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Kreis-Amtsblatt * Allgemeiner amtlicher Anzeiger für 6en Kreis -Echtem Knukunb v«rlag:H.SteüMd SSHae* ^chLff-^'^ahnho^-S * fernsprrNr.x^y * postscheÄkrd»nksuLtLM.rr«o Wr 152 (1. Blatt) Donnerstag, den 20. Dezember 1928 80. Jahrg.

Amtliche Bekanntmachungen.

K r e i s a u s s ch u ß.

Wahl von Hebammen in die Kreishebammenstelle.

J.=Hr. 13211 $. Die Wahl der 2 Mitglieder und 2 Stellvertreterinnen für die Kreishebammenstelle findet am 28. Februar 1929 von 1012 Uhr vormittags im Sitzungs- saale des Kreishauses statt. Wahlberechtigt sind sämtliche im Kreise wohnenden Hebammen, welche in der Zeit vom 21. Dezember 1928 bis 3. Januar 1929 auf dem Bürgermeister­amt jeder Gemeinde, in der eine Hebamme wohnt, öffentlich ausliegenden Wählerinnenliste eingetragen sind. Einsprüche gegen die Wählerinnenliste sind unter Beifügung der erfor­derlichen Unterlagen spätestens binnen 3 Tagen nach Bb­laus der Auslegungsfrist bei mir anzubringen und zu begründen.

Als Wahlleiter ist bestimmt:

Landrat Dr. Müller, als dessen Stellvertreter:

Kreisausschußobersekretär Hillmer: als Beisitzerinnen:

Hebamme, Frl. Bernstein, Schlächtern,

Hebamme, Frau Anna Wolf, Bad Soden, als deren Stellvertreterinnen:

Hebamme, Frau Rudolph, Steinau,

Hebamme, Frau Müller, Herolz.

Die wahlberechtigten werden hiermit aufgefordert, wahl- vorschläge bis zum 28. Januar 1929 hierher einzureichen. Jeder Wahlvorschlag muß von mindestens 5 wahlberechtig­ten Hebammen unter Angabe des Wohnorts und der Woh­nung unterschrieben sein. Jn dem Wahlvorschlag muß eine der Unterzeichnerinnen als bevollmächtigte Vertreterin, wel­che zu Verhandlungen mit dem Wahlleiter ermächtigt ist, be­zeichnet werden. Jn dem Wahlvorschlag sind die Vorzuschla- genden nach vor- und Zunamen, Wohnung und Wohnort in erkennbarer, Reihenfolge aufzuführen. Jeder Wahloor- schlag muß mindestens 4 Hamen enthalten. Mit dem Wahl­vorschlag ist zugleich eine Erklärung der vorgeschlagenen einzureichen, daß sie zur Annahme einer Wahl bereit sind.

Ich mache noch daraus aufmerksam, daß, falls nur ein Dahlvorschlag eingeht, eine Wahlhandlung nicht erforderlich ist, sondern die in diesem Wahlvorschlag enthaltenen Heb­ammen als gewählt gelten.

8chlüchtern, den 17. Dezember 1928.

Der Vorsitzende des Kreisausschusses: Dr. Müller.

Stimmungsbild aus dem Preußischen Landtag.

Der preußische Landtag verabschiedete am Dienstag de- battelos endgültig die Novelle zum preußischen Wohnungs- Sesetz, die die Möglichkeit der Enteignung von Grund und Loden aus volksgesundheitlichen Gründen bis Ende 1930 verlängert. Eine mehrstündige Debatte ergab, sich über Hauptausschußanträge, die sich mit der schwierigen Wirt­schaftslage Dberschlesiens beschäftigen und unter Hinweis die Stillegungspläne der Donnersmarck,-Hütte dem Wunsche Ausdruck geben, daß durch geeignete Hilfsmaßnah­men und Einwirkungen nicht nur solche Stillegungen ver- Wdert, sondern überhaupt die oberschlesische und die schle­iche Wirtschaft schlechthin vor dem Erliegen bewahrt wür­den. (Es würde erwünscht, daß wenigstens durch die Erstre- °ung des Handelsfriedens mit Polen einigermaßen wieder g alten Absatzgebiete geöffnet würden. Mit großer Mehr­est stimmte das Haus freut Ausschußprogramm zu. Die der Beratung verbunden gewesenen Anträge zugunsten gewerblichen Mittelstandes im westlichen Aussperrungs- ^met gingen in die Ausschußberatung. Ohne wesentliche uebatte verabschiedete das Haus noch die Anträge der Hauptausschüsse, die aus den zahllosen Einzelanträgen über ?, gewaltigen Sturmschäden an der Nordseeküste und auf ewigen Nordseeinseln entstanden waren. Jn den Anträgen gerben Steuererleichterungen für die Betroffenen sowie wirk-

