M 10 (L Blatt) Dienstag, den 22. Januar 1S2S 8L Jahrg^
Amtliche Bekanntmachungen.
Landratsamt.
Ich habe Veranlassung auf Nachstehendes aufmerksam zu ^^e auf Grund der Ausführungsanweisung des Herrn. Kegierungs-Präsidenten zu Kassel vom 19. Mai 1909 (Reg.= Amtsblatt Ä 161) zu der Polizexperordnung, betr. die ; Einrichtung und den Betrieb von Bierdruckvorrichtungen, zweimal im Iahre vorzunehmenden Nevisionen der Bier» druckoorrichtungen in den Gast- und Schankwirtschaften i werden von dem zum Sachverständigen ernannten Zpeng- Krmeister Paul hüniche zu Zchlüchtern im Frühjahr und herbst jedes Iahres ausgeführt. Die hierdurch entstehenden Kosten, sind als Kosten der örtlichen Polizeiverwaltungen von den Gemeinden zu tragen.
Zchlüchtern, den 15. Januar 1929.
Der Landrat. J. D.: Schultheis.
I I.-Nr. 470. Das den Herren Bürgermeistern bezw. d?n Herren Schulverbandsvorstehern in den nächsten Tagen zugehende Formular zur Uebersicht über die Zahl der die öffentliche Volksschule besuchenden schulpflichtigen Kinder nach dem Stanbe vom 1. Februar d. Js. ist nach Benehmen mit dem betreffenden Schulleiter sorgfältig auszufüllen und bis zum 5. n. Mts. hierher zurückzusenden.
| Meine Verfügung vom 17. Januar 1927 — Nr. 399 — Kreisblatt Nr. 10 — und die Anmerkungen auf der Nück- seite des Vordrucks ersuche ich genau zu beachten.
I Zchlüchtern, den 17. Januar 1929.
Der Landrat. J. v.: Schultheis.
Kreisausschuß.
* I.-Nr. 5889 K. A. Die Herren Bürgermeister der Stadt- nnd Landgemeinden werden hiermit an die Erledig» v neiner Verfügung vom 2. November 1927 — I.-Nr. 4871 K. st. — (Kreisblatt Nr. 135) betreffend Einsendung der Ziegenbocksprungregister mit einer Frist von 14 Tagen rinnert.
Zchlüchtern, den 17. Januar 1929.
Der Landrat.
Atadt Schlüchtern.
Betrifft: Auslegung von Krahengift.
Wir geben hierdurch bekannt, daß ab Dienstag, >en 22. Januar 19 29 in folgenden Teilen der Gemarkung Zchlüchtern Krähengift ausgelegt werden wird, um die zunehmende Krähenplage wirksam zu bekämpfen: Eichholz und höbäckern, Langewiese (Weinberg), Breit- äcker, Gehölz, Elmfeld und am unteren Berg.
Zchlüchtern, den 21. Januar 1929.
Die Polizeiverwaltung: Gaenßlen.
Graf Westarp über die Reichsreform. Festrede bei einer Reichsgründungsfeier.
Bei einer deutschnationalen Reichsgründungsfeier Berlin-Niederschöneweide hielt Gras Westarp die Festrede, in der er mehrfach Streiflichter auf die politische Lage warf. Anknüpfend an ein gehässiges Wort, vas Poincaro am 18. Januar 1919 bei den Friedensverhandlungen in Versailles aussprach, betonte Graf Westarp, daß die Kaiserproklamation vom 18. Januar 1871 der Ausdruck des Willens der ganzen Nation gewesen sei. Die gleiche Geschlossenheit habe das
deutsche Volk auch im August 1914 gezeigt. Nach Ahem Hinweis auf die dauernden Krisen, in denen uns heute befinden, auch jetzt, wo es um die Repa- tationsfrage geht, hob der Redner hervor, daß die Vorige des von Bismarck geschaffenen Reiches auf drei großen Gedanken beruhten. Der erste war der Karsergedanke, an dessen Stelle heute der Absolutismus der Parteien getreten sei. Dabei erinnerte Gras Westarp an die deutschnationale Forderung: Mehr isecht dem Reichspräsidenten! und erklärte, die Partei ^erde sich für das Volksbegehren des Stahlhelms ein» Ren. Die Reformbedürftigkeit der Weimarer Vereisung werde heute allgemein anerkannt.
