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Nr. 91

(1. Blatt)

Dienstag, den 30. Juli 1929

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Amtliche Bekanntmachungen

Landratsamt.

- Sprechstunden Beim Landratsamt: Dienstags fund Freitags, vormittags von 9 bis 12 Uhr

I.-Nr. 6516. Der Direktor des tierphysiologischen In- ffituts der Universität Leipzig, Professor Dr. Stimuliert hat im Aufträge des Herrn Neichsministers für Ernährung und tandwirtschaft und im Einvernehmen mit dem Neichsaus- schuß für Ernährungsforschung unter eigener wissenschaft­licher Verantwortung systematische Untersuchungen über den Vitamingehalt deutscher Lehensmittel angestellt. Die Er­gebnisse dieser Untersuchungen liegen nunmehr vor und werden in allgemein verständlicher $orm in mehreren Hef- jen der SchriftenreiheDie Volksernährung", Veröffent­lichungen aus dem Tätigkeitsbereich des Ueichsminiftermms für Ernährung und Landwirtschaft. Verlag von Julius :Springer, Berlin veröffentlicht werden.

Das erste heft, das soeben erschienen ist, behandelt die gebräuchlichen Obstsorten (Beerenobft, Kernobst, Steinobst) und Gemüsearten (Blattgemüse, Blütengemüfe, Fruchtae- miise, Stengelgemüfe, Pilze). Untersucht wurde hierbei der ivitamingehalt von Ernten aus verschiedenen Jahren, der -Einfluß der Düngung auf den Vitamingehalt, der Einfluß ;bcr Zubereitungen durch Kochen und Konservieren im Haus- Halt, der Lagerung über längere Zeit, der Aufbewahrung im konservierten Zustande, die Verteilung, der Vitamine in Zchale und Kern usw. Buch der Uebergang der Vita­mine ins Kochwasser wurde, soweit sie von Bedeutung zu sein scheinen, geprüft.

Das Heft kann von der Verlagsbuchhandlung Julius Springer, Berlin W 9, Linkstraße 23/24 bezogen werden. Der Preis beträgt 2.40

Schlächtern, den 23. Juli 1929. ^ >

Der Landrat: Dr. Müller.

Kreisa it s s ch u tz.

I-Nr. 6053 F. Diejenigen Herrn Bürgermeister, die noch mit der Erledigung meiner Verfügung vom 27. 6. 's. 3s. I.-Ur. 6053 F. betr- Bildung von Ortsausschüssen für Jugendpflege im klückstande sind, werden an die um- gcbende Einsendung des Berichtes hiermit erinnert.

Schlächtern, den 27. Juli 1929.

Kreiswohlfahrtsamt: Dr. Müller.

Stadt ®äjIntern.

Bekannt maNung

Üm Donnerstag, den 1. A u g uft d. 3 s. nach - mittags 6 Uhr werden die Lagerplätze in der Dresch- Halle öffentlich verpachtet.

Tchlüchtern, den 29. Juli 1929.

Der Magistrat: Senner.

Sriand nimmt den Auftrag au.

Bor dem Ende vor RegierungMriße.

Herr Domergue hatte angesichts der verworrenen parlamentarischen Situation und mit Rücksicht auf die Außenpolitik kaum eine andere Wahl, als Briand mit der Bildung des Kabinetts zu beauftragen. Briand erklärte, trotz der außerordentlich schwierigen Lage könne er sich diesem Auftrage nicht entziehen.

Im Laufe des Sonnabend nachmittags hatte der Präsident der Republik, wie üblich, außer dem Senats­und Kammerpräsidenten die Vorsitzenden der parla­mentarischen Kommissionen, Fraktionsführer und an­dere führende Politiker bei sich empfangen. Die Mehr­heit derselben hat ihm ohne weiteres Briand als den gegebenen Mann bezeichnet.

