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Schlüchterner Zeitvng
2 Blatt
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Sie Lage in Paris
le & Mieder schwache Hoffnung auf Fortsetzung der Verhand- - ----------- - ■
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lunge«. — Entscheidung am Montag. — Erklärungen Dr. Schachts. — Eine Aeußerung Clemenceaus. — London optimistisch. — Amerikanische Stimmen.
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Entspannung.
Nach Meldungen aus Paris macht sich dort eine ge- ' wisse Entspannung bemerkbar. Die Befürworter einer endgul- tiaen Regelung der Kriegsentschädigung glauben, daß trotz des bekannten Beschlusses des Unterausschusses, die Verhandlun- W als gescheitert zu betrachten, noch schwache Hoffnungen auf die Fortsetzung der Verhandlungen bestehen, obwohl aufmerksame Beobachter diesen Versuchen recht zurückhaltend gegenüberstehen.
Von Optimisten wird die Vertagung der Vollsitzung auf Montag als ein Anzeichen dafür gedeutet, daß man die Tür zwischen Paris und Berlin wieder öffnen und möglicherweise zu einem Kompromiß kommen könnte. Man schöpft auch Mut aus der Tatsache, daß Dr. Schacht in Paris weilt, und nicht, wie ursprünglich angenommen wurde, seine Koffer packte. Weiterhin verweist man auf die Erklärungen Dr. Schachts, er sehe nicht ein, warum die Konferenz nicht fortgesetzt werden solle, und seine Vorschläge bedeuteten keineswegs ein Ultimatum.
Dr. Schacht über seine Vorschläge.
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Ein Mitarbeiter des Pariser Blattes „Le Journal" wurde von dem Reichsbankpräsidenten 'Dr. Schacht in Paris empfangen. Nach einem warmen Nachruf für den so plötzlich verstorbenen Lord Revelstoke soll Dr. Schacht gesagt haben: lege Wert darauf, Ihnen folgendes zu prazisieren: Ich ^habe niemals gesagt, daß die deutschen Vorschläge, die ich sten Gläubigern unterbreitet habe, die letzten Worte der deut-
Hm Delegation sind.
Ich habe die gegenwärtige Konferenz niemals als einen
Markt angesehen, auf dem um Angebot und Nachfrage gefeilscht wird, d. h. genau in dem gleichen Geiste abgefatzt wie das Memorandum der Alliierten sind meine letzten Vor- chläge. Sie sind eine Phase der langen Diskussion über die Ziffern gewesen, die wir offiziell in der vorausgegangenen Woche besprochen haben.
■ Das New Yorker Bankhaus Harris Forbes gibt ein erflii Mabeltelegramm Schachts bekannt, in dem ausgeführt wird, u eiq (daß es sein Ziel gewesen sei, das deutsche Finanzwesen zu Ita schützen.
nga Als Geschäftsmann glaube er nicht, daß das geschehen sie p könne, wenn Deutschland eine über 1650 Millionen liegende Dahreszahlung annehme. Diese Summe stelle seiner Meinung nach den Höchstbetrag dessen dar, was Deutschland als politische Schuld bezahlen könne, wenn es außerdem noch seine kommerziellen Verpflichtungen erfüllen wolle.
preußischer Landtag.
Die neue Gewerbesteuervorlage.
Berlin, 20. April.
Im Preußischen Landtag stand am Samstag die neue Vorlage über die
Gewerbesteuer, die lediglich eine Verlängerung des geltenden Rechts ist, zur ersten Beratung.
Finanzminister Dr. Höpker-Aschoff erklärte, es sei die Frage aufgeworfen worden, ob Artikel 62 der Preußischen Verfassung, der Wiedervorlegung dieses Gesetzentwurfes widerspreche. Nach Ansicht der Staatsregierung sei dies nicht der Fall. Die rein juristischen Argumente für diese Auffassung der Staatsregierung werde er im Hauptausschuß darlegen. Heute wolle er nur darauf Hinweisen, daß der Einspruch des Staatsrates nicht der Sache an sich galt, sondern nur einem einzigen Punkt innerhalb des Gesetzes, und daß zweifellos in einem solchen Falle die Wiedervorlegung von Gesetzen möglich sei. Die Verabschiedung der Gewerbesteuer müsse nur, wenn man eine Katastrop^ in den Gemeinden vermeiden wolle, allerschnellstens erfolgen.
