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^ 62 lt Blatt) Donnerstag, den 23. Mai 1S2S 81. Jahrg.

Kleines -«enkanisches Entgegenkommen.

Em überraschender amerikanischer Beschluß. Seine finan­ziellen Auswirkungen unbedeutend. Ein bemerkenswerter Protest. Der Stand der Pariser Konferenz. Die Entente­vertreter einig. Eine Rede Poincares.

Amerika ermäßigt seine Forderungen.

Während die Pariser Sachverständigen-Kon- ferenz zur Reparationsfrage schon seit mehreren Tagen gewissermaßenauf der Stelle getreten" ist, weil sie I sich weder über die Verteilung der Beute die deutschen Zah­lungen, noch über die deutschen Vorbehalte einigen konn­ten, scheinen die Beratungen jetzt endlich voranzukommen. Den iAnstoß dazu gab ein bedeutsamer Beschluß der amerikani- lschen Regierung. Man berichtet darüber aus New ^ork: In Washington fand in Anwesenheit von Präsident ^hoover, Staatssekretär des Auswärtigen Stimson, Schatzsekretär Mellon, dem Unterstaatssekretär, dem Unter-

Matzsekretär Mellon, dem Unterstaatsse schatzsekretär sowie sämtlichen republikanisch schen Parteiführern beider Häuser eine wichtige Besprechung ein der insbesondere die baldige Lösung der Kriegsent- igungsfrage im Zusanimenhang mit den Pariser Sach­verständigenverhandlungen besprochen wurde.

en und demokrati^

Von amtlicher Seite kommende Meldungen erklären, daß ifich die amerikanische Regierung bereit erkläre, bezüglich der ! Besatzungsansprüche die gleichen Aenderungen eintreten zu lassen, wie dies Frankreich und England tun würden. Aus den Washingtoner Berichten geht hervor, daß Amerika die Herab- schnng seiner Besatzungsansprüche in dem Maße erwäge, daß ßch daraus eine Verminderung seines Reparatronsanteils um Ma 10 v. H. ergebe.

Einer Washingtoner Meldung zufolge, habe die ameri­kanische Regierung ihren Beschluß vom Pfingstsonntag gefaßt, um zum Ausdruck zu bringen, daß Washington jede europäische fEntscheidnug gutheiße, durch die die Besatzungskosten herab- 8-# $-^ * wurden odw Ine .g8pze-3waM^.u^u

. In Berliner politischen Kreisen ist man pssung, daß der Verzicht Amerikas auf einen Teil der ihm zu- stehenden Kriegsentschädigungsforderungen weniger in finan­zieller Hinsicht eine Rolle spielt als in moralischer dadurch, daß sich Amerika in die Kriegsentschädigungsfrage einschaltet.

Der Geldwert des amerikanischen Entgegenkommens. . Nach einer Meldung aus London wird der Geldwert des amerikanischen Zugeständnisses in den Washingtoner Be­richten verschieden angegeben, scheint aber insgesamt zwischen U6 und 126 Millionen Mark zu schwanken.

st man der An

Ein Ausgleich der Spanne zwischen den Forderungen der Alliierten und dem amerikanisch-deutschen Vorschlag ist dadurch nicht möglich. Moralisch wird die amerikanische Geste dagegen hier allgemein sehr hoch bewertet, da man hierdurch sur die Pariser Verhandlungen in dem kritischen Schlußstadium eine günstige Beeinflussung erwartet.

. unterrichteten Washingtoner Kreisen ist man der An- oas,,das Entgegenkommen auf Ratschläge zurückzu- jUhren sei, die die Washingtoner Regierung neuerdings aus baris erhalten hat. Weiter wird aus New Dork berichtet, tnt Anschluß an die Reparationsbesprechung im Weißen Pause Statssekretär Stimson erklärte, die Regierung der Ver­einigten Staaten fei bereit, gewisse Zugeständnisse zu machen, um daran mitzuhelfen, daß die Pariser Reparationskonferenz uit dem allseitig gewünschten Erfolg abgeschlossen werden

Borah protestiert.

