitet, und wenn nicht alles trügt, scheint sich tatsächlich nach dem hartnäckigen Streit der Meinungen während der ersten Konferenzwoche eine solche Einigung anzubahnen, da ja kaum angenommen werden» kann, daß einer der beiden Partner mit der Absicht nach dem Haag gekommen ist, die Konferenz auffliegen zu lassen, wenn nicht alle Blüten- träume reifen. Wer aber wird nun die Kosten der eng­lisch-französischen Einigung zu tragen haben? Natürlich, so wird behauptet, Frankreich sei es, das sich zu einer Aenderung des Verteilungsschlüssels und der Bestimmungen über die Verwendung des ungeschützten Teils der deutschen Zah­lungen werde bereit finden müssen. Die Hartnäckigkeit Snowdens, der von Macdonald gestützt wurde, wegen der paar Millionen zusätzlichen Reparationsanteils, die zu dem englischen Milliardenbudget in einem verschwindenden Ver­hältnis stehen, hat von Anfang an niemand recht begrei­fen können. Es hat daher den Anschein, als ob Snow­dens Vorstoß gegen die kleinen Schönheitsfehler, die der Uoungplan für England auiweist, mehr die Frage der Sachlieferungen zum Ziel hatte, als den Verteilungsschlüssel und die Verwendung des ungeschützten Teils der Reparationszahlungen Die Sachlieferungen sind es, die von jeher Englands Unbehagen in hohem Maße er­regt haben. Wenn der britische Handelsminister Graham die Sachleistungen alsein künstliches und unnatürliches Element im Welthandel" bezeichnet, so liegt in diesen Wor­ten eine Bestätigung der Auffassung der führenden Wirt­schaftler der ganzen Welt, wonach die von Deutschland verlangtenReparationszahlungen" und ihr ungeheuerliches Ausmaß es sind, die infolge der innigen Verflechtung zwi­schen Reparationsfrage und internationaler Handelspolitik die Weltwirtschaft in Unordnung bringen. Als auf der Pariser Sachverständigenkonferenz von der deutschen Dele­gation immer wieder auf die Tatsache hingewiesen wurde, daß Deutschland seine, Zahlungen auf die Dauer nur in der u»; aon Ausfuhrüberschüssen zu leisten imstande ist, stieß man auf der Gegenseite auf wenig Verständnis. Deutsch­land stehen keine Kapitalanlagen im Auslande zur Ver­fügung, deren Erträgnisse zusammen mit den Erträgnissen aus Dienstleistungen, Schiffsraten usw. zur Zahlung der Reparationsleistungen in Anspruch genommen werden könnten.

England lehnt nicht nur die Uebernahme von Sach­lieferungen ab, sondern betrachtet auch, da im Poungplan ihre Wiederausfuhr gestattet worden ist, deren Kon­kurrenz auf dem Weltmärkte als gefährlich für die englische Produktion, besonders auf dem Gebiet der Kohlenindustrie, wo Deutschland auf dem Wege der Sachleistungen einige früher englische Märkte erobert hat. Daß gerade die Arbeiterregierung sich am schärfsten den alten protektionistischen Standpunkt Englands zu eigen gemacht hat, ist nicht weiter verwunderlich, wenn man be- denkt, in wie hohem Maße durch eine Steigerung der eng­lischen Kohlenausfuhr, die zurzeit gegenüber der Vorkriegs- ausfuhr einen Rückgang von 78 auf 54 Millionen To. auf- weist, die durch den unglücklichen Ausgang des Bergarbei­terstreiks verschlechterte Lage der englischen Bergarbeiter gebessert würde. Weiter hat Graham die Erhöhung der Abgabe auf die deutsche Einfuhr durch Frankreich auf den England im Aoungplan zugestandenen Satz verlangt, um auch auf diesem Wege eine Drosselung der deut­schen Ausfuhr zu erreichen.

Wenn also eine Einigung zwischen Frankreich und Eng­land über Abänderungen des Planes nunmehr im Bereich der Möglichkeit liegt, so kann doch kein Zweifel darüber bestehen, daß die kürzlich gegebene englische Zusage, Eng­land verlange keine Aenderung auf Kosten Deutschlands, nur eingehalten werden kann, wenn die ohnehin für Deutschland im Youngplan schon in denkbar ungünstigstem Sinne geregelte Sachlieferungsfrage keine wesentliche Neu­regelung erfährt. Mit Recht hat Reichswirtschaftsmmister C u r t i u s vor dem Finanzausschuß im Haag auf die Tat­sache hingewiesen, daß der Wiederaufbau der deutschen Wirtschaft eine Angelegenheit von europäischem Interesse darstellt, und hat die für Deutschland allein in Frage kom- menmen Grenzen des Entgegenkommens gegenüber Eng­land deutlich abgesteckt. Was die Kohlenfrage anbelangt, so lägen, da die englische Kohlenausfuhr mehr noch als durch die Sachlieferungen durch die Konkurrenz anderer Länder, z. B. Polens, bedroht wird, Möglichkeiten für eine Verständigung in der Schaffung internationaler Abmachun­gen, durch die der internationale Kohlenkampf eine Liqui­dierung erfahren könnte, wie dies bereits in anderen .Industrien geschehen ist z

Das FlugzeugLand der Sowjets" mußte auf dem IDege von Krarsnajarsk nach Tschita in unbewohnter Ge­gend notlanden. Nähere Einzelheiten fehlen noch.

In Apia auf Samoa kam es zu Ztreikunruhen. Dabei wurden 14 Kulis sowie mehrere Polizisten ver­wundet.

In New (Drieans ist es zu neuen Unruhen ge­kommen. Die Menge stürmte das Rathaus und verprü­gelte Mitglieder des Stabtrats. Polizei trieb mit Trä­nengasbomben und Schüssen die Menge auseinander. Drei Personen wurden verletzt.