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Kreis-Amtsblatt * Myemeiner amtlich er Knzeltzer für den Kreis -Echtem

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Jtr. 56

(1. Blatt)

Donnerstag, den S. Mai 1929

81 Sahrg.

Amtliche Bekanntmachungen

Landratsamt.

D-Nr. 3751. In den letzten Tagen haben sich im Regie­rungsbezirk Kassel eine ganze Bnzahl von Bränden, teil- Meise in recht gefährlichem Busmaße, ereignet, die auf unvorsichtiges Bbbrennen von Gras und Hecken in der Nähe von Wäldern oder Häusern zurückzuführen sind. Es wird immer wieder festgestellt, mit welchem Leichtsinn al­lenthalben derartige Brände, oft von Kindern angelegt, von den Erwachsenen, offenbar auch von den örtlichen Polizei­stellen geduldet werden. Die fortgesetzte Trockenheit wird die Gefahr in der nächsten Zeit weiter steigern, ganz abge­sehen davon, daß jetzt das Brüten der Vögel beginnt, die zum Schaden des Naturlebens vernichtet werden.

Dies gibt mir Veranlassung die in der Schlüchterner Zei­tung Hr. 43 veröffentlichte Polizeiverordnung des Herrn Kegierungs-Präsidenten zu Kassel vom 27. März d. 3s., betr. Schutz der einheimischen Vogelwelt und des Waldes, in Erinnerung zu bringen. Zuwiderhandlungen werden auf Grund der geltenden strengen Strafbestimmungen un- nachsichtlich geahndet werden.

Schlüchtern, den 6. Mai 1929.

Der Landrat: Dr. Müller.

Kreisausschuß.

BezirtSjuaendtreffen auf der Dellinger Warte.

I.-Nr. 3882/3288 $. In dreijähriger Wiederkehr wird >ie gesamte Iugend des Bezirks zu einem Treffen aufgeru- en, durch das die Iugendbewegung angeregt und diein >er Iugendpflege geleistete Arbeit dargestellt werden soll. Das Erlebnis eines großen Iugendtreffens wirkt erfah­rungsgemäß belebend auf die Gruppen und vereine zurück, aus denen Vertreter entsandt wurden, und gibt bei ihnen der Iugendpflegearbeit nachhaltigen Antrieb. Das letzte bezukazugendtreffen fand am 4. und 5. SepreuHee 1L»^ statt. In diesem Iahre soll es wiederholt werden. Wäh­rend vor 3 Iahren vorzugsweise Iugend aus dem nörd­lichen Bezirk zusammenkam, soll diesmal der Südbezirk vorwiegend berücksichtigt werden. Der Herr Regierungs­präsident in Kassel hat daher angeordnet, daß das dies­jährige Bezirksjugendtreffen im Kreise Schlüchtern statt- finden soll und zwar am 8. und 9. Iuni. Am Bbend des 8. Juni wird das Treffen durch eine Begrüßung und Abenb- feier auf dem Hofe des alten Klosters zu Schlüchtern einge­leitet. Der. eigentliche Standort des Treffens am 9. Iuni ist die Bellinger warte, wo Morgenfeier, Festreden, Laien- und Rasenspiele, Singen und Turnen sich abwickeln sollen.

Die Vorstände sämtlicher Iuaendvereine des Kreises wer­den gebeten, rechtzeitig weitestgehende Beteiligung ihrer Mglieder sicherzustellen. Bei der großen Bedeutung des Treffens für die Iugendpflegearbeit gerade unseres Krei­ses darf bestimmt erwartet werden, daß sich alle Iugend- vereine und -gruppen aus dem Kreise vollzählig be­teiligen.

Tine Linladungsschrift, aus der sich Näheres über den Verlauf der Tagung ergibt, wird den einzelnen vereinen noch zugehen.

Schlüchtern, den 6. Mai 1929.

Kreiswohlfahrtsamt: Dr. Müller.

Männer- und Frauen-Dereln vom Roten Kreuz.

