Ar 60 (t. Blatt) Samstag, den 18. Mai 1929 81 Zahrg.
Amtliche Bekanntmachungen
Landratsamt.
I I.-Nr. 4230. Don Reichswegen findet am 1. 3uni ' ^ 3s, eine Schweinezählung statt. In Preußen werden , herbei auch die Schafe gezählt. Die Ergebnisse dienen 1 gemeinen volkswirtschaftlichen und statistischen Zwecken. ! Die näheren Anweisungen für die Durchführung der Zahlung enthalten die den Herren Bürgermeistern und ' Atrvorstehern zuhehenden Formulare zu den Zählbezirks- listen T und den Gemeindelisten E. Mit dem Inhalt dieser Anweisungen und der Formulare wollen die Herren Bürgermeister und Gutsvorsteher sich alsbald eingehend vertraut machen und wegen der Ausführung der Zählung das Weitere veranlassen. Etwaiger Mehrbedarf an For- . mlaren ist alsbald hier anzufordern.
Die sorgfältig aufgestellten Zählbezirks- und Gemein- : delisten sind vollzählig sobald wie möglich, s p ä t e st e n § bis zum 5. Juni d. 3s. Hierher einzureichen und > zwar die Zählbezirkslisten in doppelter und die Gemeinde- ' lisien in einfacher Ausfertigung. Der für die Einsendung = "der Listen festgesetzte Termin darf nicht überschritten wer- ; den, da zu deren Zusammenstellung und Nachprüfung hier ’ nur wenige Tage zur Verfügung stehen.
Da bei füheren Zählungen in einigen Fällen Tiere - verheimlicht worden sind, ersuche ich die Herren Bürger- ' Meister und Gutsvorsteher, die Viehbesitzer darauf hinzu- , weisen, daß neben der Strafe (Gefängnis bis zu 6 Mona- g im oder Geldstrafe bis zu 10000 Mk.) die Beschlagnahme ’ der verheimlichten Tiere angeordnet werden kann.
5 Die zweiten Zählerlisten sind dem Landjägereibeamten ; auf Verlangen zwecks Nachprüfung auszuhändigen. Er j: ist dabei gleich auf etwaige Ungenauigkeiten aufmerksam zu machen. Die Listen werden nach Gebrauch alsbald zurück gegeben werden.
M^^ch^ ferner darauf aufmerksam, daß die in Jen Zählbezirkslisten aufgenommenen Angaben über den Vrdh- besitz der einzelnen Haushaltungen nicht für Zwecke der Steuerveranlagung verwendet werden dürfen. Ueber diese Angaben ist vielmehr das Amtsgeheimnis zu wahren."
Ich ersuche die Herren Bürgermeister und Gutsvorsteher, für geeignete Bekanntgabe zu sorgen, auch die Zähler anzu- weisen, die Einwohner ihrer Zählbezirke aus diese Bestimmungen besonders aufmerksam zu machen.
Schlächtern, den 14. Mai 1929.
Der Landrat. 3. D.: Schultheis.
J.-Nr. 4282. Die Ortspolizeibehörden des Kreises werden ersucht, dem Herrn Kreisarzt (Mediunalrat Professor Dr. Wersten zu Gelnhausen) von jeder polizeilichen Anmeldung eines Arztes Mitteilung zu machen.
Schlächtern, den 15. Mai 1929.
Der Landrat. 3. v.: Schultheis.
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Unter Bezugnahme auf die Verordnung des Herrn Gber- Präsidenten vom 13. Mai 1905, betreffend verbot der llusfuhr von Reben aus reblausverseuchten Gemarkungen (Amtsblatt Nr. 21 von 1905) wird hierdurch zur öffentlichen Kenntnis gebracht, daß z. Zt. als reblausverseucht zu gel- kn haben die Gemarkungen: Aßmannshausen, Dörscheid, Mville, Erbach, Frauenstein, Geisenheim, Hallgarten, Hat- Mheim, Hochheim, Iohannisberg, Kiedrich, Lorch, Lorch- Msen, Mittelheim. Gestrick, Rauenthal, Rüdesheim und i Winkel, sämtlich m Regierungsbezirk Wiesbaden.
