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M 24
(L Blatt)
Samstag, den 23. Februar 1929
81. Jahrg.
Amtliche Bekanntmachungen
Landratsamt.
Z.-Nr. 1475. Die Zuchthengste vom Landgestüt Villön- bürg stehen vom 23. Februar d. 3s. auf der hiesigen Deckstation wieder zur Verfügung. Die Herren Bürgermn» skr ersuche ich, dies ortsüblich bekannt zu geben und die Züchter daran zu erinnern, daß sie die fälligen Füllengelder ungesäumt an den Stationsroärter zu zahlen haben.
Zchlüchtern, den 19. Februar 1929.
Der Landrat: Dr. Müller.
Ran denkt nicht an Abrüstung.
Chamberlain über die englisch-amerikanischen Meinungsverschiedenheiten.
Sir Dusten Chamberlain gab eine Erklärung zur letzten englisch-amerikanischen Flottemontroverse ab. Der Außenminister bestätigte, daß die britische Regierung nicht die Absicht habe, eine Einladung zu einer neuen Flottenabrüstungskonse- renz ergehen zu lassen. Alle auf die Beziehungen Großbritanniens zu den Vereinigten Staaten bezüglichen Fragen und die Flottenverhältnisse beider Länder würden gegenwärtig von der Regierung geprüft; er sei außerstande, eine nähere Erklärung abzugeben, bevor diese Untersuchung abgeschlossen sei. Weiter icstätigte Chamberlain, daß nach'der Beendigung dieser Umer- uchung zunächst ein Meinungsaustausch mit den Regierungen >er Dominions erfolgen werde, um deren Ansichten zu der ganzen Frage einzuholen. Der britische Botschafter in Washington habe seine Erklärungen ohne Weisung der britischen Regierung abgegeben. Auf eine weitere Frage, ob sich der Außenminister klar fei, daß die Erklärung des britischen Botschafters in Washington und die nachfolgende Verleugnung des Foreign Office in den Vereinigten Staaten zu Mißverständnissen geführt hätten, erwiderte Chamberlain, daß keine Gegensätze zwischen den beiden Erklärungen bestünden. Die vom Fo^an Office im Anschluß an die Erklärung des Botschafters heraus- gegebene Mitteilung sei keine Aenderung der Erklärung deS Botschafters, sondern sei dazu bestimmt, etwaige falsche Schlußfolgerungen aus dieser Erklärung zu verhindern. Auf ein weiteres Ersuchen, die Umstände darzulegen, die zu der Erklärung des Washingtoner Botschafters geführt hätten, antwortete der Außenminister, daß Sir Esme Howard von Vertretern der amerikanischen Presse um die Darlegung seiner Ansicht über die Möglichkeit einer Erneuerung der Verhandlungen ersucht worden fei und daraufhin eine Erklärung abgegeben habe, die nur sein« persönliche Ansicht darstellen könne. Der Botschafter habe nirgends zu erkennen gegeben, daß er sofortig« neue Schritte in der Flottenabrüstungsfraac für wahrscheinlich halte. Die gegenteilige Auslegung durch einen Teil der Press« ginge daher nicht auf ihn zurück
SolkSpartei und Große Koalition in Preuße».
Berlin, 22. Februar. Am Donnerstag nachmittag fand m preußischen Staatsministerium eine Besprechung zwischen tot Unterhändlern der Teutschen Volkspartei und dem Preu- i'schen Ministerpräsidenten Braun statt. Von der Deut- chen Volkspartei waren erschienen der Fraktionsführer Stendel, die Abgeordneten Schwarzhaupt und Dr. Heimann. Dem Ministerpräsidenten wurde Mitteilung gemacht, daß sich die Landtagsfraktion der Deutschen Volks- Partei am Donnerstag vormittag dahin ausgesprochen habe, an ihrer Forderung auf zwei Fachminister in Preußen fest« juhalten.
