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Är 46 (1. Blatt) Dienstag, den 16. April 19X9

81. Iahrg.

Amtliche Bekanntmachungen

Kreisausschuß.

Förderung des Obstbaues.

3,=Hr. 1590 K. 6. Der Pflege der Gbstbäume im Kreise Zchlüchtern ist bedauerlicher Weise bisher noch nicht die nötige Sorgfalt und Aufmerksamkeit zugewandt worden, sodaß dieselbe heute noch vielfach zu wünschen übrig läßt. Dieses ist hauptsächlich darauf zurückzuführen, daß, infolge der geringen Bewertung des Obstes in den letzten Jahren die Rentabilität des Obstbaues allgemein angezweifelt wur­de Der Reichsbund für den deutschen Gartenbau und die in demselben organisierten verbände und vereine haben aber den Beweis geführt, daß durch sachgemäße und inten­sive Pflege der Bäume, insbesondere durch Einhaltung eines engumgrenzten Gbstsortiments der Obstbau nicht nur rentabel ist, sondern auch für die ländliche Bevölkerung eine gute und dauernde Einnahmequelle bilden kann. In richti­ger Erkenntnis dieser Tatsache haben Reich und Staat zum Zwecke der Veredelung der vorhandenen Obstbäume mit einheitlichen, für die betreffende Gegend geeigneten Sorten Mittel zur Verfügung gestellt.

Um die Obsternten aber auch ertragsreicher zu gestal­ten. sind weitere namhafte Staatszuschülse für die Be­kämpfung der Gbstbaumschädlinge bereitgestellt und be= williat worden. Mit Bilfe dieser Zuschüsie ist eine Motor- baumsvrike für den Kreis und eine Karrensvritze für den Mtbauverein Elm angeschafft worden. Die Motorbaum- sprike steht sämtlichen Gbstzüchtern des Kreises Schlüchtern zur Äerfüaung. Infolge des vergangenen strengen winters war eine Winterbehandlung der Bäume nicht möglich. Es soll deshalb die Bekämpfuna der Gbstmade und des Schor­fes nach Beendigung der Blüte durchqeführt werden. Um nun die Ausführung dieser Arbeiten richtig und planmäßig verteilen und die hierzu notwendigen Spritzmittel rechtzei­tig und in genügender Menge beschaffen zu 'können, ist es erforderlich, daß die Anmeldung der Aufträge bereits jetzt erfolgt.

Da die Schädlingsbekämpfung und das Umpfropfen fau­ler Bäume und schlechter Sorten die Rentabilität unseres heimischen Obstbaues zweifellos sehr verbessern werden, empfehle ich den Gbstzüchtern dringend, von der vorgenann­ten Einrichtung regen Gebrauch zu machen. Anmeldungen für die Benutzung der Motorbaumspritze nimmt Herr Kreis» obergärtner Holstein in Schlüchtern (Dreibrüderstraße 16) entgegen.

Wie in den früheren Jahren, finden auch in diesem Jahre, und zwar Ende des Monats April oder Anfang Mai, Unterweisungen im veredeln statt. Der Unterricht fauch praktische Uebungen) wird an einem Tage (von '9 bis 16 Uhr) in dem Kreisobftgarten in Schlüchtern erteilt. Anmeldungen sind gleichfalls an Herrn Kreisobergärtner Holstein in Schlächtern, der auch nähere Auskunft auf Wunsch erteilt, zu richten. Bei der Anmeldung ist eine Ein­schreibegebühr von 1 3Ut zu zahlen.

Die Herren Bürgermeister des Kreises ersuche ich. die Dbstzüchter und sonstigen Interessenten auf die vorstehende Bekanntmachung in ortsüblicher Weise aufmerksam zu machen.

Schlüchtern, den 12. April 1929.

Der Vorsitzende des Kreisausschusses: Dr. Müller.

I.-Nr. 1671 K. A. Es liegt Veranlassung vor, die berren Jagdvorsteher des Kreises auf die Bestimmungen des § 21 Abs. 5 der Jagdordnung vom 15. Juli 1907 auf- ^erhfam zu machen, hiernach ist vorgeschrieben, daß Ort und Zeit der Verpachtung der Jagd, sofern sie öffentlich meistbietend erfolgen soll, mindestens zwei Wochen vorher^ in ortsüblicher weise und durch das von der Jagdaufsicktsbehörde bestimmte Blatt bekannt gemacht wird, nur die Bekanntmachung der Jaqdvervachtungstermine in wrgeschriebenen Weise wird die Schlüchterner Zeitung ^neisblatt) hiermit bestimmt. Soll die Jaqdvervacbtung uu erdem auch noch in einem anderen Blatt ausgeschrieben so ist hierzu meine Genehmigung einzuholen. Nach $ 24 der Iaadordnung sind Vachtverträae, die gegen die Dicken Bestimmungen verstoßen, nichtra. Hierauf mache % . ^rren Iaadvorsteher besonders aufmerksam, n om dieser Gelegenheit bringe ich auch meine Kreisblatt» ^füaunq vom 4. April 1925 I.-Nr. 1748 K. A. ^k^^att Nr. 43 von 1925). wonach über jeden gemein- Eastlichen Iaadbezirk stets eine Karte bereitgehalten wer-

in Erinnerung.

