Nachtschatten
Kriminalroman von Gebh. Schätzler-Perasini.
Nachdruck verboten.
,3$ schwöre es Ihnen denn, Herr Inspektor," sagte Bormann verwirrt, „zu schweigen gegen jedermann/
Erst jetzt schien der Beamte einigermaßen beruhigt zu sein. Ein tiefer Atemzug entfloh seiner Brust. Er wandte sich der Tür zu.
„Schließt hier nun alles ab/ sprach er dumpf, „wir brauchen nicht mehr zu wachen, der — Mörder kommt nicht mehr/
Dann ging er mit unsicheren Schritten über die Schwelle und suchte sein Zimmer auf.
Mechanisch schloß er ab.
Der Polizei-Inspektor Brak blieb in der Mitte der Stube stehen. Licht brauchte er keines anzustecken, denn die Mondhelle flutete durch den Raum.
Wie geistesabwesend blickte er vor sich nieder. Ein Schauer lief durch seinen Körper.
„Was nun?* murmelte er endlich.
Eine Antwort vermochte er sich nicht zu geben.
Jetzt wußte er, weshalb Gollwitz schwieg, weshalb Luise den verfluchten Namen nicht nennen konnte.
Jetzt hätte es in seiner Macht gelegen, den armen, ge- hetzten Referendar zu retten, seine völlige Unschuld zu beweisen. Er brauchte nur zu sprechen.
Aber auch er konnte es nicht, so wenig wie Gollwitz und Luise, denn auch ihm verschloß ein unseliges Verhängnis den Mund. —
Kopfschüttelnd war Bormann ebenfalls wieder in seine Stube zurückgekehrt, nachdem er der Weisung seines Herrn gemäß Tür und Fenster des Totenzimmers abgesperrt hatte.
Er konnte sich den Vorfall nicht zusammenreimen, trotzdem er annahm, daß der Inspektor einzig deshalb Schweigen von ihm verlangte, weil er in dem Kampf mit dem Verbrecher unterlegen war.
Brak war Polizeibeamter und seiner Strenge wegen bekannt. .Es blieb doch immerhin sonderbar, daß er seiner vorgesetzten Behörde diese wichtigen Entdeckungen vorent- hielt und die ganze Sache in das Dunkel des Geheimnisses hüllte.
„Er muß einen tüchtigen Hieb auf den Kopf bekommen haben, sonst hätte ich ihn ja auch nicht ohnmächtig am Boden liegend gefunden," sagte sich Bormann, der mit offenen Augen auf seinem Bett lag. „Hoffentlich erholt er sich bis zum Morgen völlig und überlegt sich die Sache."
Grau und nebelig zog der nächste Morgen heran, die feuchten Tropfen hingen an Ast und Blatt, sickerten schwer zur Erde nieder.
Bormann sah nach, ob der Inspektor sich bereits vom Bett erhoben hatte und ob er seiner bedürfe.
Auf sein Klopfen erhielt er keine Antwort, so daß er nach kurzem Zögern die Tür öffnete und eintrat.
Der Inspektor hatte das Lager bereits verlassen und saß am Tisch, starr, wie geistesabwesend vor sich ins Leere blickend.
Bormann erschrak bei diesem Anblick. Das Gesicht des Snrpeffr^ der KoM hkH auf die Brust herab und nur die Augen hatten einen sonderbaren Ausdruck, während sich die schmalen, energischen Lippen fest übereinanderpreßten.
„Herr Inspektor!" rief Bormann betroffen.
Weiter brächte er für den Augenblick gar nichts hervor. Er blickte nur unverwandt den über Nacht so furchtbar veränderten Mann an, dessen dunkles Haar an den Schläfen einen deutlichen Silberschein zeigte.
Der Inspektor fuhr bei dieser Anrede zusammen und hob den Kopf.
„Was — wollt Ihr, Bormann?" fragte er tonlos.
Die soziale Aufgabe der Bekleidungsindustrie
Der Sinn für geschmackvolle Kleidung bringt in immer weitere Kreise unserer Bevölkerung. Der Film wirkt hier besonders erzieherisch. Der junge Hrbetter verbringt seinen Feierabend im Gegensatz zu seinen älteren Kollegen in vielen Fällen nicht mehr in demselben Anzüge, den er tagsüber bei der Arbeit getragen hat. Insbesondere will der Arbeiter, der kleine Beamte und Angestellte sein Wochenende, den Zamstagnachmittag und den Sonntag nicht in dem täglichen Milieu und nicht in einer Kleidung verbringen, die unbedingte Rückschlüsse auf seinen Stand zuläßt. Den Begriff einer „standesgemäßen" Kleidung läßt man heute für den Feierabend und das Wochenende nicht mehr gelten. Dieses ehrgeizige Streben, nach getaner Arbeit sich besser anzuziehen, ist jedem, der die kulturelle und auch politische Entwicklung unseres Volkes durchdenkt, nur zu verständlich.
