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Rr. 25 (1. Blatt) Dienstag, den 26. Februar 1929 81. Iahrg.

Amtliche Bekanntmachungen Land rat samt.

- Sprechstunden beim Landratsamt: Dienslaas:

! und Freitags, vormittags von 9 bis 12 Uhr:

I.-Nr. 1068. Der preußische Minister für Landwirtschaft, Domänen und Horsten erläßt folgenden Aufruf:

Landwirte, sucht (Eure erfrorenen Kartoffeln rechtMlich vor dem gänzlichen verderben wirtschaftlich zu verwerten!

1. Rechtzeitige und ständige Beobachtung der Kartoffel­mieten muß sich der Landwirt angelegen sein lassen.

2. Bei Eintritt milderen Wetters (nicht unter 3° d) find die Mieten, in die der Frost eingedrung^n ist und deren Kartoffeln erfroren sind, sofort zu öffnen.

3. Erfrorene Kartoffeln müssen vor dem Auftauen verwendet werden. Nach dem Auftauen Können erfrorene Kartoffel wedw in der Wirtschaft noch in technischen Betrieben Verwendung finden,

4. Erfrorene Kartoffeln werden am zweckmäßigsten so­fort gedämpft und, soweit sie nicht sogleich verfüttert werden Können, auf Vorrat eingesäuert.

' Für die Einsäuerung eignen sich gemauerte Erd- Igruben, Silos usw. In diese Können, auch wenn sie noch anderes Sauerfutter enthalten. gedämpfte Kar­toffeln unter Anwendung gewisser Vorsicht unbedenk­lich n a ch g e f ü l l t werden.

Fehlen Einsäuerungsanlagen, dann empfiehlt es sich, Erdgruben mit senkrechten Wänden auszuheben,' hierzu eignet sich besonders Scheunenraum, weil dort her Boden nicht gefroren ist und die Gruben unter Dach gegen Witterungsunbilden geschützt sind.

5. Soweit die erfrorenen Kartoffeln durch Dämpfen nicht Zu bewältigen sind, lassen sie sich im Notfalle in rohem Zustande einsäuern. Sie sind in den Bebu" n durch Z-Lisen einzustampfen, festzutreten und sorg­fältig luftdicht mit Erde abzudecken.

6. Soweit Möglichkeiten dafür vorhanden sind, können erfrorene Kartoffeln den Brennereien und Fabriken mit Trocknungsanlagen (Kartosfelflocken- und Zucker­fabriken) sowie den Stärkefabriken zur technischen Verwertung zugeführt werden. Auch den Habriken sind die erfrorenen Kartoffeln nur in unaufge - tautem Zustande zu liefern.

Schlüchtern, den 21. Februar 1929.

Der Landrat: Dr. Müller.

Kreisausschutz.

J.-Nr. 655 H.

Unentgeltliche Sprechtage für Sprachgestörte in der Landestanbstummenanstalt in Homberg durch den Facharzt für Sprachstörungen, Herrn Dr. med. Hoepfner in Kassel, finden in nächster Zeit wie folgt statt:

Sonnabenb, den 2. März 1929

, 6. April

w , » 4. Mai

, 1. Juni

Sprachgestörte, die die Beratung des Hacharztes in Anspruch nehmen wollen, werden ersucht, dieses spätestens 3 Wochen vor dem Sprechtag dem Kreiswohlfahrtsamt mitzuteilen unter Angabe von Namen, Wohnort und Ge­burtstag, ferner zu welchem Sprechtag sie sich in homberg einfinden werden.

Schlüchtern, den 20. Hebruar 1929.

Kreiswohlfahrtsamt. Dr. Müller.

®tadt Schlüchtern.

Ausschreibung.