Die Gemarkungen Winkel und Gestrich gelten zusammen mit dem verseuchten Teil der Gemarkung Iohannis- derg als ein Gemeindebezirk im Sinne des § 6 der verord- ™n9 vom 16. August 1905 (Amtsblatt Nr. 34 von 1905). t« III. 5276 a/29)
Kassel, am 14. 3. 1929. Der Neg.-Präsident.
^tadt Schlüchtern.
Oeffenttiche Mahnung.
. ^" alle Zahlungspflichtigen, die ihre im Monat Mai W29bezw. für Vormonate fällig gewordenen Staatssteuern, rundvermögens- und Hauszinssteuern — an die mit dem mzug derselben beauftragten Hebestelle in Schlächtern — rx ^^ — nicht bezahlt haben, ergeht hierdurch öffent- W Mahnung.
®s wird daraus aufmerksam gemacht, daß bei nicht Witiger Zahlung der monatliche Einzug der Staats- ?uern durch den Vollziehungsbeamten erfolgt, da die Ab- "brung an den Staat pünktlich erfolgen muß.
। “nträge und Eingaben heben die Zahlungsverpflich- ug nicht auf, solange Stundungs- oder Fristbescheide nicht gongen sind.
Schlüchtern, den 16. Mai 1929.
Der Magistrat: Fenner.
Die zweite Amerika-Fahrt des „Graf Zeppelin".
Glatter Start.
Ueber den Start des Luftschiffs „G r^l f Z e p p e 11 n" zur zweiten Amerikafahrt wird aus Friedrichshafen gemeldet:
Am Donnerstag gegen 5.30 Uhr, während die Arbeiter vereinzelt zur Werft eilten, umlagerten schon viele Menschen den Platz des Zeppelingeländes und je näher der Zeitpunkt des Startes rückte, desto mehr Zuschauer sammelten sich an. Alle wollten dem „Graf Zeppelin" zu seiner Fahrt nach Amerika einen letzten Gruß entbieten. Nachdem das Schiff noch einer kurzen Besichtigung unterzogen war, wurde es 5.49 Uhr zu dem westlichen Tor aus der Halle gezogen. Nachdem es gewendet worden war, ertönte um 5.54 Uhr das Kommando „Marsch". Nach einer kurzen Schleife über Fridrichshafen verschwand es in westlicher Richtung im Nebel. Das Wetter in Friedrichshafen war zurzeit des Abfluges regnerisch.
Der Weg.
Das Luftschiff flog über Konstanz nach Barce, das um 7 Uhr 20 erreicht wurde, über Lyon um 10 Uhr 10, über Valence an der Rhone 12 Uhr und wandte sich dem Mittel- meer zu.
Das Luftschiff kehrt infolge doppelten Wellen- braches um.
Friedrichshafen, 16. Mai. (W. T. B.) Ein im Laufe des heutigen Abends von Bord des „Graf Zeppelin" an die Werftleitung gelangter Funkspruch besagt, daß die Amerikafahrt vorläufig abgebrochen wurde, nachdem in der Maschinenanlage größere Störungen aufgetreten sind, die die Ueberfahrt nach Amerika gegenwärtig nicht ratsam erscheinen lassen. Dr. Eckener hat sich daher heute abend um 6.35 Uhr nach einer Besprechung mit den Passagieren entschlossen, die Fahrt abzubrechen und nach Friedrichshafen
Kein Rnlasi zu Besorgnissen.
Berlin, 17. 5. (WB) Wie wir auf Anfrage erfahren, ist der Standort des „Graf Zeppelin" gegen 1 Uhr nachts auch beim Luftschiffbau in Friedrichshafen nicht bekannt. Man weih auch nicht, wo sich das Luftschiff befand, als der Schaden entdeckt wurde. Ebenso fehlt beim Luftschiffbau jede direkte Nachricht über die Art dieses Defektes. Sicher ist nur, daß die Funkstation des „Graf Zeppelin" unverändert arbeitet und die Rückfahrt sich also in einer Weise vollzieht, daß zu irgendwelchen Besoranissen kein Anlaß vorliegt. Beim Luftschiffbau wird unterstrichen, daß Dr. Eckener stets die absolute Sicherheit der Passagiere als das wichtigste Moment bezeichnet hat und daß er aus dieser Einstellung heraus seine Entscheidung ohne jede Prestigerücksicht getroffen haben dürfte.
