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Wr. 50

(1. Blatt)

Donnerstag, den 25. April 1929

81. Aahrg «MtgBBBWH

Amtliche Bekanntmachungen

-andratsamt.

Erlaß vom 2 5. 3uli 1 924, betr. Belehrung Über Feueranlagen beim Abkochen durch

Wandergruppen III L 1337/24

In der letzten Zeit mehren sich die Nachrichten darüber, iaß Wandergruppen zum Zwecke des Abkochens offene Holzfeuer im Walde angezündet und dadurch Waldbestände gefährdet oder in einigen Fällen sogar vernichtet haben.

Ganz abgesehen davon, daß Feueranzünden im Walde nach § 44 des Feld- und Forstpolizeigesetzes und, wenn es ich um gefährliche Stellen im Walde handelt, nach § 368 ir, 6 des Strafgesetzbuches strafbar ist, und daß außerdem der Täter und seine Angehörigen für allen Schaden haftbar gemacht werden, der durch einen Waldbrand entsteht, muß in allen an Wanderungen beteiligten Kreisen noch mehr Ver­ständnis dafür geweckt werden, daß durch solches fahrlässiges Verhalten dem Volksvermögen schweren Schaden zugefügt kird, der bei der heutigen überaus ernsten Sage des Staates unbedingt vermieden werden muß. wir ersuchen daher die Ingendpflegerf-pflegerinnen, Lehrer, Schulvorstände, Schul- mte, Vereinsleiter und andere leitende Persönlichkeiten anzu- ßalten, daß von ihnen im Unterricht und bei Wanderführer- lehrgängen regelmäßig darauf hingewiesen wird, daß die jugendlichen Wanderer beim Feuermachen in der Nähe eines Waldes äußerste Vorsicht zu beobachten und auch sonst alle behördlichen Unordnungen bei ihren Wanderungen peinlichst zu befolgen haben.

Zugleich im Namen des Ministers für Wissenschaft, Kunst und Volksbildung. 3. v.: Scheidt.

| I-Nr. 3528. Die Herren Bürgermeister zu Salmünster, Heubach, Kerbersborf, Marjoß, Romsthal, Ulmbach, Wah- sert und Züntersbach werden an die Einsendung des Beira­tes von 3,82 MC für das Zchußwafsengesetz nodpi irinnert.

[ Schlüchtern, den 20. April 1929.

Der Landrat. 3. v.: Schultheis.

Kreisausschuß.

; I.-Nr. 1788 K. A. Nm Mittwoch, den 8. Mai b. 3s. vormittags 9^2 Uhr findet im Kurhaus zu 5ab Soden bei Salmünster eine Sitzung' des

Kreistag'es' tatt. i "7^1

Zchlüchtern, den 22. April 1929.

Der Landrat: Dr. Müller.

Gevering zum Einheitsstaat.

3m Plenarsaal des Reichswirtschaftsrats sprach am menstag nachmittag Reichsinnenminister Karl Severing auf Einladung des Vereins Berliner Kaufleute und Industrieller jiber das ThemaDeutscher Einheitsstaat, seine weltpoliti­sche und weltwirtschaftliche Notwendigkeit und die Wege M seiner Verwirklichung". Der Minister warnte zunächst Pavor, Sparsamkeitsmaßnahmen zu ergreifen, die in Wirk- uchkeit keine sind. Die Verwirklichung des Einheitsstaates würde aber eine beträchtliche Verbilligung des Verwaltungs- apparates bedeuten. Der deutsche Staatsbürger von 1929, ®er schwer an Reparationslasten zu tragen habe, dürfe unter den enormen Kosten eines Verwaltungsapparates,

er noch heute in kleinen und kleinsten Ländchen des Oeutschen Reiches besteht, nicht leiden. In der Hauptsache es darauf an, den Norden und den Süden, Bayern. Württemberg, Baden und Preußen zusammenzubringen.