Die nachstehend aufgeführten Arbeiten zum Wubau eines bechs-Hamilien-Wohnhauses sollen vergeben werden und Zwar:

Los I: Erd- und Maurerarbeiten,

Los II: Zimmererarbeiten,

Los III: Dachdeckerarbeiten,

Los IV: Klempnerarbeiten.

llngebotsformulare, Bedingungen, Zeichnungen pv. liegen auf dem Stadtbauamt während der Vormittagsdienststunden Zur Einsicht offen. Angebotsformulare können daselbst gegen Erstattung der Schreibgebühren in Empfang genommen werden.

Die Angebote sind bis spätestens Mittwoch, den 1 3. wär 3 d. 3s., vormittags 1 0 Uhr dem Stadtbauamt, Floßgasse Nr. 15, verschlossen einzureichen.

Die Deffnung der Angebote geschieht daselbst zu der Erstehend festgesetzten Zeit in Gegenwart etwa erschiene­ner Bewerber.

Zuschlagserteilung bleibt vorbehalten.

Schlüchtern, den 25. Hebruar 1929.

Der Magistrat: Gaenßlen.

Bekanntmachung

Das Verzeichnis über die auf den 1. Januar 1928 festge­stellten Einheitswerte von landwirtschaftlichen, gärtnerischen und forstwirtschaftlichen Betrieben sowie Grundstücken liegt in der Zeit von Dienstag, den 25. Hebruar bis einschl. Dienstag, den 25. März d. Js. im Rathaus Zimmer Nr. 2 während den Vormittagsstunden zur Einsichtnahme öffentlich aus.

Schlüchtern, den 23. Hebruar 1929.

Der Magistrat: Gaenßlen.

Stadt Steinau.

Bekanntmachung

Die Liste über die vom Grundwertausschuß auf den 1. Januar 1928 festgestellten Einheitswerte von landwirt­schaftlichen, forstwirtschaftlichen und gärtnerischen Betrie­ben sowie Grundstücken liegt von heute ab, 1 Monat lang, bis zum 25. MUrz 1929, während der Dienst- stunden im Zimmer des Stadtsekretärs zur Einsichtnahme der Grundstücksbesitzer offen.

Steinau, den 23. Hebruar 1929.

Der Bürgermeister. J. v. gez. Weitzel.

Bekanntmachung.

An alle Zahlungspflichtigen, die ihre im Monat Hebruar 1929 bezw. für Vormonate fällig gewordenen Staats-, Grundvermögens- und Hauszinssteuern an die hiesige Stadt­kasse nicht bezahlt haben, ergeht hierdurch öffentliche Mah­nung.

Um zwangsweise Einziehung zu vermeiden wird ersucht, die laufenden und alle rückständigen Beträge umgehend einzuzahlen.

Steinau, den 23. Hebruar 1929.

Der Magistrat. J. v. gez. Weitzel.

,,Frieden auf Erden . . .

Geheimvertrag zwischen Frankreich und Belgien?

