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Nr. 97
(1. Blatt)
Dienstag, den 13. August 1929
81. Jahrs.
Amtliche Bekanntmachungen
Kreisausschutz.
I.-Nr. 3670 K. R. kserr Wilhelm Oesor in Elm ist mit den Geschäften eines Kreisvollziehungsbe- amten beauftragt worden. RIs Dienstbezirk werden ihm die Gemeinden der Kmtsgerichtsbezirke Schlächtern (aus= schließlich Elm) und Schwarzenfels zugeteilt.
Zwangsbeitreibungs-Kufträge in Gemeinde-Kngelegenhei' jen aus diesen Gemeinden sind fortab auf Herrn Desor aurzustellen und an mich einzusenden.
5ür die Gemeinden der Kmtsgerichtsbezirke Steinau und Satmünfter sowie für die Gemeinde Llin ist nach wie vor der llreisvollziehungsbeamte Schöppner zuständig.
Schlüchtern, den 12. August 1929.
Der Vorsitzende des Kreisausschusses: Dr. Müller.
I.-llr. 3624 K. R. Die Herren Bürgermeister der Stadt- und Landgemeinden ersuche ich, den Vestand an deckfähigen Ziegen und sprungfähigen Ziegenbücken, je getrennt nach weißen und bunten, alsbald festzustellen und innerhalb 8 Tagen hierher mitzuteilen.
Schlüchtern, den 9. August 1929.
i Der Landrat: Dr. Müller.
Gchafbock'Köruna.
3.‘Rr. 3590 K. R. Nachdem die diesjährigen allgemeinen Schafbock-Körungen stattgefunden haben, müssen Schafböcke, welche von Gemeinden und Schäfereigenossenschaften pp. jetzt oder später noch angeschafft werden, besonders zur Anhörung gelangen.
Auf die Bestimmungen der im Kreisblatt von 1927
s lür. 135 abgedruckten Polizeiverordnung über die Körung »der Schafböcke vom 19. Oktober 1927, insbesondere auf p 9 dieser Polizeiverordnung mache ich besonders aufmerk- l|airt. Danach ist es untersagst einen nichtchrgekörten leinen abgekörten Schafbock derart weiden oder umherlauf^'i IB lassen, daß er fremde Schafe decken kann. Ich ersuche ü »die Herren Bürgermeister des Kreises, etwaige Schafböcke, i »deren Ankörung noch gewünscht wird, mir s. Zt. zu melden. - werde dann die Körung veranlassen.
s I Schlüchtern, den 10. August 1929.
; I _______ Der Landrat: Dr. Müller.
s »Stadt Steinau. I Bekanntmachung r I Gefunden: r I 1 Trauring, k I 1 Geldbörse mit Inhalt, t I Steinau, den 8. August 1929.
£ I Die Polizeiverwaltung. I. v.: Weitzel.
; Was wird im Haag? t I Möglichkeit eines Ausstiegens der Konferenz?
s » In einem Artikel an leitender Stelle erörtert der / «ENchester Guardian" die Möglichkeit eines Aufflie- ‘ bet Haager Konferenz und meint, in diesem Falle ? Wrde zwangsläufig der Dawesplan in Kraft bleiben. : ein oder zwei Jahren werde Deutschland fest-
■ daß es nicht imstande sei, weiter zu zahlen. ; I Dann werde der Dawesplan einer Neuprüfung
s !^"lten werden müssen. Die Arbeit der Sachver- »Witzigen in Paris werde dann nicht vergeblich gewesen l aber ein besserer Bertragsentwurf werde den s »Mngplau ersetzen.
' L Das englische Blatt bringt in dieser Feststellung ■ Ausdruck, daß nach seiner Ansicht auch der i »vvungplan für Deutschland untragbar ist.
