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Unterhaltung - Wissen - Kunst

Mit Wer aus der o* Weü.

Don

Wer Prior.

(Nachdruck verboten.)

Bitte zu klingeln!

In einem der elegantesten Hotels zu Amsterdam hängt in jedem Zimmer neben dem Klingelknopf ein Schild mit ver­schiedenen Aufschriften in verschiedenen Sprachen. Obenan steht in der Weltsprache Französisch:Sonnez ici", also:Bitte hier klingeln!" Dann folgt dasselbe auf Englisch:Ring the bell heve", also:Drücken Sie auf diesen Knopf"; dann vlä- misch:Belt hier", und endlich auch deutsch:Gefälligst bellen Sie h i e r." Was würde Mschehen, wenn man es täte?

*

Seltsam.

Das HotelPreußischer Hof" in Sellin auf Rügen sucht laut Inserat einen

Klavierspieler, der Konditor ist und E i s bereiten kann.

Ob sich darauf jemand gemeldet hat? Es dürfte erheblich mehr Konditoren geben, die auch Klavier spielen können, als Pianisten, die mit der Kunst der Kuchenbäckerei vertraut sind.

*

Die eiligen Toten.

In Chicago haben sich die Beerdigungsinstitute zusammen­getan und beim Magistrat den Antrag gestellt, die Leichenwagen mit Signalhupen wie die Feuerwehrwagen aus z u- statten, damit man rascher nach dem Friedhof gelange. Der Magistrat aber konnte sich hierzu nicht verstehen und erwiderte in dem Antwortschreiben:

Es ist kein Grund, einzusehen, warum die Toten irgend­welche Eile haben könnten, einen Ort schneller als die Lebenden zu erreichen."

*

Variete der Damen.

Der Viktoria-Palace in London brächte kürzlich ein Pro­gramm, in dem nicht ein einziger Mann mitwirkt. Alle Num­mern werden von den Damen dargestellt, selbst das Orchester besteht nur aus weiblichen Mitgliedern. Mit einer Ausnahme: die Pauke schlägt ein Mann. Und ganz London fragt sich jetzt: Warum gerade die Pauke? Und wir fragen: Warum überhaupt ein Mann an der Pauke? Wenn schon Damen- Varietö, dann auch ganz!

Die Schaustellung.

Ueber den Wert und Unwert der Ballettvorführungen denkt man verschieden. Heftige Angriffe gegen diese Art von Schau­stellungen ist man gewohnt. Anscheinend wollte derAll­gemeine Wegweiser" eine Theatervorstellung in Schutz nehmen, als er schrieb:

Damit soll nicht gesagt sein, daß das Ballett lediglich als S a u st e l l u n g zu werten sei."

Rein, das sollte man wirklich nicht sagen. ----- r

Sie kleinste« Stute« der Erde.

Schattenrepubliken, Zwergfreistaaten, Miniaturkönigreiche.

(Nachdruck »erboten.)

Außer den allgemein bekannten Kleinstaaten, wie L u x e m - burg, Lichten st ein, Monaco und andere, gibt es noch eine ganze Reihe von Republiken, Freistaaten und Komg- reichen, die so unbedeutend sind, daß sie nicht einmal auf der Landkarte als selbständigeReiche" gekennzeichnet sind. Mit den anderen Kleinstaaten sind es zusammen vierzehn, und zwar vier Monarchien und zehn Republiken. Der kleinste selbständige Staat der Erde dürfte wohl Tavotara sein, jene nur wer Quadratkilometer große Insel an der Nordostküste von Sar- dmien im Mittelmeer. Auf ihr leben keine fünfzig Menphen, lauter arme Fischer, denen aber nach dem Tode ihres Kaisers Peter I Ende vorigen Jahrhunderts von Italien die Selbstän­digkeit garantiert wurde. Dieser Peter I. war Kaiser von eige­nen Gnaden, ein um Italiens Wohl verdienter Rechtsanwalt namens Bartoloni, dem Victor Emanuel diese Insel zum Ge­schenk machte.

