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(1. Blatt) ^ -A- Dienstag, den 1. Januar 1929

81. Jahrg.

politische Zahresbilauz.

Glockengeläute verabschiedet das alte Jahr und begrüßt daß neue. Es klingt feierlich und ernst. Aber die Menschen lachen übermütig dazu. Scherzen, trinken und brennen Feuer­werk ab, tun so, als habe es im vergangenen Jahre nur eitel Freude und Lust gegeben und als wüßten sie, daß es im neuen ebenso sein würde ....

Nur die Besinnlichen denken daran, daß zu Ausgelassen­

igentlich kein Anlaß ist. Denn das deutsches Vaterland schwer gewesen.

heit und toller Laune eig

Jahr 1928 ist für unser deutsches Vaterland schwer gewesen. Und schon die allernächste Zukunft wird uns erneut vor ernste

Probleme, vor schwierige Entscheidungen stellen.

Außenpolitisch brächte das nun verflossene Jahr keinerlei Fortschritte. Wenn man ganz optimistisch sein will, kann man sagen, daß es eine Zeit des S t i l l st a n d e s ge­wesen ist. (Pessimisten können von Rückschritten reden!) Die Blütenträume von Locarno haben keine Erfüllung ge­

funden. Damals hatte sich das deutsche Volk bedingungslos I zur Verständigung und Versöhnung mit seinen Nachbarn im E Westen bereit erklärt: es hat in einem feierlichen Vertrag auf f Elsaß-Lothringen zweifellos einen alten deutschen Kultur- Loden verzichtet. In der Erwartung, daß diesem Schritt I' der Annäherung ein gleichartiger der Gegenseite folge . . . . f Wir warteten vergebens. Noch immer ist werwoller deutscher i Boden von fremden Truppen besetzt. Und wenn wir die (Räumung verlangen, beginnt Frankreich ebenso sein I getreuer Trabant: England mit juristischen Haarspalte­reien über die Frage, ob Deutschland zu einem solchen Ver- langen überhaupt das Recht habe, oder ob der Paragraph g sourrdso des Versailler Diktats nicht ganz anders auszulegen sei. Oder es beginnt ein Handeln und Feilschen darüber, zu | welchem Preise Frankreich, jetzt die erste Militärmacht der x Welt, sich eine frühere Räumung der besetzten deutschen Ge- | biete abkaufen lassen könne. Und dieweil man darüber spricht | und schreibt, halten im deutschen Westen und Südwesten fremde E Bajonette die deutsche Bevölkerung unter Druck. Nehmen »fremde Truppen und Behörden Verhaftungen deut cher 8 Staatsbürger (wohlverstanden: aus deutschem^ Boden!) i v^r. französische (gelegentlich cu^ englische!) V r geeichte über deutsche Volksgenossen. A u ch auf deutsch, m Boden ....

Nein, wer sich keinen Illusionen hingibt, toird erkennen ' müssen, daß wir außenpolitisch im vergangenen Jahre nicht

voran gekommen sind. Die Gegenseite hat es so gewollt. 1 Frankreich vor allem und dann England, dessen Außenminister Chamberlain auf eine selbständige, auf eine englische Außenpolitik so gut wie völlig verzichtet und sich dafür willenlos in das Schlepptau Frankreichs begeben hat. Bei dieser Sachlage wird man gut daran tun, sich auch von den bevorstehenden neuen Reparations Verhandlungen nicht allzu viel zu versprechen. Denn sowohl in der Räumungs- | wie in der Reparationsfrage kommt es in allererster Linie auf den guten Willen an. Und daran fehlt es bedenklich bei dem 'Frankreich des Herrn Poincaro.

| _ Innenpolitisch fällt die Bilanz ebenfalls nicht be- friedigend aus. Das kann nicht anders sein, weil Außen- I uud Innenpolitik eng verknüpft sind. Die politische Zerrissen- Heit unseres Volkes, die alle Baterlandsfreunde mit ernster Sorge erfüllt, hat ihren Hauptgrund in dem unglückseligen Kriegsausgang und in den Bedrückungen durch die Entente­mächte, die uns nicht zur Ruhe kommen lassen. Bei den Reichstagswahlen im Akai 1928 trat diese iunerpolitische Zer­klüftung wieder deutlich in Erscheinung und