Nach kurzer Aussprache wurde die Vorlage an den Hauptausschuß überwiesen.
Das Haus erledigte dann kleinere Vorlagen.
Das Haus nahm hierauf die Einzelbesprechung zum Kultushaushalt vor.
Von kommunistischer Seite wurde u. a. die Einrichtung der ehemaligen Schlösser zu Erholungszwecken gefordert.
Abg. Gieseler (Deutsche Fraktion) übte scharfe Kritik an gewissen modernen Theaterstücken, die man nur als Schweinerei bezeichnen könne.
Nach weiterer Aussprache war die zweite Lesung des Kultushaushalts bis auf die Abstimmungen erledigt, die am Dienstag vorgenommen werden sollen.
. Montag 12 Uhr Haushalt des Staatsministeriums und des Ministerpräsidenten, kommunistisches Mißtrauensvotum gegen den Innenminister,
Hunger und Zürgerkrieg in Wna.
Furchtbares Elend in Nordwestchina.
Die Hungersnot in der Provinz Kansu im Nordwesten Chinas hat nach den letzten in Peking eingegangenen Meldungen furchtbare Ausmaße angenommen.
80 vom Hundert der Bevölkerung sind ohne Nahrung und Frühjahrsaussaat. Die Kinder werden in vielen Fällen von den Hungernden geschlachtet und gegessen. In der Provinzhauptstadt von Kansu sterben allein 300 Personen täglich. Die Leute sind zn schwach, um ihre Toten beerdigen zu können.
Das internationale Hungerhilfs-Komitee in London, bei dem dieser Bericht einging, zweifelt nicht an seiner Richtigkeit. Der Privatbericht eines in der Provinz Kansu stationierten Missionars besagt darüber hinaus: Die Moslemrebellen haben das südliche und westliche Kansu vollkommen zerstört. Was die Moslemrebellen ganz ließen, wurde von den nachfolgenden Regierungstruppen verwüstet. Getreide steht nicht mehr zur Verfügung.
Schwere Kämpfe am oberen Jangtsekiang.
Am oberen Jangtsekiang finden seit einigen Tagen heftige Kämpfe zwischen den Nankingtruppen und Wuhamtrup- Pen statt. Rings um Jchang ist Tag und Nacht Kanonendonner zu hören. Die japanische Bevölkerung in Jchang hat an Bord der Kriegsschiffe Zuflucht gesucht. Auch über das Schicksal der englischen Untertanen besteht einige Sorge.
Auf dem Jangtsekiang verfügbare ausländische Kriegsschiffe werden aber einstweilen als ausreichend angesehen, ur.i im schlimmsten Falle einen aktiven Schutz der ausländischen Staatsangehörigen durchführen zu können. Zu Hebelgriffen gegen die Ausländer ist es bisher an keiner Stelle gekommen.
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Clemenceau hetzt wieder.
Der jetzt 88jährige frühere französische Ministerpräsident le m e n c e a u macht auch wieder von sich horM.^ Seine eußerung zeigt, daß er nichts gelernt und nichts vergessen at seit den Tagen, da er den Versailler Vertrag diktierte, 's wird nämlich aus Paris gemeldet:
Einem Vertreter des „Echo de Paris" erklärte Clemen- an über die Verhandlungen der Sachverständigen in Paris: e Weigerung Dr. Schachts und seine Pläne zielen auf icht weniger als auf einen neuen Krieg ab. (I!) Die'Deut- hen haben jetzt nur noch die im Dawesplan vorgesehenen jahlungen zn verweigern, um die Aufrechterhaltung der Mheinlandbesetzung nach den im Friedensvertrag vorgesehenen Besatzungssristen zu rechtsertigen.
Londoner Optimismus.
In verantwortlichen Kreisen Londons wird die Lage in Paris als durchaus ernst angesehen. Es besteht aber ziemliche Einmütigkeit darüber, daß die Sachverständigen nach so langen Besprechungen und angesichts der ungeheuren Wichtigkeit der zur Verhandlung stehenden Fragen nicht ohne weiteres auseinandergehen werden, nachdem sich im Anschluß an die Unterbreitung der beiderseitigen Ziffern sehr ernste Schwierigkeiten ergeben haben.
