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Kreis-Amtsblatt * Myememer amtlich erKuzeigeN für ösn. Kreis Schlüchtem

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(1. Blatt)

Donnerstag, den 10. Januar 1929

80. Jahrg.

Amtliche Bekanntmachungen.

Landratsamt.

I.-Nr. 89. Die Herren Bürgermeister werden auf die am Sonnabend, dem 19. d. Mts.

in der Aula des hiesigen früheren Lehrerseminars stattfin- dende Staatsbürgerliche Bilbungstagung besonders auf­merksam gemacht und ersucht, für weiteres Bekanntwerden der Tagung zu sorgen. Beginn vormittags 915 Uhr pünkt­lich.

Tagung-splan:

Gberstudiendirektor Dr. Weiner-Michelstadt:Weltpoli­tische Spannungen und Gegensätze",

Landwirtschaftsrat Dr. Heßling-Rassel:Gegenwartsfra­gen der deutschen Landwirtschaft",

Landesrat Häring-Rassel:Sozialpolitische Gegenwarts­fragen".

Es ist erwünscht, daß diese Veranstaltung von Männern und grauen aus allen Schichten der Ureisbevölkerung be­sucht wird.

Schlüchtern, den 5. Januar 1929.

Der Landrat: Dr. Müller.

Kreisausfchutz.

I.-Nr. 12906 5- Der Alkoholismus hat in der Nach­kriegszeit, besonders seit der Stabilisierung, eine große Zu­nahme erfahren- die Meldeziffern, sowohl der offenen wie der geschlossenen Fürsorge, zeigen, daß der ungünstigste Vor­kriegsstand bereits überschritten ist. Neben der zahlenmä­ßigen Zunahme des Alkoholismus fällt die Schwere der einzelnen Fälle auf. Besonders bedenklich ist auch dir Be­teiligung der Jugendlichen am Alkoholismus.

Umfangreiche Erhebungen haben gezeigt, daß die un­mittelbare und mittelbare Schädigung der Volksgesund- helt durch den zunehmenden Alkohollsmus außerordentlich groß ist und daß dadurch eine Belastung des öffentlichen Haushaltes entsteht, die gerade in der Gegenwart als be­sonders nachteilig empfunden werden muß. Auf der an­deren . Seite kann bei zweckentsprechender Ausgestaltung der heilenden und vorbeugenden Fürsorge für Alkoholkranke und -gefährdete ein verhältnismäßig großer Erfolg erzielt werden, sodaß dieses Spezialgebiet der Fürsorge als be­sonders produktiv angesehen werden muß.

Es ist deshalb die Pflicht aller Stellen der behördlichen und freien Wohlfahrtsvfleae, sich über die Mittel und Wege zur Bekämpfung des Alkoholismus eingehend zu unterrich­ten. Als vorzügliches Hilfsmittel dazu mache ich auf die von dem Deutschen Ausschuß zur Förderung der wissen- sckaftlichen (Erforschung des Alkoholismus herausgegebene Internationale Zeitschrift gegen den Alkoholismus" auf­merksam. die durch den Neuland-Verlag G. m. b. H. (Berlin W 8. Kronenftr. 8/9) bezogen werden kann. Besonders emvfehls ich den Herren Bürgermeistern, Geistlichen und Lebern, sich bei ihrer Arbeit zur Bekämpfung des Alkohol­mißbrauchs dieser Zeitschrift und der übrigen veröffentli- ckunoen des Deutschen Ausschusses zur Förderung der wissen- schaftlicken Erforschung des Alkoholismus zu bedienen.

Schlüchtern, den 2. Januar 1929.

Nreiswohlfahrtsamt: Dr. Müller. -----_________________

Staatl. Kreis- und Forstk^sse.

Bekanntmachung.

, Tgb. Nr. 44. Die Stadt- und Gemeindekassen des hie­sigen Kreises, sowie alle mit der staatlichen Nreis- und Forstkasse in Geschäftsverbindung stehenden Persönlichkei­ten mache ich darauf aufmerksam, daß ich mit sofortiger Wirkung mein Konto bei der

Nreissparkasse in Schlüchtern aufgelöst, und ein solches bei der

; städtischen Sparkasse in Schlüchtern Konto Nr. 260, eröffnet habe.

