Nr 8 (1 Blatt) Donnerstag, den 17. Januar 1929 81. Jahrg.
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Amtliche Bekanntmachungen.
Landratsamt.
: Sprechstunden beim Landratsami: Dienstaqs:
: und Freitags, vormittags von 9 bis 12 Uhr:
I.-Nr. 89. Die Herren Bürgermeister werden aus die am Sonnabend, dem 1 9. d. Mts.
in der Aula des hiesigen früheren Lehrerseminars stattfin- dende Staatsbürgerliche Bilbungstagung besonders aufmerksam gemacht und ersucht, für weiteres Bekanntwerden der Tagung zu sorgen. Beginn vormittags 91S Uhr pünktlich.
Tagungsplan:
Oberstudiendirektor Dr. Weiner-Michelstadt: „Weltpolitische Spannungen und Gegensätze",
Landwirtschaftsrat Dr. Heßling-Kassel: „Gegenwartsfragen der deutschen Landwirtschaft",
Landesrat Häring-Kassel: „Sozialpolitische Gegenwarts- fragen“.
Es ist erwünscht, daß diese Veranstaltung von Männern und Frauen aus allen Schichten der Kreisbevölkerung besucht wird.
Schlüchtern, den 5. Januar 1929.
Der Landrat: Dr. Müller.
Lehrgang für praktische Landwirte.
Die Landwirtschaftskammer für den Regierungsbezirk Kassel veranstaltet am 23. Januar 1929 im Saale der Gaststätte zum Ständehaus in Kassel, Ständeplatz 3, einen Lehrgang für praktische Landwirte.
Der Eintrittspreis beträgt 3.— AM. Er wird am Eingang des Saales gegen Derabfolgung eines Programms, das zugküh als Eintrittskarte gilt, erhoben. Der Eühri»hi^ • den Vortraassaal ist nur gegen Vorzeigung dieser Einlaßkarte gestattet.
Die vortraasfolae, etwa notwendig werdende Plünderungen vorbehalten, ist folgendermaßen festg'legt:
10—111/2 Uhr vormittags: „Welche Folgerungen ergeben sich aus der heutigen Wirtschaftslage für die Gestaltung des landwirtschaftlichen Betriebes?" Berichterstatter: Privatdozent Dr. Zörner-Berlin. Uh«—12 Uhr: Besprechung.
12—134/2 Uhr: „Die Auswahl der Zuchtrichtung in der Schweinezucht und die Schweinemast unter Berücksichtigung der Marktlage". — Berichterstatter: Gberamtmann W. Fick-Domäne Tunders- leben.
13y2—14 Uhr: Besprechung.
U—151/2 Uhr: Mittagspause.
154/2—17 Uhr: ..Leistunysprüfunaen in der Schweinezucht".
Berichterstatter: Pros. Dr. Schmidt-Göttingen.
Don 17 Uhr ab: Besprechung.
Die Landwirte und Freunde der Landwirtschaft werden gebeten, sich recht zahlreich an der Veranstaltung zu beteiligen.
Kassel, den 28. Dez. 1928.
Der Vorsitzende der Landwirtschaftskammer für den Regie= rungsbezirk Kassel: von Keudell.
Zu den Etatsberatungen.
