Einzelbild herunterladen
 

Amtliche Bekanntmachungen zssdratsaUk.

I.-Nr. 2901. 3m Monat März d. 3$. sind folgenden Personen Iahrer-Iagdscheine ausgestellt worden:

Keim, Adolf, Kaufmann, Frankfurt a. M.,

Dr. Keim, w., Apothekenbesitzer, Frankfurt a. M.,

Vogt, Gberpostmeister, Schlächtern, Zoll, Martin, Kaufmann, Frankfurt a. M. Schlächtern, den 3. April 1929.

Der Landrat. 3. D.; Schultheis.

Stadt Schlüchtern.

Oeffentliche Mahnung.

Die noch rückständigen Gewerbeertragssteuern für 1928, Lewerbekapitalsteuer-Vorauszahlungen für dieselbe Zeit, ftädt. Grundvermögenssteuer-Zuschläge, Holzgelder, Losholz, Schulgelder, Vassergelder, Pachtgelder, Polizeistrafen, Mie­ten, Kanal= und Anerkennungsgebühren, sowie alle ande­ren Abgaben werden hierdurch angemahnt.

Ueber alle Abgaben sind Benachrichtigungen zugestellt Wrden. Die Zahlung hat bei der Stadtkasse Schlächtern zur Vermeidung der Beitreibung schnellstens zu erfolgen. Anträge und Eingaben halten die Zahlung nicht auf.

Mahnungen erfolgen nur öffentlich, nicht durch Be» Händigung von Mahnzetteln.

Schlächtern, den 3. April 1929.

Der Magistrat: Gaenßlen.

Bekanntmachung.

durch Beschluß der städtischen Körperschaften ist das 5chulgeld für den Besuch der städtischen Lateinschule ab 1. April d. 3s. gleichmäßig für Einheimische und Auswär­tige auf 160 AM jährlich festgesetzt worden.

I Schlächtern, den 2. April 1929. ______

r Der Magistrat: Haenmeu.

Sie österreichische Regierungskrise.

Ueberraschung in Wien.

Wie aus Wien gemeldet wird, hat der Rücktritt deS Kabinetts Seipel in allen parlamentarischen Kreisen, ja selbst m der engeren Umgebung des Bundeskanzlers, vollkommen überrascht. Man muß annehmen, daß der Rücktritt eine grundsätzliche parlamentarische Klärung hevbeiführen will. Sei es dadurch, daß die Person Dr. Seipels endgültig auS- cheidet, sei es, daß Dr.. Seipel versucht, endgültig "die persön­lichen Widerstände wegzuräumen, unter denen er gelitten hat.

Aus den Erklärungen, die Dr. Seipel im entscheidenden Ministerrat abgab, sind folgende Gedankengänge von Bedeu- nmg: Das Antlitz des österreichischen Staates habe sich in den letzten Jahren verändert. Die Gleichgültigkeit und Ein- Ichuchterung eines großen Teiles der Bevölkerung bestehe nicht mehr und kein einseitiger Radikalismus habe mehr Aussicht auf Erfolg. Die bestehenden inneren Spannungen aber ent­gelten die Gefahr, daß eine Reihe wichtiger gesetzgeberischer Maßnahmen nicht zur Lösung gelangen könnten, obwohl ihre

sachlich möglich wäre. Durch eine beharrliche Werbe- angkeit gewisser Kreise sei viel Haß angehäust worden, der huscht nur auf seine Person erstrecke, sondern sich auf den Wsmchen Stand und die Kirche ausdehne.

Dr. Seipels persönliche Rücktrittsgründe.

Ju einer christlich-sozialen Versammlung in Wien, in welcher Bundeskanzler Dr. Seipel sprechen sollte, erschien an mner Stelle Abgeordneter Kunscha, der über den Rücktritt des Kabinetts u. a. ausführte: Unter den persönlichen Gründen !eien vor allem die gehässigen Angriffe hervorzuheben, die Wen Dr. Seipel gerichtet worden seien.

