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M. Z (1. Blatt)

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Donnerstag, den 3. Januar 1929

81. Jahrg.

Amtliche Bekanntmachungen.

Kreisausschuß.

I.-Nr. 5755 K. A. Dem Landwirtschaftsgehilfen. Ludwig Weigand in Marjoß wurde anläßlich seines 10 jährigen Dienstjubiläums bei dem Landwirt August Heinbuch in Marjoß eine Prämie von 10 3Ut aus Kreismitteln bewilligt.

Schlüchtern, den 28. Dezember 1928.

Der Vorsitzende des Kreisausschusses: Dr. Müller.

Anglückschronit von Neujahr.

In Berlin ist die Neujahrsnacht im Großen und Gan­zen ruhig verlaufen, wenn auch in Groß-Berlin nicht weniger als 238 Personen von der Polizei sistiert werden mußten. Auch ist eine Reihe von U n g l ü ck § f ä l l e n zu verzeichnen.

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Einen tragischen Ausgang nahm eine Silvester- feier, die in der Wohnung des Invaliden Franz Hohn in ^Frankfurt a. M., Rohrbachstraße 29, stattsand. Als wer 24 jährige Feinmechaniker Ludwig Kehl der Gesellschaft ' erst einen am Abend gekauften Revolver zeigte und den Me- 'chanismus näher erklären wollte, löste sich plötzlich ein -Schuß, Die Kugel drang der 21jährigen Frida Kaufmann aus der Mainzerstraße 244 in die linke Schläfe und fuhr aus der rechten wieder heraus, sodaß der Tod augenblicklich eintrat. Der Täter, der in dem Glauben war, daß sich in der Waffe nur eine Platzpatrone befand, stellte sich der .Polizei und wurde in Haft genommen.

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wie die Köln. 3ig. meldet, wurde in der Silvesternacht nach 9 Uhr abends die Stationskasse in Löenich beraubt. Ein Unbekannter, der sich ein Taschentuch als Maske vorgebunden hatte, drang in den Kassenraum ein mnd fetzte dem einzigen anwesenden Beamten eine Pisteke chor die Brust. Dann entnahm er der Kasse den Inhalt von etwa 150 Mark und verschwand. Die Bahnpolizei nahm sofort mit Hunden die Verfolgung auf. Ein Ortseinwohner ist in den verdacht gekommen, der Täter zu sein.

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Auf der Wanheimer Straße in Duisburg fuhr ein Kraftwagen in voller Fahrt in eine Gruppe von einer Silve- sterfeier heimkehrender Personen, denen es nicht möglich war, auszuweichen. Der Kranführer Buchenheim wurde überfahren und auf der Stelle getötet, wäh­rend eine andere Person verletzt wurde. Ohne sich um die .Opfer zu kümmern, fuhr der Fahrer mit abgeblendeten Lich­tern schleunigst davon.

3n der Silvesternacht kam es im Lunapark in Brestau kurz vor 12 Uhr zu einer schweren Schlägerei. Der 25 Iahre alte Arbeiter Max Scheike wurde beschuldigt, einem Mädchen eine Pelzboa entwendet zu haben, und gerSt mit dem Arbeiter Bachmann in eine Schlägerei. Der Wirt rief Schupobeamte herbei, die den Streit zu schlichten ver­suchten. Der Obermachtmeister hobert, der mit dem Gummi­knüppel die Streitenden auseinanderzubringen suchte, mußte schließlich von seiner Schußwaffe Gebrauch machen. Schecke wurde von dem Beamten lebensgefährlich verletzt und erlag Dienstag mittag im Kloster der barmherzigen Brüder seinen Verletzungen.