: I SchsOt wieder in Verlin
i L Der Reichsbankpräsident Dr. Schacht kehrte am ; »»^^"dabend vorläufig nach Berlin zurück. Seine " I »^^^cit wird auch von ihm im Hinblick auf die I^ussichtljjj) langwierigen englisch-französischen Tri- /"^Handlungen als vorläufig nicht notwendig er-
- I Die Beratungen des Unterausschusses für die
; I Räumungsfrage.
' L Haag, 11, 8. Zu den bevorstehenden Beratungen des - »/^"bschuffes für die technischen Räumungöfragen werden
1 yaa9 morgen verschiedene Beamte des Interalliierten ■ ^ndkommissariats und der beteiligten französischen , I flotte erwartet.
s l0l^'7 In Gegenwart von zahlreichen Vertretern der Reklame- ' I ^i-at!0llcn aher Länder, der Reichs- und Staatsbehörden und ; "Schaft wurde am Samstag in den Ausstellungshallen des
1 I lnct Messeamts die große Reklameschau eröffnet.
? I jk/T Die Bemühungen des ständigen Unterstaatssekretärs im ' »"Ministerium, Sir. Horace Wilson, zur Beilegeung des ‘ I " ">ks in der englischen Baumwollindustrie haben dazu a«- ' I ^ üch die Arbeitnehmerverbände jetzt bereit erklärt haben, ! I Schiedsgericht zu unterwerfe». Die Arbeitgeber werden h I ^"üungnahme zu dieser Frage noch bekauntgebeu.
Die Verfassungsfeier.
Die deutsche Republik feiert den zahnte«! Jahrestag der Weimarer Verfassung.
Den Auftakt der Feiern aus Anlaß des zehnten Jahrestages der Reichsverfassung bildeten in Berlin am Sonnabend die Schulen. Im Lustgarten fand eine gemeinsame Verfassungsfeier der Schulen des Bezirks Mitte statt. Siebzehntausend Schulkinder und 1800 Lehrer kamen in langen Zügen unter Vorantritt von Musikkapellen und schwarz-rot-goldnen Fahnen zum Festplatz. Nach musikalischen Darbietungen hielt Rektor Kellermann die Verfassungsrede.
Aehnliche Schulfeiern fanden im Reiche statt; auch die kommunalen Körperschaften hatten Einladungen ergehen lassen.
Die Reichshauptstadt stand während der Verfassungsfeier im Zeichen des Bundesaufmarsches des Reichsbanners Schwarz-rot-gold, so daß sie einen Massenbesuch aufzuweisen hatte, den reicher Flaggenschmuck grüßte.
Vor der Westsrpnt des Reichstagsgebäudes fand am Sonnabend der große
Zapfenstreich des Reichsbanners
statt, dem ein Konzert der Vereinigten Kapellen des österreichischen Schutzbundes vorausgegangen war. Zugleich fand eine große Kundgebung für den Einheitsstaat statt, bei der General Deimling die Ansprache hielt. Er verlangte die Rationalisierung der Verwaltung und eine territoriale Neugliederung des Reiches im Sinne der V nheitlichung. Diesen Veranstaltungen schloß sich ein Empfang der Ehrengäste durch den Bundesvorsitzenden im „Rheingold" an.
In ver Kroll-Oper gestaltete sich die Verfassungsfeier des Reichsbanners zu einer zahlreich besuchten Festversammlung an der auch Vertreter der Reichs-, Staats- und städtischen Be-
■ teikuahme isident a.
ting, Mitglied des Bundesvorstandes, betonte in seiner Ansprache, das Fundament des neuen Staatswesens stehe fest, die Republik sei gesichert. Er gedachte der toten Führer der Republik und warnte die Gegner von rechts und links, gegen die heutige Staats- form anzustürmen.
Von den weiteren Ansprachen sei die des Reichsministers Dr. Severing noch erwähnt, der ausführte, es wäre psychologisch nicht richtig gewesen, wenn das Reichsbanner angesichts der Terrorakte von links und rechts gerade in diesem Jahre still ausgetreten wäre. Es werde da sein, wenn es den Gegnern einsallen sollte, ihre Drohungen in die Tat umzusetzen. Die Staatsmänner der anderen Länder sollten wissen, daß der Wille des deutschen Volkes seinen Ausdruck in dar Demokratie findet.
