Kreis-Amtsblatt * Allgemeiner amtlicherAnzeLgev für Sen Kreis Schlüchtern trukkunK VeDwH-.H.GtrüMö Sshue*
Är 13 (L Blatt) Dienstag, den 29. Januar 1929 81. Jahra.
Amtliche Bekanntmachungen.
Landratsamt.
Provinzial-Polizeiverordnung.
Huf Grund der §§ 137 und 139 des Gesetzes über die allgemeine Landesverwaltung vom 30. Juli 1883 (G5. $. 195) und der §§ 6, 12 und 13 der Verordnung vom 20. Sept. 1867 (®S. S. 1529) wird mit Zustimmung des Pro- vinzialrats für den Umfang der Provinz Hessen-Nassau folgendes verordnet:
Die Provinzial-Polizeiverordnung über die Einrichtung und den Betrieb von Aufzügen (Fahrstühlen) — Aufzugs- verordnung — vom 25. Febr. 1927 wird dahin ergänzt bezw. abgeändert, daß in Anlage 2 Abf. 2 „Zusammensetzung des Deutschen Aufzugsausschusses" gesetzt wird
1. unter: ,,b) die Landesregierungen nach Vereinbarung je 8",
2. unter: „d) die Studiengesellsckaft für Aufzugstechnik je 1",
3. statt der bisherigen Buchstaben „d" bis „i" die Buchstaben „e" bis „k",
4. bei der Aufstellung unter dem Stri^ „zusammen 18". (O. P. 11670.)
Kassel am 28. 12. 1928. Der Oberpräsident.
Behandlung aufgefundener Luftballons mit wissenschaftlichen Apparaten.
I.-Nr. 72'1. Zur Sicherung der Luftfahrt und zu wissenschaftlichen Zwecken werden von verschiedenen meteorologischen Instituten im Deutschen Neich mittels Ballonsn und Drachen Instrumente aufgelassen, die die Temveratur und andere Wetterelemente selbsttätig aufzeichnen. Die Fin- >er solcher Ballons oder Drachen mit Registrierinstrumen- ten werden ersucht, die an denselben befindlichen Anweifun- gen genau zu befolgen. In diesen Anweisungen ist stets dw Drahtanschrift oder der Fernruf des in Frage kommenden Instituts enthalten. Dem Finder werden die Unkosten für sie Benachrichtigung erstattet. Bei richtiger Behandlung der Instrumente, die genau angegeben wird, erhält der Sinter außerdem eine Belohnung. pie Ballone, Drachen, sowie die mitgeführten Apparate sind Staatseigentum. B ö s= willige Beschädigung oder Entwendung wird strafrechtlich verfolgt.
Schlüchtern, den 24. Ianuar 1929.
Der Landrat. Dr. Müller.
I.-Nr. 739. Diejenigen Ortspolizeibehörden, welche mit der Erledigung meiner Verfügung vom 11. Ian. d. 3s. — I.-Nr. 249, Kreisblatt Nr. 7 — betr. Bereitstellung von Streumaterialien, im Rückstände sind, werden an die alsbaldige Einsendung des Berichts erinnert.
Schlüchtern, den 25. Ianuar 1929.
Der Landrat. Dr. Müller.
I.-Nr. 761. Unter Bezugnahme auf meine Verfügung vom 17. d. Mts. Nr. 470, Schl. Ztg. Nr. 10, beth. Einsendung der Uebersicht über die Zahl der die öffentliche Volksschule besuchenden schulpflichtigen Kinber, mache ich die Herren Bürgermeister bezw. die Herren Schuloerbands- vorsteher darauf aufmerksam, daß die Kinber aus folgenden außerdeutschen Staaten beim Besuch der Volksschulen und der öffentlichen mittleren Schulen in Preußen wie inländische Kinber zu behandeln und daher am 1. FebrUar mitzuzählen sind: Holland, Belgien, Bulgarien, Dänemark, Estland, Finnland, Italien, Litauen, Luxemburg, Niederlande, Norwegen, Polen, Nußland, Schweden, Schweiz, Tschechoslowakei, Ungarn, Iugoslavien und Lettland.