. Die staatliche Kreis= und Forstkasse in Schlüchtern führt künftig folgende Konten:

v Reichsbankgirokonto: Neichsbankstelle, Fulda.

, Postscheckkonto: Nr. 6762, Amt Frankfurt a. M. I^Kommunalairokonto: Nr. 260 bei der Stadtsparkasse § in Schlüchtern.

c Schlächtern, den 8. Januar 1929.

U_____ Staatl. Kreis= und Forstkasse: gez. Kartte.

Stadt Schlüchtern.

Bekanntmachung.

MIn der Zeit vom 9. bis 11. Januar 1929 findet das Rei= vigen und Ausbrennen der Schornsteine in folgeudeu Stra­ßen der Stadt statt: Hanauerstraße, Schloß-, Wassergasse, Nirchstraße, Sackgasse und Alte-Bahnhofsstraße. 'Schlüchtern, den 7. Januar 1929.

Die Polizeiverwaltung: Gaenßlen.

Bekanntmachung.

Auf unseren Antrag hat der Nreisausschuß beschlossen, die Leichenhalle des NreisKranKenhauses zur Benutzung durch hiesige Einwohner, die in Todesfällen nicht genügend Raum für Aufbewahrung der Leiche haben, freizugeben.

Dahingehende Anträge sind im Rathaus Zimmer Nr. 1 zu stellen.

Schlüchtern den 7. Januar 1929.

Der Magistrat: Gaenßlen.

Polizeiverordnung

Auf Grund der §§ 5 und 6 der Verordnung über die Po­lizeiverwaltung in den neu erworbenen Landesteilen vom 20. September 1867, (G. S. S. 1529) und des Artikels III der Verordnung über Vermögensstrafen und vom 6. Fe­bruar 1924 (R. G. Bl. I S. 44), wird nach Beratung mit dem Gemeindevorstand für den Gemeindebezirk Ho- Henzell folgende Polizeiverordnung erlassen:

Einziger Paragraph.

Die für das Gebiet der Gemeinde Hohenzell erlassenen und noch in Geltung befindlichen Polizeiverordnungen nebst den vorgesehenen Strafbeftimmungen treten mit dem Tage der Veröffentlichung dieser Polizeiverordnung auch für den auf Grund des Gesetzes vom 27. Dezember 1927 (G. S. $. 211) aufgelösten und durch Beschluß des Staats­ministeriums mit der Gemeinde Hohenzell vereinigten Guts­bezirk Lindenberg in Kraft.

Hohenzell, den 7. Januar 1929.

Die Grtsvolizeibehörde: Lamm.

Woche deutscher Technik" in Moskau.

Moskau, 8. 4. (WB) Bei Eröffnung der Festsitzung an­läßlich des Beginnes derWoche deutscher Technik" führte Stomonfakoff in einer Begrüßungsrede u. a. aus: Deutsch­land hat früher als anoere Staaten öde Bedeutung der Entwicklung politischer und wirtschaftlicher Beziehungen zu der Sowjetunion erkannt und ist deshalb an die erste Stelle im Warenaustausch mit der Sowjetunion getreten. Auch in dem Austausch von Rulturwerten mit der Sowjet­union steht Deutschland an erster Stelle. Deutsche Gelehrte, Ingenieure und Techniker entfalten eine große Aktivität beim Studium des kulturellen und wirtschaftlichen Lebens der Sowjetunion. Diese Aktivität der deutschen Geffmtlich- keit in Sowjetrußland für die Entlehnung von Errungen­schaften jener Zweige deutscher Wissenschaft, die für die Industrialisierung und den Ausbau der Landwirtschaft von einschneidender Bedeutung sind. Wir freuen uns übr den glücklichen Zufall, daß der Eröffnungstag derWoche der Technik" mit dem Tag des Amtsantritt des neuen deutschen Botschafters von Dirksen zusammenfällt. Wir hoffen, auf seine maßgebende Unterstützung bei dem Ausbau und der Ausnutzung der kulturellen Beziehungen zwischen der Sow­jetunion und Deutschland rechnen zu können.