3m Anschluß an die Debatte im Hausbaltsausschuß des Reichstages über den Nachtragshausbalt für 1928 und den Personaletat für 1929 hat, dem B. T. zufolge, eine interfraktionelle Fühlungnahme der RegierunasnarMen statt- Mfunden, in welcher man sich über die zunächst einzuschla- ßende Taktik, zum Teil aber auch über einige materielle fragen geeinigt hat. Danach wird man zunächst von einer Keparationsdebatte im Haushaltsausschuß absehen. Auch dürften keine weittragenden prinzipiellen Ausführungen von leiten der Regierungsparteien gemacht werden, ehe sich das Kabinett nicht über den Etat und die Deckungsvorlage schlüs- geworden ist. Bis zu diesem Zeitpunkte wird auch in materieller Beziehung die Entscheidung üb^r die Ministerial- 'ulagen, über die Aufwandsentschädigung der Staatssekretäre^ und anderer Spitzenbeamten zurückgest'llt werden, bestechlich wird man auch die Diskussion über die sogen, ministerialverfassuna vertagen, d. h. über die neue Nang- wberung in den Ministerien,nach der die Zahl dw Rcaie= sunasräte und Gberreqierungsräte vermindert und bh der ^sinisterialräte vermehrt werden soll, und die eine ähnliche Anreihung der mittleren Beamten in die Kategorie der tKinisterialamtmänner vorsieht.
Der polnische Außenminister Zaleski hielt vor dem auswärtigen Ausschuß des Sejm ein längeres Ervose über auswärtige Politik Polens, in der er die deutsch-polni- Beziehungen eingehend behandelte.
Parker Gilbest will zmöchreteo.
Der Reparationsagent ist amtsmüde. — Parker Gilbert 0^ sprechungen in New Jork und Washington. — Amerit 'd die Sachverständigenkonserenz. — Morgans Rolle.
Will Parker Gilbert gehen?
Ueber R ü ck l r i t t s a b s i ch t e n des Reparationsagcn- ten Parker G i l b e r t kommt aus New A 0 r k folgende Meldung:
Wie verlautet, beabsichtigt Parker Gilbert möglichst bald von seinem Posten zurückzutreten. Die gewöhnlich gut aus Regierungskreisen unterrichtete „Herold Tribune" in New Jork meldet in bestimmter Form, Parker Gilbert beabsichtige, seinen Posten baldig st niederznlegcn, nachdem er der Sie« parationskonserenz die erforderlichen Informationen zur Verfügung gestellt habe. „Herold Tribune" erinnert an die außerordentlichen, die Ausführung des Tawes-Planes seinerzeit geradezu gefährdenden Schwierigkeiten, die sich 1924 bei der Auswahl einer geeigneten Persönlichkeit für den Posten des Reparationsagenten ergeben hätten und ine sich nunmehr wiederholen müßten, falls die Reparationskonserenz zu keinem Ergebnis führen sollte.
Die amerikanischen Besprechungen.
Wie die Londoner „Times" in einem halbamtlich inspirierten Bericht feststellt, sind die Besprechungen Parker Gil- berts in Washington uno New Dort nunmehr zum Abschluß gebracht worden. Alle von der amerikanischen Regierung m Zusammenhang mit der Dom Sachverständigenausschuß zu befolgenden Arbeitsmethode angeschnittenen Fragen seien restlos geregelt worden.
Die amerikanische Regierung werde daher keine Ein- Wände gegen die Ernennung eines amerikanischen Mitgliedes zum Vorsitzenden des Ausschusses erheben.
Morgans Rolle auf der Sachverständigenkonferenz.
. ■ Wie der „New '
wird in den Bereinigten Staaten als Hauptgrund für die Wahl Pierpont Morgans zusammen mit Owen Aoung zu amerikanischen Delegierten die Notwendigkeit gesehen, daß Amerika wegen seiner Finanzinteressen eine starke Vertretung auf der Sachverständigenkonferenz haben müsse.
Es wird bestätigt, daß man der Auffassung ist, seiner Autorität werde es gelingen, die Sachverständigen von der äußerst notwendigen Abänderung enes Planes zu überzeugen, der die Unterbringung von Obligationen in Höhe von ein bis Und Milliarden Dollar am amerikanischen Markt zum Gegenstand hat. Er werde ihnen beweisen, weshalb die ameri. kanischen Bankiers es weder als durchführbar noch wünschenswert halten, solche riesenhaften Operationen in der nächsten Zert zu versuchen.
