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Ar 14 (1. Blatt) Donnerstag, den 31. Januar 19X9 81. Jahrg.

Amtliche Bekanntmachungen.

Landratsamt.

3.=Rr. 788. Ich mache die Gemeinden (auch Kirchen- und Lynagogengemeinden), Schulverbände usw. auf die Bekanntmachung des Vorstandes der preußischen Landes- rentenbank zu Berlin vom Dezember v. Is. über den Stand der Teilungsmassen gemäß Rentenbanken pp. (Bei» sage zum Reg. Amtsblatt Rr. 2 von 1929 aufmerksam, hiernach sind die Gläubiger von Rentenbriefen aufgesor- bert, bis spätestens 3 1. März d. Is. ihre Ansprüche bei der preußischen Staatsbank (Seehandlung) in Ber= Int anzumelden und ihre Rentenbriefe einzureichen.

Die Anmeldung der in meinen Händen befindlichen Rentenbriefe der Schulverbände wird von mir veranlaßt werden.

Schlüchtern, den 26. Ianuar 1929.

Der Landrat. Dr. Müller.

Kreisausfchutz.

Wohlfahrtsb^iefmarken.

I .-Nr. 773 $. Dem Kreiswohlfahrtsamt stehen noch eine Anzahl Wohlfahrtsbriefmarken pp. der Deutschen Not­hilfe zur Verfügung. Unter Bezugnahme auf meine Be­kanntmachung vom24. Nov. v. Is. und die mehreren Hinweise im Kreisblatt bitte ich die Kreisbeoölkerung, ins­besondere die arbeitgebenden Betriebe sowie Gemeinde­verwaltungen und sonstige Körperschaften, insoweit die Zpendensammlung von ihnen noch nicht berücksichtigt wor­den ist, den Markenverbrauch nach Kräften fördern zu helfen. Der Bedarf an Briefmarken, Markenheftchen oder Glückspostkarten wolle, da der vertrieb in den nächsten Tagen eingestellt werden muß, umgehend gemeldet w r= den. Die postalische Gültigkeit der Briefmarken usw. er­lischt erst am 30. April ds. Is.

Der Erlös aus dem Markenoertrieb dr<w^ iiir Behebung der Notlage der wirtschaft- ich Schwächsten.

Die Herren Bürgermeister werden auf vorstehendes besonders aufmerksam gemacht.

Schlüchtern, den 26. Ianuar 1929.

Kreiswohlfahrtsamt. Dr. Müller.

Betr.: Ankauf von Kriegsschäden-Schuldbuch- forderungen für Wohnungsbau- und An- siedlungszwecke.

I.-Nr. 744 5- Die Deutsche Bau- und Bodenbank in Berlin ist bis auf weiteres bereit, Neichsschuldbuchsorderum gen (auf Grund des Kriegsschädenschlußgesetzes vom 30. ^ärz 1928) solcher Gläubiger anzukaufen, die den Erlös zn Wohnungsbau- oder Ansiedlungszwecken verwenden wol­len. Ein festes Bau- oder Anstedlungsvorhaben ist in je» dem Halle der Bank in geeigneter Weise nachzuweisen. Der Ankauf beschränkt sich nur auf solche Neichsschuldbuchfor- derungen, die bereits im Neichsschuldbuch eingetragen sind und spätestens bis zum 31. März 1940 zur Zahlung fäl­lig werden. Der Höchstbetrag der anzukausenden Horde- uung oder Horderungsteilbeträge im Einzelsalle ist auf 50000 Mk. festgesetzt.

Die Auszahlung des Kaufpreises erfolgt, sobald die vollzogene Umschreibung im Neichsschuldbuch durch die "eichsschuldenverwaltung bestätigt ist.

Die Ankaufskurse richten sich nach den Fälligkeiten der Horderungen.

Interessenten, die ihre Kriegsschuldbuchforderungen ent- lprechend verwerten wollen, werden ersucht, sich entweder direkt mit der Bau- und Bodenbank A. G. in Berlin oder über mit dem Wohlfahrtsamt zwecks Vermittelung in Ver­bindung zu setzen.