Schutzmaßnahmen für die Küsten- und Inselgebiete verlangt. Bis in die späten Abendstunden zog sich schbeß- : noch die Debatte über die aus dem Ausschuß zurückge- anrmenen Anträge zum Thema Scheuer-Konzern hin. Als f? 3Ut Abstimmung über die Ausschußanträge kommen sollte, die ganze Angelegenheit aufgrund der Erklärung der i Legierung, daß sie in Zukunft bei solchen Transaktionen Atzeitig den Landtag unterrickten wolle, für eledigt er- aren, beteiligen sich im Hammelsprung die Regierunqspar- nicht an der Abstimmung, so daß der Landtag beschluß- Mohig wurde. Jn der morgigen letzten Sitzung vor den i^chnachtsferien wird die Abstimmung nachgeholt und eine [ kleiner Vorlagen erledigt.

L 3n Lyon ist Dienstag vormittag das Gerüst eines fpiuvaues eingestürzt. Dabei fanden zwei Arbeiter den Tod, i Unf wurden schwer verletzt.

Die Derhandlunqen über die Sachverstandigen- Kommission vor dem Abschlnh.

Jm Ministerrat berichtete Poincare am Dienstag über den Stand der Verhandlungen für die Bildung der Sachver- ständigen-Kommission. Er gab zum erstenmale bekannt, daß diese Verhandlungen unmittelbar vor dem Abschluß ständen.

Briand berichtete darauf über die letzte Völkerbundsta- gung in Lugano.

Annahme des Kellogg-Paktes im amerikanischen Senat.

Die außenpolitische Senatskommission nahm mit 15 gegen 1 Stimme, nämlich die des Senators Reed, eine Entschlie­ßung an, durch die der Kommissionspräsident Borah ermäch­tigt wird, dem Senat die Annahme des Kellogg-Paktes zu empfehlen. Jn der Umgebung des Weißen Hauses rechnet man damit, daß im Verlauf der Senatsdiskussion Anträge auf Abänderung des Wortlautes im Sinne einer Wahrung der Monroedoktrin eingebracht werden dürften, daß der Pakt aber schließlich unverändert angenommen werden wird. Ein französischer Grotzindustrieller über dentsch-

französische WirtschaftsannSherung.

Montag Abend sprach im Reichstag aus Einladung des Komitees für Internationale Aussprache der französische Großindustrielle und Wirtschaftspolitiker Henri de peqerim- Hoff de Fontenelle überDie modernen formen der Wirt­schaftsorganisation und ihre politischen und sozialen Zu­sammenhänge". Peperimhoff ist als Organisator und, Präsi­dent des französischen Kohlenkomitees und als Mitglied des beratenden Wirtschaftskomitees des Völkerbundes einw der Führer der französischen Wirtschaft und hat als Vizevräsident des deutsch-französischen Studienkomitees große Verdienste um den Ausbau der deutsch-französischen Wirtschaftsannähe- rung. Der Vortragende wandte sich gegen die obligatorische Schiedsgerichtsbarkeit, welche die Beteiligten verhindere, bei ihren Forderungen in den Grenzen des vernünftigen zu blei­ben. Die Erkemrtnis der 'TOini^ftltdjert-ttvuDer^^ würden die bedrohlichen Wahlgesten zähmen. Innerhalb einer gewissen Frist wird das moderne Leben den Völkern des verarmten, übermäßig zerstückelten Europas, das von nationalen, Sprach- und Zollschranken bespikt ist, die Not­wendigkeit der Umgruppierung oder mindestens der prakti­schen Annäherung aufzwingen.

Zu den Unruhen in Afghanistan.