3 .4k. 135 r x, Hm Sonntag, den 1 2. Mai d.

s7 nachmittags 3 Uhr findet im Kreistagssaale eine Generalversammlung statt hierzu werden die verehrlichen Mitglieder und alle Der« msfreunbe hiermit freundlichst eingeladen.

Tagesordnung:

a) des Männer-Vereins:

H Geschäftsbericht.

^echnungsablage für 1927 und 1928.

7 Kotekreuztag 1 92 9.

Verschiedenes.

b. des Frauen -Vereins:

H Jahresbericht.

7 Rechnungslegung.

Neuwahl der Vorstandes. Schüchtern, den 7. Mai 1929.

Der Landrat: Dr. Müller.

Stadt Schlüchtern.

Oeffentliche Mahnung.

Mcf) rückständigen Gewerbeertrag- und Gewerbe- Pilalsteuern für 1928, städt. Grundvermögenssteuer-Zu-

schlüge, Holzgelder, Losholz, Schulgelder, Wassergelder, Pacht­gelder, Polizeistrafen, Mieten, Kanal- und Bnerkennungs- gebühren, sowie alle anderen Abgaben werden hierdurch angemahnt.

Ueber alle Abgaben sind Benachrichtigungen zugestellt worden. Die Zahlung hat bei der Stadtkasse Schlüchtern zur Vermeidung der Beitreibung schnellstens zu erfolgen. Anträge und (Eingaben halten die Zahlung nicht auf.

Mahnungen erfolgen nur öffentlich, nicht durch Be- Händigung von Mahnzetteln.

Schlüchtern, den 6. Mai 1929.

Der Magistrat: Gaenßlen.

Bekanntmachung.

Der Reichsbankbeamte a. D. Desor in Elm ist mit Wahrnehmung der Geschäfte als 2. Vollziehungsbeamter der Stadt beauftragt worden.

Der dem Kreisvollziehungsbeamten Dorn in Elm er­teilte Auftrag zur Vornahme von Beitreibungsgeschäften für die Stadt ist zurückgezogen worden.

Schlüchtern, den 7. Mai 1929.

Der Magistrat: Gaenßlen.

Bekanntmachung.

Die auf dem Rathausturm eingebaute Feuermelde-Bn- lage wird am Sonntag, den 1 2. d. Mts., nachmittags zwischen 4 und 5 Uhr zu Prüfungszwecken kurze Zeit in Betrieb gesetzt.

Schlüchtern, den 7. Mai 1929.

Der Magistrat: Gaenßlen.

Ein Auto fährt in eine Kinderprozefston.

Gestern rannte ein unbesetztes Auto in eine Kindergruppe, die in Dachau gerade eine Prozession veranstaltete, hinein und Überfuhr fünf M»dch«t, von denen zwei lebensgefähr­lich verletzt wurden. Der Thauffeur versichert, beim ver­lassen des Wagens die Bremse richtig angezogen zu haben. Wahrscheinlich hatten spielende Kinder sich daran zu schaf­fen gemacht.

Der Abbau im innerdeutschen Luftverkehr.

Bet der Deutschen Lufthansa haben Dienstag Bespre­chungen mit den Vertretern der regionalen Gesellschaften stattgefunden. (Es ergab sich die Notwendigkeit, die meisten der bisherigen innerdeutschen Strecken für 1929 auch ohne Reichsbeteiligung noch aufrecht zu erhalten, weil bereits vor der Etatskürzung entsprechende Verpflichtungen mit Städten und Kommunalverbänden eingegangen waren. Die Lufthansa hofft, trotz stark heruntergesetzter Subventions- sätze, für das laufende Iahr durchhalten zu können. Es wurde aber festgelegt, daß bereits in den nächsten Wochen Beratungen stattfinden, die für 1930 den Abbau der Ver­bindungslinien zwischen deutschen Mittelstädten vorbereiten.

Aollvlanlsch-paraauanlfcher Zwischenfals.