während aber das Bedürfnis nach guter Kleidung bei uns immer größer wird, ist die Kaufkraft der Verbraucher im Verhältnis zur Vorkriegszeit erheblich zurückgegangen. Nach vorsichtiger Schätzung gehören allein 32°/o unserer Stadtbevölkerung zu den sogenannten Minderbemittelten,' sie haben ein Jahreseinkommen bis zu 2000.— Mark. Zieht man nun die großen Auslagen für Wohnung, Nahrung, Wäsche, Schuhe etc. in Betracht, so kann man sich leicht ausrechnen, daß einem großen Teil der Bevölkerung keine nennenswerten Mittel für Bekleidungszwecke zur Verfügung stehen. Hier haben Bekleidungsindustrie und Einzelhandel eine volkswirtschaftliche, bedeutungsvolle Aufgabe zu erfüllen. Es kommt darauf an, eine qualitativ hochwertige Bekleidung herzustellen, deren preis auch für den kleinen Sohn- und Gehaltsempfänger erschwinglich ist. Ein Blick in die Schaufenster eines Herrenbekleidungsge- schäftes zeigt, daß der Fertiganzug den Anforderungen, die hinsichtlich der Qualität und der Preisgestaltung, die an ihn gestellt werden, vollauf gerecht wird. Unsere hochentwickelte Bekleidungsindustrie produziert heute Fertiganzüge, die auch' den verwöhntesten Geschmack befriedigen und den teueren Maßanzug entbehrlich machen.
Bücherschau
In der Neichsdruckerei Berlin S. w. 68, Dramenstr. 91, ist der Jahresbericht der preußischen Gewerbeaussichtsbe- amten und Bergbehörden für 1928 erhältlich.
„Ich wollte nur fragen, ob ich das Frühstück —* stot- terte der Alte.
Der Inspektor nickte rasch. Er tat es, damit er den Mann weiterbrachte. An Essen und Trinken dachte er wahrlich nicht.
Aber der Hausmeister ließ sich nicht so ohne weiteres fortschicken.
„Sie sehen so traut aus, Herr Inspektor! Mein Gott! Sie haben durch den Schlag, den Ihnen der Mensch diese Nacht versetzte, doch nicht am Ende —"
„— den Verstand verloren?" ergänzte Brak mit harter Stimme. „Meint Ihr das? Nur keine Sorge deshalb; ich — weiß, was zu tun ist!"
„Soll ich nicht den Doktor holen, Herr Inspektor, es wäre doch bester?"
„Nein!" fuhr der Beamte auf. „Geht!"
Und Bormann ging.
AIs er nach zehn Minuten mit dem Frühstück wieder das Zimmer betrat, saß der Inspektor noch genau so, wie er ihn verlassen, an dem Tisch.
Nur die eine Hand lag auf der Decke und die Finger waren zur Faust geballt.
Der Hausmeister setzte die Platte vor dem Inspektor auf den Tisch, wartete, ob dieser etwas sagen werde und als dies nicht geschah, verließ er seufzend das Zimmer.
Nach einer Viertelstunde etwa erschien der Inspektor im Hut und Ueberrock.
Bormann trat ihm entgegen.
„Haben Sie einen Auftrag für mich, Herr Inspektor?" fragte er.
„Ja so — ja! Packen! Packt den kleinen Koffer für mich, Bormann. Ich werde heute noch abreisen."
„Abreisen?" rief der Alte verwundert. „Ja wohin denn?"
„Heim — nach der Residenz." .
Damit schritt er an Bormann vorüber, den Gang entlang. Der Alte sah ihm verwirrt nach und bemerkte, daß sich der bis gestern so eisenfeste Beamte einmal taumelnd mit der Hand an der Mauer stützte.
„Da werde ein anderer daraus klug!" murmelte der Hausmeister.
Er ging in das Zimmer des Inspektors, um das Frühstücksgeschirr abzuräumen, machte aber große Augen, als er sah, daß Brak auch nicht einen Bissen zu sich genommen hatte.
„Das wird schlimm werden!" sagte sich der alte Mann. „Immer solch gesegneten Appetit und nun plötzlich alles vorbei. Er ist wie gebrochen! Und — was ist das? Wozu nimmt er denn seinen Revolver mit sich? Hier hing das Ding immer am Nagel! Wo geht er denn nur hin?"
Bormann trat an das Fenster und sah hinaus.
„Dort geht er! Er nimmt die Richtung nach der Stadt. Da — jetzt bleibt er vor dem Gartengitter seines Bruders stehen und zieht die Glocke —"
Der Schall der Glocke klang laut und heftig durch das Haus des alten Sonderlings Peter Brak.
Es mochte etwa acht Uhr morgens sein.
Die alte Magd eilte, so rasch sie ihre Füße tragen konnten, nach dem Gitter, das seit den letzten Einbrüchen immer versMWen gelEcn mürbe, und öffnete.
Auch sie erschrak nicht wenig über das Aussehen des Inspektors.
„Ist mein Bruder schon auf?" fragte Brak die Alte mit einer harten Stimme, dabei dem forschenden Blick ausweichend, der ihn traf.
„Jawohl, Herr Brak ist erst aufgestanden!" antwortete die Magd. „Ich habe ihm das Frühstück ins Arbeitszimmer getragen. Er befindet sich aber in einer solch gereizten Stimmung, daß ich gern wieder ging."