Briand hat am Sonntag mit feinen Besprechmt- gen, die zur Kabinettsbildung führen sollen, begonnen. Er will allem Anschein nach die Mehrzahl seiner bis­herigen Kollegen im Kabinett behalten, und nur einige wenige, die seit der Ausschiffung der radikalen Mi­nister im November vorigen Jahres als Platzhalter fungieren, wieder voraussichtlich durch Mitglieder der radikal-sozialistischen Fraktion ersetzen. Als solche nennt man in erster Linie Herriot und Julien Duraus. Bleiben werden wohl auf alle Fälle der Innenmini­ster Dardieu, der Kriegsminister Painleve, der Han- d^lsminister Eheron, Barthau, Loncheur, Leygnes usw.

Briand ist in Frankreich ein sehr populärer Mann. Er ist aber auch ein sehr geschickter Operateur, dem es höchstwahrscheinlich gelingen wird, die kranke Situation innerhalb 48 Stunden in seinem Sinne gesund zu machen. Kammer und Senat können dann am Mitt­woch oder Donnerstag zu einer außerordentlichen Sitzung zusammentreten, um die Regierungserklä­rung entgegenzunehmen und dem neuen Ministerium sein Vertrauen auszusprechen.

Wird W ^ite im Haag verschoben^

Der PariserTemps" äußert sich dahin, daß, wenn auch die Ministerkrise schnell gelöst werden dürste, so würde es doch mehrerer Tage bedürfen, bis die neue Regierung Don der Kammer ein Vertrauensvotum erhalten könnte, das ihr gestatte, im Namen Frank­reichs zu verhandeln. Daher erscheine es sehr schwie­rig, daß sich die Regierungskonserenz mit Aussicht aus Erfolg bereits am 6. August Versammeln könne. Man werde vielmehr die Mitte des kommenden Monats als geeigneten ^"öffnungszeitpunkt in Aussicht nehmen müssen.

Englands Vertreter auf der Regierungskonferenz.

Von amtlicher britischer Seite wird bekannt ge­geben, daß die britische Vertretung aus der internatio­nalen Konferenz im Haag von Außenminister Hen- derson und Schatzkanzler Snowden geführt werden wird, die beide von einem großen Stab von Beamten des Foreign Office und des Schatzamtes begleitet sein wer-

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Bekannt maAsung

®eleqentlid) des am 4. August d. 3s. stattfindenden Weitzel'schen Stiftungsfestes sollen auch in Jahre Ehrenpreise für Zuchtvieh (Rindvieh, wel- im eigenen Stalle geboren oder im Alter bis zu o Monaten aufgekauft oder selbst aufgezogen ist, Zucht- lliwe i N e und Ziegen ausgegeben werden.

me Besitzer solcher zur Prämierung geeigneter Tiere »erden ersucht, dieselben am M i t t w o ch. den 31. Juli nachmittags 6 Uhr, den Preisrichtern am ^ntertor vorzuführen.

Schlächtern, den 29. Juli 1929.

Der Magistrat: Fenner.

^tadt Stein an.

B e k a n n t m a Sh u n g.

IDafVerleitung.

, schon lange andauernde Trockenheit bat einen er- Wassermangel herbeigeführt. Um die Stabt von c.r Einführung von Sperrstunden zu bewahren, richten lr ^ alle Einwohner nochmals die dringende Aufforbe» ^H jede Verschwendung von lvasserleitunaswasser zu ver- Insbesondere verbieten wir ausdrücklich, bis zur

Hub e 9 ^^ Wassermangels das Begießen der Gärten 5trafjen, das Ausmaßen der Wäsche mit Leitungs- u Ferner werden sämtliche Wasserabnehmer ersucht, b .^feilten Leitunaen umgehend reparieren zu fassen.

mon durch die Kommission ist im Gange.

Sollte durch Uebertretung dieses Verbots die Einfüh- 9.Don Sperrstunden erforderlich und dadurch die All= ^^nDeit geschädigt werden, so werden die Zuleitungen Ijüglich abgesperrt.

^'emau, den 25. Juli 1929 .

Der Magistrat: Dr. Kraft.

den. Aus englischer Seite ist man daraus vorbereitet,

trotz der Verzögerung in den Vorverhandlungen die Arbeiten der Konferenz am 6. August zu beginnen,

Arbeiten der Konferenz am v. August zu beginnen, w-ürde aber einen entsprechenden Pariser Wunsch auf

Verschiebung um 10 Tage angesichts der entstandenen Schwierigkeiten zweifellos berücksichtigen.