Der Ministerpräsident sprach sein Bedauern aus, daß sich der Vorschlag, einen volksparteilichen Reichsminister und einen preußischen Minister ohne Portefeuille zu bestimmen, nicht habe ausführen lassen. Abg. Dr. Stendel regte an, daß der Ministerpräsident den Versuch mache, das Zentrum zu bewegen, sich mit zwei Ressortministern und einen Reichsminister ohne Porte- Mille einverstanden zu erklären. Der Ministerpräsident glaube nicht, daß der Vorschlag vom Zentrum angenommen wurde. Er sagte jedoch zu, den Vorschlag der Deutschen Volkspartei an die preußische Zentrumsfraktion weiter zu leiten.
Nach diesem Ergebnis ist nicht anzunehmen, daß eine 85- wng in der Frage der Bildung einer preußischen Regierung aus dem Boden der Großen Koalition noch Aussicht auf Erfolg hat.
Bruch eines Hauptwafferrohres in Dortmund.
Große Ueberschwemmungen.
. Am Donnerstag früh brach in der Düsseldorfer Straß« usolge der Einwirkung des Frostes das 60 Zentimeter starke Vauptwasserrohr. Große Wahermassen setzten die umliegenden
unter Wasser. Das Wasser ergoß sich über die stark ^chüssige Düsseldorfer Straße zur Kaiserstraße, so daß bis Gegend weithin überschwemmt war.
. □ Unter eine Eisscholle geraten und ertrunken. Bei vvulberg a. RH. wurde eine Gruppe von sechs Personen M dem berstenden Eis abgetrieben. Dabei fiel ein Knabe °n der Eisscholle in den Strom, geriet unter das Eis und '«ra^.
Schweres Eisenbahnunglüs auf dem Sauptbahuvof in Magdeburg.
Drei Schwer- und 21 Leichtverletzte.
Am Donnerstagvormittag kurz vor 10 Uhr fuhr aus dem Hauptbahnhof Magdeburg eine Lokomotive auf den zur Abfahrt nach Aschersleben bereitstehenden Personenzug 576 auf. Wegen der vom Heizkesselwagen, der als letzter Wagen angehängt war, ausströmenden Dämpfe, die infolge der Kälte von 15 Grad am Boden niederschlugen, bat der Lokomotivführer den Schluß des Zuges nicht rechtzeitig erkannt. Trotz Gegendampfgebens im letzten Augenblick stieß er leicht auf. Die letzten drei Wagen des Personenzuges Prallten aneinander und erlitten Beschädigungen. Von den in dem Personenzug befindlichen Personen wurden drei schwer und 21 leichter verletzt.
Die Schwerverletzten, deren Zustand jedoch nicht bedenklich ist, wurden dem Krankenhaus Magdeburg-Altstadt zugeführt. Die leichtverletzten Reisenden setzten größtenteils die Fahrt fort. Die Schuldsrage ist noch nicht geklärt. Die Namen der Schwerverletzten sind: Versicherungsagent Max Puhl aus Noßlau, Betriebsleiter Johannes Ehlert aus Grotz-Salze- Elmen, Ehefrau Paula Habner aus Finnenrods bei Genthin.
Acht Personen wegen Spionage verhaftet
Stolp, 22. Februar. Der Grenz-Kriminalpolizei ist es ge. kungen, acht Personen aus mehreren Dörfern des GrenzkreiseS Bütow festzunehmen, die zugunsten Polens in Deutschland Spionage getrieben haben. Die Verhafteten wurden in daS hiesige Gerichtsgefängnis überführt. Wie verlautet, handelt el sich um eine weitverzweigte Spionageangelegenheit, in die noch eine ganze Reihe anderer Personen verwickelt sind. Nähere Einzelheiten fehlen noch.
Zwölf Zigeuner erfroren.
Bukarest, 21. 2. (WB) Bus Bafcani wird gemeldet, daß zwölf Nomadenzigeuner, die am Raube eines benachbarten Dorfes in zwei Zellen hausten, erfroren sind. In her Gemeinde herrschte ein starker Schnersturm, der die Stra= ßen und Wege vollkommen ungangbar machte. Die erfrorenen Zigeuner sind erst nach Tagen in den Zelten aufgefunden worden. Die Kinder fand man an die Brust ihrer toten । Mutter gepreßt.
Flecktyphus in Bukarest.