Ueber die wahrscheinliche Form neuer Anknüpfungspunkte legt man sich starke Zurückhaltung anf. Wie es scheint, uberwiegt aber vorläufig der Eindruck, daß man die Ver- mche fortsetzen werde, zu einer Endregelung zu gelangen. Erst wenn sich das als unmöglich erweisen sollte, würde die Frage ««er Uebergangsregelung in den Vordergrund treten.
Senator Borah rechtfertigt das deutsche Angebot.
Im Zusammenhangs mit den letzten Ereignissen der Sachverständigenkonferenz gab Senator Borah eine Erklärung ab, in der er Deutschlands Angebot für b er • a V V 9 und seine Haltung als fair bezeichnet. Wenn man "bendrein berücksichtige, welche Summen Deutschland in bar in Waren bereits gezahlt, und welche territorialen und Verluste es erlitten habe, so müßte man mit ihm der ^nsicht^ fein, daß das deutsche Angebot im Grunde gerecht sei.
Die amerikanische Presse bringt dagegen — offenbar französischem Einfluß — scharfe Angriffe auf Dr. Schacht und die Haltung Deutschlands.
D^ Preußische Konkordat. Der pgrteioffiziöse Dienst bestätigt, daß der endgültige Entwurf des Konkordats dieser Tage durch den Berliner Nun- X^ceßi dem Papst in Rom persönlich übermittelt worden U a; hangt jetzt von der Entscheidung des Vatikans ab, ob toutt i« feiner jetzigen Gestalt als Staatsvertrag zur ka^utarischen Erledigung in Preußen gebracht werden '., «um Inhalt des Konkordats bemerkt der parteioffiziöse nZentrumspartei, daß die Sch ulfrage in ihm wt behandelt wird.
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Großes Vrandunglück.
22 Stadel eingeäschert.
In Tünnesberg (Oberpfalz) wurde nachts in den Scheunen an der Pfreimder Straße Feuer bemerkt. Das Feuer breitete sich rasch aus und legte innerhalb zwei Stunden 22 Stadel rechts und links der Straße vollkommen in Schutt und Asche. Nur noch sieben Stadel sind in der ganzen Straße stehengeblieben. Der ganze Inhalt der Stadel mit Heu-, Stroh- und Futtervorräten, Maschinen und sonstigen Geräten wurde ein Raub der Flammen.
Das Brandunglück in Tünnesberg ist das schwerste, das sich seit der Katastrophe von Luhe in der Operpfalz ereignet hat. Nur zu einem geringen Test ist der Schaden durch Versicherung gedeckt. Der ungedeckte Schgden beträgt ungefähr 2 0 0 0 0 0 Mark. Die 25 Brandleider sind meist kleine, tief verschuldete Landwirte, die infolge der Heimsuchungen der letzten Jahre ohnehin schon schwer um ihre Existenz zu kämpfen hatten. Sie wissen nun nicht einmal, wo sie die notwendigen Geräte für die Frühjahrsbestellung beschaffen und woher sie die Futtervorräte zum Durchhalten des Viehes nehmen sollen. Infolgedessen ist fremde Hilfe dringend notwendig. Vom Regierungspräsidenten der Ober- innMU zur Linderung der ersten Not 4000 Mark, vom Bischof von Regensburg 3000 Mark und vom Kreistag saus- m 2000 Mark zur Verfügung gestellt. In Tünnesberg hat sich ein Hilfskomitee gebildet, dem von der Kreisregierung eine öffentliche Sammlung im Kreise Oberpfalz bewilligt wurde.
Es liegt zweifellos Brandstiftung vor. Von den Bewohnern des letzten Hauses wurde vor Ausbruch des Brandes ein Mann beobachtet, der in den Stadel trat, in dem dann später das Feuer ausbrach, und sich darin zu schaffen machte. Wegen der Dunkelheit und der weiten Entfernung konnte die ver- dächtige Person nicht erkannt werden. Der Mann sprang plötzlich aus der Scheune heraus, bestieg ein auf der Straße liegendes Fahrrad und verschwand in Richtung Pfreimd.
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Der chemische Krieg.
Von der Genfer Abrüstungskonferenz.