Sd}Iüd;tern, den 25. Ianuar 1929.
Der Landrat. Dr. Müller.
Kreisausschuß.
Z.-Nr. 655 F.
Unentgeltliche Sprechtage für Sprachqeftörte in der Landestaubstummenanstalt in Homberg durch den Facharzt für Sprachstörungen, Herrn Dr. med. teepfner in Kassel, finden am
Sonnabend, den 2. Februar 1929
„ , „ 2. März
„ , „ 6. April
„ , „ 4. Mai . „ , » 1. Iuni A statt.
Sprachgestörte, die die Beratung bes Facharztes in Anspruch nehmen wollen, werden ersucht, dieses spätestens ^Wochen vor dem Sprechtag dem Kreiswohlfahrtsamt ^itzuteilen unter Angabe von Namen, Wohnort und Ge- durtstag, ferner zu welchem Sprechtag sie sich in Homberg Elufinden werden.
Schlüchtern, den 18. Ianuar 1929.
Kreiswohlfahrtsamt. Dr. Müller.
I.-Nr. 5887 K. A. Die Herren Bürgermeister der Stadt- und Landgemeinden des hiesigen Kreises werden hiermit an die Einsendung des Verzeichnisses über die in den Monaten Oktober—Dezember 1928 erhobenen Vergnügungssteuern mit einer 14tägigen Frist erinnert.
Schlüchtern, den 23. Ianuar 1929.
Der vors. des Kreisausschusses. Dr. Müller.
Stadt Schlüchtern?"
Betr. Rodeln auf den Verkehrs stratzen.
Das Hobeln auf den Verkehrsstraßen, insbesondere auf der Bahnhofsstraße, wird hiermit wegen der damit verbundenen Gefahren verboten.
Die Polizeibeamten sind angewiesen, gegen Uebertre- tungen mit aller Strenge einzuschreiten. Zur Anzeige kommende Uebertretungen werden auf Grund der Straßenverkehrsordnung vom 24. Sept. 1926 (Beilage zum Amtsbl. Nr. 40/26) mit Geldstrafe bis zu 150 NM. ober mit Haft bestraft.
Schlüchtern, den 25. Ianuar 1929.
Die Polizeiverwaltung: Gaenßlen.
Bekanntmachung.
Betr. Streuen der Straßen.
Nach der Drtspolizeiverordnung vom 8. Sept. 1897 sind die Besitzer bebauter Grundstücke verpflichtet, bei Schneefall auf den Bürgersteigen bezw. wo solche nicht vorhanden sind auf beiden Straßenhälften einen 1 Mtr. breiten Fußweg zu kehren und bei Glätte die Bütgersteige bezw. Wege mit abstumpfenden Mitteln (Sanb, Asche pp.) zu bestreuen. Besonders bei der jetzigen Glätte ist das Bestreuen notwendig.
Dies wird hiermit in Erinnerung gebracht mit dem Hinzufügen, daß Zuwiderhandlungen mit Geldstrafe bis zu 9 Mk., Hilsweffe mit haft bis zu 3 Tagen bestraft werden.
Schlüchtern, den 28. Ianuar 1929.
Die Polizeiverwaltung. Gaenßlen.
Stadt Steiuna.
Bekanntmachung
Der Landesausschuh hat beschlossen, für das Iahr 1929 eine Viehseuchenabgabe für Pferde, Esel usw. in Höhe von 2 NM. und für Nindvieh in Höhe von 0,50 NM. zu erheben. Für Ziegen wird nichts erhoben.
Die Hebeliste (Bestands-Verzeichnis) liegt in der Z eit vom 29. Ianuar bis einschl. 11. Februar b. Is. im Rat- Haus — im Zimmer Nr. 3 — zur Einsicht aus,.
Steinau, den 25. Ianuar 1929.