sei außerordentlich schwer, zumal Bayern in erster aus Gründen der Stammeseigenart dem Gedanken bfheblichen widerstand entgegensetze. Das sei töricht, denn '^ayern hätten auch ihre Stammeseigenart noch immer würden sie auch weiterhin bewahren. Der Minister puderte dann die Schwierigkeiten der Verwirklichung des mheitsgedankens. Von einer Länderkonferenz sei nicht tzuviel zu erhoffen. Ein Volksentscheid könnte nur dann , Aast auf Erfolg haben, wenn der Einheitsstaat so Paitijcfy herausgestellt werden könnte, daß ihn auch der lass ^ Wähler begriffe. Das Eigenleben der Länder aus ^^^^ der Reparationslasten durchaus nicht mehr geästerhalten, auch wenn heute einzelne Länder noch m-^Ä^felt um ihre Selbständigkeit kämpften, die sie Wirklichkeit gar nicht mehr besitzen.

BergmannSloS.

der ZecheSophia Iacoba" in Hückelhoven (Ruhr- Seis xn^ ^i der Seilfahrt auf der 360 Meter-Sohle das Förderkorbes. Der Korb sauste in die Tiefe: ^ Bergleute fanden den Tod.

Die Pariser Konferenz.

Noch keine Entscheidung über die Iahiungen.

Nach der Dienstag-Vollsitzung der Sachverständigenkon­ferenz, die etwas über eine halbe Stunde dauerte, wurde folgendes Kommunique ausgegeben:

Im Komitee wurde der Bericht des Unterkomitees der letzten Woche vorgelegt mit der Angabe, daß über die Ziffern kein Einverständnis erzielt werden konnte. Der Bericht wurde zu den Akten der Konferenz genommen. Darauf entschied das Komitee in der Vollsitzung einstim­mig, daß ein Unterkomitee gebildet werden soll mit dem Auftrag, die Hauptrichtlinien, die in einem Bericht auf­genommen werden sollen, festzulegen. Die ersten Delegier­ten jeder Gruppe werden dieses Unterkomitee bilden. Man nimmt an, daß während der Beschäftigung mit den Fra­gen, über die bereits eine Einigung erzielt worden ist, von allen Gruppen Anstrengungen gemacht werden mit dem Ziel, auch über die Punkte, über die keine Verständigung erzielt worden ist, zu einer Einigung zu kommen. Man erwartet, daß mit diesem Vorgehen nicht nur Zeit gespart wird, sondern daß man durch die Festlegung des Umfanges der erreichten Verständigung auch die Endaufgaben des Komitees fördern werde.

Die nächste Vollsitzung wird innerhalb angemessener Zeit auf Veranlassung des Vorsitzenden anberaumt werden."

Ehamberlein über die Manbatsfrage.

Im Unterhaus erklärte Thamberlain auf eine Anfrage, die Mandate über die ehemaligen deutschen Mandatsge­biete, die auf dem versailler Vertrag und nicht auf dem Völkerbund beruhten, seien den jetzigen Inhabern end­gültig zugeteilt' worden. So viel er wisse, sei niemals zum Ausbruck gebracht worden, daß einer der Mandatare seiner Verantwortung enthoben zu werden wünsche. Die britische Einstellung sei Deutschland zur Zeit der Konferenz von Lo- carno auseinandergesetzt und seitdem wiederholt dargelegt worden. Thamberlain fuhr fort: Für den unwahrschein­lichen Fall, daß eines der jetzigen Mandate frei wird, wären wir bereit, den Anspruch Deutschlands ebenso wie jeder anderen großen Völkerbundmacht in Erwägung zu ziehen. Für die rein hypothetische Möglichkeit könnten wir im voraus jedoch keine Verpflichtung übernehmen. Eham- berlain erklärte zum Schluß: Seines Wissens sei die Ange­legenheit seit den Locarnoverhandlungen nicht eigentlich zur Erörterung gestanden, wenngleich seit damals zwei­fellos hin und wieder darauf Bezug genommen worden sei.

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Die zweite Mittelmeerfahrt desGrafen Zeppelln".

