Kreis-Amtsblatt ck WLtzeMLMee amtlicherKuKeLgerfür -en, Kreis Schlüchtern ^rm^unk VeetLg.H.Strisbäö Sshae*Geschäfts ^aynhofstr.S * fnmspv-Nr.l^y * Pvststh«ttU:^!M^kftwtlrM.rLroo Ar 9 (I. Blatt) Samstag den 19. Januar 1929 81. Jahrg.
Amtliche Bekanntmachungen.
Landratsamt.
Blehserrche-pollzeMche Anordnung.
Auf Grund der §§ 18 ff. des Reichsviehseuchenges tzes vom 26. Juni 1909 (RGBl. S. 519) wirb hiermit zum Zchuhe gegen die Maul- und Klauenseuche mit Ermächtigung des Herrn Ministers für Landwirtschaft, Domänen und Forsten folgender bestimmt:
§ 1.
Die in meiner viehseuchenpolizeilich-n Anordnung vom 15. Nov. 1928 H. III 2473/28 — RaBl. $. 280 — gegen d« Einschleppung der Maul- und Klauenseuche aus Bayern und Württemberg angeordneten Schutzmaßnahmen werden ; auf die bayerischen Regierungsbezirke Gb'rbayern, Ni-der- : barern und Schwaben, sowie auf die Württembergischen Regierungsbezirke Neckarkreis und Donaukreis und den Zchlachtviehhof in Stuttgart beschränkt.
§ 2.
vorstehende Aenderung tritt mit d^m Taae ihr-r Veröffentlichung in Kraft. H. III. 2792/28.
Kassel am 2. 1. 1929. Der Reg.-Präsident.
___
I.-Nr. 502. In der am Sonnabend, dem 19. ds. Mts. {in der Aula des hiesigen früheren Lehrerseminars stattfin- ! denden Staatsbürgerlichen Bildungstagung muß eine Aenderung eintreten, da Herr Landwirtschaftsrat Dr. Heßling- Kaffel dienstlich verhindert ist. Es spricht an dessen Stelle Herr Oberarchivrat Pros. Dr. Bergsträßer-Zrankfurt a. M. über das aktuelle Thema „Parlamentsreform — Derfas- sungsreform — Reichsreform".
Schlüchtern, den 17. Januar 1929.
Der Landrat. Dr. Müller.
^Allg. Ortskrankenkasse Schlüchtern.
Dje alsbaldiae Einzahlung der noch rütfüättlwr- y-V trage aus den Zahltagen für die Monate Oktober, November und Dezember 1928 wird hiermit in Erinnerung gebracht.
Hebetermine finden statt:
1. In Steinau, am Mittwoch, den 23. Januar 1929, von vormittags 10 bis 4 Uhr nachmittags, in der Eckartschen Gastwirtschaft daselbst.
2. In Sterbfritz, am Mittwoch, den 30 Januar 1929, von nachmittags 3 bis 7 Uhr, in der Böhm'schen Gastwirtschaft daselbst,
3. In Salmünster, am Mittwoch, den 6. Februar 1929, von vormittags 9 bis 12 Uhr, im Gasthause „Zum Engel" daselbst.
4. In Soden, ebenfalls am Mittwoch, den 6 Februar 1929, von nachmittags l1/« bis 47e Uhr im Gasthause „Zur Hoffnung" Wirtschaft Wolf, daselbst
und zwar wie seither auch für alle den genannten Orten naheliegenden Gemeinden.
An den Hebetermintaaen 23/1. und 6/2. 1928 bleibt die K'sse in Schlüchtern für E i n - und Auszahlungen geschlossen
Rückstände, die nach diesen Ta-en noch verbleiben, Essen alsdann wegen des Jahresabschlusses unverzüglich zur zwangsweis n und kostenpflichtigen Einziehung gelangen.
Die Herrn Bürgermeister bitten wir, dieses im Interesse ihrer Gemeindeanaebörigen, wie seither, auch ortsüblich bekanntmachen zu lassen.
Schlüchtern, den 18. Januae 1929.
- Der Vorstand der Allg. Ortskrankenkasse.
Stadt Schlüchtern.
Öffentliche Mahnung.