Schlüchtern, den 22. Ianuar 1929.

Der Dorf. des Kreiswohlfahrtsamtes. Dr. Müller.

Gesandter Dr. Kostet im Auswärtigen Amt ist zum fischen Gesandten in Gslo, Dr. Renner zum deutschen Ge­sten in helsingfors und Dr. v. Karborff zum deutschen '"sandten in Athen ernannt worden.

3n Spanien ist ein Aufstand ausgebrochen, der jedoch ^Mitteilung der Regierung allenthalben erfolglos bl,eb. Hur in Tiudad Roal hat das dort meuternde Artilleri'eregi- ^^t die Macht an sich gerissen.

" Nach einem Erlaß des Neichsarbeitsmmist'rs wird ^risenunterstützung aus Angehörige der 3nbuftr:,e der und Erden und auf die Tabak- und Zigarrenarbeis. er ausgedehnt.

, Die Lingl'ederungsverhandlungen zw schen Schaum- ^rg-Lippe und Preußen haben zu einer gewissen (Einig» p geführt. Schaumburg-Lippe wird als preußischer Kre/s er Provinz lfannover angegliedert werden.

Um die Abrüstung.

Flottenkonferenz im Dezember 1929?

Der Washingtoner Korrespondent derMorningpost* hört von zuverlässiger Seite, daß Hoover die Einberufung einer neuen Flottenkonferenz im September dieses JahreS befürwortet. In führenden Kreisen des Kongresses sei man o zuversichtlich über die Einberufung einer solchen Kon- erenz, daß bereits bestimmte Personalwünsche geäußert würden.Chicago Tribune" will aus französischen poli­tischen und Flottenkreisen erfahren haben, die französische Regierung werde den beabsichtigten Vorschlag Hoovers zur Einberufung einer Flottenkonferenz für internationales See- recht annehmen

In französischen Kreisen betont man, ein Ueberein« kommen über die Revision der Rechte der neutralen Handels­chiffe und der Flotte würde für Frankreich besonders günstig ein, seitdem die deutsche Flotte durch den Versailler Vertrag eftgelegt ist. ,

Abrüsten oder Rüsten!

Der demokratische Senator Walsh unterbreitete nach Berichten aus Washington dem Senat einen Antrag aus Einberufung einer weiteren Flottenabrüstungskonferenz. Im Falle des Scheiterns einer solchen Konferenz sei die Re­gierung der Vereinigten Staaten verpflichtet, eine Flotte zu bauen, die derjenigen Großbritanniens in nichts nachstehe. Walsh erklärte weiter, daß Großbritannien sich da« Recht vorbehalten habe, neutrale Schiffe in Kriegszeiten zu durch­suchen.

Auf diesem Gebiete bestehe eine außerordentlich scharf' Konfliktsgefahr zwischen den vereinigten Staaten und Groß- britannien.

Der Direktor der Abrüstungsabteilung beim

Völkerbundssekretariat in Berlin.

In Berlin ist der Direktor der Abrüstungsabteilung beim Völkerbundssekretariat, H. Colban, eingetroffen. Die Reise des Herrn Colban steht in Zusammenhang mit der Vorbereitenden Abrüstungskommission, die von ihrem Präsi­denten London zum 15. April einberufen worden ist. Herr Colban bereist gegenwärtig mehrere europäisch« Hauptstadt«.

Es verlautet, daß er sich von Berlin aus noch nach London, Rom und Prag begebe« soll. Nach Prag deswegen, weil bet tschechoslowakische Außenminister Dr. Beuesch Vor­sitzender des EicherheitsauSschusseS des Völkerbundes war, dessen Arbeiten mit denjenigen der Vorbereitende« Ad- rüstungskommissio» eug verknüpft sind. -

Schweres Eisenbahnunglück in Bayern. 4^Tote, 6 Leichtverletzte.

Regensburg, 30. 1. Die Neichsbahndirektion teilt mit: heute früh 1,50 Uhr stieß D 155 auf den Güterzug 7037 auf der Station Sünzing der Strecke Plattling-Ne- gensburg auf. Der dem Packwagen folgende Personen­wagen dritter Klasse bes D-Zuges wurde teilweise zusam­mengedrückt. Zu beklagen sind vier Tote und sechs Leicht­verletzte.

