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(1. Blatt)

Dienstag, den 15. Januar 1929

81. Jahrg.

Amtliche Bekanntmachungen.

Landratsamt.

; Sprechstunden Beim Landratsamt: Di^nstaqs : und Freitags, vormittags von 9 bis 12 Uhr j ^i»»«n«n»»n»»>»n»nn«n»»n»"nnnnn»«»»»»»»»»»»n»n»nno»a»«»s»°i»«»^»«,»,»i,«« 3.=Hr. 89. Die Herren Bürgermeister werden auf die am Sonnabend, dem 19. d. Mts.

in der Aula des Riesigen früheren Lehrerseminars stattfin- dende Staatsbürgerliche Bilbungstagung besonders auf­merksam gemacht und ersucht, für weiteres Bekanntwerd»n der Tagung zu sorgen. Beginn vormittags 915 Uhr pünkt­lich.

Tagungsplan:

Gberstudiendirektor Dr. Weiner-Michelstadt:Weltpoli­tische Spannungen und Gegensätze",

SandwirtsGafts'-at Dr. beßling-Kassel:Gegenwartsfra­gen der deutschen Landwirtschaft",

Landesrat Häring-Kassel:Sozialpolitische Gegenwarts- fragen".

Es ist erwünscht, daß diese Veranstaltung von Männern und Lianen aus allen Schichten der Kreisbevölkerung be­sucht wird.

Schlüchtern, den 5. Januar 1929.

Der Landrat: Dr. Müller.

J.aHr. 249. Die Ortsvoli^eibehörden sind vervflich- tet. für die Offenhaltung des Verkehrs auf allen öffent­lichen Straßen und Wegen innerhalb der Gemarkungsgr»n- zen des Grtsvolizeibezirks zu sorgen und jede Störung d»s Verkehrs insbesondere der durch Raturer»ignisse (Schnee­wehen,^ Vereisung usw.) verursachten mit tunlichster Be­schleunigung zu beseitigen. Daneben haben auch bb Beatm ßn der kommunalständischen Landesbauverwaltung bie Hub, aabe, ihrerseits für schleunige Beseitigung albr verkehrs- Hinderungen auf den Landstraßen und Landwegen, insbe­sondere auch der Schneewehen Sorge zu tragen.

Diese Bestimmungen werden Zwecks genauster Beach­tung hiermit in Erinnerung gebracht.

Gleichzeitig werden die Grt§polizeibehörd»n nochmals angewiesen, dafür Sorge zu tragen, daß abstumvfende Str-u- materialien (Sand, Äsche usw.) beschafft und bei eintrebm der Glätte die gefährlichen Stellen der Straßen und Wege bestreut werden.

3um 2 0. b. Mts. ersuche ich um Bericht, daß die erforderlichen Streumaterialien zurv»r- fügung stehen. Die Streumaterialien müssen so gela­gert werden, daß sie auch bei Frostwetter verroendungsfähig bleiben.

Schlüchtern, den 11. Januar 1929.

Der Landrat. Dr. Müller.

J=Hr. 336. Der Entwurf der Reichsbahndirektion Frankfurt a. M. zur Erweiterung des Bahnhofes Sal- snünsterBad Soden liegt in der Zeit vom 18. bis 31. ds. Mts. einschließlich in dem Dienfhimmer des Bürgermeisters tu SaTmünfter zu jedermanns Einsicht offen. Es steht ie= bem Beteiligten frei, innerhalb der Gff»nlequngsfrist im umfang seines Interesses Einwendungen gegen die Ausfüh­rung des Entwurfes schriftlich ober zu Protokoll bei dem Unterzeichneten Geltend zu machen.

Schlüchtern, den 11. Januar 1929.

Der Landrat. Dr. Müller.

Kreis au sschutz.

J.-TTr. 178 K. Ä. Die Herren Standesbeamten der Dindgemeinden des Kreises mache ich auf die Bestimmun- S'u des amtlichen Handbuches für die preuß ;Stanbesb»= umten und ihre Aufsichtsbehörden Ziffer 107, wonach nach Ablauf des Kalenderjahres die abgeschlossen»n Standes- Ueben-Register nebst Aufgebotsakten an die Aussichtsbe- ^rde einzureichen sind, aufmerksam.