An alle Zahlungspflichtigen, die ihre im Monat Januar 1929 bezw. für Vormonate fällig gewordenen Staatssteuern, Grundvermögens- und Hauszinssteuern — an die mit dem Einzug derselben beauftragten Hebestelle in Schlüchtern — btadtkasse — nicht bezahlt haben, ergeht hierdurch öfsent- kiche Mahnung.
Es wird darauf aufmerksam gemacht, daß bei nicht rechtzeitiger Zahlung der monatliche Einzug der Ltaats- steuern durch den Vollziehungsbeamten erfolgt, da die Ab- iieferung der Steuern an den Staat pünktlich erfolgen muß.
Anträge und Eingaben heben die Zahlungsverpflichtung nicht auf, solange Stundungs- oder Zristbescheide nicht ergangen sind.
Schlüchtern, den 17. Januar 1929.
Der Magistrat: Gaenßlen.
~ In feierlicher Zeremonie, zu der alle Senatoren, V'ze- Präsident Dawes und das Kabinett geladen waren, ist Don= nerstag vormittag die Ratifikationsurkunde des Kellogpak- ^s vom Präsidenten Eoolidge unterzeichnet worden.
Empfangsabend des Bundes zur Erneuerung des Reiches.
Berlin, 17. 1. (W. B.) Der Rund zur Erneuerung des Reiches veranstaltete heute abend anläßlich seiner ersten Mitaliederhauptversammluna in den Räumen der D-uffchm Gesellschaft einen Empfang. Zunächst begrüßte der vorsitz-n- de des Rundes, der frühere Reichskanzler Dr. Luther, die Erschienenen. Anstelle des plötzlich erkrankten Grafen von Roedern sprach der Geschäftsführer des Rundes, Dbwregie- runasrat a. D. Dr. Adametz, an Hand des Manuskripts des Grafen von Roedern über das Problem der Reichsrflorm. Er ging zunächst noch einmal auf die Rundesschrift „Reich und Länder" ein und wandte sich dann den Haupteinwän- ben gegen die Vorschläge des Rundes zu, die man in dis Schlagworte „Zwischenlösung, Mainlinie und Zerschlagung Preußens" zusammenfassen könne. Er betonte dab-i, daß es in einer Verfassungs- und Verwaltungsfrage keine Endlö- sung geben könne. Gegenüber dem Einwand einer Neube- lebunq der Mainlinie d'"-ch den Verschlag des Rundes wies der Dortrag nb' darauf hin daß dieser nichts encha'te, was gegenüber dem heutigen Zustand den Sübm stärker Dom Norden trenne. Hingegen sehe er eine bedenkliche Wolke zwischen Nord und Süb aufziehen, wenn man die kleinen und leistungsschwachen Länder zum mehr oder weniger fr-i- willigen Anschluß an Preußen nötige, und diesem Groß- preutzen ohne jede organische Verbindung mit b'm- Reiche dann nur noch Lachsen, Bayern. Württemberg und Baden gegenüberständen, die im Reichsrat mit ihren br {fünftel Stimmen Großpreußen überstimmen würden. Es würde fw- ner em- n-ue geistige Mainlinie entft^en, wenn man Bayern und die größeren wohl abgerundeten Länd-r wie die Provinz Brandenburg von Berlin aus verwalten würde. Daß der Uebergang der Staatsgewalt Preußens in die Hände des Reiches keine Zerschlagung Pr-ußens bedeute, sei ja schon in der Denkschrift des Bundes begründet worden. An der darauf folgenden Debatte b-teiliqtm sich u. a. Landrat Kitz-Düsseldorf. der vor allem darauf h'nwies, daß man die Verwaltungsreform niemals von der vsrkassungsrefo"M trennen könne. Weiter svrach Freiherr von Milmowrkn als Vertreter der Landwirtschaft. Ferner smach der frühere bäuerische Minister Lchwener. der, obwohl er betonte. gegenüber der Rundesdenkschrift einige vorb Halte erheben zu müssen dennoch die Arbeit des Bundes gerab» als Süb* , deutscher lebhaft begrüße, und der Hamburger Bürgermeister Dr. Petersen, der sich entsvrech'nd seiner bt§berig-n Ballung noch einmal ganz besonders für die Arbeiten des Rundes einsetzte.