Schlächtern, den 12. April 1929.

.______Der Sandrat: Dr. Müller,

^tadt Schlüchtern.

Bekanntmachung sinkt ^r Zeit vom 17. April bis einschl. 30. April 1929

die Reinigung der Schornsteine in folgenden Straßen

der Stadt statt: Ahlersbacher-, Llmerlandstraße, Elmweg, Hospital-, Graben-, Kaiser», Kronprinzen», Garten-, Drei- brüder-, Breitenbacher-, Bahnhof-, Lotichius-, Kloster», Brückenauer- und Fuldaerstraße, Braugasse, Amtsberg, Weinberg- und Ludov. v. Stummstraße.

Schlüchtern, den 12. April 1929.

Die Polizeiverwaltung: Gaenßlen.

Bekanntmachung.

Am Mittwoch, den 1 7. April 1929, vormit­tags 81/2 Uhr wird aus dem Rathaus Kanzler der Schafpferch öffentlich verkauft.

Schlüchtern, den 15. April 1929.

Der Magistrat: Renner.

Stadt Steinau.

Bekanntmachung.

Bei der Eintragung der Wasserrechte ist festgestellt wor­den, daß eine Anzahl Beteiligte die Eintragung noch nicht vornehmen haben lassen.

Dieselben werden hiermit letztmalig aufgefordert, die Ein­tragung dieser Rechte am Mittwoch, den 17. d. Mts. in den Vormittagsdienststunden anzumelden. Bei Nichtanmel- dung Kann das fragliche Grundstück von der Geltend ma- chung des Rechts dem BezirKs-Ausschuß gegenüber nicht berücksichtigt werden.

Steinau, den 11. April 1929.

Der Magistrat: Dr. Kraft.

Bekanntmachung

Der Fluchtlinienplan für die Hanau-Zulda-Vachaer-Sand- straße von Station 47,649,6 in der Gemarkung Steinau liegt vom Montag, den 1 5. ds. Mts. ab 4 Wochen lang zu jedermanns Einsicht im Zimmer des Stadtsekre­tärs offen. 1 '

Etwaige Einwendungen gegen denselben sind binnen die- M Frist Lei Meldung der Ausschließung bei dein Magistrat anzubringen.

Steinau, den 12 April 1929.

Der Magistrat, gez. Dr. Kraft.

T500 Kundgebungen zur Abrüstungsfrage.

Bei der Abrüstungsabteilung des Völkerbundssekretari­ats sind rund 7 500 Kundgebungen zur Abrüstungsfrage in Verfolg der Aktion des Exkutivkomitees der Sozialistischen Internationale aus 21 Ländern eingetroffen.

Drei amerikanische Flieger in Nicaragua löblich abgestürzt.

Managua (Nicaragua), 14. 4. (W. B.) Ein ameri­kanischer Unterleutnant und zwei Marineflieger sind gestern bei Lake (Nicaragua) tödlich abgestürzt.

Begnadigungsgesuch eines mexikanischen Rebellen- generals.

Mexiko, 14. 4. (W. B.) Die Regierung antwortete auf das Anerbieten des Rebellengenerals Rabatte, sich im Falle einer Begnadigung mit 6000 Mann zu ergeben, daß die Uebergabe bedingungslos sein müsse.

Grostfeuer in Hagen.

Hagen, 15. 4. (W. B.) Am Sonntag Abend um 11,30 Uhr wurde die hagener Berufsfeuerwehr nach Delstern gerufen, wo in der Delstener Papierfabrik ein großer Brand entstanden war. Da das Feuer an den großen Papiervorräten reichliche Nahrung fand, verbreitete es sich mit rasender Geschwindigkeit. Gegen 1/2 l Uhr nachts war der vorderbau der Fabrik vollkommen ausgebrannt und stürzte zusammen. Das Feuer wütet noch mit unvermin­derter Heftigkeit.

Konferenz bei Hoover.

Präsident Hoover besprach am Sonnabend ein­gehend mit dem Staatssekretär des Aeuß^en S t r m = fort und dem Sekretär des Schatzamtes Mellon die von den alliierten Sachverständigen in Paris über» reichte Denkschrift. Sie erörterten auch dre möglichen Auswirkungen der Denkschrift.

Der Antrag des in öesaneon in Untersuchungshaft befindlichen Elsässers Dr. Roos auf provisorische Freilassung ist vom Gericht in Besancon mit der Begründung abge­lehnt worden, daß Grund zu Fluchtverdacht vorliege.

Nach dem pilsudsKi-Blatt Gros Prwady sollen die polnischen Behörden in Thorn einer Spionageorganisation auf die Spur gekommen sein, die zugunsten einer westlichen benachbarten Großmacht gearbeitet habe.

Bei Zusammenstößen von Angehörigen des Heimat­schutzes in Knittelfeld (Steiermark) mit politischen Gegnern wurden sechs der Heimatschätzen, darunter einer schwer, verletzt.

Am keine Feilscherei!