Namens der Gewerkschaften entbot Leipach vom Allgemeinen Deutschen Gewerkschaftsbund dem Reichsbanner den Freundschaftsgruß.
Die republikanischen Eisenbahner Deutschlands und Oesterreichs versammelten sich im Rahmen der Feiern des Reichsbanners am Sonnabend im Zirkus Busch zu einer großen Kundgebung.
Nationalrat Deutsch- Wien betonte die unverbrüchliche Zusammengehörigkeit des deutschen und des österreichischen Volkes und sprach die Hoffnung aus, daß Deutsch-Oesterreich bald ein Bestandteil der deutschen Republik werden möge. Reichstagsabgeordneter und Vorsitzender des Einheitsverbandes der Eisenbahner Deutschlands, Franz Scheffel, betonte, die deutschen Eisenbahner seien sich bewußt, was die Republik und ihre freiheitliche Verfassung in politischen und sozialen Fortschritten gebracht habe und was sie ihr deshalb schuldig seien. Otto Scharfenschwerdt, Vorsitzender des Lokomotivführerverbandes, erklärte, die Eisenbahner im Schutzbund und Reichsbanner würden stets auf dem Posten sein und als Pioniere für diese hohen hehren Gedanken und Ziele weiter wirken.
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Der Hauptsesttag, der Sonntag, wurde in Berlin eingeleitet durch das Wecken durch Tambourkorps und Kapellen des Reichsbanners Schwarz-rot-gold. Um 9 Uhr fand im Zirkus Busch eine republikanische Jugendkundgebung statt, bei der u. a. Reichstagspräsident Löbe und Reichs? tagsabgeordneter Ernst Lemmer sprachen. Um 10,30 Uhr traf die Korsofahrt der republikanischen Motor- radfahr«- vom Tiergartenhof Unter den Linden ein.
3m Lustgarten
erfolgte von 11,30 Uhr ab der Gesamtaufmarsch des Reichsbanners. Stundenlang dauerte der Zug durch die Haupt-Feststratzen. Eine dichte Reihe von Flaggen umsäumte die Linden. Sie trugen oben den stilisierten Reichsadler und liefen dann tn die Farben der Republik aus. Aus dem Pariser Platz, dort, wo die Straße Unter den Linden auf ihn einmündet, hatte man ein
Ehrenmal für sie Toten des Weltkrieges errichtet. Aus einem wuchtigen Sockel, der die ganze Breite des Mittelteiles der Linden ausfüllte, erhoben sich drei Türme. Das Mal trug die Inschrift:
„Allen Toten des Weltkrieges".
Auf einer Tribüne, die zwischen der Aula der Universität errichtet war, hatten die Ehrengäste und der Bundesvorstand des Reichsbanners Platz genommen. Bundespräsident Otto Hörsing hielt die Ansprache, und dann zogen die Reichsbannerleute an der Tribüne vorbei, huldigten stumm vor dem Kenotaphium den Toten des Weltkrieges und begaben sich dann in ihre Versammlungslokale.
Der Reichspräsident
leitete den Festtag mit einem Kirchgang zur Dreifaltigkeitskirche ein, in der ein Verfassungs-Gottes- dienst abgehalten wurde. Um 12 Uhr begab er sich dann in den
Reichstag zur Teilnahme an dem Festakt der Reichsregierung.
In der Eingangshalle zum Portal II, dem Haupt- eingang für die Ehrengäste, war eine Büste von Hugo Preuß aufgestellt worden: „Gruß an den Schöpfer der Verfassung von Weimar, der den Reichspräsidenten Ebert ständig zur Verfassungsfeier in den Reichstag begleitete und mit ihm den Platz in der Ehrenloge einnahm".