Gleichzeitig weise ich auf die Bestimmungen d»s Deck- o/attes 1 0 zu Ziffer 93 des amtlichen Handbuchs M. Hiernach ist vom 1. Januar 1928 ab für jedes der Register ein Ramensveneichnis in dovv'ltsr Ausferti- ^ug zu führen. Eine Ausfertigung ist bei Abgabe der Mhenrearfter der Aufsichtsbehörde zu üb»rssnden. Soweit

Bestimmungen bei den bisher schon mnqereichten Re= benregistern für 1928 nicht beachtet worden sind, ersuche die betreffenden Herren Standesbeamten das Versäumte "gchzuholen.

, Die Formulare für das vorgeschriebene Ramensv»r- ^^ni§ finb jm Derfaq bes Beichsbundes der Standesb "am- Deutschlands in Berlin Sw. 61 erhältlich. Zweckmäßig für das Namensverzeichnis das Formular D 315 be- stellt und benutzt.

Schlüchtern, den 14. Januar 1929.

Der Vorsitzende des Kreisausschusses. Dr. Müller.

Pomcares nächtliche Kammerrede.

Die Aufnahme in politischen Kreise«.

Die in der Nachtsitzung der französischen Kam­mer in Paris abgegebenen programmatischen Erklärun­gen des Ministerpräsidenten haben in den politischen Kreisen der französischen Hauptstadt lebhaftes Inter­esse erweckt und finden auch in den Blättern starke Beachtung.

DasJournal d e s D ö b a t s" greift die außen­politischen Ausführungen des Ministerpräsidenten auf und meint, es hänge besonders von Deutschland ab, daß die Arbeiten der Sachverständigen einen raschen Fortgang nähmen. Eines der begrüßenswertesten Er­gebnisse der Kammersitzung sei, Deutschland gezeigt zu haben, daß es nichts zu gewinnen habe, wenn es dem Rade in die Speichen greife. Das Blatt macht im gleichen Zusammenhang den Radikalsozialisten zum Vorwurf, daß durch ihre Fehler die interalliierten Schulden in London und Washington so schlecht li­quidiert worden seien. Ihre Gefälligkeit gegenüber ausländischen Staatsmännern habe die Frage der Re­parationen verwickelt und Frankreichs Ansehen ge­mindert.

DerTemps" meint, Frankreich habe, wie die Rede Poincaros bestätige, viel mehr das allgemeine In­teresse der Welt als sein eigenes im Auge. Besondere Bedeutung mißt das Blatt der Stelle der Rede bei, wonach Frankreich, falls die Sachverständigen ihm nicht Gerechtigkeit widerfahren ließen, das absolute Recht wahren werde, aus den Dawesplan zurückzugreifen und einfach dessen Durchführung zu verlangen. Die, die im Ausland hofften, Frankreich werde bei den kom­menden Verhandlungen gespalten sein, irrten sich. Die französische Regierung habe nur eine auswärtige Po­litik. Poincaro und Briand hätten im engsten Ein­verständnis die geplante allgemeine Regelung vorbe­reitet.

^ SetwarMgMMß WWOM. gu Ausbau der Selbstverwaltung.

Die preußische Regierung beabsichtigt eine Reform der preußischen Verwaltung im Rahmen eines großzügigen Gesetz­gebungswerkes. Die Regierung hat sich also entschlossen, mit der Reorganisation der Verwaltung nicht auf die Reichsreform zu warten.