*

Stomonjakoff verunstaltete im Hause der Gelehrten zu Ehren der deutschen Gäste ein Bankett, an dem all elf in Moskau eingetroffenen deutschen Gelehrten, der deutsche Botschafter v. Dirksen, Litwinoff sowie hohe Beamte des Außenkommissariats, der Vorsitzende des ©bersten Volks­wirtschaftsrates Ruibyscheff und zahlreiche Vertreter von Wissenschaft, Technik und Industrie teilnahmen.

Botschafter v. Dirksen Aber die deutsch-russische« Handelsbeziehungen.

Moskau, 9. 1. (WB) Jn einem Interview mit einem Vertreter der Telegraphenagentur der Sowjetunion erklärte der deutsche Botschafter v. Dirksen, er betrachte dieWoche der Technik" als einen glücklichen Anfang seiner Tätigkeit in Moskau. Auf eine Frage betreffend die Aussichten der sowjetrussisch-deutschen Wirtschaftsbeziehungen hob der Bot­schafter hervor, die Grundlage dieser Beziehungen bilde der sowjetrussisch-deutsche Handelsvertrag von 1925. Er wies darauf hin, daß das im Dezember in Moskau unterzeich­nete sowjetrussisch-deutsche Protokoll, in deutschen Kreisen mit großer Befriedigung ausgenommen worden sei und verlieh seiner Freude darüber Ausdruck, daß die Unter­zeichnung des Protokolls in fowjetistischen Kreisen begrüßt wurde. Die in Moskau getroffenen Vereinbarungen s»ien lediglich eine erste Etappe auf dem Wege zur Lösung zahlreicher Fragen der sowjetrussisch-deutschen Wirtschafts­beziehungen. Die Verhandlungen in den nächsten Mo­naten würden eine Anzahl weiterer Fragen klären.

Jm Kieler Stadtparlament entstand ein Tumult, wobei von den Tribünen mit Stinkbomben geworfen wurde. Die Tribünen mußten von der Polizei geräumt und die Sitzung längere' Zeit unterbrochen werden.

Auch im Frankfurter und Kasseler Stadtparlament kam es zu Tumultszenen, die durch Kommunisten und Na­tionalsozialisten hervorgerufen wurden.

Die Reparationssrage.

Die deutschen Sachverständigen.

Entgegen anderslautenden Meldungen ist, wie halbamtlich mitgeteilt wird, festzustellen, daß eine formale Entscheidung über die Ernennung der deutschen Sachverständigen für den Reparationsausschuß bisher noch nicht gefallen ist. Auch ist zu diesem Zweck bisher noch keine Sitzung des Reichskabinetts anberäumt worden.

Es ist jedoch der ganzen Sachlage nach nicht daran zu zweifeln, daß die formelle Ernennung in den nächsten Tagen zu erwarten sein dürfte. Für die Betrauungen dürsten außer dem Neichsbankpräsidenten Schacht Bankier Melchior, Generaldirektor Vogler und Staatssekretär a. D. Berg­mann in Frage kommen.

Botschafter v. Hoesch in Berlin.

Der deutsche Botschafter in P a r i s , v. Hoesch, hatte eine Unterredung mit dem Außenminister Briand, die eine Er­örterung der gegenwärtigen politischen Lage zum Gegenstand hatte.

Sodann hat sich Botschafter v. Hoesch nach Berlin begeben. Er wird dort mit Dr. Streseurann Besprechungen haben. Die Unterhaltung dürfte sich in der Hauptsache auf die Reparations- frage erstrecken.

Deutsche Bergarbeiter gegen den Gilbert-Bericht.

Der Deutsche Bergarbeiter-Verband in Bochum ver­öffentlicht bemerkenswerte Ausführungen zum Gilbert-Bericht, in denen u. a. erklärt wird: Die deutsche Wirffchast besteht nicht, wie Parker Gilbert anzunehmen scheint, nur aus Steuer- eingängen, Reparationsabgaben von Reichsbahn und Indu­strie, Aktienrenten und gepunrptem Auslandsgeld, sondern auch aus arbeitenden Menschen.