Graf Zeppelin" aus Probefahrten.

Die ersten Flüge seit der Rückkehr aus Frankreich.

Das LuftschiffGraf Zeppelin" ist am Sonn­abend früh 5,40 Uhr mit einer Reihe von Fahrgästen unter dem Kommando von Dr. Eckener zu einer Probe­fahrt, der ersten Fahrt seit der Rückkehr des Luft­schiffes aus Frankreich, aufgestiegen. Nach dem Ver­lassen der Halle ging der Start reibungslos von- ftattsn. AuKr der Besatzung befanden sich ungefähr 25 Passagiere an Bord desGras Zeppelin". Die Fahrt erstreckte sich auf das Bodenseegebiet. 8,25 Uhr, nach dreistündiger Probefahrt, ist das Luftschiff gelandet.

Am Sonntag 12-Stundenfahrt.

Sonntag vormittag um 7,34 Uhr ist der Luft- riefe unter Führung Dr. Eckeuers zu der beabsichtigten IL-Stundenfahrt aufgestiegen. An Bord befinden sich nutzer der Besatzung noch 27 Passagiere. Um 8,50 Uhr erreichte das Luftschiff Stuttgart. Nach einigen Schleifen über der Stadt flog- es in nordwestlicher Richtung weiter.

Auf der weiteren Fahrt wurden Landau und Pirmasens passiert, weiter Kaiserslautern, Trier und Koblenz. Audi Bingen und Mainz stattete das Luftschiff einen Besuch ab. (Es wurde überall von der Bevölkerung des besetzten Ge­bietes, das derGraf Zeppelin" mit Genehmigung der Besatzungsbehörden zum ersten Male überflog, stürmisch begrüßt. Kurz nach 19 Uhr ist das Luftschiff nach 11 Va Madiger Fahrt glatt in Friedrichshafen gelandet.

Reform der Arbeitslosenversicherung.

Die Saisonarbeiter bleiben in der Berfichermrg. ^ Erhöhung der Beiträge. - W .

Ueber die Beschlüsse der von der ReichsveKerung einge­setzten Sachverständigenkommission für die Reform der Er­werbslosenversicherung wird amtbch mitgeteilt:

Die Kommission einigte sich dahin, daß die Saison­arbeiter auch weiterhin die Versicherung zu betreuen hat. Die Frage, ob eine Sonderregelung für die Saisonarbeiter sin- treten oder eine Gesamtregelung gesunden werden soll, bei der das Saisonrisiko entsprechend berücksichtigt ist, wurde von der Mehrheit dahin entschieden, daß beide Gesichtspunkten Rech­nung getragen werden soll. Die Höhe der Arbeitslosenunter­stützung soll in Zukunft allgemein zu^er Dauer der Voraus- gegangenen Beschäftigung in Beziehung gebracht werden. Da­neben sollen die Saisonarbeiter nur die Unterstützungssätze der Krifensürsorge erhalten und zwar nach einer Wartezeit von zwei Wochen. Bon den anderen Verhandlungsergebnissen ist hervorzuheben, daß der Begriff der Arbeitslosigkeit im Ge-

das Smsünris! Mehrheit dah

setz bestimmt und damit eine Reihe von Unzuträgtichkeiten aufgeräumt werden foill. Weiter schlägt die Kommission vor, die Wartezeit für alleinstehende Arbeitslose allgemein auf zwei Wochen zu verlängern, für Arbeitslose mit großer Familie, die Wartezeit auf drei Tage abzukürzen.

Soweit diese Maßnahmen in ihrer finanziellen Aus­wirkung übersehen werden können, kann die Ersparnis aus rund 160 Millionen Rm. im Jahre geschätzt werden. Das würde aber nach Auffassung der Kommission nicht genügen, um auf die Dauer die Einnahmen und Ausgaben der Reichs­anftalt in Einklang zu bringen. Die Kommission schlug des­halb, da Reichszuschüsie nicht in Frage kommen, eine Bei- tragserhöhung um einhalb v. H. vor. Schließlich soll die Reichsregierung ersucht werden, die Darlehen, die bisher der Reichsanstalt gegeben wurden, bis zum 1. April 1935 zu stunden.