Die Reform soll sich nach zwei Richtungen bewegen: ein­mal nach einem Ausbau der Selbstverwaltung, soweit er sich mit der Einheitlichkeit der staatlichen Verwaltung irgend ver­trägt, dann innerhalb der Staatsverwaltung selbst nach einer Dekonzentrierung der Aufgaben, so daß Angelegenheiten Sfügiger Art von Lokalinstanzen selbständig erledigt werden

t; nach einer Vereinigung der Zuständigkeiten und nach einer Beseitigung des Neben- und Jneinanderarbeitens der verschiedenen staatlichen Behörden. Die Regierung denkt nicht an eine Beseitigung der einen der beiden mittleren Verwal- Mnasinstanzen, des Oberpräsidenten oder des Regierungs­präsidenten, sie will jedoch den Oberpräsideriten von der büro­kratischen Verwaltungsarbeit befreien und ihn lediglich als Kommissar der Staatsregierung in der Provinz belassen, so daß der Jnstanzenzug in Zukunft von der lokalen Instanz über das Regierungspräsidium unmittelbar an die Regierung gehen wird. Der Oberpräsideitt soll auch nicht mehr Beschwerdeinstanz für den Regierungspräsidenten sein, sondern auch hier wird der Instanzenweg vielmehr direkt vorn Regierungspräsidium an das Oberverwaltnngsgericht gehen.

Geplant ist ferner eine Zusammenfassung der Behörden in den mittleren und Lokalinstanzen. Behörden,"wie die Landes- kulturverwaltungen, der Kreisarzt usw., die bisher von der allgemeinen Landverwaltung abgetrennt eine Sonderinstanz führten, sollen nunmehr «n die betreffenden Verwaltung»- inftanzen unmittelbar angeschlossen werden. Im Zusammen­hang mit der Reform der staatlichen Verwaltung ist ferner eine Reform der kommunalen Selbstverwalrung und ihr Ausbau geplant, die die Selbstverwaltung der Geineinden in die neu- geordnete Verwaltung des Staates singliedern soll.

Nächste Reichstagssitzung voraussichtlich am 24. Januar.

Berlin, 14. Januar. Reichstagspräsident Löbe ge­denkt, dem Aeltestenrat den 24. Januar für den Wie­derbeginn der Arbeiten des Reichstagsplenums vorzu- schlagen. Ob dieser Tag festgehalten werden kann, hängt noch von der Erledigung der Vorlage über die Warte­standsbezüge der Beamten im Reichsrat ab.

Abbruch des Schulstreiks in Hamburg.

Hamburg, 14. Januar. Wie der Rechtsbeistand der streikenden Schüler der technischen Lehranstalten mitteilt, werden die Schüler am Montag wieder zum Unterricht erscheinen und auf dem Verhandlungsweg ihre Wünsche vertreten.

Ernste Lage in Afghanistan.

Kairo, 14. Januar. Wie aus Kabul gemeldet wird, wurde das Oberhaupt des Stammes Mohmand, Mirzaman Khan, ermordet, der als Parteigänger Aman Ullahs eine große Rolle bei der Bekämpfung der Auf­standsbewegung in Afghanistan spielte. Nach weiteren Meldungen sollen die Aufständischen nach wie vor erfolgreich sein. Ein Teil der Truppen des Königs soll zu den Aufständischen Übergebungen sein.

Die jugoslawisch-italienischen Beziehungen.

Belgrad, 13. 1. (W. B.) Die ZeitungDrema" be­schäftigt sich in ihrer außenpolitischen Wochenschau ein­gehend mit den Beziehungen zwischen Jugoflarobn und Italien und schreibt u. a.: Die Vertagung der Lösung der schwebenden fragen war in der Hauvtsache in der schwie­rigen inneren Lage Südslawiens begründet. Gegenwärtig bestehen diese Gründe nicht mehr. Die Politik der Freund­schaft und der aufrichtigen Zusammenarbeit, die vor dem Abschluß des Vertrages von Tirana so gute Ergebnisse ge­zeitigt hat, muß im Interesse beider Länder fortgesetzt werden.

Die Lage in kauka«.

Hankau, 13. 1. (W. B.) Reuter. Die Iavaner ha­ben ein Stacheldrahtverhau längs der Straße errichtet, die das japanische Komeifionsgebiet von der Eingeborenmstadt trennt. Die chinesische Patrouillentätigkeit außerhalb d»s japanischen Konzessionsgebietes dauert unveränd'rt an. aber nur Chinesen werden angehalten, während die Japaner ausnahmslos unbehelligt bleiben.