Warum ist der Agent nicht einmal hinabgestiegen zu den Massen der Arbeiter? Tort hätte er gemerkt, daß ihre Lebens- Verhältnisse im Vergleich zum Menschlich-Notwendigen noch jammervoll genannt werden müssen. Gerade bet deutsche Arbeiter hat das Recht, die Anerkennung seines Anspruches

s _-ebens''idea-.'.L zu verlangen. Jede Reparationsregelung ist auf Sand gebaut, die diese elementarste Grundforderung außer Acht läßt.

Hoovers Reisebericht an Coolidge.

Der künftige Präsident Hoover hat dem Präsidenten Eoolidge den Bericht über seine Eindrücke auf der Südnmer'ika- reife erstattet. Hoover lotst etwa zehn Tage in Washington bleiben und sich dann bis zu seinem Amtsantritt am 4. März nach Florida begeben. Bisher hat Hoover völliges Still­schweigen über seine Absichten für die Zusammensetzung seines Kabinetts bewahrt und alle Vermutungen in dieser Hinsicht als falsch bezeichnet. Während seiner Anwesenheit in Washington wird er viele Konferenzen mit Parteiführern und anderen führenden Persönlichkeiten, darunter mit Schatzkanzler Mellon und Parker Gilbert haben.

Seine Auffassung, daß zwischen Reparationen und Kriegs­schulden kein Zusammenhang besteht, ist, wie alle Anzeichen sprechen, dieselbe geblieben. Man glaubt aber in Washington, daß Parker Gilbert alles versuchen'wird, um die amerikanische Regierung von der Notwendigkeit eines Erfolges der Ver­handlungen des neuen Reparationskomitees zu überzeugen. Der Reparationsagent erwartet mit der Versicherung "bet amerikanischen Regierung nach Europa zurückkehren zu können, daß Amerika volle, wenn auch inoffiMle Hilfe für die Lösung der Reparationsfrage geben werde.

Der Haushaltsausschuß des Reichstages einberufen.

Berlin, 9. Januar. Der Haushaltsausschuß des Reichs­tages ist zu seiner ersten Sitzung nach der Weihnachtspause für Dienstag, den 15. Januar, einberufen worden.

Wiedererteilung von amerikanischen Sichtvermerken.

Berlin, 9. Januar. Die seit dem 19. Juni 1928 be­stehende Sperre in der Annahme von Anträgen auf Erteilung oes amerikanischen EinwandeNlngs-Sichtvermcrks wird am 17. Januar, 9 Uhr vormittags, aufgehoben.

Reichstagspräsident Lobe ist, von Riga kommend, z« einem dreitägige« Besuch in Reval eingetroffen, wo er über die Not­wendigkeit europäischer Solidarität gesprochen hat.

-- Die deutschen Seeschiffswerften mit Ausnahme der Flens- burger Schiffswerft sind nunmehr überall wieder im Betrieb.

(::) Der Parteivorstand der Sozialdemokratischen Partei beruft den diesjährigen Parteitag zum 10. März nach Magdeburg ein. Als Hauptpunkt steht auf der Tagesordnung der Bericht der W e h r p r o g r a m m - K o m m i s s i o n, der vom Abg. Titimann erkaltet wird.

, Infolge des herrschenden dichten Hebels ereignete sich Dienstag früh in Leipzig in der Riefaer Straße ein schwerer Zusammenstoß zwischen zwei Straßenbahnwagen, wobei zehn Personen verletzt wurden.

Auf der Landstraße zwischen Passau und Linz wur­den zwei Knaben im Alter von 10 und 13 Jahren halb er­froren aufgesunden. Sie heißen Richard und Ernst ©ber= Müller aus Schindlau und waren von ihrem Vater, der in wirtschaftliche Not geraten ist, ausgesetzt worden.

vor dem Reichsgericht begann am Dienstag der Spionageprozeß gegen den dänischen Hauptmann Harry Lembourn und die Kontoristin Helene Stegemann aus Ber­lin.