,, besonders der ungerechte Vorwurf, daß er den Arbeiter- hasst, und daß dadurch die Arbeiter zu einer Austritts- srwegung aus der katholischen Kirche verleitet worden seien. M: Dr. Seipel am schwersten getroffen, da er ihn an seiner pnesterlichen Ehre angriffe.

Um die Neubildung des Kabinetts.

Der christlich-soziale Parteivorstand wird zu einer Sitzung Wammentreten, um über die Krise zu beraten. Nach der zu urteilen, die in der christlich-nationalen Frak- herrschte, ist anzunehmen, daß die überwiegende Mehr- Partei sich dafür aussprechen wird, den bisherigen V^kanzler Dr. Seipel aufs neue zu bitten, die Regierung M übernehmen.

is 3n politischen Kreisen nimmt Man an, daß die Krise von Dauer sein dürfte. Gerade weil sie grundsätzlichen -praller hat, wird es sehr schwer sein, eine neue tragfähige «binatton für die künftige Regierung zustande zu bringen.

^ Neichsregierung hat einen neuen Flaggenerlaß ^i^^Leben, in dem die Teilnahme von Vertretern der ^A^gierung nur an Veranstaltungen mit würdiger Her- mt ^er verfassungsmäßigen Beichssarbdn schwarz- ^Svld gestattet wird.

Sergwerksunglücke.

Kohlenstaubexplosion. Fünf Schwerverletzte.

Auf der GrubeHansa" in S e n f t e n b e r g , die den neuen Senftenberger Kohlenwerken gehört, ereignete sich eine schwere Kohlenstaubexplosion, durch die fünf Mann schwer verletzt und sechs leichter verletzt wurden. Bis auf einen muß­ten sie sämtlich ins Krankenhaus gebracht werden. Die Explo­sion setzte den Trockenraum der Fabrik in Brand, der erst in den Abendstunden gelöscht werden konnte. Ueber die Ent- stehungSursache des Brandes ist noch nichts bekannt. Die Untersuchung durch die zuständigen Bergreviersbeamten ist im Gange.

Neues schweres Grubenunglück in Belgien.

Wie aus B r L s s e l gemeldet wird, ereignete sich in einer Grube in Pckurages (Provinz Hennegau) eine folgenschwere Schlagwetterexplosion. Bisher wurden acht Tote festgestellt. Die Zahl der Verletzten ist groß.

Schweres Eisenbahnunglück in Rumänien.

20 Tote, 60 Verletzte.

Nach einer Meldung aus Bukarest, ist Freitag früh ein Schnellzug entgleist, wobei drei Personenwagen umstürzten. Nach den ersten Nachrichten wurden 20 Personen getötet und 60 verletzt. Durch herrschenden Schneesturm sind die Rettungsarbeiten stark behindert.

Der Brocken wird nickt preußisch.

Zu den Meldungen über einen angeblichen Verkauf des Brockens und seiner Waldreviere aus dem Besitz des Fürsten von Stolberg-Wernigerode an Preußen teilt die Deutsche Tageszeitung" mit, daß diese Nachricht unzu­treffend ist.

Mit dem preußischen Fiskus sind Verkaufsverhandlungen nicht geführt worden. Es ist auch nicht in Aussicht genom­men, solche Verhandlungen einzuleiten. Die fürstliche Kam= des Stolberger Fürstenhauses zwecks Arrondierung von Ge­lände in Verhandlungen.

Kirchliches Krematorium in Berlin.

Die Berliner Stadtsynode beschloß gestern mit knapper Mehrheit die Annahme eines von der Linksgruppe einge­brachten Antrages auf Errichtung eines kirchlichen Krema­toriums für Groß-Berlin. Der Beschluß wird nun die Generalsynode beschäftigen.

Hauptmann Köhl über seinen Ozeanflug.