Eine holländische Zeitung veröffentlicht einen angeb­lichen Geheimvertrag zwischen Frankreich und Belgien, für den man dieser zunächst die Verantwortung überlassen muß. Nach diesem Vertrag verpflichten sich die beiden vertragschließenden Mächte Hrankreich und Belgien gegen­seitig zur militärischen Hilfe im Halle eines Angriffes. Aus dem Dokument geht u. a. hervor: Jm Halle eines Krieges zwischen Frankreich und Deutschland oder mit einem von Deutschland in irgendeiner Weise unterstützten Staate wird Belgien seine gesamte Macht Frankreich zur Verfügung stellen. Jm Falle eines Krieges zwischen Belgien unh Deutschland oder einem von Deutschland in irgendeiner Weise unterstützten Staate wird Frankreich seine gesamte Macht zur Verfügung stellen. Belgien verpflichtet sich, eine Mindestzahl von 600 000 Mann halb aktiver und halb Re= servetruppen zu mobilisieren. Frankreich verpflichtet sich, Belgien auf belgischem Boden mit mindestens 1 200 000 Mann halb aktiver und halb Reservetruppen zu Hilfe zu kommen. Die Generalstäbe der beiden Länder werden stets die nötige Fühlung für die Vorbereitung dieser Maß­nahmen unterhalten und mindestens einmal im Jahre zu Besprechungen über das Abkommen zusammenkommen. Das Abkommen gilt für 25 Jahre mit einjähriger Kündigung und wird bei Nichtkündigung automatisch um weitere 25 Jahre verlängert. Beide Länder verpflichten sich, kein Mili­tärabkommen einzugehen und keinen diplomatischen Akt zu unterzeichnen, der dieses Abkommen aufheben würde. Jm Falle eines Krieges wird kein Linzelfriede abgeschlossen. Die französische Heeresmacht in Belgien würde nach den Angaben des französischen Generalstabes vom Jahre 1927 über 2100 Feldgeschütze, 2880 schwere Geschütze, 10 650 Maschinengewehre und 1800 Tanks verfügen, das belgische Heer über 566 Feldgeschütze, 1848 Maschinengewehre und 108 schwere Geschütze, die in Antwerpen zusammengezogen würden. Ferner 76 Flugzeuge und $9 Tanks. Für einen Angriff nach der Ruhr, der nach dem belgisch-französischen Uebereinkommen e inem neuen Studium unterworfen wurde, wurde vorgeschlagen, daß die französisch-belgischen Truppen nur durch die Eisenbahnlinie Micheroux-Plombieres und Battice-Verviers unter französischem Befehl auf dem Wege wie im Jahre 1923 in die Ruhr einrücken sollen, während eine zweite belgisch-englische Gruppe unter belgischem Befehl durch Holländisch-Limburg gegen Geilenkirchen und Heins­berg einrücken soll. Die englischen Truppen würden dabei einen Angriff auf die Eisenbahnlinie Weert-Dalheim ermög­lichen, zumal der niederländische Generalstab auf diesem Punkt jenseits der Wasserlinie nur eine geringe Truppen- macht halten würde. Bei einer solchen Intensität des fränzösischen und belgischen Militarismus dürfte es für die Zukunft um den Völkerfrieden schlecht bestellt sein!

Der Doltstrauertag in Berlin.

In Berlin fanden zahlreiche starkbesuchte Trauer- feiern statt, in deren Mittelpunkt

die offizielle Feier im Reichstag

stand, an der Reichspräsident von Hindenburg, die Minister und Vertreter der Behörden teilnahmen. Die Feier erhielt dadurch eine besondere Weihe, daß eine Anzahl Fahnen der ehemaligen Berliner Regimenter in dem Saal aufgestellt waren. Die Fahnen wurden durch eine Ehrenkompanie zum Reichstagsgebäude ge­bracht.

Nach einleitenden musikalischen Darbietungen eines Bläserchors und des Erkschen Gesangvereins nahm der Präsident des Volksbundes deutsche Kriegergräberfür­sorge, Reichsminister a. D. Dr. G e ß l e r, das Wort.

Er wies auf die Ereignisse des Krieges hin und auf die Tatsache, daß wir uns mit der Vergangen­heit auseinandersetzen müssen, dabei könnten wir unsere Toten nicht übergehen, denen der heutige Tag der Er­innerung gilt. Wir wollen den Geist der Treue, den Geist der Hingebung und den Geist des Opferns, wie ihn unsere Toten gezeigt hätten, aufrechterhalten, dann wird die Auferstehung des deutschen Volkes in Frei­heit und Gleichberechtigung mit den anderen erreicht werden.

Mit einem Trommelwirbel und dem Liede vom guten Kameraden und dem gemeinsamen Gesang des Deutschlandliedes fand die erhebende Feier ihren Ab­schluß.

Die Feier für die gefallenen Flieger.