_ Auf nicht alltägliche Weise ist der Freistaat P i t c a i r n ent­standen, eine fünf Quadratkilometer große Insel im Stillen Ozean, wo er am stillsten ist. Vor ungefähr 120 Jahren stran­deten dort einige schiffbrüchige englische Matrosen, die aus dem Eiland nur wenige Polynesier vorfanden. Sie töteten sie, be-

bielten der«« Frauen, und gründeten ein kleines Reich, das sich an ständiger Inzucht bis auf heute erhielt und vermehrte. Zur- zett leben dort wohl 150 Menschen, die sich vom Fischfang er­nähren. An dritter Stelle von unten folgt die Schmuggler- republik G a u st in den Pyrenäen. Sie ist unbegrenzt im wahr­sten Sinne des Wortes, denn sie hat keine Grenze; die 200 Schmuggler leben aus einem ungefähr sechs Quadratkilometer großen FlUken in mehreren Dörfern, verdienen ahren Unterhalt durch Schmuggel, und weder Frankreich noch Spanien ist es bisher gelungen, das Nest auszuheben.

Recht seltsam ist es auch um dasKönigreich" B a r d s e y bestellt, eine Insel an der Küste von Wales. England leistet sich den Spaß, die 100 Einwohner auf dem sieben Quadratkilo­meter großen Flecken nicht zu stören, und so haben diese denn ihren König, der jeweils auf Lebenszeit gewählt wird. Ein vollkommen kommunistisches Land ist dagegen der Freistaat R u h n o Saar auf der Insel Runö im Rigaischen Meer­busen. Auf diesem 19 Quadratkilometer großen Stück Erde leben die 400 Einwohner in völliger Gütergemeinschaft, fischen, handeln ein wenig und werden von keinem Staate weiter be­helligt, zahlen alle gleiche Angaben an den Oberen Rat. Ein idyllisches Nestchen, wenn es wahr ist.

Damit wären die Kleinsten der Kleinen erledigt; wir kom­men nun zu den etwas größeren Staaten, die im Gegensatz zu den bisher aufgeführten eine geregelte Verwaltung besitzen. Da ist zuerst Monaco zu nennen, das reichste Fürstentum und gleichzeitig mit seinen 1,5 Quadratkilometer überhaupt kleinste Land der Welt. Besitzt aber 25 000 Einwohner, von denen 11000 in Monte Carlo und nur 2000 in der Haupt­stadt Monaco wohnen. Die Fürsten Grimaldi herrschen dort schon seit 1641; die berühmte Spielbank deckt die ganzen Aus­gaben des Ländleins, so daß die Bürger keine Steuern zu zah­len brauchen. Schon etwas größer ist der Freistaat F i u m e, den d'Annuncio wieder unter italienische Oberhoheit brächte, nachdem man Stadt und Hafen bereits Jugoslawien zu­gesprochen hatte. Fiume besitzt auf einer Fläche von 28 Qua­dratkilometer eine Bewohnerzahl von 53 000, die alle in der Stadt oder in den feret Häfen wohnen.

In ewigen GeDnöten schwimmt die Apenninenrepublik S a n M a r i n o, die im Jahre 304 vom heiligen Marinus gegründet worden sein soll, nach anderer Lesart ist sie auf die im Jahre 885 erfolgte Gründung des Klosters St. Marinus zu- rückzuführen. Vor dem Kriege hatte sie 61, heute 89 Quadrat­kilometer Flächeninhalt; man weiß aber nicht recht, wodurch sie ihr Gebiet derart vergrößert hat. Die 12 000 Einwohner werden regiert von einem aus 60 Abgeordneten bestehenden Großen Rat; sie leben im übrigen von Weinbau, Viehzucht und Briesmarkenherausgabe, und halten sich ein Heer von ganzen tausend Mann. (Jeder zwölfte Einwohner ist Miliz!!) Nicht stärker bewohnt ist das Fürstentum Liechtenstein, dessen regierender, 86 Jahre alter Fürst Johann II. niemals in seiner Hauptstadt Vaduz, fonbern stets in Oesterreich lebt. Aber man ist ihm nicht gram barum, denn er ist ungeheuer reich und be­zahlt alle Ausgaben des 159 Quadratkilometer großen Länd- chens, so daß auch hier die Einwohner keine Steuern zu zahlen haben.

Die seltsamste aller Republiken ist wohl A t h o s, auch Hagion Oros (Heiliger Berg) genannt, auf der Halbinsel Athos im Aegäischen Meer, die 200 Quadratkilometer groß ist und nur von 6000 Mönchen bewohnt wird. Sie leben alle auf dem Hei­ligen Berge oder in den Seitentälern ringsum in zwanzig, Klöstern und werden von einem auf Lebenszeit zu wählenden Erzabt regiert. Die Mönche bebauen ihre Aecker selbst und leben völlig abgeschlossen für sich selbst als eine heilige Re­publik. Ebenfalls 6000 Einwohner zählt Andorra, die Pyrenäenrepublik, die immerhin schon 452 Quadratkilometer umfaßt, aber sonst keine Bedeutung hat. Die Leute sprechen dort katalanisch, gehören jedoch politisch zu Frankreich, dem sie alljährlich eine geringe Summe zahlen (ungefähr 400 Frank) für militärischen Schutz. Ein Rat von 24 Abgeordneten besorgt die Regierungsgeschäfte.