Großes Schadenfeuer auf einem rumänischen Oelfeld.

Bukarest, 30. Januar. Am Montagabend ist im Erdöl­gebiet von Moreni infolge Kurzschlusses ein Brand auf einer Sonde der Gesellschaft Olea ausgebrochen, wobei großer Sach- schaden verursacht wurde. Eine Sonde der Romania Petrolisea ist zerstört und die Erdöllager zum Teil ein Raub der Flam­men geworden. Das Feuer, das, durch den starken Wind be­günstigt, sich rasch ausbreitete, griff auf die Sonde Unira (Phönix) über und vernichtete große Mengen Erdöl. Auch eine Sonde der Colombia wurde durch das Feuer zerstört. Der Sachschaden wird auf über 50 Millionen geschätzt.

Schweres Lawinenunglück am Kranzhorn. Zwei Tote.

Rosenheim, 30. Januar. Am Dienstagvormutag ging vom Kranzhorn an der Grenze von Bayern und Tirol eine größere Lawine nieder, die oberhalb des Weilers Mülhausen eine Holzarbeiterabteilung überraschte. Die Truppe wurde teilweise unter den SHneemasfen begraben, wolei der Land­wirt Josef Wagner und der Dienstknecht Josef Grandauer gelötet wurden. Von den bei der Holzzieharbeit verwendeten Pferden wurde eines getötet. |

In einem Möbelgeschäft in Taftrop-Nauxel öffneten Einbrecher mit einem Nachschlüssel den Geldschrank und stahlen daraus 36 760 NM. Die Täter waren durch eine offene Dachluke ins Haus gelangt.

In Würzburg gerieten zwei ©bergefreite nach e nem Tanzvergnügen in Streit. Der ©bergefreite Schnitt aus Gerbrunn erschoß sich, nachdem er seinen Gegner durch einen Nevolverschuß leicht verletzt hatte.

Generaloberst v. plessen, der ehemalige Generalad­jutant und Kommandant des kaiserlichen Hauptquartiers, ist im Alter von 88 Iahren in Potsdam gestorben.

Die Zahl der unterstützten Arbeitslosen ist fn der I Zeit vom 31. Dezember bis 15. Ianuar um rund 327 000 auf 2 029 000 Personen gestiegen.

Sr. Schacht in Paris.

Der deutsche Reichsbankpräsident beim Gouverneur der Bauk von Frankreich. Mutmaßungen über den Zweck des Besuches. Um den Beginn der Sachverstandigen-Konserenz. Die deutschen Jahreszahlungen find zu hoch.

Wichtige Besprechungen.

Wie aus Paris gemeldet wird, ist dort der Präsident der Deutschen Reichsbank, Dr. Schacht, eingetroffen.

Von deutscher Seite wird erklärt, Dr. Schacht sei nach Paris gereist, um dem Gouverneur der Bank von Frank- reich, M o r e a u, der vor einiger Zeit in Berlin war, einen Gegenbesuch abzustatten. Aus französischer Quelle wird mitgeteilt:

Reichsbankpräsident Dr. Schacht hatte sofort nach seiner Ankunft in Paris eine längere Besprechung mit dem Gouver­neur der Bank von Frankreich, Moreau. Während nach einer halbamtlichen Verlautbarung Dr. Schacht und Moreau ihre Begegnung dazu benutzten, um sich über die verschiedenen Fragen zu unterhalten, die für die Beziehungen der großen Emissionsinstitute untereinander von Bedeutung sind, hält man es in Pariser Kreisen für durchaus sicher, daß die Pariser Reise des Reichsbankpräsidenten in erster, Linie einem Ge­dankenaustausch über die von der Sachverständigenkommission zu behandelnden Fragen gilt.