Die Wahl eines Ersatzmannes für Morgan in den Sach- Verstandigenausschuß fiel auf L « m 0 nt, ein Mitglied des Bankhauses Pierpont Morgan. UektgtnS wird auch gemeldet, silcht Morgan selber, sondern Lamonl in den Sachver- standigen-Ausschuß eintreten werde.
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Kellogg scheidet aus dem amerikanischen Kabinett.
Der Staatssekretär für auswärtige Angelegenheiten im Kabinett der Vereinigten Staaten, Kellogg — der Vater des Kriegsächtungspaktes —, hat nach einer Meldung aus Washington soeben der Oeffentlichkeit seinen Entschluß bekanntgegeben, am 4. März von seinem Posten im amerikanischen Kabinett zurückzutreten und seine Anwaltspraxis wieder aufzunehmen.
Großseucr in Hessisch-Lichtenan.
Kassel, 16. Januar. Am Montagabend gegen 9 Uhr orach in Hessisch-Lichtenau im Hause des Schuhmachers Kiel Feuer aus, das sich rasch ausbreitete und auf die ongrelizen- den Häuser sich auszudehnen drohte. Nach angestrengter Tätigkeit der Feuerwehren, darunter auch der Kasseler, schien der Brand gedämpft zu sein, so daß die Wehren abrückten. NachtS Krach das Feuer nochmals aus und man nutzte die Feuerwehren der umliegenden Ortschaften alarmieren.^ Bisher sind acht Wohnhäuser und fünf Scheunen nieder gebrannt.
Außenpolitisch« Rede Zaleskis.
Warschau, 16. Januar. Außenminister^Zaleski nahm am Dienstag int Auswärtigen Ausschuß des Seim das Wort zu einer Rede über die Beziehungen zu Litauen, Deutschland und Rußland. In Polen bestehe Deutschland gegenüber kein Haß, sondern vielmehr ein durch die lange Frerndherrschast hervorgerufenes Mißtrauen. Eine große Belastung der Beziehungen sei darin zu erblicken, daß das deutsche Volk und die deutsche Regierung immer noch an der Revision der Ostgrenze festhielten. Die Lage iverde sich bessern, wenn Deutschland zu der Einsicht gelangt sein iverde, daß eine Abänderung der Grenzen aus friedlichem Wege ausgeschlossen sei (?). Ferner müsse hervorgehoben werden, daß die deutsche Ocffentlich-- keit über die Lage der deutschen Minderheit in Polen falsch unterrichtet sei (?). Deutschland müsse endlich erkennen, daß die zahlenmäßig stärkere polnische Minderheit auch nicht annähernd die gleichen Rechte und Freiheiten genieße wie die deutsche Minorität in Polen CD.
Große PoNzeiraziazzia.
Os* Berlin, 16. 1. Jn der Nacht zum heutigen Mittwoch veranstaltete die Berliner Polizei in der Umgegend des Schlesischen Bahnhofs eine umfangreiche Nazzia. Der Block des Schlesischen Bahnhofes, die Koppenstraße, die Kleine Markusstraße, die Breslauer und ein Teil der Andr-asstraße wurden von einem Aufgebot von mehreren 1000 Schutzpolizisten abgeriegelt. Gleichzeitig nahmen mehrere hundert Kri- minalbeamte, zum Teil mit Suchhunden, Feststellungen in den einzelnen Lokalen vor. Sämtliche Gastwirtschaften in dieser Umgegend wurden ausgehoben, alle Personen, die sich nickt ausweisen konnten, zunächst festgenommen und zum Polizeipräsidium gebracht. Die Aktion wurde vom Polizeipräsidenten, dem Vizepräsidenten und dem Kommandeur der Schutzvolizei geleitet.
Die Aktion des Polizeipräsidenten erfolgte als mistU- bare Wirkung der blutigen Zusammenstöße zwischen Mitgliedern des inzwischen aufgelösten Vereins „Immer treu" und den Hamburger Zimmerleuten.