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>Eine große Gas Katastrophe ereignete sich Neujahr im Hause Gärtnerstraße 38 im Duisburger Stadtteil Wanheimerort. Das Zuflußrohr der Gasfernleitung, durch das das niederrheinische Industriegebiet von der Ruhrgas N. G. mit Gas versorgt wird, ging unter dem Hause Gärt­nerstraße 38 zu Bruch. Durch das ausströmende Gas wurde ein in dem Hause wohnender Arbeiter mit seinen beiden Töchtern und eine bei ihm zu Besuch weilende Schwägerin getötet. Mehrere andere Bewohner des Hauses liegen zurzeit noch bewußtlos darnieder und werden von mehreren Aerzten betreut. Die Polizei hat das durch den Unfall betroffene Haus und die Wohnhäuser in der nächsten Umgebung räü= inen und absperren lassen. Die Untersuchung ist noch im Gange.

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Am Nachmittag des Neujahrstages fand ein Spazier­gänger im Berliner Grunewald in der Nähe der Heerstraße eine weibliche Leiche. Es handelt sich 4m ein Mädchen von etwa 25 Iahren, das nur unvollständig bekleidet war. Die Unbekannte scheint in der Silvesternacht im Walde erfroren zu sein. Die Kriminalpolizei ist mit der Aufklärung dieses eigenartigen Vorfalles beschäftigt, der; umso.geheimnisvoller ist, als in der Nähe der Leiche die übri- - gen Teile der Kleidung der Toten nicht ausgefunden werden konnten. Ueber die Todesursache soll die Obduktion Klar­heit bringen.

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Bei Wesermünde kam es laut Voss. Ztg. zwischen den Ungehörigen zweier Zigeunertrupps zu einer erbitter­ten M e s s e r s ch l a ch t, bei der es zahlreiche Verletzte gab. Die Ermittelungen der Polizei blieben jedoch erfolglos, da die beiden Parteien ihre verwundeten bereits weggeschafft und die Zigeunertrupps bald darauf mit unbekanntem Ziel weitergezogen waren.

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Auf den Personenzug 546 Danzig-Berlin wurde am Neujahrstag, wie der Lokalanz. meldet, zwischen Belgrad und Zarnesanz, kurz vor der Persante-Brücke, von der rech­ten Seite her e i n § ch u ß a b g e g e b e n, der das Fenster eines Abteils dritter Klasse zertrümmerte, zum Glück aber niemanden traf. Uußerdem wurde ein in der Nähe befind­liches Einfahrtssignal durch die Täter zerstört. Die polizeilichen Ermittelungen haben noch zu keinem Er­gebnis geführt.

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In einer Krankenbaracke der Hamburger Staatskranken­anstalt Langenborn entstand durch Umfallen eines brennenden Tannenbaums ein gefährlicher Brand. Es gelang, sämtliche Bettlägrige rechtzeitig in Si­cherheit zu bringen, obwohl das Feuer schnell auf den gro­ßen Krankensaal Übergriff. Nach vierstündiger angestreng­ter Arbeit konnte das Feuer, das bedeutenden Schaden an- richtete, gelöscht werden.

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Auf der Bahnstrecke Apenrade-Lügumkloster (Schleswig) wurde an einem unübersichtlichen Bahnüber­gang, der nicht geschützt war, ein mit sechs Personen be= setzter Kraftwagen von einem personenzug er = faßt, auf die Puffer der Lokomotive gehoben, eine Strecke weit fortgeschleppt und vollständig zertrümmert, von den sechs Insassen erlitten vier gefährliche Verletzungen.

PÄK $M

Das Kabinett gegen feinen Rücktrit L. D i e Entscheidung bis zum Zusammen- t r i t t ö e r K a m m e r vertagt.

Wie voranszusehen war, hat der französische Kabinettsrat mit einer Vertranensrundgebung für den Ministerpräsidenten geendet. Unter dem Eindruck dieser Kundgebung hat Poincare sich entschlossen, aus die sofortige Durchführung seiner Rücktrittsabsichten zu verzichten und die Entscheidung bis zum Wieder- zusammentritt der Kammer am 11. Januar zu ver­tagen.