Wie aus Washington gemeldet wird, hat Senator orgh bie Konferenz, die im Weißen Hause stattfand, vor- zung verlassen, um seine Opposition gegen die nach seiner unfaire Lösung" der Kriegsentschädigungsfrage S zu bringen. Die alliierten Forderungen sind der Meinung Borahs unmäßig.

®e bezeichnet die vorgesehene Neuregelung als unbefriedi- » und die alliierten Zugeständnisse als unvernünftig. Eine oder befriedigende Lösung sei auf dieser Grundlage ' Die gesamte Kriegsentschädigungsfrage werde da- LJn ^mgen Jahren wieder zur Aussprache gestellt werden ^orah erklärte:Wir könnten etwas von der Zukunft rwArten, wenn wir eine faire Regelung hätten, die auf die W(K*^^ * 10 r"E°S-ndm B--.

Einigung unter den Ententestaate».

Pariser Meldungen hat es den Anschein, daß die Ar- ^^sichberständigenkonferenz in den letzten Tagen haben gemacht haben. In ihrer letzten Sitzung isiit L m Sachverständigen der Gläubigerstaaten erneut heickön- ^brwilung der von Deutschland zu zahlenden Beträge . wurde ein Bericht ausgearbeitet, der noch am iw hn!» t <n^ "ach Brüssel weitergeleitet wurde. Man rech- wmt, daß er die Zustimmung Belgiens erhalten wird.

«Nd Ä dem Echo de Paris" ist es ntöglich, daß Frankreich di° Kosten der Verteilung der deutschen Jahres- diillia tragen. Die amerikanische Konzession trete dabei sich den Hintergrund. Bei dieser Konzession handele es WfihtL"'" Herabsetzung von 4 Millionen, der von der stgsxP Pomr Regierung für die Besatzungskosten geforderten ^»resletstuug von 37 Millionen Der Bericht Six Sofia

Stomps sei jetzt beinahe frtiggestellt. Er enthalte nicht nur die Einigung der Gläubigerstaaten über die Verteilung der deutschen Zahlungen, sondern auch die Aeußerungen zu den Vorbehalten Dr. Schachts.

Der Ewig-Gestrige.

Bei der Einweihung eines Gefallenendenkmals bei Ver- d u n hielt Poincars eine Rede, in der er wieder über die Schuld Deutschlands am Ausbruch des Krieges sprach. Er entrüstete sich dann wie immer über die Verletzung der belgi- chen Neutralität und kam schließlich auf die R e p a r a t i o n s- rage und die Pariser Konferenz zu sprechen. Hierzu ägte er: Ich weiß nicht, ob eine internationale Abmachung ein klares und endgültiges Ergebnis bringen wird. Die fran­zösische Regierung kaun sich chre Auffassung erst an dem Tage bilden, an dem sie einen abschließenden Bericht erhält. Sie wünscht, daß der wirtschaftliche Wiederaufstieg der Welt durch eine endgültige Regelung gefordert werde.

Es wäre aber ungerecht und unzulässig, wenn die Kosten einer Abmachung vom heimgesuchten und zerstörten Frank­reich getragen würden. Wir haben nicht das Recht zu vergeffen, die wir gemeinsam bewen

jt, die Zahl der Toten zu vergessen, die wir gemeinsam beweinen. Heute wie gestern und gestern wie heute sind es unsere Toten, unsere Verwundern und unsere unglückliche Bevölkerung, die die besten Garantien für die Rechte Frankreichs sind."

Man sieht, vergessen. Er st

Poinoars hat nichts gelernt und nichts

Dem Ende entgegen!

In den Reparationsverhandlungen ist insofern ein Fort­schritt zu verzeichnen, als sich die Gläubigermächte nunmehr über die Verteilung und die Annahme der von Gwen Poung genannten Annuität von 2050 Millionen Goldmark geeinigt haben. Allerdings sind eine ganze Anzahl vo; Bedingungen zur Voraussetzung gemacht, über die zur Zeit noch nichts Näheres mitgeteilt werden kann. wahrscheinlich wird morgen der deutschen Delegation der Standpunkt

dann von der Annahme oder Ablehnung der Bedingungen ab, ob man zu einer allgemeinen Einigung gelangen wird.

Seutsthland und Oesterreich.