20 Autos demoli-rt.

Berlin, 13. 1. Auf der Chaussee, die von Wannlee nach Potsdam führt, sind am Sonntag nachmittag, als dem Tauwetter vom vormittag ein plötzlicher 5roR folate. ka- tastrovhale Zustände eingetreten. Es bildet» sich Glatteis, auf dem weder Fuhrwerke, noch Autos fahren konnten. Mehrere Kraftfahrzeuge fuhren gey»n Bäume und wurd-n demoliert. Etwa 20 Wagen waren ineinander gefahr»n und bildeten ein fast unlösbares Chaos. Ein Autobus, des­sen Chauffeur die Passagiere aufgeforbert hatt», auszustei- gen, da er nicht weiterfahren könne, wurde gl»ich barauf von hinten von einem Vrivatkraftwagen mit solcher Wucht anaefahren, daß die Hintere Plattform abriß. Mehrere Personen trugen leichtere Verletzungen davon.

Gwen Doung und Piervont Morgan sowie als Ersatz­mann Perkins sind zu amerikanischen Sachverständigen für die Bevarationskonferenz ernannt worden.

verschiedene Meldungen, wonach Präsident Toolidge sich über die Höhe der von Deutschland zu zahlenden^ End­summe geäußert haben soll, werden von der amerikani­schen Botschaft in Berlin dementiert.

Wie der verband der Kriegsbeschädigten und Krbgs- Hinterbliebenen des deutschen KrbgerbunbesKnffbäubr" von maßgebender Seite erfährt. Hat der B»ichsarbeitsmini- ster das verbot der amtlichen Nachuntersuchung bis auf wei­teres verlängert. Der Ablauf dieser §rist hatt» bereits unter den rund 800 000 Kriegsbeschädigten erheblich» Be­unruhigung hervorgerufen, zumal die Nachuntersuchungen vielfach eine Herabsetzung ober Entziehung der Rente zur Folge haben,

Lloyd George ist um 14,30 Uhr am Sonntag in Ca­lais eingetroffen und über Paris nach Cannes abgereift.

Wie aus Moutiers gemeldet wird, wurden unterhalb der Spike des Mont Iovet 11 Touristen von einer Lawine verscküttet. Acht konnten sich wieder freimachen. währ»nd die übrigen drei nur als Leichen geborgen mürben konnten.

Bei Kiel brachen am Sonntag auf dem dünnen Cise der Zchwentine zwei Kinder ein und ertrank»n.

Reichskanzler Hermann Müller ist Sonntag vormit­tag von seiner Erholungskur aus dem Schwarzwald wie­der in Berlin eingetroffen.

Das albanische Kabinett ist zurückaetreten, da sich die Minister in der Frage des Staatshaushaltsvoranschla­ges nicht einigen konnten.

vier von den sechs radikalen Abgeordneten, bb bei der Abstimmung in der französischen Kammer für die Re­gierung Poincarc gestimmt haben, sind aus der radikalen Kammerfraktion ausgetreten, um dem Ausschluß aus der Partei zuvorzukommen.

Nach Mitteilung der Washingtoner Gesundheitsbe- Hörde sind in den letzten sieben Wochen 26 000 Manschen der Grivpeevidemie zum Opfer gefalbn.

Die Reichsbank hat mit Wirkung vom 12. 1. den Wechseldiskont von 7 auf 6V2 und den Lombardszinsfuß von 8 auf 7V2 °/o herabgesetzt. Der Diskontsatz der Deut­schen Golddiskontbank beträgt weiterhin 6%.

Die Grippeepidemie in Berlin zeigt noch k'in Rack- lassen. Die Kranfkenziffer beträgt am 10. 1. 1348. Seit dem 1. Januar sind 48 Todesfälle zu verzeichnen.

Im Distriktsaefänattis in Philadelvhia entstand we­gen ungenügender Verpflegung ein» Meuterei der Gefan­genen. die die Beamten mit Möbelstücken bombardierten. Die Polizei schlug den Aufstand unter Anwendung von Tränengas nieder. Die Behörden haben zug»geben, daß das für 1500 Insassen erbaute Gefängnis mit 1750 Ge­fangenen belegt war.