U haben wir ja nur eine provisorische Reichst | Umbildung zu einem endgültigen, aus fester ! y Kabinett erst im neuen Jahre vorgenommen t

E Auf der deutschen Wirtschaft aber ruhen die drücken- | Lasten der Reparationsverpflichtun^n. Ihre Endsumme ß P noch immer nicht festgesetzt. Die Ungewißheit darüber I heuert fort. Nur eines missen wir: daß wir zahle« und E totaler Ka h l e n müßen . . . .

ierung, deren asis stehenden

I Es ist keine erfreuliche Jahresbilanz. Gewiß nicht. Aber verzagen dürfen und werden wir trotz alledem nicht. Noch

I ^ deutschen Geist und deutschen Fleiß und deutsche | Tüchtigkeit. Hat nicht im Jahre 1928 der neue Zeppelin ztvei- x mal den Ozean überquert und die Welt zur Bewunderung hin- & gerissen? Mag auch ein Jahr einmal Rückschläge bringen ; m längeren Zeiträumen betrachtet, geht es doch immer wieder ' vorwärts. Für Deutschland brin S Entscheidungen. Mögen sie ein ü und seine Zukunft glaubt, vorfn g wünsch.

sei unser Neujahrs-

Glück und Segen für 1929!

Gouverneur Al Smith wird Europa bereisen.

| . London, 31. Dezbr. Der am 1. Januar aus I-einem Amt ausscheidende New Uorker Gouverneur Al Smith will im April eine Reise nach Irland antreten, um den Geburtsort seiner Mutter zu be­uchen. Im Anschluß hieran wird er Voraussicht- ach eine sechswöchige Rundreise durch Europa machen.

Wie aus Moskau gemeldet wird, haben die Sowjetbehörden m Odessa eine deutsche katholische Schule geschlossen. Der Leiter dieser Schule wurde verhaftet.

~ In Angara wurde die geschiedene Frau ein.es ägyptischen Arztes und deren Schwester verhaftet, da sie ein Attentat gegen Mustafa Kemal Pascha beabsichtigt haben sollen. Bei der Frau »e.be man einen Revolver und einen Brief gefunden, worin sie von unbekannten Personen aufgefordert wird,den Tyrannen nicht verfehlen".

Was wird 1929 bringen?

Neujahrsglückwunsch des Führers der Zentrumspartei.

Von den Führern der deutschen Parteien ver­öffentlicht als erster der Vorsitzende der Zentrums­partei Dr. Kaas einen Neujahrsglückwunsch. Darin heißt es:

gen um

eres Landes und Vol-

Jnteressen entzweien, Ideale einen! Das Rin­gen um das gemeinsame hohe Ziel der stufenweisen und friedlichen Erlösung unseres Landes und Vol­kes von äußerer Unfreiheit uno erniedrigendem Zwang sollten Hände und Herzen auch derer zusammenfüh­ren, die sonst verschiedene innenpolitische Wege gehen. Das Jahr 1928 war außenpolitisch ein Jahr der

Stagnation und der Enttäuschung. Das Jahr 1929 wird kein Jahr -er Erfüllung sein. Möge es wenig­stens ein Jahr -es Fortschritts werden. Das ver­gangene Jahr hat in dem Kellogg-Pakt die feierliche Friedensgeste der Nachkriegszeit gebracht. Alle, welche guten Willens sind, hoffen und fordern, daß der Zeit der Friedensbekenntnisse nunmehr die Zeit der Frie­denstaten folgt."

Sooms Instruktionen.

Die Reparationsfrage darf nur nach wirtschaftlichen Gesichtspunkten behandelt werden!

Wie aus New Uork berichtet wird, will der neue Präsident der Vereinigten Staaten Hoover insbeson­dere darauf Gewicht legen, daß in der kommenden Sachverständigen-Konferenz nur rein wirtschaftliche Ge­sichtspunkte eine Rolle spielen. Aus diesem Grunde ist seine Interessiertheit stärkstens zu begrüßen. Alan ist auch in Amerika der Meinnrrg, daß die Rheinland- ränmung für die wirtschaftliche Wiedergesundung Europas notwendig ist. Aus diesem Grunde, so meint man in New Kork, mürben Amerikas Beobachter eine starke Stütze für Deutschland sein. Darüber, daß Deutschland seine Reparationsverpflichtungen nur er» -sielen mnn, ruerm .>.,^ .. ,;., - erhöht and sti:^ Einfuhr drosselt, ist sich in Neio Uork niemand im Zweifel.