Ueber den Verlauf und das Ergebnis des Kabinettsrates wurde durch die Agentur Havas fol­gender amtlicher Bericht ausgegeben.

Poinearö hatte im Ministerrat seinen Kol­legen erklärt, er habe, als er sein Kabinett am 11. No­vember gebildet habe, die Absicht gehabt, eine Verlän­gerung der Krise zu vermeiden, um die Diskussion ««S die Abstimmung für den Haushaltplan 1929 sicher- zustelle«. Heute aber, da das Budget verabschiedet merde und die Stabilisierung auf der anderen Seite ihre Probe bestanden habe, sehe er seine Aufgabe, die er sich gestellt habe, als vollbracht a« und habe daher die Absicht, seine D e m i s f i» u einzureichen.

In dem lebhaften Meinungsaustausch, der diesen i Erklärungen des Ministerpräsidenten folgte, war sich die Mehrzahl der Minister darüber einig, daß trotz der Bedeutung der bereits erledigten Aufgaben die wichtigen internationalen fragen und die inner- politischen Schwierigkeiten einer Lösung harrten, von der die Durchführung des Haushaltplanes und die Aufrechterhaltung des Frankenkurses abhängig sei. Daher sei das Verbleiben Poincares an der Spitze des Kabinetts eine dringende Notwendigkeit, um den Erfolg zu sichern. Der Ministerpräsident beugte sich diesen Argumenten seiner Kollegen und zog vorläufig bis zum Zusammentritt der Kammer seine Demission zurück.

Der Kabinettsrat wandte sich hieraus der Behand­lung der politischen Fragen zu, die bei dem Zusammen- U'ttt der Kammer am zweiten Dienstag im Januar zur Aussprache stehen werden. Er beschloß, die all­gemeine politische Generalaussprache sofort nach Wiederzusammentritt der Kammer auf die Tages­ordnung zu setzen. Poincare erklärte seinen Kollegen, daß er vor der Kammer sein politisckes Programm ent­wickeln und die Kammer ausserdem werde, dazu Stellung zu nehmen.

Pünktliche Erfüllung der Reparationszahlungen

Der vierte Iahresbericht des Reparationsagenten stellt fest, daß Deutschland alle Zahlungen wie in den Vorjahren pünktlich erfüllt habe. Die Lachlieserungen haben erheblich zugenommen und zugleich ist es möglich gewesen, die Ueber= tragung eines wachsenden Teils der.Annuitäten in fremder Währung durchzuführen.

Neujahrsempfang beim Reichspräsidenten Zwei Reden Hindenburgs.

Anläßlich des Jahreswechsels fanden am Neumhrstage die üblichen Empfänge im Reichs- praftdentenpalais statt. Die Gratulatiouscour wurde eröffnet durch einen Empfang des diplomatischen Korps, das dem deutschen Staatsoberhaupt durch den apostolischen Nuntius Pacelli seine Glückwünsche ent­bieten ließ. Es folgte darauf der Empfang der Reichs­regierung, als deren Wortführer Reichskanzler Müller den Neujahrsgruß übermittelte. In beiden Fällen erwiderte der Reichspräsident die an ihn und das deutsche Volk gerichteten Wünsche mit kurzen Worten. An den Gratulationsempfang der Reichsregierung schloß sich der Empfang des Reichstagspräsidinms, der Vertreter der Länder, der Wehrmacht, der Reichsbahn, der Reichsbank und der höheren Reichsbehörden an.

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Der Neujahrsgruß des diplomatischen Korps.