DemB. T." zufolge bringen die Moskauer Blätter heute direkte Nachrichten aus Kabul, daß der Aufstand in der Provinz Dube Malabad lokalisiert und die Aufständischen mit Amanullah in Verhandlungen eingetreten seien, um sich zu unterwerfen. Gleichzeitig wird gemeldet, daß ein un­unterbrochener Zustrom bewaffneter lonaler Elemente aus den inneren Provinzen nach Kabul stattfinde. Es wäre denkbar, daß Amanullab eben durch dieseHilfe" in die schwierige Lage geraten ist, von der die Londoner Meldungen berichten.

Die afghanische Gesandtschaft in London veröffentlichte am Dienstag nachmittag eine Erklärung, die besagt, daß die 'Pressemeldungen, wonach das Königspaar in ein Fort in Kabul geflüchtet sei, unzutreffend seien. Das Königspaar befinde sich im Palast in Kabul. Alle ausländischen diplo­matischen Vertretungen. und ausländischen Staatsangehöri­gen seien in Kabul in voller Sicherheit. Ebenso bestreitet die Gesandtschaft, daß die Armee oder Teile davon gegen König Amau Ullah gemeutert hätten.

Die am Dienstag vorliegenden Meldungen lauten wider­sprechend, streiten aber die Berichte über die erste Wendung der Dinge nicht ab..

Schwere Brandkatastrophe in Berlin.

Berlin, 18. Dezember. Gegen n Uhr morgens er­eignete sich in einer Zelluloidfabrik in der Schönleinstraße 5 im Osten Berlins eine schwere Explosion, deren Ursachen zur Zeit noch nicht festgestellt sind. Bevor die Feuerwehr anrückte, versuchten die in den dortigen Räumen beschäftigten Arbeiter und Arbeiterinnen, da immer wieder kleinere Explo­sionen eintraten und ihnen den Weg ins Freie durch die verqualmten Treppen abgeschnitten war, durch die Fenster auf den Hof zu gelangen. Als die Feuerwehr eintraf, bot sich ihr ein erschütterndes Bild; denn die meisten Betroffenen waren am Ende ihrer Kräfte. Sie hingen verzweifelt an den Fenstern. Die Feuerwehr breitete sofort Sprungtücher aus. Jedoch waren schon vorzeitig verschiedene Personen, deren Kleider Feuer gefangen hatten, abgesprungen. Die meisten wurden zwar gerettet, doch haben 28 Personen schwere oder leichtere Verletzungen erlitten. Das Feuer, das im ersten Stock begann, hat sich auf die drei darüber- liegenden Stockwerke ausgedehnt. Die Feuerwehr ist mit acht Zügen tätig.

Marfchall Cadorna gestorben.

Der italienische Marsch all Tadorna, der aus dem Welt­kriege her bekannt ist, ist, wie mehrere Blätter melden, in Bordighera plötzlich an einem Gehirnschlag gestorben.

Dawes-Revision.

Von Dr. Spieß- Berlin.

Die deutsche Außenpolitik hat in der nächsten Zeit de- sonders schwierige Aufgaben zu lösen. Im An- schluß an die Genfer Völkerbundsverhandlungen erscheint nach langwierigem diplomatischen Ringen der Zusammen- tritt der internationalen Sachverständigenkonferenz gesicherx. Nach der Initiative Parker G i l b er t s, der offenbar den Ehrgeiz hat, vor der Geschichte als erster und letzter Re- paratio-nsagent zu gelten, hat auch Frankreich als Deutsch­lands Hauptgläubiger und zähester Gegenspieler den Re- Parationsverhandlungen zugestimmt, veranlaßt nicht etwa durch besondere Rücksichtsnahme uns gegenüber, sondern weil es genötigt ist, im Jahre 1929 größere Barzahlungen an das in der Kriegsschuldfrage unnachgiebige Amerika zu leisten. Frankreich erhofft offenbar als Folge des kommen­den Sachverständigengutachtens die Begebung einer großen deutschen Reparationsanleihe auf dem inter­nationalen Mark und glaubt, auf diesem Wege Bargeld zur Befriedigung amerikanischer Forderungen zu erhalten. Der französischen Diplomatie ist es gelungen, die Rhein- landfrage mit einer schnelleren Tilgung der Dawesver- Pflichtungen zu verkoppeln, obwohl die Reichsregierung diese Verquickung als juristisch nicht gerechtfertigt stets ao- gelehnt hat. Die Notwendigkeit von Reparationsverhano- lungen ist aber nicht zuletzt durch die Folgen des Dawes- systems selbst bedingt. Der alte Interessengegensatz zwischen Schuldner und Gläubiger bewert jd)t nach wie vor die Lage, auch der Dawesplan hat diese schwerwiegenden Gegen­sätze nicht etwa beseitigt, sondern günstigenfalls für eine gewisse Zeit überbrückt, ein Umstand, mit dem gegenüber der Lage von 1924 etwas gewonnen war. Der Währungs­schutz der Transferklausel gab den privaten Auslandsaniet- Hen die Priorität, das praktische Vorrecht mit der Wirkung, daß seit 1924 für 1012 Milliarden Reichsmark Auslands- kredite nach Deutschland flohen, deren Zinsendienst augen- blicklich neben der Dawesrare hie " mff.^. Z^uuAsvUz,«z