, Der zweite Gedanke auf dem das Bismarckreich ^thte, war der bundesstaatliche Charakter des Reizes, der keineswegs „unmodern" sei. Voraussichtlich ^erde die Parteivertretung noch im Frühjahr neue Grundsätze zur Frage der Reichsreform aufstellen, ^urch die Bismarcksche Verfassung sei der Dualismus Eschen dem Reich und Preußen ausgeschaltet worden, j^eute erinnere die Reichsregierung, die auf Preußen die mittelalterlichen Kaiser ohne
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Eschen dem Reich und Preuß Mte erinnere die Reichsregst ^inen Einfluß hat, an b4" . Zum dritten war das Bismarckreich aufgebaut auf nner starken Wehrmacht. Der Tag müsse kom- an dem unser deutsches Volk zurückkehren will darf zu dem, was uns groß und stark gemacht zur allgemeinen Wehrpflicht. In diesem Zu-
sammenhang variierte Graf Westarp das bekannte Bis- marckwort, Politik sei die Kunst des Möglichen dahin, daß Politik die Kunst sei, das scheinbar Unmögliche, aber Notwendige möglich zu machen. Am Schlüsse einer Rede gedachte Graf Westarp in längeren Aus- 'ührungen Kaiser Wilhelms anläßlich seines bevor- tehenden 70. Geburtstages.
Morgens und Noungs Zusage. Eine Erklärung Aoungs.
Wie aus New Aork berichtet wird, haben Morgan und Avung sowie ihre Stellvertreter nunmehr end- güllig zugesagt. Nach einer längeren Besprechung, die der englische Botschafter, Sir Esme Howard, mit Morgan, Avung, Perkins und Lamont hatte, wurde folgende Mitteilung ausgegeben:
„Owen Avung und I. Pierpont Morgan erklärten Sir Esme Howard, dem britischen Botschafter, daß sie die Einladung der Reparationskommission annäh- men, sich an den Beratungen des Sachverständigenaus- schusses zu beteiligen, der dazu bestimmt ist, die Angelegenheit der deutschen Reparationen zu überprüfen. Thomas Perkins, Boston, wird als Aoungs Vertreter und Thomas Lamont als Morgans Vertreter auftreten."
Nach Abschluß »er Besprechungen erklärte Owen Aouwg Pressevertretern aus Befragen, daß er mit einer Dauer »er kommenden Sachverstänvigenkonferenz von „nicht weniger als 60 «n» nicht mehr als 90 Tagen" rechne. Die Hauptaufgabe »er Sachverständigen würde in einer Feststellung der Gesamthöhe »er veutschen Ber- pslichtnngen bestehen, sei es »urch Festsetzung einer Gesamtsumme over der Zahl und Höhe der einzelnen deutschen Jahreszahlungen. Young und Morgan verlassen Amerika mit ihrem Stäbe am 1. Februar aus dem Dampfer „Aquitania".
Der zweite AaweK-Aüsschuß.
Ich hoffe, daß man unseren Ausschutz als zweiten Dawes-Ausschutz wird ansprechen können. Wir treten zusammen, um den Dawesplan zu vervollständigen, nicht um ihn zn erneuern. Unsere Aufgabe wird sein, den Gesamtbetrag der deutschen Entschädigungsverpflichtungen festzusetzen und damit auch die zu leistenden Jahreszahlungen zu bestimmen. Diese Festsetzungen hat der Dawesplan nicht getroffen.