Der Inspektor ließ die plappernde Alte stehen und schritt ins Haus.
... NUmbpaKet Kathreiner Kostet nur SSPfg.
Vieviel Können 6le6aan3hrem AaKeyetränK /parat/
Das sehnsüchtige Herz.
Von Otto Promber, Dresden.
Den Tag von heute gäb' ich gern zurück
Mit allen Lasten, die ich schon getragen;
Ich sehne mich so heiß nach einem Glück, Das Brücken schlägt zu schöner'n Erdentagen!
Mir träumte: Blumen.blühten um das Haus; Ich sah durchs Fenster aus durchsonnte Hänge Und dachte bangen Herzens nur: Hinaus — Hinaus aus dieser schwerbedrückten Enge!
Das Leben rauscht dahin. — Ich blieb zurück Verödet, einsam. — Darf ich endlich hoffen? Laut schlägt mein Herz im wilden Schrei nach Glück, Und sehnsuchtsvoll halt' ich die Arme offen.. .
Während er nach oben stieg, hatte sein Gang ganz M lich eine gewiste Festigkeit angenommen, wie sich auch? eiserner Entschluß in seinen Mienen ausprägte.
Die Magd ließ das Gitter unversperrt und folgte iOh, sam ins Haus.
Es war ihr nicht wohl dabei zumute, wußte sie doch, u die beiden Brüder nicht gut miteinander harmonierten M besonders heute bei der überaus gereizten Stimmung Braks eine heftige Szene in Aussicht stand.
Sie erinnerte sich an die neuliche, nach der der InsM, nicht mehr das Haus feines Bruders betreten hatte.
Neugierig wie die meisten Frauen stieg sie nach ol und hielt sich in der Nähe des alten Feuerloches auf, J wie der Leser weiß, in das sogenannte Arbeitszimmer Braks mündete.
Zwar hatte die Oeffnung selbst Peter vermauern öffnete man aber die kleine Eisentür auf dem Gang, st A mochte man trotzdem einzelne Worte zu hören, voro^«. setzt, sie wurden laut gesprochen. 8
Vorläufig horchte die Alte nur an der verschlosst, Tür. Wirklich schien im Arbeitszimmer ein lärmender & tritt stattzufinden.
Peter Braks schreiende Stimme wurde vernehmbar.
„Ich dachte mir es doch!" nickte die Alte und öffnete» räuschlos das Türchen.
Peter Brak schien förmlich zu toben; er rannte in ^ Zimmer umher, während der Inspektor kalt auf ihn sprach. Leider verstand die Magd bis jetzt kein deutlich« Wort.
Sie beugte sich mehr gegen die Mauer.
Der Inspektor schien aufgesprungen zu sein. Hatte» seinen Bruder gepackt?
„Laß mich los!" schrie soeben Peter Brak mit gellend« Stimme.
„Weigerst du dich?" hörte die Magd den Inspektor H fen und sie zitterte förmlich bei dem Ton dieser Stimme.
„Ja — ja! Tausendmal ja! Ich lasse die Polizei hole«! Ihr alle wollt mich verderben, seid Schufte, Mörder, Diebe!' schrie Peter.
„Wenn du denn alle Ehre vergessen hast, so will ich -' hörte die Magd den Inspektor ganz wild rufen.
„Hilfe! Hilfe!" schrillte es aus Peter Braks Kehle.
Die Magd fuhr zurück.
Da krachte ein Schuß. Dröhnend drang der Schall burt das Haus.
„Heilige Mutter Gottes, steh uns bei!" jammerte die Ä Magd und sank in die Knie.
Gleich darauf wurden Türen aufgerissen und der spektor eilte aus den Zimmern seines Bruders.
Er hatte keinen Hut auf dem Kopf, die Haare hing« ihm wirr in das todbleiche Gesicht herein.
Die Magd sah dies alles, hörte auch seinen knichends
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Atem. Er dagegen hatte für nichts Augen, eilte die Try pen hinab und stürzte aus dem Haus.
„Er hat feinen Bruder erschossen!" stammelte die Ä Magd schreckensbleich.
XXIV.
Der Inspektor hatte das Haus seiner ermordeten Sch
ster erreicht und betrat kaum sein Zimmer, als er auch sch mit einem ächzenden Laut auf dem Stuhl zusammenbra
„Herr, mein Gott," bebte es von seinen Lippen, „ve mir die Blutschuld!"
Dann raffte er sich gewaltsam auf, strich das Haar a der Stirn. Eine unheimliche Ruhe bemächtigte sich je seiner.
„Ich muß fort, sogleich, es ist ja noch manches zu tun! sagte er.
Nach einer anderen Kopfbedeckung suchend, rief er, na dem er eine solche gefunden hatte, Bormann.
(Fortsetzung folgt.)
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Donnerstag, den 21. März. 6.30: Morgengymnastik. V schließend: Wetterbericht und Zeitangabe. 12.30: Schallplatte» Konzert: Walzer und Charakterstücke. 15.05—15.35: Stunde
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