Das Reichsarbeitsnnnisterium wird nunmehr nach Füh­lungnahme mit den Landesregierungen eine Gesetzesvorlage vorbereiten, die nach dem Beschluß des Reichstabes in der »'V Hülfi- des August dem Aeichsrat und dem RerchAag zu- gehen wird.

Lm Den neuen Reparalionsplan.

Englische Gedanken. .

Im englischen Unterhaus erklärte Schatzkanzler S n o iv d e n , die englische Regierung sei nicht verpflichtet, den Doung-Plan anzunehmen.

Die englische Regierung verkenne auch nicht den Zusam­menhang zwischen Rhcinla'ndröumung und Tributfrage au, den man in Genf geschaffen habe. Der Joung-Plan sei im übrigen bisher noch" von keiner Regierung angenommen wor­den. Auch die deutsche Regierung habe nur erklärt, daß der Joung-Plan eine geeignete Grundlage für Verhandlungen in der Tributfrage sei. Nach englischer Auffassung fei die bevor­stehende Konferenz dazu befugt, den Aoung-Plan in allen Ein­zelheiten zu beraten und erforderlichenfalls abzuändern.

Briand über Räumung und Joungplan.

Im französischen Senat, der die Schuldenabkommen mit 242 gegen 30 Stimmen ratifizierte, hielt Briand eine län­gere Rede über den Boung-Plan und die Räumungsfrage. Er sagte u. a., daß die Rheinlandräumung ange­schnitten worden sei, sei unvermeidlich gewesen.

Die Räumung sei in das Genfer Programm ausgenom­men tvorden, weil Artikel 431 des Versailler Friedensvertrags die Möglichkeit einer vorzeitigen Rheinlandräumung vorse^. Deutschland habe verlangt, daß die Rheinlandfrage auf die Tagesordnung der zukünftigen Regierungskonferenz komme. Die Alliierten könnten das nicht abschlagen. Das, was die ganze Frage der Wiedergutmachung so schwierig mache, sei, daß der Friedensvertrag Deutschland das Recht gewähre, an Frankreich die Aufforderung zu richten, seine finanzielle Lage zu untersuchen, um die ihm auferlegten Zahlungen abzu- ändern. Daher sei er der Auffassung, daß die Reparations- fragr ein- für allemal gelöst werden müsse. Das ganze System teerte durch eine Fcststellungs- und Versöhnungskommission ergänzt werden.

Frankreich sei bereit, auch mit Deutschland ehrlich zu- sammenzuarbeiten. Als man seinerzeit den Versailler Frie­densvertrag verfaßte, habe man nicht mit der englisch-amerr- kanlschen ®ar«Htie für die französischen Ostgrenzen gerechnet. Er habe sich stets bemüht, diese Garantie wieder aufleben zu lassen. Endlich in Locarno sei ihm das gelungen. Dann hätte der deutsche Reichskanzler feierlich im Reichstag erklärt, so, der teittfdje Reichskanzler feierlich int Reichstag erklärt, daß er aus freien Stücken die politische Lage anerkenne, so, wie sie der Friedensvertrag geschaffen habe, und daß er dar­auf verzichte, nad? Elsaß-Lothringen zu zielen.

In der französischen Kammer gab es »och stürmisch« Szenen, als das Regierungsdekret verlest» wurde, das das Parlament in die Sommerferien schickt, obwohl noch wich, tige Beratungsgegenstände vorl cgen. Erst »ach längerer Debatte wurde das Protokoll über die Schlußsitzung äuge« nommen und das Parlament ging in die F«st«. .

3m Endspiel um die deutsche Fußballmeisterschaft siegte am Sonntag in Nürnberg die Spielnereinigung Fürth mit 3 :2 (1 :1) gegen den Berliner Meister Hertha B. S.(L Fürth hat damit zum dritten Male die deutsche Fußball­meisterschaft gewonnen.