Nun folgen noch die Großmächte unter den Kleinstaaten. Es sind deren drei. Der Fr eistaat D a n z i g, den man von Deutsch­land abtrennte, besteht seit 1920 lind umfaßt 1849 Quadrat­kilometer mit 364 000 Einwohnern. Als oberste Behörde fun­giert ein Senat, bestehend aus zwei Präsidenten und zwanzig Senatoren. Der zweitgrößte Kleinstaat ist das Grotzherzog- tum Luxemburg mit 2586 Quadratkilometer und 261 000 Einwohnern, von denen 46 000 in der Hauptstadt gleichen Na­mens wohnen. Luxemburg ist erst seit 1919 konstitutionelle Monarchie, besteht seit 1354 und wurde im Jahre 1867 für neu­tral erklärt. Der größte Kleinstaat ist das seit 1923 bestehende Memelland, das zwar Litauen zugesprochen wurde, aber eigene Selbstverwaltung besitzt. Es ist 2657 Quadratkilometer groß mit 142 000 Einwohnern und wird von einem Landes­direktorium verwaltet. Von diesen 14 Kleinstaaten liegt nur einer (Pitcairn) außerhalb Europas. Zum Vergleich sei noch angeführt, daß die beiden kleinsten Staatengebilde außerhalb Europas, die Negerrepublik Haiti und El Salvador, 28 000 und 20 000 Quadratkilometer groß sind und 1,6 bzw. 1,5 Millionen Einwohner aufzuweisen haben. R. J.

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Wie «Wett sich der Mensch?

(Nachdruck verboten.)

Der eine amüsiert sich allein.

Ein anderer besser zu zwei'«. Ein Dritter braucht Kumpanei, Damit er glücklich sei.

Einer amüsiert sich bei Eis und Jazz, Ein anderer mit eines anderen Schatz. Einer erholt sich im Waldesdunkel, Einer bei leuchtendem Sonnenschein; Der liebt der Sterne ewiges Gefunkel, Ein anderer lagert sich gern am Rhein; Für den müssen's mindestens Alpen sein!

Einer braucht Meeresrauschen, Ein anderer will Kußmusik lauschen; Einen berauscht Toilettenparade, Der liebt Bier, der Limonade, Der jodelt fröhlich auf Beraeshöh', Ein anderer liegt still verträumt am See. Der eine vergnügt sich bescheiden zu Haus, " Ein anderer geht extra dafür aus;

Der eine schlägt einfach tot die Zeit, Dem anderen bedeutet sie Seligkeit.

*

Der eine angelt, trotzdem er nichts fängt, Dem anderen der Himmel voll Geigen hängt. Der amüsiert sich als Junggesell', Ein anderer möcht' heiraten auf der Stell'. Der eine langweilt sich samt seinem Geld, Der andere jauchzt: Was kostet die Welt? Der eine ergötzt sich an Tanz und Spiel, Dem anderen ist schon der Anblick zuviel, Der glaubt, ein Auto gehöre dazu, Ein anderer erklärt: Laßt mir mei Ruh'!

Man sieht, ein jedes sich amüsiert Just so, wie der Schöpfer ihn kreiert. Und wer das tut, was ihm just gefällt, Der dünkt sich am glücklichsten auf der Welt!

J. Adams.

Die tragische Laasbah« der Eier.

(Nachdruck verboten.)

Vor dem Untersuchungsausschuß des englischen Landwirt­schaftsministeriums, der sich gemäß dem Gesetz für Waren- schutzmarken damit beschäftigt, wie sich der Verkauf Der ein­zelnen fremden und heimischen Lebensmittel vollzieht, erschien als Vertreter der Nationalen Farmer-Vereinigung und der Nationalen Beratungsstelle für Geflügelzucht Mr. Sandlands und erwiderte aus die schwierige Frage, was aus den auf den Markt gebrachten Eiern wird:Die Sache ist ein er­schütterndes Trauerspiel. Wenn etn Ei aufhörl, eßbar zu sein, kommt ein Konditor und kauft es weit unter Preis. Wenn es selbst einen Konditor nicht mehr anlocken kann, kauft es ein Mann, der sich Damit abgibt, Fasanen zu füttern. Wenn selbst ein Fasan entrüstet seinen Schnabel von Dem heruntergekom­menen Ei in die Höhe hebt, Dann kauft es ein Lederfabrikant für seine Gerberei. Eigentlich sollte das den Bestimmungen des Arbeiter-Schutz-Gesetzes unterliegen." Gh. P.