Der Magistrat. Dr. Kraft.
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Rücktritt des sächsischen Bolksbildungsministers.
Dresden, 28. Januar. Der sächsische Volks- bildungsmimster Dr. Kaiser tritt amtlichen Mitteilungen zufolge am Sonnabend endgültig von seinem Posten zurück und wird sich von den Beamten seines Ministeriums verabschieden. Sein Nachfolger, der ehemalige Justizminister Dr. Bünger wird das Volksbildungsministerium am 1. Februar offiziell übernehmen.
Drei Kinder infolge Ranchvergiftung gestorben.
Grotzenhain, 28. Januar. In Hohendorf bei Gro- ßenhain brach in einem Nebengebäude eines Gutes ein Brand aus. In einem Raum des Nebengebäudes schliefen zwei Knaben und ein Mädchen im Alter von DA bis 7 Jahren. Als es der Feuerwehr gelang, bis zu den Kindern vorzudringen, hatten diese bereits so schwere Brandwunden und Rauchvergiftungen erlitten, daß sie auf dem Wege zum Krankenhaus starben.
Ein Nachspiel zum Selbstmord des Rennstallbesitzers Gottschalk.
Halberstadt, 28. Januar. Der Gutsbesitzer Knackstedt in Zilly im Kreise Halberstadt wurde aus seinem Felde bei Langeln erschossen ausgefunden. Es verlautet, daß der Selbstmord des Gutsbesitzers mit dem plötzlichen Ende des Rennstallbesitzers Gottschalk aus Halberstadt in Zusammenhang steht.
Deutsche Meisterschaften im Eisschnellauf.
Freiburg i. Breisgatt, 28. Januar. Bei den Meisterschaftskämpfen auf dem Eisstadion Titi-See siegte der vorjährige deutsche Eisschnellaufmeister Volk- stedt-Mtvna sowohl im 1500-Meter- als auch im 5000- Meter-Lauf. , . .
— von den vor einigen Tagen auf der Zeche „Komgs- born" gestohlenen Lohngeldern im Betrage von 250 000 MK. sind von der Kriminalpolizei in Bögge am Ufer der Selcke 40 000 MK., die in Einmachgläsern von den beiden unter dem verdacht der Mittäterschaft verhafteten Brüdern Zähle vergraben worden waren, aufgesunden worden.
Landwirtschaft gegen die Steuerpläne. Eine Kundgebung des Reichsausschnsses der deutschen
Landwirtschaft.
Die im Reichsausschuß der deutschen Landwirtschaft zusammengeschlossenen Spitzenorganisationen haben folgenden Beschluß gefaßt:
„Die deutsche Landwirtschaft muß angesichts ihrer gegenwärtigen Notlage ihre stärksten Bedenken gegen die neuen Steuervorlagen zur Deckung des Defizits im Reichshaushalt äußern. Schon bisher konnten die Steuern seitens der Landwirtschaft zum großen Teil nur durch Eingriffe in die Vermögenssubstanz gezahlt werden. Die Landwirtschaft muß daher die durch Erhöhung der Vermögens- und Erbschaftssteuer entstehende Neubelastung ablehuen, und sie ist auch als ttr- erzeugerin nicht in der Lage, der beabsichtigten Erhöhung der Bier- und Branntweinsteuer zuzrtnnmeu. Auch der Entwurf des Steuernereinheitlichungsgefetzes birgt in der jetzigen Fassung die Gefahr weiterer Steuererhöhungen in sich, und wir lehnen daher auch diesen Entwurf in der bovH/genben Fassung ab.'
Bei dieser Gelegenheit muß die Landwirtschaft darauf aufmerksam machen. daß erhebliche Möglichkeiten zur Verminderung der ihr auf er legten Steuerlast bisher ungenutzt geblieben sind. In einer erheblichen Erweiterung des Kreises der Realsteuerpflichtigen, insbesondere auch in der Himuzrehung der öffentlichen Betriebe zu Reichs-, Kand^- und Gemeindesteuern, in einer anderweitigen, den Lebensnotwendigkeiten der leistungsschwachen Gemei besser gerecht werdenden Verteilung der Reichsü6erweisungen ist der Weg zur Erreichung dieses Zieles u. a. gegeben."