Als amerikanische Sachverständige soll das Staatsdepartement nach den letzten Meldungen Owen Aoung und Pros. Jeremiah Smith in Aussicht ge­nommen haben.

Amunvseus Brief eine Fälschung.

Dslo, 31. Dezember.

Die Nachricht von dem in einer Flaschenpost auf­gefundenen Schreiben Amundsens über die Vorgänge bei der Latham-Katastrophe hat sich als eine Fäl­schung erwiesen, die in der Absicht, stus der Sache Geld herauszuschlagen, in Szene gesetzt wurde. Die Osloer Zeitungen fordern die gerichtliche Verfolgung des Urhebers, der die Nachricht für hohe Honorare an norwegische Zeitungen verkaufte.

Reujahrsgrnß der Embrecher.

Budapest, 3L Dezbr. Der Inhaber eines Ge­schirrladens fand morgens die eiserne Kasse seines Ge­schäftes gewaltsam geöffnet vor. Einbrecher hatten den Inhalt von 4000 Pengö mitgenommen und einen Zettel hinterlassen, auf dem geschrieben stand:Wir waren sehr zufrieden und wünschen Ihnen ein glück­liches neues Jahr. Die Einbrecher." Die Polizei fahndete bisher ohne Erfolg nach den Verbrecheim.

65. Geburtstag v. Guevards.

Berlin, 31. Dezbr. Reichsverkehrsminister von Guerard konnte am Sonnabend seinen 65. Geburts­tag feiern. Aus diesem Anlaß gingen ihm zahlreiche Glückwünsche zu, u. a. ein persönliches Handschreiben des Reichspräsidenten und ein Glückwunschtelegramm des Reichskanzlers. V. Guerard verwaltete von 1898 bis 1905 das Landratsamt des Kreises Monschau. Am 28. Juni d. J. trat er in das ReichsEabinett ein. Am Kriege nahm er als Hauptmann der Reserve teil. Später wurde er zum Major befördert.

Kouteradmiral Werth aus der Marine ausgeschieden.

WiltzelmWaven, 31. Dezember. Konteradmiral Werth ist heute mit dem Charakter als Vizeadmiral aus dem Marinedienst ausgeschieden. Konteradmiral Werth steht im 50. Lebensjahre und gehörte seit 1897 der Marine an. Er hatte viele Auslandskommandos gehabt und ist bekannt geworden als Kommandant des VermessungsschiffesMöwe".

Französische Kammerbeschlüsse.

Die französische Kammer hat das Gesetz über die Erhö­hung der Abgeorbnetenbiäten in dem vom Senat festgelegten Wortlaut angenommen, desgleichen den Gesetzentwurf über das verbot der Betätigung zugunsten irgendwelcher Finanz- unb Handelsgesellschaften. Das nach seiner ersten Q;rab= schiedung durch den Senat aufs neue durchberätene Budget wurde, nachdem die Kammer an einigen Stellen in ihrem dem Senat widersprechenden Standpunkt festgehalten hatte, mit 410 gegen 110 Stimmen angenommen und der neue Text wieder dem Senat zugeleitet, der im Laufe der Nacht darüber beraten wird.

Der Neujahrsempfang bei Hindenburg.

Reichskanzler Hermann Müller tritt laut Montagspost die Urlaubsreife in den Schwarzwald unmittelbar nach Neujahr an. Um Neujahrstag ist der Kanzler noch in Berlin, um dem Reichspräsidenten die Glückwünsche des gesamten Kabinetts zum Jahreswechsel zu überbringen. Zu diesem Zweck sind sämtliche Reichsmjnister, soweit sie von Berlin anwesend waren, hierher zurückgekehrt. Der Gratulationsempfang beim Reichspräsidenten wird auch diesmal in dem für die Republik traditionell gewordenen Rahmen gehalten sein.

Starker Nebel an der ElbmSudung Schiffs- unfalle.

' Hamburg, 31. 12. (WB.) Durch außergewöhnlich star­ken Nebel an der Llbemündunq ist die Seeschiffahrt während des ganzen Sonntags vollständig ins Stocken geraten.. Erst gegen Übend klärte die Luft auf, sodaß von den 25 bis 30 in der Mündung vor Anker gegangenen Schiffen bis zur ersten Morgenstunde drei aufgekommen sind. 3m Nord- fahrwasser der Ost-Bank ist ein Dampfer gesunken. Der BolländerBatavier I", der seewärts ausgelaufen war,

ist mit Havarie zurückgekehrt. Man nimmt an, daß Batavier I" in dem schweren Nebel mit dem Schiff sammenstieß, das auf der Ost-Bank gesunken ist.