Ma. Auch die Ameisen haben ihren Friedhof. In den Schweizer Alpen, etwa in 2300 Meter Höhe, fand Dr. Stöger unterhalb der untersten Brutkammer eines Nestes Der Formica pratensis eine übereinander gelegte Anhäufung von Ameisen- leichen. Zwar keine unterirdische Begräbnisstätte, sondern ein offen daliegendes Massenleichenfeld wurde auch schon früher, gleichfalls in der Schweiz (zu Glaitfelden im Kanton Zürich), durch Heinrich Kutter entdeckt. Viele Tausende von toten Ameisen bedeckten an einem Waldrande Der Straße zum Dorfe in einer Länge von 25 Meter und einer Breite von 1% Meter den Boden. Merkwürdig war dort, daß sich unter den toten Ameisen-Arbeitern eine ganz unverhältnismäßig große Anzahl (der dritte Teil!) von völlig entflügelten Königinnen vorfand, wofür die Forschung noch keine Erklärung weiß.

Ma. Eine kinderreiche Familie im Flugzeug. In der Neu- yorkerTimes" lesen wir: Herr und Frau Hicks nebst ihren neun Kindern (!) machten in einem Ford-Eindecker einen Ausflug. Das älteste der Kind war 17, das jüngste nur ein Jahr alt. Da Die Mutter letzteres auf den Schoß nahm, hatte die Familie im Flugzeug gerade Platz. Der Ausflug wird Herrn Hicks teuer zu stehen kommen; denn beim Aussteigen erklärte Frau Hicks:Diese Art zu reisen ist die reizvollste und sicherste; mein Mann wirdin Bälde ein eigenes Flugzeug kaufen!"

Ich lege eine Wem.

Von

$on8 Bauer. Nachdruck verboten.)

Manchmal, in den Pausen geistiger Erschöpfung, wenn mir schon gar nichts Besseres einfällt, da greife ich nach dem Spiel Karten in einer Ecke meines Schreibtisches und lege mir eine Patience. Es gibt einige Dutzend Variationen dieses geist­vollen Themas. Man kann unter Benutzung einer schlichten Skatkarte von 32 Blatt eine Patience legen, und man kann eine doppelte Pokerkarte von 104 Blatt dazu verwenden. Diese Pa- nence ist schon so etwas wie eine Meisterprobe der Geduld, während jene nur deren Lehrlingsaufgabe ist.

, Ich begnüge mich jedoch durchaus mit der humaneren Faß sung des Spieles und beschränke mich auf eine bestimmte, leichte Abart, die meistens aufgeht. Dieses Ausgehen besteht darin da« das Spiel Karten sich in vier verschiedenfarbige Häuflein verwandelt, in denen die einzelnen Karten in der Reihenfolge Wertigkeit schlummern. Man könnte diesen schönen An­blick auch auf einfachere Weise herbeiführen als dadurch, daß von bem verdeckt liegenden Stoß immer drei Karten gleich- äortig umlegt, deren obere, beginnend mit den Affen und endö Send mit den Siebenen jeweils dann aus dem Spiel entfernt und beiseite gelegt werden'»«rl, wenn gewisse Bedingungen er­füllt sind. Dadurch zum Beispiel, daß man aus bem unsortter- len Kartenstoß sich die Sannt willkürlich Heraussucht und sie v^ch Belieben legt. Niemand verböte das. Nirgendwo besteht £ Gesetz, das das untersagt. Nirgendwo, außer im eigenen mW^n, das die ©ottcSgabe einer wohlgeordneten Kartenfolge M geschenkt haben, sondern sie sich redlich erwerben will, das

Sieg über die Formlosigkeit nicht mühelos in den Schoß 2^egt haben, sondern ihn erkämpfen will. DaS heißt, von.einem ^-ds kann ja eigentlich keine Rede sein. Die eigeue JnittaliVe 1 "Geschaltet. Für die Anwendung von Geisteskräften ist Ä^""' Man ist das ausführende Organeines ehernen weft^M, baS Myt Modifikation seiner Vorschrift*« zuläßr.