Ansprachen hielten Reichsinnenminister Severing und Reichswehrminister Gröner.
Nach Beendigung der Feierlichkeiten nahm der Reichspräsident mit Rücksicht auf den Reichsbanner- • Festzug den Rückweg diesmal vom Platz der Republik aus vorbei an der Ehrenkompagnie durch die Friedensallee und Friedrich-Ebert-Straße. Während der Feierlichkeiten spielte die Hauptkapelle der Berliner Reichswehr vor dem Reichstag auf dem Platz der Re- AP-, beiden übrigen Reichswehr-kapellen tonzer- h Schöneberger Stadtpark und in Lankwitz.
Abends fand das traditionelle Festbankett der Reichsregierung statt. In den verschiedenen Opern wurden Abendfeiern veranstaltet.
Die Rkdlii bei der stier im Reichstag.
Reichsinnenminister Severirig gab einleitend der Hoffnung Ausdruck, daß es dsn Bemühungen der • Staatsmänner der ganzen Welt im Haag gelingen möge, daß Problem, der Völkerverständigung durch- zuführen. Trotz der ernsten Sorgen, die das deutsche Volk bedrücken, sei aber dennoch der heutige Tag ein Tag der Freude, die notwendig sei, weil wir den Weg in die Zukunft mit Hoffnung zurücklegen wollen. Redner fuhr dann fort:
Wer das Gute der Vergangenheit nicht ehrt, ist einer besseren Zukunft nicht wert. Auch unter der alten Staatsform haben wir Großes erlebt, und auch die Demokratie von Weimar ist im alten Staatswesen
isleben in
entstanden. Aber wenn wir das Gute der Vergangenheit ehren, dann dürfen wir erwarten, daß auch diejenigen, die noch mit ihrem ganzen Gefühlsl:.::'. ::. der Vergangenheit wurzeln, dem Neuen Ehrfurcht entgegen bringen. Die Verfassung von Wermar hat Großes geleistet, hat vor allem die Arbeiter'chaft zum Staate geführt, hat der Arbeiterschaft das Gefühl beigebracht, daß dieser neue Staat auch ihr Staat sei.
Nachdem der Minister dann die Ziele der republikanischen Verfassung auf dem Gebiete der Wirtschaftspolitik geschildert hatte, kvandte er sich gegen den Vorwurf, daß die Republik nicht einmal in der Lage sei, wenn sie die Verständigung der Völker er^ strebe, den inneren Frieden in Deutschlands Grenzen herzustellen.
„Ich weiß nicht, was man unter dem inneren Frieden in dieser Beziehung verstehen soll. Innerer Friede darf nicht zur Kirchhofsruhe führen. Aber der Kampf, den wir führen wollen, darf nichts anderes sein als der edelste Wettbewerb um die besten Methoden zu Höchstleistungen auf politischem, wirtschaftlichem und kulturellem Gebiet."
Zum Schluß mahnte der Minister zur Einigkeit und schloß mit den Worten: „Der 11. August, ursprünglich eine Verfassungsfeier, heute schon ein Tag der Republik und der Republikaner, und morgen und in Zukunft ein Tag der Nation!"
Reichswehrminister G r o e n e r gedachte pietätvoll der Vergangenheit und gelobte als Vertreter des Reichskanzlers im Namen der Reichsregierung, für die Gestaltung unserer Zukunft das Beste einzusetzen. Die Einigkeit des deutschen Volkes sei unser wertvollstes Gut, deutsche Arbeit, deutscher Fleiß und der Lebenswille des deutschen Volkes gewährleisteten uns das Recht auf einen gesicherten und geachteten Platz im Leben der Völker. Der Minister gedachte mit warmen Worten des ersten Reichspräsidenten Ebert, sprach dem jetzigen Reichspräsidenten den Dank des Volkes aus und' schloß mit einem Hoch auf das Deutsche Reich.