Bsuncion, 7. 5. (WB) Nach hier eingetroffenen Mel­dungen hat eine bolivianische Militärpatrouille gestern aeg-n eine kleine paraguanische Truppenabteilung in der Nähe des Forts Vangardia Schüsse abgegeben. Verluste sind nicht zu verzeichnen.

Das Oberkommando der engkffche« BestchrahSarmee beaS- fichtigt, in diesem Herbste die Besatzungsmanöver auf dem Huns- ruck abzuhalten.

Die Verhandlungen am Dienstag, die Gwen Poung mit verschiedenen Delegationsführern geführt hat, haben keinerlei Fortschritte gebracht. (Es scheint, daß die Frage der Verteilung der Annuitäten Schwierigkeiten macht.

Das Reichsgericht in Leivzig hat gegen zwei Reichs­wehrsoldaten wegen Verrats militärischer Geheimnisse Stra­fen von 5 Iahren Zuchthaus und 5 Iahren Ehrverlust und 3 Iahren Zuchthaus und 3 Iahren Ehrverlust ausge­sprochen.

In einem pariser Hospital sind nach dem Genuß von Kondensierter Milch vier Kinder unter schweren Vergif- lungserscheinungen gestorben. Zwei Kinder befinden sich in Lebensgefahr.

In Thaltsch im Gouvernement Gomel (Sowetruß- land) sind bei einer Kahnpartie neun junge Mädchen er­trunken.

Auf dem Hooghly (Indien) kenterte ein mit 23 'Spinnereiarbeitern besetztes Boot. 14 Arbeiter find er­trunken. Die übrigen konnten in erschöpftem Zustand ge­rettet werden.

vor dem Gebäude des deutschen Generalkonsulats in New Park kam es am Dienstag zu einer kleinen kom­munistischen Demonstration anläßlich der Berliner Vorgänge. Die Manifestation hatte jedoch einen harmlosen Verlauf, die in einer kleinen Balgerei zwischen Demonstranten und Pas­santen endete.

Attentat auf Woldemaras.

Gin Revolveranschlag auf den litauischen Ministerpräsidenten. Woldemaras unverletzt, aber sein Adjutant getötet. Auf der Suche nach den Tätern.

Das Attentat.

Wie aus Kowno gemeldet wird, wurde dort am Montag abend vor Beginn der Vorstellung in der Staatsoper ein politischer Anschlag verübt, lxr augenscheinlich auf den Ministerpräsidenten Woldemaras gemünzt war.

Die Attentäter, drei an der Zahl, feuerten auf den persön­lichen Adjutanten des Ministerpräsidenten, Oberleutnant Gudinas, und den Adjutanten des Kriegsministers, Hauptmann Virbickas, acht Schüsse ab. Oberleutnant Gudinas wurde tödlich getroffen, Hauptmann Virbickas schwer verletzt. Außerdem wurde noch ein Knabe, ein Verwandter des Min sterpräfidenten Woldemaras, der an der Hand des persönlichen Adjutanten des Ministerpräsidenten ging, schwer verletzt. Die Attentäter, die, wie verlautet, polnisch gesprochen haben sollen, find uner­kannt entkommen. Die Polizei sperrte sofort den Platz vor dem Theater ab und nahm eine Durchsuchung des angrenzenden Geländes vor.

Hierbei wurden noch zwei scharMmacht« Handgranaten und Munition gefunden, die allem Anschein nach von den Attentätern herrühren. Die angesetzte Theatervorstellung wurde abgesagt. Bis in die späten Abendstunden hinein durchrasten Autos, mit Offizieren und Polizei besetzt, die Stadt. Wie ver­lautet, sind alle von Kowno führenden Straßen abgesperrt. Die Leibwache in der Wohnung des Ministerpräsidenten ist erheblich verstärkt worden.

Der amtliche Bericht.