Vuudestag des Oesterreichisch-Deutschen Volksbundes. Ueber die Rechtsangleichung.

Auf dem diesjährigen Bundestag des Oesterreichisch- Deutschen Volksbuni«s in Karlsruhe sprach Reichsjustiz- minister a. D. Koch-Weser überOesterreichisch-deutsche Rechtsangleichung". Der Redner gab zunächst seiner Genug­tuung darüber Ausdruck, daß politische Gegnerschaft die Un­gleichung des öffentlichen und privaten Rechts zwischen den beiden deutschen Ländern nicht verhindern könne. Er fetzte auseinander, was auf diesem Gebiet bisher fchon erreicht worden sei. Ein Uebereinkommen über gewerblichen Rechts­schutz fei in Vorbereitung, das Erfinderrecht, Urheberrecht, Aktienrecht nach einheitlichen Grundsätzen regele.

Er sprach dann ausführlich über den Entwurf des neuen Strafgesetzes, das die Angleichung der gesamten Gesetzgebung voraussetze. Dank der Zusammenarbeit der parlamentarischen Ausschüsse beider Länder habe man auf diesem Gebiet in vielen Punkten Uebereinstimmung erzielen können, wenn auch noch manches aus Schwierigkeiten stoße, die aber wohl überwunden werden dürften. Das Hauptverdienst dieses Entwurfs ist, daß sich in ihm größere Humanität ausdrückt als in den bisherigen Strafgesttzbüchern beider Länder und daß er dem Ermessen der Richter größeren Spielraum lasse, gewisse Strafakten fallen zu lassen, andere dagegen zu verschärfen.

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Vor ernsten Unruhen in Zndien?

Allerlei Vorsichtsmaßnahmen der englischen Behörden.

DieDaily Mail" berichtet in sensationeller Aufmachung aus Kalkutta, daß die indische Regierung sich gegenwärtig einer sehr ernsten Entwicklung gegenüber sehe, deren Natur im Augenblick nicht erläutert werden könne. Für die Bewachung des Vizekönigs Irwin seien umfassende Vor­bereitungen getroffen. Daneben aber würden auch verschie­dene Provinzialgouverneure und alle höheren Zivilbeamten und Offiziere sowie die öffentlichen Gebäude sorgfältig bewacht.

Die Gerüchte, wonach unter den Truppen geheime Bewegungen zu verzeichnen seien, hielten an. Diese unge­wöhnlichen Bors

Bewegungen zu verzeichnen seien, hielten tvöhnlichen Vorsichtsmaßnahmen finden durch die Sabotage­akte der letzten Woche in verschiedenen Eisenbahnwerkstätten, durch den Ausbruch von Feuern an wichtigen Punkten und durch die Haltung der republikanischen Armee, die namentlich von Allahabad aus führende Persönlichkeiten einzuschüchtern suche, keine ausreichende Erklärung.

Dienstag abend entgleiste in Polen unterhalb Be- Huezyn ein Zug, der aus Personen- unt> Güterwagen be­stand. Sechs wagen wurden zertrümmert. Der Lokomo­tivführer und der Heizer waren auf der Stelle tot. viele Personen sind verletzt worden.

Anfall des Hamburg-Münchner Schnell­zuges infolge Gleisverwerfung.

Vier Personen durch Glassplitter leicht verletzt. Starke Verspätungen.

Frankfurt a. M. Dienstag nachmittag 2,28 Uhr haben sich infolge einer Gleisverwerfung im Bahnhof Hün- f e l d die Puffer der sechs letzten Wagen des Hamburg-Mün- chener Schnellzuges übereinanderverschoben. Hierbei wurde eine Unzahl Fensterscheiben zertrümmert, vier Neisende erlitten durch Glassplitter leichte Verletzungen an den Ar» men. Eine Entgleisung ist nicht eingetreten. Die sechs Wagen des Zuges wurden abgehängt und die Reisenden nach Bayern in den vorderen Zugteil, die Reisenden nach Frankfurt a. M. von dem bald darauf folgenden Leip­ziger Schnellzug übernommen. Die den Bahnhof Hünseld passierenden Züge werden bis zur Instandsetzung des Gleis­stücks über ein Ueberholungsgleis geleitet. Durch den Vor­fall erlitten der Münchener Schnellzug 70 Minuten, der Hamburger 30 Minuten und der Leipziger 30 Minuten Ver­spätung. Bei der Gleisverwerfung handelt es sich um Reichs­bahnoberbau, der 1928 neu verlegt worden ist.

