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(1. Blatt)

Dienstag, den 12. März 1929

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Amtliche Bekanntmachungen

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5. IX Hr. 226. Zeitungsnachrichten zufolge hat in g| Mr Zeit in den dem Regierungsbezirk Kassel benach- 22 ^en Gebieten das Auftreten von herumziehenden« ~ Führern mehrfach Unzuträglichkeiten im Gefolge ge= M. Abgesehen davon, daß sich die Bären infolge mangel- after Fütterung und Pflege meist in einer das mensch- che Empfinden verletzenden Verfassung befinden, auch linquälereien zu beobachten sind, bedeutet der Gewerbe­betrieb dieser Leute, unter denen sich oft unsichere (Ele« Rente befinden, häufig eine Gefahr für die öffentliche Sicherheit. Auch aus veterinärpolizeilichen Gründen gibt das Auftreten der Bärenführer, die oft noch andere Tiere - Hunde, Affen, Ziegen mitführen, zu ernsten Beden- bm Veranlassung. Die Trupps, die von Ort zu Grt ziehen, Wen sehr leicht zur Verschleppung und Verbreitung m Tierseuchen, z. B. Tollwut, Maul- und Klauenseuche, Wagen. Aus diesen Gründen sind hier in den letzten Zehren für derartige Schaustellungen, die fast nur von Inländern (Türken) veranstaltet werden, Wandergewer- sscheine weder ausgestellt noch für den hiesigen Bezirk lusgeöefynt worden. Trotzdem sind in letzter Zeit auch h Regierungsbezirk vereinzelt herumziehende Bärenführer beobachtet worden. Gb sie ihr Gewerbe hier auch aus- eübt haben, ist allerdings nicht bekannt geworden jedoch {stimmt anzunehmen. 3n einem Grte war unter Bewoh- trn durch einen wildgewordenen und entlaufenen Bären

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ine starke Erregung hervorgerufen worden.

35; sehe mich deshalb zu dem Ersuchen veranlaßt, die ^Polizeibehörden darauf hinzuweisen, daß nach §» 60 a er Gewerbeordnung derartige Schaustellungen ihrer Er- lubm's unterliegen; Da ich entschlossen bin, gegenüber nträgen auf Erteilung oder Ausdehnung von Wanderge- «chcscheine- für s^che Dorfübrungen grundsätzlich einL blchnende^ Stellungnahme zu bewahren, entfällt in den leisten Fällen von vornherein schon die Möglichkeit der rteilung der ortspolizeilichen Erlaubnis. Insoweit sie aber Mahmsweise bei vorliegen eines für den Regierungs« ezirk gültigen (ausgedehnten) Wandergewerbescheins zu- ssig sein sollte, ist mit Strenge darauf zu achten, daß den iherheitspolizeilichen, sodann aber auch den tierpslegeri- hen Erfordernissen entsprochen wird.

Kassel, den 26. Februar 1929.

Der Regierungs-Präsident gez. Dr. Friedensburg.

, 3.*Hr. 1877. vorstehende Verfügung wird den Grtspo- lizeibehörden zur genauen Beachtung mitgeteilt.

$hlüd;tern, den 6. März 1929. Der Landrat: Dr. Müller

3.*Rr. 2008. Auf Antrag der zuständigen Forstverwal- mgsbehörde habe ich dem Förster Uekermann zu Mar- $ die aushilfsweise Mitwirkung bei der Ausübung der kgdpolizei in der Gemarkung Marjoß übertragen.

Wühlern, den 7.3.1929. Der Landrat. 3. v. Schultheis.

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Kreisausschuß.

3.=Hr. 2265 F. Der Herr Landeskrüppelarzt (Spezial- yt für Orthopädie) wird am Sonnabend, den 1 6 ^ärz d. 3s., von vormittags 9 Uhr ab im hie- '9en Kreishaufe (Kreistagsfaal) Sprechstunde abhalten.