Kurs auf die französtsche Küste.
Friedrichshafen, 17. 5. (WB) Um 1,30 Uhr früh ging beim Luftschiffbau Zeppelin folgendes Telegramm von Bord des Schiffes ein: „80 Meilen südlich der Rhone- Mündung, können wegen Mistral (Wind) nur langsam vorwärtskommen".
Nachts Ankunft in Friedrichshafen.
Friedrichshafen, 17. 5. Das Luftschiff „Graf Zeppelin" hat um 8 Uhr die französische Küste bei der Rhone-Mündung passiert. Es herrscht starker Nordwind. Die Geschwindigkeit beträgt nur 30 Klm.
Der Rückflug des Zeppelin erfolgte infolge eines doppelten Wellenbruches. Er hofft gegen Mittag in Marseille zu sein und nachts in Friedrichshafen. An Bord ist alles wohl.
Das Dreustifche Konkordat mit dem Vatikan.
wie die „Germania" mitteilt, kann das preußische StaatsMinisterium, nachdem der Landtag seine Verhandlungen vor Pfingsten gestern zum Abschluß gebracht hat, heute zu einer Sitzung zusammentreten. Auf der Tagesordnung steht der Vertragsabschluß mit dem Vatikan, über dessen Grundzüge eine Vereinbarung erfolgt sein soll.
Der Schlichter tat Lohnkonflikt bei der Reichsbahn.
Berlin, 17. Mai. In dem Lohnkonflikt bei der Reichsbahn hat der Reichsarbeitsminister den Schlichter für Niedersachsen, Dr. Völker, mit der Schlichtung beauftragt. Der Schlichter hat die beiden Parteien für Freitag zu einer ersten informatorischen Vorbesprechung eingeladen.
— Austen Thamberlain erklärte in einer Rede in Birmingham, er werde auf Wunsch Baldwins Außenminister bleiben, wenn die Konservativen nach den Wahlen am Ruder bleiben.
— Der Landeshauptmann von Niederösterreich hat bis zum 15. September d. 3s. alle Demonstrationsumzüge ver- boten.
Der Pariser Schlchbenchl.
Der Stand der Reparationsberatungen. — Ein SchlutzberichtS^ entwarf des Engländers Stamp. — Die Hauptsache fehlt; die Zahlen für die deutschen Jahresraten. — Dr. Schachts Angebot. — Das hartnäckige Belgien.
Der Inhalt des Schlutzberichts.
Ueber die Pariser Reparationsverhandlun. gen wird gemeldet, daß der Schlußbericht des englischen Sachverständigen Stamp durch den Konferenzvorsitzenden, den Amerikaner Owen Ioung, jetzt an die übrigen Abordnungen verteilt worden ist. Der Pariser „Matin" ist in der Lage, aus dem Inhalt des Berichts einiges mitzuteilen. Der Bericht schlage vor, nach Inkrafttreten des neuen Systems b« Kontrolle des Dawesplanes fallen zu lassen. Indessen sehe er vor, daß die Reichsbahn eine unabhängige Gesellschaft bleiben könne, in der die Gläubiger Deutschlands vertreten sein würden. Der Bericht schließe mit allgemeinen Betrachtungen über den „großen Wert der freundschaftlichen Regelung, die unter die Frage der Kriegsentschädigungen einen Schlußpunkt setze."
Die Schlußfolgerung drücke die Hoffnung aus, daß das Reich genügend Mittel finden werde, seine Verpflichtungen zu erfüllen. Der Bericht enthalte keine Ziffern als Jahreszahlun- ge«, mit Ausnahme der für die Sachleistungen festgesetzten Grenzen. Die Sachleistungen folgten einer während zehn Jahren absteigenden Staffelung von etwa 700 bis 300 Millionen Mark.