Berlin, 5. April. Zu dem Gerücht über einen beabsichtig­ten Ozeanflug Hauptmann Köhls teilte der Ozeanflieger mit, daß es sich vorläufig nur um Pläne handele, deren Verwirk­lichung noch in weiter Ferne lägen. Hauptmann Köhl betonte, daß der Flug, für den ein dreimotoriges Junkers-Wafferflug- zeug in Aussicht genommen sei, etwa 700800 000 Mark kosten würde, da ja die Anlagekosten für Tankstellen, die in Portugal und vielleicht auch auf Halifax errichtet werden sollten, schon allein 7080 000 Mark betrügen. Es handele sich zunächst um die baldige Finanzierung seiner Pläne, da die günstigste Jahreszeit sehr rasch verstreiche und die noch vorzuuehmenden Probeflüge, insbesondere das Tanken in der Luft naturgemäß gründliche und zeitraubende Vorbereitungen verlangten. Oberst Fitzmaurice habe sich bereit erklärt, auch diesmal wieder mit chm zu fliegen. Für den Start sei einer der großen Seen Berlins in Aussicht genommen.

Das Hauptverfahren gegen Hugo StinneS und Nothmann eröffnet.

Berlin, 5. April. In der Strafsache wegen Anleihe­betruges ist das Hauptverfahren gegen Hugo Stinnes, Noth­mann, v. Waldoff, Bela Groß, Leo Hirsch und Schleid gemäß den Anträgen der Staatsanwaltschaft vor dem Großen Schöf­fengericht Berlin-Mitte eröffnet worden.

Selbstmord eines Mörders.

Koburg, 5. April. Wie von amtlicher Stelle mitgeteilt lvird, hat sich der Raubmörder Karl Aufermeyer aus Michelau in seiner Zelle erhängt. Er benutzte dazu ein Stück seines Bettbezuges.

Dr. Robert v. Erdberg, der Führer der deutschen freien Volksbildungsbewegung und der Referent für Volks­bildung im preußischen Kultusministerium, ist gestern im Alter von 63 Jahren einem Herzschlag erlegen.

Neichsaußenminister Dr. Strefemann ist am Don­nerstag Abend von seiner Erholungsreise nach Berlin zu­rückgekehrt.

In Beira (Mozambique) entgleiste ein Güterzug und zertrümmerte mehrere Hütten von Eingeborenen. 18 Eingeborene wurden teils getötet, teils schwer verletzt.

In Lichenau (Vberschlesien) fand man die Frau eines Lokomotivführers, das sechs Tage alte Kind und die Mutter mit durchschnittener Kehle auf. Anscheinend hat die Mutter, die mit der Tochter in konfessionelle Meinungs­verschiedenheiten geraten war, die furchtbare Tat voll­bracht.

Mutiger russisch-polnischer Atvischenfall.

Ein russischer Diplomat gegen polnische Polizeibeamte in Baranowiczr. Ei« oder zwei Todesopfer des Zusammen- stoßes. Widersprechende Darstellungen des Herganges. Die Auffassung in Moskau.

Ein Zusammenstoß in Baranowicze.

Nach einer Meldung aus Warschau ist eS auf bet Vahrchofswachs in Baranowicze an der polnisch-russischen Grenze zu einem blutigen Zusammenstoß zwischen dem in Begleitung seiner Frau von Berlin nach Moskau reisenden Vertreter ver sowjetrussischen Handelsabordnung, Akanasjewitsch, und den polnischen Polizeibeamten gekommen. Der Handelsvertreter war zwecks Untersuchung seiner Papiere auf die Polizeiwache gebeten worden, wo sich zwischen ihm und dem dieusttuenden Beamten ein scharfer Wortwechsel entwickelte.

Akanasjewitsch zog in der Erregung seinen Revolver und feuerte auf den Polizisten, der ihn vom Zuge zur Wach« be­gleitet hatte, einen Schuß ab, der den Beamten am Kopse verwundete. Mit der zweiten Kugel verletzte er den dienst­tuenden Beamten ebenfalls am Kopfe, worauf er den dritten Schutz gegen sich selbst abfeuerte. Der Zustand der beiden polnischen Beamten soll besorgniserregend sein, während Aka­nasjewitsch sich angeblich nur leicht verletzt haben soll. Der Handelsvertreter und seine Frau wurden sofort verhaftet.

Der Hergang.