Moung spendete dann Parker Gilbert — den er seinerzeit selbst vorgeschlagen hatte — höchstes Lob und bemerkte zum Schluß:
„Mit den Plänen, die deutsche Schuld auf dem amerikanischen Markt zu privatisieren, hat unser Ausschuß nichts zu tun, sondern das wir» Deutschlands eigene Sache sein, nachdem wir »ie Entschäviguugs- zahlen festgesetzt haben werden."
Amerikanische Stimmen zur Neparations- konferenz.
N^ew Park, 20. 1. (MB) Laut „Times" lehnte in dem erwähnten Presseinterview Gwen D. Poung es ab, auf die Frage nach Auflegung einer großen Neparations- anleihe zu antworten. Bankkreise hätten erneut erklärt, daß eine solche Anleihe vorläufig noch in weiter Ferne liege, so daß zutreffende Voraussagen gegenwärtig unmöglich seien.
„Herold" und „Tribune" bringt einen vielspaltigen Artikel George P. Aulds, des früheren Mitgliedes der Re= parationskommission, in dem er aus einem kürzlich hierher gemeldeten Leitartikel eines deutschen Blattes zitiert: „Es ist nicht die Frage, was Deutschland zahlen muß, sondern was Deutschland zu zahlen bereit ist". Auld be= merkt hierzu, dies sei durchaus richtig. Die kommende Vereinbarung müsse ein vergleich sein, der sich dem deutschen Volke dadurch empfehle, daß er von dem Geist politischer Klugheit getragen sei, der manchmal von moralischer Verpflichtung schwer unterscheidbar sei.
Aman Allahs Pläne.
Anfang März Felvzng gegen »en Usurpator.
Wie aus Moskau gemeldet wird, hat die Sowjet- Regierung Meldungen aus Termes an der russisch- afghanischen Grenze erhalten, wonach Aman Ullah mit seinem Bruder Jnayat Ullah ein Bündnis für den Kampf gegen den König Habib Ullah geschlossen hat. Die beiden Brüder haben beschlossen, Anfang März den Feldzug gegen den neuen König zu beginnen. Nach weiteren russischen Meldungen hat Aman Ullah einen Aufruf an das afghanische Volk erlassen, in dem er es zur Bekämpfung Habib Ullahs und zur Wiederherstellung seiner Herrschaft auffordert.
Mit finanzieller Unterstützung seiner Mutter beabsichtigt er, den afghanischen Thron wiederzugewinnen. Er erließ einen Aufruf an die Bewohner von Kandahar, wo er sich zur Zeit befindet, ihm ihre tylfe bei diesem Unternehmen zuteil werden zu lassen, und versprach gute Be= Zahlung.
Eine neue Erhebung.
In Neu-Delhi sinv Meldungen eingegangen, wonach ein an »er Westgrenze Afghanistans beheimateter Stamm sich erhoben «nv alle afghanischen Beamten mit Ausnahme »es Gouverneurs ermordet haben soll. Der Stamm soll die Stadt Farrakh erobert haben. Reguläre Truppen aus »er Umgebung von Tschakansur sollen nach Farrakh unterwegs sein. Die Revolte des Stammes, die von anderer Seite bisher noch niW bestätigt wird, soll sich gegen den früheren König Aman Ullah richten.
Von den Reichsfinanzen.
Das Steueraufkommen im Dezember. — 168 Millionen Mark
Mehreingänge an Steuern im Jahre 1928.
Die Reichseinnahmen an Steuern, Zöllen und Abgaben waren nach einer Mitteilung des Reichsfinanzministeriums im Monat Dezember 1928 um 134,4 Millionen Rm. geringer als die Einnahmen im November 1928. Die Lohnsteuer brächte im Dezember 118,3 Mill. Rm., also 2,1 Mill. weniger als im November (120,4 Mill. Rm.), was auf die zu nehmend Arbeitslosigkeit zurückzuführen ist. Das Aufkommen im vierten Vierteljahr wird auf 2 Milliarden 218 Millionen Rm. geschätzt, von dem dem Reich 1 Milliarde 480 Millionen Rm. verbleiben, während 738 Millionen Rm. den Ländern und Gemeinden zufallen werden.