Dr. Gtresemann nach Berlin zurückgekehrt.

Berlin 21. 5. (WB) Reichsaußenminister Dr. Strese- mann ist aus Heidelberg kommend heute abend wieder in Berlin eingetroffen.

Neues vom Konkordat.

Der Demokratische Zeitungsdienst bringt Einzelheiten über das preußische Ronkordat. So teilt er z. B. bezüglich der Neuregelung des finanziellen Verhältnisses zwischen dem preußischen Staat und der katholischen Rüche mit, daß die finanziellen Leistungen Preußens an die katholische Rüche, die bisher rund 1,4 Millionen Mark jährlich be- . in Zukunft schon infolge der Neuschaffung von k.rjthJ.untern und Bistümern auf einen Betrag von insge­samt 2,8 Millionen Mark im Iahr steigen würden. Darin seien aber die Zuschüsse noch nicht miteinbegriffen, die der preußische Staat an die katholischen Geistlichen und Kirchen leiste. Diese Summen, die im Haushalt des Ministeriums für Wissenschaft, Runst und Volksbildung ausgewiesen wer­den, betrügen für das laufende Rechnungsjahr rund 2,14 Millionen. Innerhalb der preußischen Staatsregierung fei man aber durchaus bereit, entsprechende finanzielle Ver­handlungen auch mit den Vertretern der evangelischen Rüche zu führen.

Feierliche Aebergabe des Transozeanflugzenges Bremen" an die Stadt New Uort.

New Vork, 21. 5. (WB) Die Einholung und feierliche Enthüllung des TransozeanflugzeugesBremen", das, wie berichtet, seit seiner Ankunft in Amerika im Museum of peaceful Arts ausgestellt war, erfolgte heute nachmittag in Gegenwart einer riesigen Menschenmenge. Ansprachen hielten bei dieser Gelegenheit der Vizepräsident der New Pork Tentral Eisenbahn Ingalls und der Präsident des Museum of peaceful Arts Pratt, die die Wichtigkeit des Fluges derBremen" und die Bedeutung der Schenkung von Hünefelds betonten, ferner Fitzmaurice, der die Ab­wesenheit seiner Rameraden Röhl und von Hünefeld be­dauerte, und der deutsche Konsul Heuser. Zum Schluß ergriff Bürgermeister Walker das Wort. Er bezeichnete den heutigen Tag als einen bedeutsamen in der Geschichte der Stadt New Pork. Das FlugzeugBremen" wird für die nächsten sechs Monate in der Grand Tentral Sta­tion einen Ehrenplatz finden, und zwar wird es unter der als Himmel ausgemalten Decke der Galerie über dem dort aufgestellten ersten Zug der New Pork Tentral Eisen­bahn schwebend aufgehängt werden. Nach Vollendung des neuen Museumsbaues wüd es dorthin übergeführt werden.

Neuer Flugretorb.

Der Chefpilot Rolf Starke der Ernst-Heinkel-Flugzeug- werke Warnemünde hat einen neuen Geschwindigkeitswelt- rekord mit 1000 Kilogramm Zuladung über 100 Kilometer aufgestellt. Starke startete in Warnemünde und erreichte auf der 100 - Kilometer - Meßstrecke eine Schnelligkeit von 235 Kilometern in der Stunde. Er überbot damit den seit Januar 1928 bestehenden Weltrekord um mehr als 15 Kilometer in der Stunde. Die Leistung wurde vom Deutschen Luftrat als deutscher Rekord anerkannt und der F. A. I zur Anerkennung als Weltrekord angemeldet.

An der Rückfahrt desGraf Zeppelin" nach Fried­richshafen werden vier französische Militärs teilnehmen. Es ist dies ein Beweis für das vertrauen, das auch von ausländischer Seite in die Leistungsfähigkeit des Zeppe- linluftschiffes gesetzt wird.