Entweder geht die Patience auf oder sie geht nicht auf. Aber es ist doch so etwas wie ein passiver Kampf gegen das Schicksal, den man führt.

Immerhin ist man doch nicht ganz waffenlos in diesem Kampfe. Wenn man da so mit Herrn Lehmann und Herrn Schulze eine Partie Skat spielt, so hat man Gegner, die ihre Interessen wahrnehmen und keine Korrektur des Gliicks dulden. Das Schicksal wiederum hat andere Sorgen, als daß es bei einer Patience seine Belange persönlich wahren könnte. Es erhebt keinen Einspruch, wenn man es nun, nicht gleich be­trügt, wer wird das machen!, aber wenn man doch eine ge­wisse Liberalität in der Auslegung der Regeln walten läßt. Ich neige dazu, diese Liberalität der Auslegung ziemlich weit zu treiben. Die erfreuliche Folge davon ist, daß die Patience noch erfunden werden muß, die ich nicht zum Aufgehen brächte!

Manche andere sind sehr peinlich in der Befolgung der Re­geln. Ich halte das nicht für richtig. Wir sind es gewohnt, von der Gesellschaft ein Mindestmaß von Nachsicht bei der Be­folgung ihrer Spielregeln zu verlangen. Mit welchem Rechte können wir das, wenn wir nicht auch gegen uns selber einmal ein Auge zudrücken! Es ist wahr, daß eine Patience, die von allein aufgeht, mehr Freude bereitet als eine, der ich einen Zwang zufüge. Aber es ist ja schließlich immer nur ein milder Zwang, den ich übe, und noch dazu einer, den ich kaum selber bemerke: so behende geht das bei mir. Er kann nimmermehr mit einem Betrugsmanöver verglichen werden, das ich etwa an mir beginge. Ich habe die Entschuldigungen eingehend ge­prüft, die ich für meine Keinen Unregelmäßigkeiten bei mir vorbringe. Sie sind ich kann das ehrenwörtlich versichern! durchaus stichhaltig. Und übrigens, wären sie es nicht, wie sollte es mir nicht erlaubt sein, das, was andere als Regel­widrigkeit bezeichnen zu müssen glauben, in den Rang einer Spielvariante zu erheben, die ihre Legalität auS meiner An­erkennung ihrer als solcher Herlettell

Ich kann das Legen einer Patience dringend weiter empfeh­len. Entweder geht sie auf oder sie geht nicht auf. Im ersten Falle ist man völlig schuldlos, im zweiten Falle hat man sich das selber zuzuschreiben. Nachteilige Folge« treten in keinem

Falle ein.

Sie wichtige Mitteilung.

Von

Curt Seibert.

(Nachdruck verboten.)

Motzkuß hat einen Tuchladen auf der Bendlergasse. Eines Morgens muß er aus die Steuer und bleibt lange aus. Gegen elf Uhr betritt sein Freund Leisegang den Laden, sucht nach Motzkuß, kann ihn aber nicht finden. Leisegang ist ein Um­standskrämer, der sich immer etwas vornimmt, es aber nicht zu Ende bringt, wenn nicht alles so geht, wie er sich das vorher ausgedacht hat.

Zum Beispiel möchte er Motzkuß etwas sehr Wichtiges sagen, aber leider ist statt seiner ein neuer Verkäufe, im Laden, den er noch nicht kennt. Das wirst sein ganzes Programm über den Haufen.

Herr Motzkuß ist nicht arrwesend?"

Nein", sagt der Angestellte.

Wann kommt er wieder?"

Das ist schwer zu sagen, vielleicht in einer Stunde, viel­leicht später. Herr Motzkuß ist auf die Steuer gegangen, und das dauert immer etwas länger."

Ja, ich habe ihm etwas Wichtiges zu sagen, aber... ja...'

Vielleicht nehmen Sie hier Platz und warten, bis Herr Motzkuß zurückkehrt?" schlägt der Verkäufe vor.

Also setzt sich Leisegang nieder und »artet. Wartet eine Stunde, zwei Stunden, länger. Motzkuß kommt nicht. Endlich erhebt sich Leisegang, und sagt zu de« Verkäufer:

Die Sache dauert mir zu lange, und Dann ist das, was ich Herrn Motzkuß zu sagen habe, auch zu wichtig. Vielleicht richten Sie es rhm aus?"

Aber gern, worum handelt es sich?"

Ach", sagte Leisegang,in Ihren Lagerräumen in der Goethestraße b r e n n t es nämlich, ich sah sie Wammen «rS dem Dache schlagen, als ich vorhin vorüber ging." _______