6 uKarest, 21. 2. (WB) In der Stabt sind mehrere Flecktyphuserkrankungen vorgekommen. Unter den Erkrankten befinden sich drei Soldaten und zwei Zivilisten. Ein Kranker ist gestorben. Ferner ist aus der Stabt Husy beim Ministerium für Volkshygiene eine Meldung eingetroffen, wonach ein Fall von Kinderlähmung festgestellt worden ist.
Schreckliche Zustände in China.
In einem Bericht des internationalen Hilfskomitees werden die schrecklichen Zustände, die in einem T"il der Provinz Schansi herrschen, geschildert. In einer Ortschaft liegen 200 Personen in Erwartung des Todes aufeinandergehäuft in einem Keller. Die Dorfbewohner essen zermahlenes trockenes Gras. Wegen der Hungersnot ist keine Wintersaat möglich gewesen, so daß sich die Lage wahrscheinlich in den nächsten Monaten noch verschlimmern wird.
Frühllnaswetter^in London.
Nach elf Tagen strenger Kälte ist in London und in verschiedenen Teilen Englands am Donnerstag Frühlingswetter eingetreten. Bei strahlendem Sonnenschein stieg die Temperatur über Null. Das Tauwetter führte in einem Bergwerk in Nottingham zu einem Unfall. Ein großer Eis- stück fiel in einen Schacht und tötete zwei Bergleute.
Ei« neuer Transatlantilflug.
Die durch ihren Transatlantikflug bekannten Flieger Kohl und Fißmaurice beabsichtigen für Unfang 3uni einen neuen Flug Berlin—New Pork auf einer normalen drei- motorigen Iunkers-Verkehrsmaschine. Das Flugzeug erhält statt der Laufräder Schwimmer. Der Start soll auf dem Wann- oder dem Müggelsee erfolgen. Ueber Lissabon soll in der Luft getankt werden. Falls es sich als nötig erweisen sollte, wird auf eine funkentelegraphische Nachricht vom Bord des Flugzeuges eine Tankmaschine von horta aufsteigen, um den Benzinvorrat zu ergänzen.
— Zum Nachfolger des am 1. April zurücktretenden Ober- Präsidenten von Oberschlesien, Dr. ProSk«, soll der bisherige Oberbürgermeister von Hindenburg, Dr. Lukaschek, ernannt werden.
— Der für Mitte März in Magdeburg in AuSsicht genom- mene Parteitag der Sozialdemokratischen Partei soll infolge Hochwassergefahr auf den Mai verschoben werden.
— Die Pariser Blätter nehmen auch weiter ausführlich zu den Sachverständigenverhandlungen Stellung. Der Ersatzdelegierte für Owen Doung, Th. N. PerkinS, wird in Paris erwartet.
— Im AußenauSschuß des Sejms gab Zaleski eine Erklärung ab, in der er u. a. sagte, er sei überzeugt, daß die deutsch-polnischen Handelsvertragsverhandlung«» weiterhin auf einer günstigen Plattform geführt würden.
Die Sachverständigen Konferenz.
Die Aussprache über den Bericht Josuah Stamps.
In der Vollsitzung der Sachverständigen wurde die Aussprache über den Bericht Sir Josuah Stomps fortgesetzt, der, wie erinnerlich, in der Vormittagssitzung die auf die weitere Arbeitsort der Konferenz bezüglichen Vorschläge des Unterausschusses vorgetragen hotte. Diese Vorschläge, die die ver- schiedensten Möglichkeiten offen ließen, woren Gegenstand einer eingehenden Aussprache, an der sich alle Abordnungsführer beteiligten. Das Ergebnis ist insofern nicht ungünstig, als nunmehr dem Sachverständigenausschutz bestimmte Richtlinien vorgelegt werden konnten. Ueber die Einzelheiten verlautet nicht allzu viel, doch steht fest, daß die Transferfähigkeit Deutschlands und alle die Probleme, die sie umfaßt, im Mittelpunkt der zukünftigen Aussprachen stehen werden. In welcher Weise das Transferproblem angegriffen werden soll, und in welcher Reihenfolge alle diejenigen Unterstogen, aus denen sich die Transferfähigkeit Deutschlands ergibt, wie beispielsweise Zahlungsbilanz, Handelsbilanz, auswärtige Kredit«, behandelt werden sollen, darüber soll der Unterausschuß rutscheiden.
Aenderung des KirchensteuergefeheS.