Amtlich wird aus Kowno mitgeteilt: Ols sich am 6. Mai 8 Uhr 20 abends, Ministerpräsident Woldemaras mit Frau und seinem kleinen Neffen sowie in Begleitung seines Adjutanten, oes Leutnants Gudinas, und des Adjutanten des Kriegs­ministers, Hauptmann Virbickas, zu einem Konzertabend des Quartetts Glasunow begab, feuerte eine noch unbekannte Per- t i^^^'-t^ W£ i*i^^ 3läbe b«£«St<jai£oper von

* auf die Gruppe mehrere Schüsse ab.

Der Ministerpräsident und ferne Frau blieben unverletzt. Adjutant Gudinas wurde durch eine Kugel getroffen und auf der Stell« getötet. Harrptmann Virbickas erhielt einen Schuß in die rechte Lunge. Der kleine Neffe erhielt einen schweren Bauchschuß.

Wer sind die Täter?

Wie noch aus Kowno gemeldet wird, ist Ministerpräsident Woldemaras wie durch «in Wunder dem Sobe entronnen. Sein Persönlicher Adjutant, der durch Schüsse in den Kopf getötet wurde, hatte sich mit aus^breiteten Armen vor den Minister­präsidenten gestellt, als die ersten Schüsse fielen. Die Kleider der Frau des Ministerpräsidenten wurden von zwei Kugeln durchbohrt. Der Adjutant des Kriegsministers, Hauptmann Virbickas, ist so schwer verletzt worden, daß an seinem Auf­kommen gezweifelt wird. Als er von den Schüssen getroffen zusammenbrach, rief er aus:Sie haben Polnisch gesprochen." Die Täter sind in der allgemeinen Panik, die in dem stark belebten Park vor dem Staatstheater ausbrach, entkommen. Die Polizei war verhältnismäßig spät zur Stelle. In der Stadt herrscht vollkommene Ruhe.

Rigaer Blätter weisen darauf hin, daß erst kürzlich in Schaulen ein aus dem Wilnagebiet eingetroffenes Automobil angehalten wurde, in dem die litauische Polizei Handgranaten und Revolver fand. Die Insassen erwiesen sich als Pletschkaitis-Anhänger, die offensichtlich beabsichtigten, in Litauen Terrorhandlungen zu begehen. Während der amtliche Bericht nur einen Täter amummt wissen die Blätter zu melden, daß ber Anschlag von vier Personen ausgeführt wurde, von denen einige mit Revolvern geschossen hätten, während die anderen Handgranaten warfen.

Die Arbeitslosenversicherung.

Das Reichskabinett beschließt sofortige Reformen.

Aus Berlin wird amtlich mitgeteilt: Das Reichs- ka b i n e t t beschäftigte sich mit der Frage der Einführung von Reformen auf dem Gebiete der Arbeitslosenversicherung. Es wurde dabei die Abstellung der Uebelstände ins Auge gefaßt, die sich in der Praxis seit Inkrafttreten der Arbeitslosenversicherung herausgestellt haben. Hierbei wurde jedoch festgestellt, daß es mit der Beseitigung dieser Unerträglichkeiten allein nicht sein Bewenden haben kann. Die Finanzlage des Reiches ist so ernst, daß die Jnaüspruchnähme von öffentlichen Mitteln im bis­herigen Ausmaße vollkommen unmöglich ist und sich über die schon im Haushalt bereitgestellten Mittel hinaus nur im Falle ganz außergewöhnlicher Ereignisse rechtfertigen läßt. Das Reichskabinett war daher der Meinung, daß eine Aenderung der Arbeitslosenversicherung auch auf die Finanzlarp des Reiches Rücksicht nehmen muß.

Die Reichsregierung wird in Form eines Gesetzentwurfes ein sofortiges Programm über die Abstellung von Mißständen aus dem Gebiete der Arbeitslosenversicherung aufstellen und außerdem einen Ausschuß von Sachverständigen einsetzen, mit dem in größter Beschleunigung Richtlinien für eine Umgestal­tung des Ärbcitsloscnversich'crungsgcsctzes erörtert werden solle«.