Die Ausländsanleihen lieferten bekanntlich das Kapital für den Wiederaufbau der deutschen Wirtschaft und die Zahlungsmittel für die Leistungen an die Entente. Nur mit den Auslandskrediten, von denen 70 Prozent auf das Konro Amerikas kommen, konnte der Dawesplan formal erfüllt werden, obgleich er die Zahlungen der Reparationen aus der eigenen Leistungsfähigkeit Deutschlands vor sah und of­fenbar nicht mit dem großen Kreditbedarf Deutschlands ge­rechnet hat. Es ist klar, daß die Privatverschuldung Deutschlands an das Ausland nicht beliebig fortgesetzt wer­den kann und logischer Weise eine Ueberschutdungskrpe droht, wenn die Zahlungsbilanz Deutschlands nicht ent­lastet wird. Die internationale Bankwelt, die die Gefahren des gegenwärtigen Zustandes klar erkannt hat, und an­dererseits in der Kommerzialisierung und Privatisierung der deutschen Kriegsschuld mit Recht große Geschäftsmög- lichkeiten wittert, drängt ihrerseits auf eine N e u 0 r 0 - nung der Verhältnisse.

Leider ist *rotz der Tragweite der kommenden Verhano- lungen für den Lebensstandard des deutschen Volkes von einer aktiven deutschen Reparationspolitik nach Außen pm nicht allzuviel zu spüren, womit nicht gesagt sein soll, daß Deutschland an einer Aufhebung des gegenwärtigen Vc». Hältnisses um jeden Preis interessiert ist. Die Sachver- ständigenausschühe werden wahrscheinlich sehr langwierige Arbeit vor sich haben. Wir glauben vorerst noch nicht an eine Endregelung und könnten diese auch nur dann begrüßen, wenn sie die deutsche Last ganz beträchtlich senken würde.

Weiterhin hat das französische Ziel auf Durchführung «iner Teilkommerzialisierung der deutschen Reparations­schuld gewisse Aussichten, und es ist erstaunlich zu beobach­ten, mit welchem Geschick und mit welcher Energie gerade Frankreich das Vorfeld für die internationalen Verhand­lungen bereitet hat. Die Franzosen haben es immer ver­standen,Atmosphären" zu schaffen. Die Einheitlichkeit ihrer politischen Aktivität erscheint durch die persönliche En- ergie einesPoincare in glücklicherWeise gewährleistet. Poin­care vereinigt in seiner Person die absolute Führung der französischen Reparationspolitik; ihm habcu sich alle In­stanzen unterzuordnen.

And bei uns? Organisatorisch gibt es sicher nicht viel zu verbessern. Wir leiden an einer Zersplitterung der Kompetenzen in der Reparationspolitik, die Sorgen aus- löst. Zuständig ist das Reichsfinanzministerium, das du- Reparationsfrage durch einige Beamten bearbeiten lätzr. Mitzureden haben neben dem Finanzministerium dasReichs- wirtschaftsministerium u. das Auswärtige Amt. DieseUnein- Heitlichkeit in den Kompetenzen muß bedenklich stimmen, wenn man sich die Hemmungen der Bürokratie vergegenwär­tigt. Einemon dit" zufolge rühmt man dem Präsiden­ten Dr. Schacht in jüngster Zeit eine erfreuliche Initia- tive in der organisatorischen Vorbereitung der Repura- tionsfrage nach, die auch auf eine Besserung der büro- kratischen Hemmungen und auf eine klare Kompetenz ut der Vorbereitung der kommenden Verhandlungen abzielt. Obwohl die Benennung des Staatssekretärs Bergmann als Sachverständigen für die kommenden Reparationsver-