Auch die Dartesäle des Schlesischen Bahnhofes und die Eingänge zum Bahnhof wurden von Postenketten bewacht, die sich von den ankommenden und abfahrenden Personen die Ausweise vorigen ließen.
Die Säuberung der Lokale ging ohne Schwierigkeiten vor sich. Widerstand wurde nahezu nirgends geleistet. Jn zahlreichen Lokalen mußten sämtliche Gäste den ^'^ zum Polizeipräsidium antreten, da sie die notwendigen Panrre nickt mit sich führten. So weit sich bis setzt feststellen läßt, befinden sich unter den Eingeliefert^n eine Aeihe zum Teil lange und steckbrieflich gesuchter Personen, ein Zeichen dafür, daß die Vereine, die schnell Kenntnis dw Aktion erlangt hatten, doch nicht schnell genug warnen konnten.
Den vollen Erfolg der Nazzia wird man erst im Laufe des heutigen vormittags übersehen können.
Ein Auto vo« dn*m Juae 8b-rfahren Gin Toter, ^«•i Verletze
Lehrte, 16. 1. (W. B.) Gestern mittag während eines Schneegestöbers wurde ein mit drei Personen besetzter Kraftwagen auf einem Bahnübergang, etwa 20 Meter vom Stationsgebäude Immensen-Avke, von einem Güt'rzug erfaßt. Von den Insassen wurde der Fahrradhändler Ahlborn aus Lehrte getötet, während der Viehhändler Bode jr. aus Evern schwer verletzt wurde. Der dritte Insasse, d'r Viehhändler Bobe sen., kam mit leichteren Verletzungen davon. Der Kraftwagen wurde zertrümmert.
Ser englische Dampfer „Beltar" verloren.
Warschau, 16. 1. Der englische Personendampfer „Bel- tar", der an der Weichselmündung infolge Nebels auf eine Sandbank ausgelaufen ist, ist durch die Gewalt der Wogen vollständig zertrümmert worden. Sämtliche Passagiere und die gesamte Besatzung von 92 Personen hatten kurz vor d"r Katastrophe das Schiff verlassen und sich nach Danzig be- geben.
— Dienstag Abend wurde in Duisburg ein neuer Nohr- bruch der Gasfernleitung festgestellt, der ab^r glücklicherweise keine vergiftungrerscheinung^n hervorgerufen bat.
— Durch Nichtfunktionieren eines eingefrorenen Haltesignals stießen am Dienstag unweit des Bahnhofs Thalons- sur-Marne zwei Güterzüae zusammen. Lokomotivführer und Heizer konnten sich durch Abspringen retten, trugen aber durch den Sprung schwere Verletzungen davon. 12 Waggons sind entgleist.
— Der amerikanische Bundessenat hat den Kellog-Pakt ohne Vorbehalte gegen eine Stimme ratifiziert.
— General Booth hat die an ihn ergangene Aufforderung des hohen Rats der Heilsarmee zurückzutreten, abgelehnt.
— König Aman Ullah hat sich im Flugzeug nach Kand- char begeben, wo er von seiner Gattin erwarbt wurde.
— In Ostende sind zwei englische parlament§mitqlied"r, ein Mitglied der Arbeiterpartei und ein Kommunist, sowie der Sekretär der Liga gegen den Imperialismus, die in Köln an einer Versammlung der Liga teilnehmen wollten, verhaftet worden.
r — Iohn Nockefeller jr. hat eine Stiftung von einer Million Dollar für die Heilsarmee gemacht.
—• Zu einem großen Skandal kam es bei dem Leivzig"r Sechstagerennen, als die Fahrer, die das Publikum zu schärferer Fahrt anzuspornen suchte, das ruhige Tempo beibs- hielten. Die Fahrer wurden beschimvft und mit Gegm- ständen beworfen, sodaß das Ueberfallkommando herbeige- rufen werden mußte.
Losholnettes u. Holzzettel sind zu haben in der Duchdruckerei H. Glelnfelb Göhne