Das LuftschiffGraf Zeppelin" ist Dienstag nachmittag 1372 Uhr zu seiner zweiten Mittelmeerfahrt aufgestiegen. Es hat westlichen Kurs genommen und befand sich um 21 Uhr über Bordeaux und nahm von hier aus Kurs auf Tap Finisterre.

Friedrichshafen, 23. 4. (WB)Graf Zeppelin" war um 10,55 Uhr nachts nördlich von Bilbao mit Kurs auf Tap (Drtegal. Das Wetter ist weiterhin schön, die See leicht bewegt, die Funkstation des Luftschiffbaues stand um die genannte Zeit mit dem Luftschiff in direkter Ver­bindung.

Dolittsche Schlägerei.

Karlsruhe, 23. 4. (WB) Gestern abend sprach der Kommunistenführer Max Hölz im großen Festhallensaal. Neben der Anhängerschaft und zahlreichen Neugierigen hat­ten sich auch die Nationalsozialisten, einige hundert Köpfe stark, zu der Versammlung eingefunden. Nachdem der Red­ner schon während seiner Ausführungen wiederholt unter­brochen und eine Diskussion verweigert worden war, ent­stand eine große Unruhe, die in einen allgemeinen Tumult und schließlich in eine wüste Schlägerei ausartete. Man ging mit Tisch- und Stuhlbeinen, Knüppeln und Schlag­ringen aufeinander los. Ein Polizeiaufgebot räumte den Saal. Hölz selbst wurde bei den Ausschreitungen erheblich verletzt- auch eine große Anzahl Versammlungsteilnehmer trug Verletzungen davon. Die Polizei drehte schließlich die Hydranten auf und trieb die Teilnehmer mit Wasser aus­einander.

Gcklffsunglück.

In der Nähe von Tag Erino im Süden der Insel Hokkaido ist ein japanischer Passagierdampfer im Schnee­sturm auf einen Felsen ausgelaufen und gesunken. 97 Passagiere konnten von den herbeieilenden Schiffen geret­tet werden, während die übrigen 112 wahrscheinlich um- gekommen sind.

Zu blutigen Zusammenstößen kam es in einem Lemberger Restaurant zwischen Studenten zweier Korps, die mit Säbeln und Rapieren aufeinander losgingen. Auch Revolverschüsse wurden gewechselt. 36 Studenten wurden verletzt, darunter 17 schwer.

Das Ringen um

die Rüstungen

Die Entwicklung der Abrüstungsaussprache auf der vor- berertenden Abrüstungskonferenz in Genf zeigte in den letz­ten ^agen leichte Ansätze zur Verständigungsbereitschaft. Es scheint danach, als ob der energische Hinweis des deut- scheu Delegierten G r a f V e r n st o r f f auf die Aufgaben der vorbereitenden Abrüstungskommission und auf die Forderung des Artikels 8 des Völkerbundspaktes in Ver­bindung mit der geschickten Taktik des russischen Vertreters Lrtwrnow nicht ohne Eindruck auf die Konferenz ge­blieben ist. Von deutscher Seite ist bekanntlich ein Antrag eingebracht worden, der u. a. die vollständige O f - fenlegung aller Rüstungszahlen auf Grund des Artikles 8 des Völkerbundspaktes fordert. Diese For- derung ist bereits in jenen Bemerkungen enthalten die Graf Vernstorff zu Beginn der Tagung in Genf nieder- gelegt hat. Die in diesen Bemerkungen enthaltenen An- stchten über die Rüstungszahlen beweisen besser als alle an- deren Erklärungen, wie lächerlich allmählich jene Ausfüh­rungen wirken, das in eine allgemeine Abrüstung erst ein- getreten werden könne, wenn die entsprechende Sicherheit für die einzelnen Völker gegeben ist. Diese deutsche Zahlen. Übersicht gibt eine praktische Bestätigung für die Vehaup- tung eines ehrlichen Abrüstungsfreundes daß die heutigen überspannten Rüstungen einzelner Völker das größte Friedenshindernis darstellten. Wenn man in Genf ernstlich den Abrüstungsgedanken fördern will, wird man die besten Anregungen aus den statistisch feststehenden Rüstungszahlen erhalten.