Dlfpomments Rüste blockiert
Seit Donnerstag ist die bisher noch zum größten Test eis- freie ostpommersche Küste in ihrer gesamten Ausdehnung von Eis blockiert, das eine Breite von 10 Seemeilen ein- nimmt. In Kolberg und in Stolumünbe liegen mehrere Damvfer fest. Von Lchweden und Dänemark avisierte Dampfer können die Eisblockade nicht passieren und müssen die Eismassen abtreibenden Winbe abwarten.
Dr-i KSnlqe ln'Afabanlslan'ln einer 9Ro*e.
Nachdem es dem Führer der afghanischen Aufltändi- schen Rascha Lakao gelungen war, die Residenz in Kabul zu umstellen, hat er den neuen König aufgeford^rt, abm- danken. König Inavat Ullah hat Donnerstag morgen ab= gedankt und Rascha Lakao hat mit dem Titel Koma Lhabib Ullah die Regierung angetreten. Die Lag- in Kabul ist ruhig. Die Ausländer haben keinen Stäben erlitten. Aman Ullah hält sich in Kandahar auf.
— Der Long Island Expreß ist in der Nähe von Neuyork an einem Rahnüberaana mit einem Automobil zusammengestoßen, dessen fünf Insassen getötet wurden.
— Die Grippeerkrankungen in Berlin haben wieder eine Zunahme erfahren. Am 16. 1. wurden 219 Personen in die Krankenhäuser ausgenommen.
— Das Reichskabinett hat am Donnerstag den Reichshausbalt verabschiedet, der unverzüglich dem Reichsrat bzw. dem Reichswirtschaftsrat zugeleitet werden wird.
— Die venezuelanische Hafenstadt Humana ist von ein-m Erdbeben heimgesucht worden, das beträchtlichen Lchaden anrichtete. Einzelheiten fehlen noch.
— In Palästina nimmt die Heuschreckenplage einen bedrohlichen Umfang an. In verschiedenen Gegenden ist jede Spur von Grün verschwunden.
— Vor Hongkong ist ein chinesischer Dampfer untergegangen, an dessen Bord sich über 370 Personen befand-n, von denen nur 26 gerettet werden konnten. Die übrigen dürften ertrunken sein.
— Ueber den englischen Riesendampfw Majestic eraoß sich 1500 Kim. von der amerikanischen Küste entfernt eine gewaltige Sturzwelle. durch die ein Koch getötet und mehrere Besatzungsmitglieder verletzt wurdm.
— Der Weibbischof von Berlin, Deitmer, ist im 64. Lebensjahre gestorben.
Winters strenges Reg meni.
Neberall Schneefälle. — Ganz Deutschland im Schnee. — Zugverspätnngen und Verkehrsstörungen. — Meldungen aus dem übrigen Europa, — Die Wetterlage.
„Der Winter ist ein harter Mann ..."
Aus allen TeiIen Europas kommen Meldungen über starke S ch n e e f ä l l e und schwere S ch n e e ft ü r m e. Am Mittwoch und am Donnerstag sind über ganz Deutschland ausgiebige Schneefälle Niedergegangen. Nord- und Eüd- deutschland, das Meer und die Gebirge wurden gleichmäßig bedacht:^ überall gingen außergewöhnlich große Schneemassen nieder, überall kam es zu erheblichen VeÄehrsstörungen.
Zahlreiche Schnellzüge hatten in der Nacht zum Donnerstag und am Donnerstag Verspätungen bis zu 80 Mim-m.
Zugverspätnngen wegen der Schneeve.wehung.n sind an der Tagesordnung. Schwarzwald, Thüringer Wald, Riesengebirge und Bayerische Alpen melden Schneefälle, wie sie seit vielen Jahren nicht mehr erlebt worden sind. Der Ueber- landverkehr mit den Postkrastwagen mußte aus vielen Strecken eingestellt werden. Das Observatorium auf dem Feldberg um» brauste ein Nordwest-Sturm von 14 Sekundenmeter Stärk«.