Wie aus weiteren Berichten aus Baranowicze hervoi^eht, hat der Zusammenstoß zwischen dem sowjetrussischen Handels­vertreter Akanasjewitsch und den Beamten der polnischen Polizeiwache zwei Todesopferaesordert. Der Her­gang des aufsehenerregenden Ereignisses wird folgendermaßen

Frau sollen bereits am LExqM« .o um. Berlin kommend in Baranowicze singr, troffen und dort ausgestiegen fein, um im Grenzgebiet an« lässige Verwandte zu besuchen. Da das Ehepaar kein« Auf- enthLltsbewillmung für Polen gehabt habe, sei er von der polnischen Polizei angehalten und auf die Wache gebracht worden. Dort habe man dem Handelsvertreter crtlart, daß er in einem Gasthaus her Stadt übernachten müsse, um mit dem nächsten Zug nach Moskau weiterzureisen. Akanasjewitsch habe sich jedoch geweigert, diesem Vorschlag Folge zu leisten, da er einen Anschlag auf seine Person befürchte. Er habe die Wache nicht verlassen und die Nacht dort zugebracht.

Mittwoch, 10 Uhr vormittags, sei ein Beamter des pol­nischen Sicherheitsdienstes auf der Polizeistation eingetrof- sen und habe mit dem Rücken zur Wache gewandt ein Fern­gespräch mit seinem Vorgesetzten geführt. Diesen Augenblick habe Akanasjewitsch benutzt, um einen Revolver aus der Tasche zu ziehen und aus etwa drei Meter Entfernung einen tödlichen Schutz auf den telephonierenden Beamten abzufeuek«. Mit einem zweiten Schutz habe er einen anderen Polizei­beamten so schwer am Kopf verletzt, datz letzterer um 8 Uhr abends im Krankenhaus gestorben ist. Schließlich habe Aka­nasjewitsch die Waffe gegen sich selbst gerichtet und sich eine Schläfenwunde hergebracht, die jedoch nicht lebensgefährlich sein soll.

Ergänzend wird noch berichtet, daß es sich bei Akanas- jewitfch um einen etwa 30jährigen Mann bäuerlicher Her- kunft handele. Der Warschauer sowjetrusfische Konsul Scha­ch ow ist nach Baranowicze abgereist. Nach einer anderen Darstellung soll übrigens nur einer der verletzten Beamten gestorben sein, während der andere zum Zivecke einer Ope- rattou nach Wilna überführt worden sei.

Die russische Darstellung.

Nach Meldungen aus Moskau hat dort der ernste rus­sisch-Polnische Zwischenfall in Baranowicze großes Aufsehen erregt. Die amtlichen Kreise der Sowjetregierung erAären, daß die polnische Darstellung über diesen Zwischenfall un­richtig fei. Nach russischer Darstellung hat der Beamte der Berliner Handelsvertretung nur seine Verwandten besuchen wollen. Sein Paß fei vollkommen in Ordnung gewesen.

Bei dem Zusammenstoß mit der polnischen Polizei, die ihn scharf beobachtet habe, hätten die Polizeibeamten ver­sucht, ihm gewisse politische Schriftstücke zu stehlen. Nach russischer Darstellung hat Akanasjewitsch in Notwehr ge­handelt. Er habe sich g«iveigcrt, sich durchsuchen zu lassen, ohne Anwesenheit des russischen Generalkonsuls.

. Die Neichsregierung hat einen Erlaß über Ha- heitsanordnungen und Verhalten der Neichsbehörden bei besonderen Anlässen herausgegeben. Der Erlaß regelt die Weiterleitung allgemeiner Anordnungen der Neichsregie- rung an die einzelnen Neichsstellen die repräsentative Ver­tretung der Neichsbehörden bei Veranstaltungen außerhalb der Neichshauptstadt, schließlich die Beflaggung der Neichs- dienstgebäude.

Die Vollsitzung der Neparationskonserenz am Don­nerstag nachmittag war hauptsächlich der Prüfung der schriftlichen Darlegungen der Delegierten der vier Gläu­bigermächte und des Memorandums Oboen v. Poungs ge­widmet.