Ein weiteres Zeichen für ein langsames Eingehen der vorbereitenden Abrüstungskommission auf ihre eigentlicher Aufgaben bedeutet ferner der Beschluß, den s o w j e t rus­sischen Vorschlag zur Abrüstungsfrage als Anhang zu dem Bericht der Kommission dem Völkerbund zuzufüh- ren. Es war eben eine völlige Verkennung ihrer Aufgaben,

die vorbereitende Abrüstungskommission sich in eine zum Teil leidenschaftliche Diskussion über einzelne Ab- rüstungsprobleme einließ, während sie im Grunde nur die Ausgabe hat, alle zu dem Thema Abrüstung einlaufenden Vorschläge zu sammeln und auf ihre technische Verhand- lungszweckmäßigkeit zu prüfen. Sie hat aber nicht die Auf­gabe, materiell zu den einzelnen Vorschlägen abschließend Stellung zu nehmen oder vorgreifende Entscheidungen zu treffen.

Nimmt man in Genf das Abrüstungsproblem ernst, dann wird man in erster Linie zu prüfen haben, ob die p o l i t i- sche Gesamtlage ein solches Maß von Sicherheit bietet, daß nicht die einzelnen Völker bis an die Zähne be- waffnet gewissermaßen nur jeden Augenblick auf das Los­brechen eines Krieges warten. Das ist zweifellos nicht der Fall und damit die erste Voraussetzung zur ernsten Inan­griffnahme der allgemeinen Abrüstung gegeben.

Der französisch-englische Militärver. trag hat zu Ende des abgelaufenes Jahres die Völker darauf hingewiesen, in welcher Gefahr sie schweben, wenn sie das alte System militärischer Geheimverträge beibe­halten. Amerika hat dieses Abkommen damals in einem Beschluß beantwortet, der nichts anderes als die Ansage eines neuen Wettrüstens zur See bedeutete. Im Rahmen der jetzigen Abrüstungsbesprechungen in Genf hat nun der britische Vertreter Lord Cushendun eine Erklärung zur Flottenfrage abgegeben, in der die Hoffnung ausge­sprochen wird, daß man auch über diese 'Frage trotz der derzeitigen Schwierigkeiten hinweg kommen möge. Gerade­zu sensationell wirkte die Antwort, die am Montag hier­auf der Vertreter der Vereinigten Staaten, G i b s o n, gleich zu Beginn der Sitzung abgab, in der er die Bereit­schaft der amerikanischen Regierung zum Ausdruck brächte, jede Herabsetzung der Tonnage und jeden Tpys zuzugeste- hen unter Aufrechterhaltung des durch Verträge zwischen den Konferenzmächten angelegten Rahmens. Mit nicht zu übersehendem Seitenblick auf Frankreich wandte er sich gegen die These, daß man unter Abrüstung lediglich die Aufrechterhaltung der bestehenden oder sogar noch zu ver- mehrenden Rüstungen verstehe. Wenn auch der britische Vertreter erklärte, im Augenblick auf die Vorschläge Gib- sans im einzelnen nicht eingehen zu können, so stimmte er doch dem allgemeinen Inhalt der Erklärung und den barin ausgesprochenen Grundsätzen zu.

. Diese Reden und Gegenreden zwischen den Vertretern der Hauptflottenmächte Amerika und England werden in Genfer Abrüstungskreisen als die b e d e u t u n g s r o l l- sten seit Jahren bezeichnet. Die Veröffentlichung des französisch-eiwlischen G"b^im-^'-"nens scheint danach noch nachträglich seine günstigen Wirkungen auszuüben. Ernste Schwierigkeiten gegen die Abrüstung werden somit eigent­lich nur noch von Frankreich und seinen militärischen Va- fallen gemacht. Die Hoffnung, daß die Macht der besseren Einsicht auch hier allmählich siegt, braucht man gleichwohl noch nicht aufzugeben.

Bei einem Eisenbahnunglück auf der Strecke Irkutsk- Tschita wurden sechs Personen getötet, neun schwer verletzt.