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praktische Arrschlußarbeit.
Beratungen des Lauvwirtschaftsrates in Anwesenheit österreichischer Vertreter.
Der Ständige Ausschuß des Deutschen Landwirtschaftsrates hielt in Berlin eine Sitzung ab. An den BerLtungen nahmen auch Vertrete vor lsn^wirjsckost lrchen Hauptkörperschaften D- UMDesterreichs teil. Damit erfolgte zum erstenmal du offizielles Zusammenarbeiten der gesetzlichen Berufsvertretungen der deutschen Landwirtschaft mit den entsprechenden Verbänden Deutsch-Oesterreichs.
Im Anschluß daran waren die Oesterreicher zr^ sammen mit Vertretern der deutschen Landwirtschafts- Spitzenverbände sowie der Reichsregierung und der Reichsbehörden Gäste des Präsidenten des Deutschen Landwirtschaftsrates. In den Ansprachen wurde dem Zusammengehörigkeitsgefühl Ausdruck gegeben und der Wille bekundet, durch gemeinsame Arbeit den Anschlußgedanken vraktisch zu fördern.
Der deutsche Außenhandel 1928. Noch immer Einfuhrüberschuß.
Die Einfuhr Deutschlands betrug im Dezember 1928 im reinen Warenverkehr 1100,9 Mkll. M., die Ausfuhr ohne Reparationssachlieferungen 978,4 Mill. Mark, der Einfuhrüberschuß beläuft sich sonach auf 122,5 Mill. M. Gegenüber dem Vormonat ist die Einfuhr um 72,5 Mill. M. gesunken. Das Statistische Reichsamt hat jetzt den Versuch gemacht, die bei dem Uebergang von der alten zur neuen Erhebunasmethode vorübergehend wirksamer: Einflüsse nachträglich rechnerisch auszuschalten. Auf diese Weise hat es eine Berechnung der deutschen Handelsbilanz im ganzen Jahre 1928 vorgenommen und ist dabei zu einem Einfuhrüberschuß von 1,858 Milliarden Mark gegenüber einem Einfuhrüberschuß im Jahre 1927 von 3,425 Milliarden M. gekommen.
— Beim Wintersport in der Umgebung Berlins kam es zu zahlreichen Unfällen. Ueber 164 Personen erlitten mehr oder weniger schwere Verletzungen. Auf dem Weißensee ertrank ein junger Mann, der mit. seinem Schlitten eingebrochen wär.
— Auch im Taunus ereigneten sich beim Wintersport am Sonntag zahlreiche Unglücksfälle. Etwa 60 leichtere und 12 schwere Fälle kamen bei den Rettungsstationen zur Behandlung.
— Infolgeh er Schneeverwehungen auf der Südbahnstrecke ist am Sonntag seit 16 Stunden kein Zug aus dem Süden mehr eingetroffen. Militär ist zur Behebung der Verkehrsschwierigkeiten entsandt worden.
— Außer einem am Samstag erfolgten Eisenbahnunglück in Spanien, bei dem drei Reisende getötet und drei verletzt wurden, stieß am Sonntag im Bahnhof Vents de Banos ein Schnellzug mit einer rangierenden Lokomotive zusammen, wobei zwei Reisende schwer, vier leicht verletzt wurden.
— Bei einem Bergwerksunglück in Kingston (Westvirginia) haben 12 Bergleute den (lob gefunden, zwei weitere werden noch vermißt.
— In Trier fuhr ein mit acht Mann besetzter Schlitten mit ungeheurer Wucht in einen Wagen. Ein 15jähri- ges Mädchen wurde getötet, sämtliche Insassen des Schlittens erheblich verletzt.