Aber auch vom Ausland laufen ähnliche Meldungen ein. Mailand und Florenz haben Schneedecken von 25 Ztm. Höhe. In Lucca hat ein Erdrutsch ein Haus verschüttet, in dem aber glücklicherweise sich zur Zeit des Unglückes keine Menschen befanden. Schneestürme und Schneeverw-bmiM» werden auch aus Dalmatren berichtet, dort sank die Temperatur sehr rasch von 26 Grad über Null unter den Geftier- Punkt. — Besonders schlimm ist die Lage im europäischen Norden. Aus Dänemark, aus Schweden, aus Norwegen und aus England werden ungeheure Schneefälle und schwere Schneestürme gemeldet, die Schiffahrt und Bahnverkehr störe«.
Schäden zu Land und Meer.
Nach einer Mitteilung der dänischen Staatsbahn mußte infolge des ungeheueren Schnecsalles auf fast allen Smats- t<jvXu in Seeland der Verkehr vollständig eingestellt werden. Insgesamt liegen 15 Eisenbahnzüge im Schnee fest. Ber- Aiedenllich sind auch Schneepflüge stecken geblieben. Der Tageszug aus Deutschland konnte ebenfalls nicht nach Kopenhagen durchgeführt werden. In den letzten Tagen konnte von und nach Kopenhagen auch nur ein einziger Güterzug verkehren. Besonders schlimm ist es mit Der Milchversorgung Kopenhagens bestellt. Man rechnet damit, daß eine Einschränkung in der Abgabe von Milch eintreten wird.
Wie aus Korsör gemeldet wird, ist in der Nacht zum Mittwoch ein leeres Rettungsboot an Land getrieben worden. In dem Boot fand man lediglich drei abgebrannte Raketen. Dir Nationalität des Bootes konnte noch nicht festgcstellt werden. Man nimmt an, daß es sich um ein holländisches Boot handelt. Nach Meldungen aus Bornholm ist es gelungen, die Besatzung des bei Gudjem gestrandeten. Dampfers am späten Abend des Mittwoch zu retten. Die 26 Mann starke Besatzung wurde mit einer Raketenleine an Land geholt.
Die Wetterlage. — Verkehrsstörungen.
Nach einer Mitteilung der Berliner W e t i e r d i e u st - stelle liegen die Temperaturen in ganz Deutschland unter Null. In München wurden 19 Grad Kälte gemessen, in der Berliner Innenstadt 11 Grad unter Null.
Einer Meldung aus Hannover zufolge hat man dort seit vielen Jahren kein so hcfttgcs Schneetreiben mehr gesehen. Der Verkehr im Stadtinnern sowie in den Außenbezirken ist sehr stark behindert, obwohl die Stadtverwaltung alles aufgeboten hat, um die Schneemassen möglichst bald zu beseitigen. Die D-Züge auf der Sttecke Berlin—Hannover—Köln trafen mit zwei Stunden Verspätung ein. Auch im Nahverkehr der Reichsbahndirektion Hannover sind die Störungen sehr esheblich.
*
Die Besatzung eines Rettungsbootes in schwerer Seenot.
Bei Hoek van Holland wurden Notsignale des dänische« Schiffes „Valka" gehört. Ein Dampftettungsboot lief aus, um der Mannschaft Hilfe zu bringen. Gegen 2 Uhr funkte die „Valka", daß das Rettungsboot im Sturm umgeschlagen sei und die Bemannung von acht Personen hilflos in den Wellen treibe. Eine an die „Valka" gerichtete Bitte, der Mannschaft tilfe zu bringen, wurde mit „unmöglich" beantwortet. Bon and aus hatte man nichts sehen können. In Hoek van Holland herrscht große Bestürzung. Die acht Mann deS Rettungsbootes waren alle verheiratet.
Ein englischer Dampfer bei Krautsund aufgelaufen.
Auf der Fahrt von Hamburg nach Newcastle ist der englische Dampfer „Tudorstar" der White Star-Line auf der Unterelbe bei Krautsund auf Grund geraten. Da das Schiff auch bei der Flut nicht freikam, sind vier Schleppdampfer zur Hilfeleistung nach der Unfallstelle abgegangen.
Ein polnischer Antrag auf Ausweisung denffcher Ingenieure.
Kattowitz, 18. Januar. Im Schlesischen Sejm wurde die Dringlichkeit einer Entschließung anerkannt, in der die Regierung aufgefordert wird, die reichsdeutschen Ingenieure in den Leitungen der Betriebe, Hütten usw. auszurveisen. Die Entschließung selbst wird am Mittwoch beraten werden.