Der Neujahrsempfang vollzog sich in dem jetzt schon traditionell gewordenen Rahmen. Um >512 Uhr trat die von dem Berliner Wachregiment gestellte Ehrenwache im Jnnenhof des Präsidentenpalais unter Gewehr. Kurz darauf begann die Auffahrt des diplomatischen Korps, dessen Mitglieder heute in großer Galauniform zur Gratulationscour erschienen. Beim Eintreffen der einzelnen Diplomaten erwies die Reichswehrabteilung die Ehrenbezeugung durch Präsentiergriff. Große Menschenmassen um- säumten die Wilhelmstraße und die angrenzenden Straßen des Regierungsviertels, um Zeuge des un­gewohnten Schauspiels zu sein. Gegen 12 Uhr war das diplomatische Korps vollzählig im Präsidenten­palais versammelt. Außer den diplomatischen Ver­tretern nahm auch Reichsaußenminister Dr. Strese- Mann mit Staatssekretär v. Schubert und der Chef des Protokolls an dem Empfang teil.

. Als Rauo^lte'ter der b.ffi Korps über­mittelte dann der apostolische Nuntius Pacelli die Friedenswünsche der Nationen dem Staatsoberhaupt des Deutschen Reiches. Entsprechend dem diplo­matischen Zeremoniell dankte dann der Reichspräsident den Vertretern der fremden Mächte für ihre Neujahrs­wünsche und verlieh dann der Friedenssehnsucht der ganzen Welt und des deutschen Volkes im besonderen in überzeugenden Worten Ausdruck. Lr hegt die Hoffnung, daß im neuen Iahre die Räumung des besetzten Gebietes, auf die Deutschland nach göttlichem und menschlichem Recht Anspruch habe, erfolgen werde.

Die Glückwünsche der Reichsregierung.

Unmittelbar im Anschluß an den Gratulations­empfang der Diplomaten überbrachte das Reichs- kabinett dem Reichspräsidenten die Glückwünsche der Reichsregierung. Als Führer und Sprecher hielt Reichskanzler M ü c l e r eine poulliche Ansprache, in der er nach einem Rückblick auf das vergangene Jahr die Wünsche des deutschen Volkes für das neue Jahr zum Ausdruck brächte. Auch aus diese Ansprache erwiderte der Reichspräsident mit einem Appell an die Reichsregierung, alle Kräfte für die Behebung der Not der deutschen Landwirtschaft einzusetzen.

Dann folgte das Reichstugsprüsidium mit dem Präsidenten Lobe an der Spitze. Ebenso gratulierten der R e i ch s r a t, wobei der preußische Minister­präsident Otto Braun auch die Glückwünsche der preußischen Staatsregierung überbrachte. Für die Wehrmacht Reichsheer und Reichsmarine über­mittelten deren Chefs, General Heye und Admiral Raeder, dem Oberbefehlshaber die Neujahrsgrüße. Mit dem Empfang der Spitzen der übrigen Reichs- behöröen, der Reichsbahn und der Reichsbank fand die Gratulationscour ihren Abschluß.

Hindenburgs Glückwünsche an Miklas und Horthy.

Reichspräsident von Hindenburg und der öster­reichische Bundespräsident Miklas haben anläßlich des Jahreswechsels herzliche Glückwünsche aus­getauscht, desgleichen haben sich der Reichspräsident und der ungarische Reichsverweser Horthy herzliche Neujahrsglückwünsche übersandt.

In dem Neujahrswunsch des b a d i s ch e n Staats­präsidenten kommt zum Ausdruck, daß alle Glieder des Volkes im politischen Meinungskampf ebenso wie im Wirtschaftsleben allzeit von gegen­seitiger Achtung, von Selbstlosigkeit und Opfer­bereitschaft erfüllt sein mögen, um den für das Wohl des gesamten Volkes notwendigen Ausgleich aller Stände und Berufsgruppen zu ermöglichen.

Der indische Nationalkongreß hat die von Ghandi üprgeschlagene Entschließung, die für Indien den Status Mies Dominions fordert, angenommen.

1 Bei einem Zusammenstoß in Kanada zwischen einem Automobil und einem Eisenbahnzuge wurden die acht In­sassen des Kraftwagens auf der Stelle getötet.