Deutsche Jahresleistung: 2050 Millionen Mark auf
37 Jahre.
Wie weiter aus Paris gemeldet wird, ist dem Schluß- berichtsentwurf des Engländers Stamp ein sehr wichtiger Brief Dr. Schachts an den Amerikaner Owen Doung beige« fügt.
In diesem Brief nehme der Führer der deutschen Abordnung im Namen seines Landes die am 10. Mai von dem amerikanischen Vorsitzenden des Ausschusses vorgeschlagenen Ziffern an, v H. eine Jahreszahlung von 2050 Millionen Mark auf die Dauer von 37 Jahren und außerdem eine den interalliierten Schulden entsprechende Jahreszahlung während 21 Jahre«, , Dr. Schacht legte dar, daß er seiner Regierung em^^tzleu könne, von dem Betrag dieser Jahreszahlungen ohne jede Bedingung und Einstellung folgende Summen in fremde Währung zu übertragen: 500 Millionen Mark jährlich zuzüglich des Zinses für Dawesanleihe, die rückständigen Besatzungskosten des amerikanischen Heeres und bis Entschädigung ax Amerika, was zusammen etwa 630 Millionen Mark ausmacht.
Bedeutsame Lücken.
Der Schacht-Stamp-Bericht über die drei Monat« währenden Arbeiten des Pariser Sachverständigenausschusses ist nach Angaben der Pariser Presse ein 60 Folioseiten starkes Schriftstück, das 20 Kapitel enthält.
An Stelle der Ziffern für die deutschen Jahreszahlen sind vorerst noch Lücken, die erst während der Schlutzberatungen mit den in Frage kommenden Beträgen ausgesüllt werde« sollen. Nach der Prüfung des Berichtes und seiner Abänderung durch die Gläubigergruppen wird eine Vollversammlung einberufen werden, in der nach amerikanischer Auffaffuug. Reichsbankpräsident Dr. Schacht Erklärungen über die An- N»hm< des Ioungschen Zahlungsplanes auf der Grundlage des vorliegenden Berichts abgeben wird.
Belgiens Unnachgiebigkett.
Der Brüsseler „Temps"-Berichterstatter gibt Erklärungen einer zuständigen Persönlichkeit über die Haltung Belgiens zu den Sachverständigenverhandlungen wieder. In diesen Aeußerungen heißt es u. a.:
Selbst unter der Annahme, daß alle anderen Gläubiger- länder neuen Opfern zustimmen, die Owen Aouug verlangt, wird Belgien für seinen Teil sich unerschütterlich an die Ziffer» halten, die ihm nach einmütiger Uebereinkunft in der allnerte« Denkschrift vom 12. April vorbehalten wurden, die besondere« Jahreszahlungen für die Mark einbegriffen. Wenn Owe« Aoung die Zustimmnng der belgischen Sachverständige« z« seinem Bericht erhalten will, wird er seine Jahreszahlung von 2050 Millionen um einige 50 Millionen Goldmark erhöhe« müssen. Der belgische Ministerrat faßte den einmütigen Entschluß, die belgischen Forderungen in Paris aufrecht zu erhalten, in der Hoffnung, daß sie schließlich doch die Zustimmm^ der übrigen Mächte finden werden.
Reichsgerichtspräsident Dr. Bumke hat den dritte« Strafsenat übernommen.
Leipzig, 17. Mai. In der DonnerStagsitzung des 3. Straf- senats des Reichsgerichts führte Reichsgerichtspräsident Dr. Bumke den Vorsitz und trat damit zum ersten Male als Richter im Reichsgericht in Tätigkeit. Auf der Tagesordnung stand u. a. auch die Revision des Eisenbahnmörders Hopp, der vom Schwurgericht in Vehrden a. d. Aller zum Tode verurteilt wurde. Die Revision Hopps, der wegen Ermordung des Direktors Northmann im Eisenbahnzug von Hamburg nach Bremen zürn Tode und zum dauernden Verlust der Ehrenrechte verurteilt worden war, wurde verworfen.
— Bei Tetschen an der tschechoslorvakisch-deutschen Grenze schlug der Blitz in eine Gruppe von acht Landarbeitern. Vier von ihnen wurden getötet, die anderen vier schwer verletzt.