3h mache hierauf die Eltern und Vormünder der einem Krüppelleiöen behafteten Rinder, sowie auch '^Herren Schulleiter aufmerksam und empfehle ^gend, den alljährlich nur einmal stattfindenden Sprech- dieses Spezialarztes recht zahlreich zu besuchen. Die gliche Untersuchung und Beratung ist K o st e n l o s. Sämt«

orthopädischen Apparate, Schuhe usw., auch solche Uparate, die defekt sind oder aus irgend einem anderen Mnds kickst mehr passen, sind von dem Patienten oder ^n Begleitern mitzubringen und dem Herrn Landes- ^pelarzt bei der Untersuchung vorzuzeigen.

Die Herren Vormundschaftsrichter und Aerzte, sowie die ^emdeschwestern, die eine persönliche Rücksprache wün- M bezw. sich für dieses Gebiet der Gesundheitsfürsorge Dressieren, werden zu dem Sprechtag ergebenst einge-

bchlüchtern, den 8. März 1929.

^i Rreiswohlsahrtsamt: Dr. Müller.

. ^-Rr. 1074 K. A. Der Rreisausschuß hat auf Grund 8 4 der Abgabenordnung ,über die Erhebung von °^usleiftungen für die Wegeunterhaltung vom 25. Mai J8 (veröffentlicht im Kreisblatt Nr. 82 vom 10. 3uli i^°i den bisherigen Beitrag (Einheitssatz) für den tieri- Verkehr auch für das Rechnungsjahr 1929 (1. April bis 31. März 1930) auf 4 Rpfg. pro Tonnenkilo-

^luchtern, den 6. März 1929.

Der Vorsitzende des Rreisaurschusses: Dr. Müller.

Stadt St ein au.

Betr.: Stratzenreinigung.

Aus Grund des § 1 der Polizei-Verordnung vom 1. 8. 1919 werden die Anlieger von Straßen, Wegen, Rinnsteinen und offenen Kanälen aufgefordert, die vorhandenen (Eis« Massen so zu entfernen und zu lagern, daß bei eintretendem Tauwetter für guten Ablauf des Wassers in den Straßen- rinnen, Gräben und Kanälen gesorgt ist.

Richtbefolgung wird auf Grund oben angeführter Polizei­verordnung bis zu 8. X# Geldstrafe geahndet.

Steinau, den 8. März 1929.

Die Polizeiverwaltung, gez.: Dr. Kraft.

Die Deutsche Dolkspartei ist toalltionSbereit.

Auf der Hauptversammlung des Parteitags des Landes­verbandes Hessen der Deutschen Dolkspartei, die am Sonn­tag in Mainz stattfand, nahm der Führer der Reichstags- fraktion, Minister a. D. Dr. Scholz, die Gelegenheit, um eindeutig die Bereitwilligkeit der Deutschen DolkspartÄ zum Eintritt in die sog. Große Koalition unter der Be­dingung zu erklären, daß die Forderung der Partei nach Umkehr aus wirtschafts- und finanzpolitischem Gebiete an­erkannt werde. Für eine tragfähige Regierung sei die DDp. lieber heute als morgen, aber sie sei nur dann dazu bereit, wenn die anderen Parteien mit ihr einig seien, an= zuerkennen, daß es höchste Zeit sei, mit der Ueber» spannung der Steuerschraube Schluß zu ma­

chen.

Eisenbahnunglück.

Bei Heeffen in Westfalen ist öer D-Zug Hanzm-Berlin auf einen Viehzug ausgefahren. Der Bremser des letzten Vieh­transportwagen wird vermißt. Außerdem sind vier Rei­sende des D-Zuges verletzt worden. 60 Tiere des Vieh­transportes wurden getötet. Die Strecke mußte gesperrt werden.

Das neue deutsche Luftschiff.

Dr. Eckener führte im Laufe eines zu wohltätigkeits- zwecken veranstalteten Vortrag in München aus, er hoffe, voraussichtlich im herbst das wesentlich größere Luftschiff L. Z. 128" herausbringen zu können, das die neue Ozeanfahrt durchführen soll.

Zahlreiche Todesfälle in der französischen Rbeinlanbarmee.