Wie dasEcho de Paris" in diesem Zusammenhang erfahrt, soll man sich im Prinzip darüber geeinigt haben, daß die erste Sitzung der Sachverständigen am 11. Februar statt. finbet, möglicherweise aber schon am 9. Februar eine erste offiziöse Begegnung erfolgen soll. Das Blatt erklärt weiter, man könne versichert sein, daß Dr. Schacht sich bereits bemüht habe, den französischen Sachverständigen zu beweisen, daß die Forderungen nach Beibehaltung der jetzigen Dawes-JahrcS- zahlung von 2,5 Milliarden Mark übertrieben seien und die Privatisierung der deutschen Schuld verhindern würde.

Der Gouverneur der Bank von Frankreich gab zu Ehre« des Reichspräsidenten ein Essen, an dem hervorragende Der- r^r per französischen Finanzwelt und 'r Jndustr-e tell»

Eine bedeutende Bokonferenz."

DerNew Dork Herold" sieht in der Begegnung Dr. Schacht-Moreau die erste bedeutende Vorkonferenz vor dem formellen Zusammeittritt der Sachverständigenkommission. Das Blatt fügt hinzu, daß dem Dr. Schacht gegebenen Diner außer den französischen Sachverständigen Moreau und Par- mentier auch die beiden japanischen Delegierten Kengo Mori und Takashi Aoki beiwohnten. Dem Blatt zufolge wird zwei bis drei Tage nach der Ankunft der amerikanischen Delegierten in der Bank von Frankreich die erste amtlich« Sitzung der neuen Sachverständigenkomitees stattfmden, während die regu­lären Beratungen des Komites wahrscheinlich im Hotel Astoria eröffnet werden, in der auch der Dawes-Ausschuß tagte.

Sowohl Dr. Schacht wie Moreau lehnten es ab, über ihre Besprechungen in der Bank von Frankreich Erklärungen ab- zugeben. Die Konferenz dauerte mehrere Stunden. Mau nimmt allgemein au, daß die beiden Telegationsführer bereits die Einzelheiten der kommenden Konferenz besprochen habe«.

Morgan und die Auflegung der Reparationsauleihe.

Die amerikanische Guarantee Trust Company, mit der Morgan eng verbunden ist, betont in einer Uebersicht, daß Morgan die Aussichten für die Auflegung der deutschen Repa­rationsanleihe ungünstig beurteile.

Nichtsdestoweniger habe er die Aufgabe auf Lösung bet Reparationsfrage ohne Voreingenommenheit übernommen, da er überzeugt fei, daß die amerikanische Mitwirkung « dieser Aufgabe unerläßlich sei.

r Coolidge mahnt zur Sparsamkeit. >

Präsident Coolidge richtete nach einer Meldung aus Washington an alle Regierungsabteilungen eine Warnung, im Hinblick auf die Möglichkeit eines Defizits die größte Spar­samkeit in den Staatsausgaben zu beobachten. Die Kosten für die zentralen und lokalen Regierungen seien von 3901 Mil­lionen Dollar im Jahre 1921 auf 7931 Millionen Dollar im Jahre 1927 gestiegen.

Dieser Notwendigkeit zur Sparsamkeit siehe« eindrucks­volle Zahlen gegenüber. Nach den Feststellungen des Handels­ministeriums haben sich die Bankguthaben des amerikanische« Volkes seit 1880 nahezu vervierundzwanzigfacht und sind im letzten statistisch erfaßten Jahre 1927 auf nicht weniger all 1280 Milliarden Mark angestiegen. -

Todesurteil.

L i m b u r g, 80. Januar. Das Schwurgericht z« Uim* Burg verurteilte den Kaufmann Joseph Schardt aus Hirzen. Hain wegen Mordes zur Todesstrafe und Aberkennung der bürgerlichen Ehrenrechte auf Lebensdauer. Schardt hatte be­kanntlich am 29. März vorigen Jahres die Witwe Lina Ort- mann aus Offdilln mit Zyankali vergiftet, um sich in dev Besitz des Sterbegeldes des einige Zeit vorher gestorbener Mannes der Witwe Ortmann zu setzen.

wie durch das venezuelanische Konsulat in München bekannt wird, sind bei der Erdbebenkatastrophe in Gumana bis jetzt 60 Tote und 2000 verwundete zu verzeichnen.