Deutschlands Leistimgsfähigkit ist der einzig mögliche Maßstab für die Höhe der Reparationszahlungen.

In diesem Zeitpunkt der Pariser Sachverständi- genverhandlungen erscheint es notwendig, energisch ge­gen die französische Presse Stellung zu nehmen, die die Aufgaben der Sachverständigen seit längerer Zeit zu verfälschen sucht. Die französische Presse vergißt, daß sich in Paris die Sachverständigen der beteiligten Länder zusammengefunden haben, um in gemeinsamer Verhandlung ihren Regierungen Vorschläge über die Frage zu unterbreiten, wie das Reparationsproblem endgültig am besten geregelt werden kann. Im Aus­schuß stehen sich die Sachverständigen nicht wie Par­teien gegenüber, die miteinander wie Pferdehändler feilschen sollen.

Auf die wiederholten französischen Altdeutungen, daß Deutschland für die Räumung besondere Konzes- sionen machen müsse, sind unberechtigt. Denn in Deutschland wird kein Mensch daran denken, für die vorzeitige Räumung des Rheinlandes auch nur das geringste Geldopfer zu bringen. Die Aufgabe der Sach­verständigen läßt sich vielmehr mit der Feststellung wiedergeben, daß sie am 16. Sepien« der 1928 den Auftrag erhalten haben, an die wirtschaftlichen Zu­sammenhänge Europas und der Welt bei der Lösung der Kriegsentschädigungsfrage heranzutreten. Maß­gebend sollte einzig und allein die Leistungsfähigkeit Deutschlands sein.

Die Forderungen der Alliierten dürfen daher keinen entscheidenden Einfluß aus die Lösung des Re­parationsproblems haben. Sie können zwar, soweit das in den Verträgen festgelegt ist, berücksichtigt wer­den. Deshalb bleibt das Kernproblem aber doch die Frage, wieviel Deutschland im Rahmen seiner Lei­stungsfähigkeit zahlen kann, wenn es als Käufer auf dem Weltmärkte bleiben und seine übergroße Belastung nicht zu einer Gefährdung des natürlichen Warenaus­tausches werden soll.

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9er pariser Mliardenwchn. Unerhörte Ziffern.

Obwohl die Veröffentlichung der Reparationsdenk- schrist der Sachverständigen Frankreichs, Englands, Ita­liens und Belgiens erst beschlossen werden soll, war die Pariser Presse schon am Sonnabend in der Lage, nähere Angaben über den Inhalt dieses Schriftstückes zu machen.

Danach scheint es Tatsache zu sein, daß die von der französischen Presse in den letzten Tagen veröffentlichten Ziffern hinter den Forderungen der alliierten Sachverständigen noch zurückbleiben. Die Zahl der Jahresleistungen scheint danach in der Denk­schrift aus 58 Jahre festgesetzt zu sein. Sie beginnen mit 1,8 Milliarden, steigen nach einigen Jahren auf 2,4 Milliarden Goldmark. In dieser Höhe sollen die Zah­lungen 37 Jahre lang erfolgen. Für die letzten 21 Jahre sind Zahlungen von je 1700 Millionen vor­gesehen. Dazu tritt noch eine besondere Forderung der Belgier und ein Markbetrag, den Deutschland an dieWeltbank" einzahlen soll.

Von einer Annahme dieser unerhörten Forde­rungen, die nur unerheblich hinter den Jahresraten des Dawesplanes zurückbleiben, kann natürlich niemals die Rede sein. Wenn die alliiertenSachverständigen" hier nicht ganz gewaltige Abstriche machen und ihre Forderungen der tatsächltchen Leistungsfähigkeit Deutsch­lands anpassen, dann dürfte die Pariser Reparations- konferenz ein glänzendes Fiasko erleben.

Die Pariser Ziffern für die Amerikaner zu hoch.

In amerikanischen Pressemeldungen wird unterstrichen, daß die amerikanischen Sachverständigen den von Paris ge­nannten Ziffern durchaus nicht zustimmen.New Dort Herald" betont, die Pariser Ziffern hätten in keiner Weise die Zustimmung Owen Aoungs gefunden und stimmten durchaus nicht mit der amerikanischen Anschauung überein. Das deut« an, daß die Höhe der Ziffern stark über den Punkt hinaus gehen, wo die Amerikaner und auch Japaner stehen.

Owen Aoung werde daher möglicherweise gezwungen sein, niedrigere Ziffern in die Debatte zu werfen. Man müßte mit weiteren mühseligen Verhandlungen rechnen, wenn man bedeute, daß acht Tage notwendig gewesen seien, um die Alliierten zur Herabsetzung ihrer Forderung um 300 Mil­lionen Mark zu veranlassen.

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-Unannehmbar für Deutschland.

Von den Berliner Blättern nimmt nur ein Teil zu dem Reparationsmemoranbum Stellung, aber alle Zeitungen, ganz gleich welcher Parteirichtung, bringen in den Ueber» schristen und in den Ausführungen ihrer pariser Bericht­erstatter in schärfster Form zum Ausdruck, daß die bisher genannten Zahlen für Deutschland unannehmbar sind.