Dem französischen Abgeordneten Barthe, der die Regie­rung über die zahlreichen Todesfälle in der Rheinland­armee interpellieren wird, hat von den Familien der ver­storbenen und von Mitgliedern der Besatzungstruppen um­fangreiches Material erhalten. Danach sind außer den 30 Todesfällen in Trier, 70 in Landau, 80 in Roblenz und im übrigen besetzten Gebiet 40 Todesfälle zu verzeich- nen gewesen.

Die Deutschnationale Partei der Pfalz hat am Sams­tag in Pirmasens einen Parteitag abgehalten. Reichstags­abgeordneter Dr. Traub referierte über die innerpolitische Lage, wobei er namentlich das Verhältnis zwischen dem Reich und Bayern kritisierte. Geheimrat Dr. Dryander zog die außenpolitische Bilanz, die er als passiv bezeichnete. Referate über die Röte des Mittelstandes und über das deutschnationale Programm brachten den Abschluß der gut­besuchten Tagung.

Das Maschinenhaus des neu errichteten Grünstein­werkes Weidatal, das Sonntag eröffnet werden sollte, ist Samstag nachmittag zusammengestürzt. Da sich die An­zeichen der Einsturzes lange vorher bemerkbar machten, konnten sich die Arbeiter rechtzeitig in Sicherheit bringen. Der Schaden beträgt 250 000 Mark.

Die türkische Regierung hat Trotzki jetzt einige Aufenthaltserleichterungen zugebilligt. Er, seine Frau und sein Sohn, die bisher noch im russischen Konsulat wohnten, sind jetzt in ein Hotel übergesiedelt.

Bei der Versteinerung von Musiker-Autographien durch das Antiquariat Liepmannsohn in Berlin wurde für das Manuskript von SchubertsErlkönig" ein preis von 20 500 Mark gezahlt.

3n der Sitzung des Rheinischen Provinziallandtages gab Gberpräsident Dr. Fuchs eine beruhigende Erklärung zu den Gefahren des Eisganges und Hochwassers am Risderrhein und über die getroffenen Schutzmaßnahmen ab. Er schloß mit den Worten:Wir hoffen, daß dieses Mal der Schmerzenskelch an unserer rheinischen Bevölkerung vorübergeht".

Der Zirkus Busch, eine der volkstümlichsten Ver­gnügungsstätten Berlins, wird im nächsten Monat seine Pforten schließen. Dem personal ist zum 7. April gekün­digt worden. Frau Paula Busch wird mit der Löwen­gruppe evtl. selbst auf Tournee gehen. Der Zirkus bleibt mindestens ein Jahr geschlossen. Ob das Unternehmen in dieser Zeit von anderer Seite gepachtet wird, ist noch nicht entschieden.

Was ist geplant? AufklSrenver" Bericht der Pariser Konferenz über die Ausgleichsbank".

Die,Pariser Konferenz hat zum ersten Mal seit ihrem Zusammentreten ein Communiqu^ herausgegeben.

Dieses Kommunique soll einenaufklirrenden" Bericht über die geplanteAusgleichsbank" darstellen, ist aber im Wesentlichen reichlich unklar, ebenso wie der Plan selbst, der nach dem Wortlaut der Ver­öffentlichung einen reinen Versuchschatakter hat, und bei weiterer Prüfung vielleicht ganz oder teilweise abgelehnt werden kann. Ueber die

Organisation des ZnstitulS wird folgendes mitgeteilt:

1. Die Bank wird eine Art Treuhänderfunktion ausüben, etwa in der Art, wie es die amerikanischen Banken bei großen Anleihen bereits getan haben. Vor allem wird die Bank die Zahlungen, die aus der Kriegsentschädigung an sie gelangen, zu vert ilcn haben