Die vorbereitende Abrüstungskommission setzte die Besprechungen über das Verbot des chemischen und bakteriolo- gifchen Krieges fort. In der Aussprache beantragte Graf Bernstorff, das ganze Kapitel des Konventionsentwurfs über das Verbot des chemischen und bakteriologischen Krieges gemeinsam mit dem deutschen Antrag zu einem internationalen Protokoll des Verbots des chemischen Kriegs zu machen.Litwinow wies hierbei auf das Giftoasprotokoll von 1925 hin, das bereits von 13 Staaten unterzeichnet sei. Es würde nicht zweckentsprechend sein, zwei parallele internationale Abkommen gegen den Gaskrieg zu schaffen.
In der Aussprache wurde von verschiedenen Abgeordneten darauf hingewiesen, daß es zweckmäßiger fei, das bestehende Giftgasprotokoll auf der Grundlage der verschiedenen Anträge und der Bestimmung des Konventionsentwurfes weiter auszu- bauen und somit m die Konvention der Herabsetzung der Rüstungsbeschränkungen keine Bestimmungen über das Verbot des Gaskrieges aufzunehmen.
** Die Städte der besetzten Gebiete verlangen Hilfe. Die Stüdtevereinigung der besetzten Rheingebiete fordert in einem Schreiben an die Reichsregierung, daß die Summe, die für die Hilfsattion des besetzten Gebietes bereitgestellt wurde, in Anbetracht der großen Notlage des besetzten Gebietes beträchtlich erweitert werden müßte. Sie steht auf dem Standpunkt, daß mit den jetzt zur Verfügung stehenden Mitteln der Notlage im besetzten Gebiet nicht gesteuert werden kann. Der Verband bittet dringend, daß für d-e geplante Hilfsattion Mittel in ausreichendem Maße zur Verfügung gestellt werden.
□ Mißglückte! Anschlag mit einer Höllenmaschine. Einem Fabrikanten in Dresden-Loschwitz war von einem angeblichen Ingenieur Weinlich aus Coswig brieflich die Zusendung einer Maschine in Aussicht gestellt worden. Der Empfänger des Schreibens ließ die Maschine darauf am Donnerstag durch einen Arbester vom Bahnhof Dresden- Plauen abholen. Sie war in einer Kiste verpackt, die mit einem schwarzen Vorlegeschloß versehen war. Beim Oeffnen stellte sich heraus, daß es sich um eine Höllenmaschine handelte, die nur durch einen glücklichen Zufall nicht explodiert ist. Von der Kriminalpolizei und sofort benachrichtigten Sachverständigen wurde festgestellt, daß die Höllenmaschine außer einem Gußblock zwei Rollen Schwarzpulver enthielt. Nach dem Gutachten der Sachverständigen wäre die Explosion und Brandwirkung der Maschine sehr groß gewesen. Der Urheber des Anschlags war bisher nicht zu ermitteln. Wie festgestellt wurde, ist die Kiste am Mittwochnachmittag von einem etwa 26jäh- rigen Mann, der eine Sportmütze trug, am Bahnhof Klotzsche als Pafsagiergut nach Dresden-Plauen aufgegeben worden.
□ Aus Verzweiflung in den Tod. In Gießen ivarf sich der 30 Jahre alte Bahnarbeiter Schmidt vor einen fahrenden Personenzug. Dem Manne wurde der Kopf vom Rumpfe getrennt. Der Vorgang, von dem das Zugpersonal nichts bemerkte, wurde von einem in der Nähe im Garten arbeitenden Kriminalbeamten beobachtet. Der Grund zu dem verhängnisvollen Schritt ist darin zu suchen, daß Schmidt als früherer Beamtenanwärter wegen Farbenunsichtigkeit die Möglichkeit verlor, Beamter zu werden und er deshalb ins Arbettsverhältnis zurückversetzt wurde. Es machte sich deshalb eine nervöse Zerrüttung bei ihm bemerkbar, die vor einigen Tagen zu einem vollkommenen Nervenzusammenbruch führte. Am Freitag versuchte er, die Arbeit wieder aufzunehmen. Die nervöse Ermattung war aber noch so stark, daß er den Versuch alsbald wieder aufgeben mußte und bei ihm den Entschluß reifen ließ, seinem Leben ein Ende zu machen.