Der Ring Deutscher Flieger veranstaltete in Ber­lin eine Gedächtnisfeier für die im Weltkrieg gefal­lenen Helden der Flieger- und Luftschiffertruppe sowie für die 1926/29 verstorbenen Flieger. Hauptmann von Willamowitz-Möllendorsf widmete dem Ehrenmit­glieds Freiherrn von Hüneseld ehrende Gedenkworte. Die Gedächtnisrede für die Gefallenen und 1928 29 verstorbenen Flieger des Pfarrers.Loerzer galt dem Gedanken, daß alle Ovfer, die die Flieaer

5m g und Frieden gebracht hätten, einem hohen Ideal gegolten hätten, dem deutschen Vaterlande.

Ausdehnung der Krisenunterstützung.

Nur die Saisonarbeiter bleiben ausgeschlossen.

Der Reichsarbeitsminister hat einen neuen Erlaß über Personenkreis und Dauer der Krisenunterstützung veröffentlicht. Nach dem Rechtszustand, der sich hier­aus ergibt, sind nunmehr grundsätzlich alle Berufe zur Krisenunterstützung zugelassen. Ausgenommen sind nur die Berufe, in denen die Arbeitslosigkeit aus­gesprochenen Saisoncharakter hat, sowie einige be­stimmte Berufe, deren Arbeitsmarkt auch jetzt noch nicht durch andauernde Arbeitslosigkeit in besonders starkem Ausmaß betroffen ist, und die Gelegenheits­arbeiter. Der Erlaß gilt zunächst bis zum 4. Mai 1929.

Fn Erwartung des Rheinhochwasfers.

Lt.Montag" sind an allen kritischen Stellen des Rhein? laufes in (Erwartung von Hochwasser Deiche und Schutzmau­ern verstärkt und erhöht worden. Lokale Wachtstellen, die die Entwicklung der Lage ununterbrochen beobachten, sind in regelmäßigen Abständen über den ganzen Lauf des Rheines verteilt. Die Technische Nothilfe, die im Rheinland und in Westfalen über 28 Bereitschaften mit Hunderten von Mitgliedern verfügt, hat alle Vorbereitungen für ein Ein­greifen getroffen. Der jetzt eingetretene Eisgang des Rheins gefährdete bei Boppard eine Gruppe von annähernd 100 Personen, die sich auf dem Saumeis tummelten, das sich an beiden Rheinufern unterhalb der Eisversetzung an der Loreley gebildet hatte. Unerwartet löste sich eine gewaltige Eisschollen einer Länge von 500 und einer Breite von 200 Metern vom Lande und führte die auf dem Life be­findlichen Personen mit sich stromabwärts. (Es entstand eine Panik, die die Rettungsarbeiten außerordentlich er­schwerte. (Es gelang jedoch, alle Personen zu bergen.

Tragödie auf dem Eis.

DerMontag" meldet aus Bremen: AIs der Dampfer Frisia" sich Sonnabendnachmittag durch das Eis des Ror= derneyer Hafens eine Fahrtrinne verschafft und das freie Fahrwasser gewonnen hatte, sichtete man vom Dampfer aus zwei Männer, die sich vom Festlande aus auf das (Eis des Wattenmeeres begeben hatten. Sie befanden sich mitten im Fahrwasser 1500 Meter vom Hafen entfernt und ver­suchten vergeblich, die Insel wieder zu erreichen. Es war unmöglich, den beiden vom Dampfer aus Hilfe zu bringen, plötzlich setzte dichter Nebel ein und die auf der Eisscholle Treibenden mußten sich selbst überlassen bleiben. Man hat die beiden am Sonntagmorgen nicht mehr gesehen.

Aus Süditalien werden große Schneestürme gemel­det. Zahlreiche Lisenbahnstrecken sind infolge der Schnee- massen unpassierbar, so daß sogar Schneepfluglokomotiven stecken blieben. Der Telegraphen- und Telephonverkehr ist an vielen Stellen unterbrochen.