Sollten die tatsächlichen Eingänge im vierten Vierteljahr dieser Schätzung entsprechen, so würde das gesamte Jahrct- auskommen 9 Milliarden 30 Millionen Rm. betragen, das sich mit 5 Milliarden 652 Millionen auf das Reich und mit 3 Milliarden 378 Millionen. Rm. auf die Länder und Gemeinden verteilen würde. Da der Reichshaushalt nur 8,862 Milliarden an Einnahmen vorfieht, würde sich ei« Ueberschuß von 168 Millionen Mark ergeben.
D. I^atKgerichisyvf »>>4 Deutscher« ^rei^ su« J^us unzuständig.
Leipzig, 21. Januar. Der Staatsgerichtshof für das Deutsche Reich hat nach mehrstündiger Verhandlung die Klagen mehrerer Parteien auf Feststellung der Verfassungswidrigkeit von Bestimmungen des bayerischen Landeswahlgesetzes wegen Unzuständigkeit zurückgewiesen. Aus den Entscheidungsgründen geht hervor, daß der Staatsgerichtshof für Bayern nach dem Paragraphen 70 der bayerischen Verfassung nicht nur als Programmpunkt aufgestellt, sondern daß er tatsächlich eingesetzt worden sei. Die Paragraphen 56, 70 und 93 der bayerischen Verfassung bestimmten die Zuständigkeit dieses Staatsgerichtshofes einmal für Ministeranklagen, dann für Verfassungsstreitigkeiten und endlich für Verfassungsbeschwerden. Damit sei die Zuständigkeit im Sinne des Arttkels 19 der Reichs- verfassung für den vorliegenden Fall gegeben.
Beibehaltung »er Technischen Nothilfe.
Berlin, 21. Januar. Wie jetzt bekannt wird, sind in dem vom Kabinett genehmigten Reichshaushaltgesetz für 1929 insgesamt 1,4 Millionen Mark für die Technische Nothilfe vorgesehen. Eine Auflösung der Technischen Nothilfe kommt bannt nicht mehr in Frage.
7000 Zentner Korn verbrannt.
Eckernförde, 21. Januar. In einer Kornscheune des Hofes Saxtorf bei Rieseby im Kreise Eckernförde sind 7000 Zentner Korn sowie eine Dresch- anlage verbrannt. Es wird Brandstiftung vermutet.
— Am Norwesthang der Hoch-Nisz sind drei Münchener Skiläufer am Zonntagnachmittag von einer Lawine verschüttet worden, Es gelang, zwei Keilnehmer noch lebend aus den Zchneemassen zu bergen. Der dritte verschüttete ist nach mehrstündigem Zuchen tot aufgefunden worden.
— Bei der Stichwahl in Lolmar, die am Sonntag für den durch die Ungültigkeitserklärung des Mandates Rosses freigewordenen Kammersitzung stattfand, errang der auto- nomistische Kandidat ^aus den Sieg. Er wurde mit 10 150 von 18 302 abgegebenen gültigen Stimmen gewählt.
— Der weit über Deutschlands Grenzen hinaus berühmte Berliner Augenarzt Pros. Silex ist Sonntag nachmittag im 71. Lebensjahr gestorben.
— stuf dem israelitischen Friedhof in Gladbeck wurden durch Vubenhände Zerstörungen an Grabdenkmälern angerichtet.
— Der amerikanische Dampfer „President Garfield", der der Dollar-Linie gehört, hat S. G. S.=Rufe ausgesandt. Nach einer Mitteilung der Dollar-Line ist er auf das Matanilla-Niff auf der Höhe der Bahamas ausgelaufen. Er befindet sich noch nicht in unmittelbarer Gefahr. Der Dampfer „Panamerika" ist zur Hilfeleistung bei dem Unglücksschiff eingetroffen.
— Unter der Aipelspitze sind am Sonntag Skiläufer von einer Lawine erfaßt worden. Die Zahl der verschütteten ist noch nicht bekannt. Bisher wurde eine Person tot geborgen.