Die nächste Sitzung des Neichskabrnetts.

Wie der Demokratische Zeitungsdienst mitteilt, wird

der zu-

die

nächste Sitzung des Reichskabinetts infolge der Erholungs­reise des Reichskanzlers in den Schwarzwald voraussichtlich erst am 14. 3anuar stattfinden. Nach diesem Zeitpunkt erst dürfen auch die Verhandlungen über die Umbildung der Reichsregierung wieder ausgenommen werden.

Der blutige Stratzenkampf in Berlin-O.

In der Straßenschlacht, die sich in der Nackt 3um Sonn*

ü rthe. ckO' -i der liape ws .illIepcsü^ü Dutw- ho's abspielte, und die etwa von 11 Uhr bis 2 Uhr nachts gedauert hat, sind mehr als 40 Schjüffe gefallen. Acht Personen liegen in bedenklichem Zustande im Krankenhaus. Der Zustand eines Schwerverletzten ist nahezu hoffnungslos, da ihm die Schädeldecke durch Hiebe zertrümmert worden ist. Nach den Schilderungen von Augenzeugen hat eine Schlägerei stattgefunden, wie sie in der Kriminalgeschichte Berlins einzig dasteht. 3m Laufe der Nacht zum Montag werden, wie derMontag" meldet, sämtliche Lokale in der Umgegend des Schlesischen Bahnhofs durchsucht werden, und es ist mit einer ganzen Reihe von Verhaftungen zu rechnen.

3m Polizeipräsidium haben eingehende Besprechungen über den Vorfall stattgefunden. Rußer der Reserve-Mord­kommission sind unter Leitung des Kriminalrats, Galzow fast sämtliche Kriminalstreifen des Berliner Polizeipräsi­diums beauftragt, dem Banditentum im Berliner Norden und Osten endlich ein Ende zu bereiten.

Ein mit einer 7köpfigen Familie besetztes Auto wurde von dem Expreßzug St. Louis-San Zranzisko an ei­nem Bahnübergang in der Nähe von Dkmuges (Oklahoma) überfahren. Sechs Insassen wurden getötet, einer schwer verletzt.

Auf dem Bahnhof Apolba fuhr am Samstag eine Rangierabteilung auf einen Urbeiterzug auf. Etwa 12 Passagiere wurden durch den Anprall des Zuges leicht ver- letzt.

Die rumänische Kammer hat das deutsch-rumänische Abkommen vom 10. November ratifiziert.

Der König von Bulgarien hat aus Nnlaß des Weih- nachtsfestes ungefähr 200 Gefangene begnadigt.

Der jugoslawische Ministerpräsident hat Sonntag mittag dem König die Gesamtdemission des Kabinetts über­reicht. Man glaubt, daß der König bis Demission annehmen werde.

3m südlichen Schwarzwald ist nach dem Tauwetter der letzten Gage' erneut Sdjneefall eingetreten, während es im Tal ziemlich heftig geregnet hat. Durch die großen Niederschlagsmengen ist mit einem weiteren Ansteigen der Wasserläufe zu rechnen.

3m Hafen von Marseille ist auf dem Gstasien-Passa- qierdampferPaul Lecat" Zeuer ausgebrochen, das sich schnell über das ganze Schiff ausbreitete. Der Dampfer gilt als verloren.

Bei der Prüfung der Kasse und Belege in einer chemischen Zabrik in Mainz-Rmöneburg wurde ein Fehl­betrag von etwa 145 000 Mark festgestellt. Die Staats­anwaltschaft ist mit der Aufklärung des Falles beschäftigt. In die Angelegenheit sind zwei frühere Angestellte ver­wickelt.

Das französische Budget ist nunmehr von beiden Häusern, Kammer und Senat, endgültig angenommen wor­den. Das Budget für 1929 stellt sich wie folgt: Einnahmen: 45 430 717 348 Zrancs, Ausgaben: 45 366130 503 $rancs, Ueberschuß der Einnahmen: 64 586 845 $rancs.