2. Die Bank wird ein Verrechnungshaus (Clea- ringhouse) für Sachlieferungen sein. Sie soll den Gläu­bigerländern, die die Sachlieferungen nicht im eigenen Lande verwenden können oder wollen, die Möglich­keit geben, an andere Staaten, die keinen Anspruch auf Kriegsentschädigungen haben, die Sachlieferungen weiterzuleiten, um auf diesem Wege diese Lieferungen in Kassenzahlungen für sich umzuwandeln. Zu diesem Zweck werden die Sachlieferursgen beweglicher gestaltet werden müssen. Die Sachlieferungen werden außer­halb der normalen deutschen Ausfuhr erfolgen, d. h. sie werden als zusätzliche Lieferungen ausgeführt werden. In der Ausgleichsbank würde hierfür eine besondere Abteilung unter besonderer Kontrolle aufgetan wer­den, an der Deutschland beteiligt werden würde.

3. Die Bank würde Kredite gewähren, die haupt­sächlich dazu verwendet würden, das Ausmaß des ge­samten Welthandels zu steigern. Dadurch soll die durch Xe Steigerung der deutschen Ausfuhr bedingte ge­steigerte deutsche Konkurrenz für die Gläubigerstaaten Deutschlands weniger fühlbar werden. Auf diese Weise würde die Ausgleichsbank als eine ihrer wichtigsten Aufgaben die Erschließung neuer Märkte für den Welt­handel ins Auge zu fassen haben.

Das Kommunique weist darauf hin, daß die Bank in keiner Weise eineUeberbank" sein würde, die einen beherrschenden Einfluß auf bereits bestehende Organisationen, d. h. auf die Notenbanken der be­teiligten Staaten, ausübe. Die neue Bank soll jede Konkurrenz mit den bestehenden Handels- und Emis­sionsbanken vermeiden, keine selbständigen Emissionen vornehmen, keinen Einfluß auf die Diskontpolitik der Notenbanken ausüben, sondern, wie es in dem Eom- munique heißt,eher beraten als leitende Anordnun­gen geben".

Landwirtschaft in Rot.

Erster pommerscher Bauerntag in Stettin. ReichS- ernährungsminister Dr. Dietrich über die Notlage der Landwirtschaft.

Die pommersche Bauernschaft hielt in derUra­nia" in Stettin den ersten pommerschen Bauerntag ab. Nach BegrüßungSworten des ersten Vorsitzenden nahm Reichsernährungsminister Dr. Dietrich das Wort und führte u. a. aus:

Die deutsche Landwirtschaft arbeitet zur Zeit Jahr für Jahr mit einer Milliarde Fehlbetrag. Zur Beseitigung dieses Fehlbetrages sind handelspolitische Maßnahmen erforderlich, vor allen Dingen die Un­gleichung der Lebendviehzölle an die Fleischzölle. Da­neben muß der Gedanke der Marktregelung weiter verfolgt werden.

Der katastrophale Weizenpreis kann auf drei Wegen beeinflußt werden: durch Zollerhöhungen, durch Einfuhrmonop le und durch eine Marktansgleichungs- gebühr. Das Schielesche Notprogramm ist heute im großen und ganzen von mir durchgeführt. In der Milchproduktion brauchen wir eine vollkommene Um­stellung. Bom Markt angefangen über die Molkereien bis zur Verteilung, welche durch den Handel erfolgen soll. Auf fünf Jahre habe ich dafür Mittel ange. fordert. Sie stehen bereits im Etat und sind schon vom Reichsrat zugestanden; es ist nicht daran zu zweifeln, daß auch der Reichstag sie bewilligen wird« Ein Milchgesetz, ohne welches die Arbeit nicht durchge- führt werden kann, ist bereits ausgearbeitet »nd in den Reichsbehörden beraten, so daß es nächste Woche veröffentlicht und nach Ostern den gesetzgebende« Kör­perschaften zugeleitet werden kann.

Wenn es gelingt, in der Milchwirtschaft den Weg vom Erzeuger zum' Verbraucher auch nur um einen Pfennig je Liter zu verbilligen, so würde das für die Landwirtschaft einen Gewinn von 180 Millionen Reichsmark ausmachen. Die Landwirtschaft hat heute über eine Milliarde .Zinsen zu zahlen!"