Beschlüsse des Preußischen Staatsrates.
Der Preußische Staatsrat nahm die Neuwahl des Vorstandes vor. Sie ergab die Wiederwahl des bisherigen Vorstandes. Zugestimmt wurde den Novellen zu den Kirchen- steuergesetzen der evangelischen Landeskirche und der katholischen Kirchengemeinden. Danach wird vor allem bestimmt, daß die Kirchengemeinden neben der Einkommensteuer außer den Realsteuern auch die Reichsvermögenssteuer als Maßsta- für dir Umlegung der Kirchensteuer benutzen können.
Lm die Rittelmeerreise des „Graf Zeppelin".
Englische Furcht vor der propagandistischen Wirkung der Fahrt.
In Berlin fanden im Beisein von Dr. Eckener Erörterungen darüber statt, wie die Mittelmeerreise des „Graf Zeppelin" organisiert werden soll. Nach allem, was bis jetzt vekannt geworden ist, steht mit ziemlicher Sicherheit fest, daß das deutsche Luftschiff „Graf Zeppelin" nicht nur auf die Ueberfliegung Aegyptens, sondern auch aus ähnlichen Beweg, gründen auf die Ueberfliegung Palästinas und Syriens Ver- Sichten soll, so daß der Orient bei der Reise nicht berührt Nieren dürfte. Es sei denn, daß man sich noch in letzter Stunde entscheidet, Kleinasien bezw. den Bosporus anzufliegen.
Wenn auch die Engländer der Mittelmeerfahrt des „Gras Zeppelin" „jeden Erfolg wünschen", so muß dennoch daraus hingewiesen werden, daß das Verhalten Englands weniger militärischen Gesichtspunkten entspringt, als der Sorge der Londoner Regierung vor der großen Propagandawirkung, die eine Ueberfliegung der orientalischen, im Abhängigkeitsver- Haltuis zu England befindlichen Länder mit einem deutschen Luftschiff mit sich bringen würde.
Die letzte Versuchsfahrt des „Graf Zeppelin".
Das Luftschiff „Graf Zeppelin" hat am Mittwoch mit einer glatten Lanoung um 15.50 Uhr die letzte seiner Probefahrten abgeschlossen. Alle Messungen und sonstigen Versuche, die den Zweck dieses Fluges bildete», wurden gründlich ausgeführt und verliefen zu vollster Zufriedenheit, u. a. auch die Bordheizung und Frischluftzuführung. Das Schiff wird nun von der Werftleitung überholt werden, was drei bis vier Wochen dauern wird. Dann wird der „Graf Zeppelin" sein« schon viel besprochene Mittelmeerreise antreten.
Die Verhandlung gegen die deutschen Beamten vertagt.
Mainz, 22. Februar. Wie wir von unterrichteter Seite erfahren, wurde die für den 22. Februar angesctzte Verband, lung gegen die wegen Spionage beschuldigten und herbsteten deutschen Beamten vor dem Mainzer Militärgericht abgesetzt. Neuer Verhandlungstermin steht noch nicht fest.
Hochwasser. und Eiswachdienst.
Berlin, 22. Februar. Der preußische Minister für Landwirtschaft, Domänen und Forsten hat an sämtliche Regierungspräsidenten folgendes Schreiben gerichtet: Um her drohenden Eis- und Hochwassergefahr an den großen Strömen und den übrigen hochwassergefährlichen Flüssen zu begegnen, wollen die Herren Regierungspräsidenten in chrer Eigenschaft als Reichs-Aufsichtsbehörden vorsorglich alle Maßnahmen ergreifen, die erforderlich sind, um bei drohender Gefahr einen wirksamen Deichschutz sicherzustellen.
Das Rheineis bricht.
Auf ßiner Strecke hon etwa drei Kilometer ist auf der .Ludwigshafen er Seite das Eis gesprungen und wird in großen Stücken rheinabwärts getrieben. Glücklicherweise befand sich niemand auf der Fläche. Auch aus Oppau wird gemeldet, daß dort die Eisdecke mit einem großen Knall gesprungen und abgetrieben ist. Mehrere Leute, die sich auf dem Eis« befanden, konnten sich noch rechtzeitig in Sicherheit bringen.