Totensonntag. Ein grauer Himmel, aus dem sich un- .tfiörlicf) Regen über die sterbende Natur ergoß, umrahmte die M Stimmung des Totensonntags. Dies hinderte aber nicht die
Trauernden und Leidtragenden, in deren Familie der Tod d oder spät eine Lücke gerissen hatte, den Ruheplatz der lieben Mlasenen aufzusuchen und diesen in sinniger Weise mit grünem ^nnengeflecht und Blumen zu schmücken. Wer nicht schon am L16tag zum Friedhof gepilgert war, tat dies am Totensonntag, f eigentlichen Gedenktag der Toten, an dem auch in den Got- tfbäufern von dem ewigen Werdegang der Natur, von dem irdischen Alein der Menschen und deren Bergänglichkeit, aber auch von filtern ewigen Leben ernste Mahnworte an das Ohr einer andäch- ell Gemeinde klangen. An keinem Tage des Jahres werden so L Miize, Blumenkreuze und Sträuße auf die Gräber der Ab- »benen gelegt als am Totensonntage. Sie sind das Symbol I verlöschenden Andenkens, das man bewahrt dem Bater, der L „ach den Sorgen bitteren Erlebens in kühler Erde zur ewigen Mt gebettet liegt, der Mutter, die mit rührender Aufopferung ta Kinder gepflegt, den Geschwistern, die in der Blüte des Lebens
anken. Mögen die Entschlafenen auch schon seit vielen Jahren niden, so drängt sich gerade am Totensonntag bei den Lebenden in Gedanke auf, mit ihnen viele Wege der Freude aber auch des Gelbes gegangen zu sein. Was sind denn Jahre und Jahrzehnte, «essen an der Liebe eines starken, treuen Herzens, das die Seinen innigsten Gedenken dauernd lebendig erhält? Lassen wir den Achter sprechen:
Hoch der Glaube, der dem Staube Leben, Hoffnung gibt!
Nein, sie haben nicht begraben, Was das Herz geliebt!
Was mir bergen in den Särgen,
Ist der Erde Kleid;
Was wir lieben, ist geblieben, Bieibt in Ewigkeit I
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Hochwassergefahr. Durch die anhaltenden Regenfälle dn letzten Tage hat der Wasserstand der Kinzig und ihrer Neben- Wässer am Sonntag Abend eine solche Höhe erreicht, daß an verschiedenen Stellen die Ufer überschwemmt wurden. In Schlüchtern mufete das Kinzigwehr am Untertor gezogen werden, um die nähernden Gebäude vor Ueberschwemmung zu bewahren. Nach Mitteilung der Wetterdienststelle Frankfurt t|t noch mit weiteren erheblichen Niederschlägen zu rechnen. Die Anwohner von leicht über die Ufer tretenden Gewässern tun daher gut, die Kellerräume ent- sprechend zu sichern oder alles Eßbare rechtzeitig in geschützte Räume ju bringen, da erfahrungsgemäß durch überraschend eingedrungenes Wasser schon viele Lebensmittel, insbesondere Eingemachtes, der zerstörung anheim fielen.
5 ü d w e st d e u t s ch e Bühne. Die zweite Aufführung im jvinterspielplan der Südwestdeutschen Bühne, die am Samstag Abend in der Turnhalle mit dem Drama „Der Patriot" dargeboten wurde, brächte den Darstellern einen glänzenden Erfolg. Wie diesem Werk bei den unzähligen Aufführungen in anderen Städten die Sympathie sehr anspruchsvoller Theaterbesucher zuteil wurde, war dies auch ton seiten der Theatergemeinde Schlüchtern der Fall. 3u verdanken tat dies besonders dem hervorragenden Spiel der Darsteller, die die verschiedenen Tharaktere mit voller Hingebung meisterhaft verkörperten, ein Erfolg, der durch die sichere Hand des Spielleiters, Herrn Intendanten Dr. Karl Bauer vorbereitet wurde. Den stetig Mischen Vertrauen und Mißtrauen schwebenden und mit Verfolgungswahn behafteten Zaren Paul stellte sehr ergreifend August Mayer- Pabst dar. Den Staatsmann Graf pahlen (h. Fritsche) sahen wir mit kluger Berechnung sein Netz um den rücksichtslosen Herrscher ziehen. Selbst die Gestalt des herrschsüchtigen Kronprinzen (W. Raehler) wird umstrickt und gegen den Zaren ausgespielt, doch konnte sich ier Darsteller inmitten der ihn umgebenden vielseitigen Zwiespältig- ^iten mit der ihm anerzogenen Tradition die väterliche Respek
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ist das Geheimnis der einzigartigen,
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tierung auferlegen. Sofielott Hallender als Anna Ostermann fand sich mit Routine in der Rolle der Intrigantin, die sich willenlos von Graf Pahlen bestimmen ließ, nur hätte man ihr in den entscheidenden Höhepunkten mehr dramatische Wucht gewünscht. Den Stepan, den vertrauten Pahlens, gab Walter Laven überzeugend in der Darstellungsweise. Die übrigen Mitwirkenden seien mit einem Gesamtlob bedacht, sie waren voll und ganz an ihrem Platze. Die von Wilhelm Reinking geschaffenen Bühnenbilder paßten sich in ihrer Einfachheit durchaus dem Rahmen des Stückes an. Das sehr ant besetzte Haus dankte den Darstellern am Schlüsse durch lang- anhaltenden Beifall. - An die jüngeren Theaterbesucher sei die Mahnung gerichtet, das unpassende Lachen an ernsten Stellen zu unterlassen, da sich dieses bei der Aufführung sehr störend bemerkbar machte.
Von der Reichsbahn. Die Deutsche Reicksbahn- Verwaltung macht bekannt, daß die Bestände der bahn- eigenen Wagendecken wieder soweit ergänzt worden sind, daß allen Anforderungen der Verkehrötreibenden entsprochen werden kann. Auch für Auslandssendungen werden wieder Reichsbahndecken abgegeben. Die Deckenmieten sind bedeutend ermäßigt. Auskunft erteilen die Güterabfertigungen.
Taubstummengottesdienst. Am 2. Dezember findet in der Hospitalkirche zu Hanau ein Taubstummengottesdienst um 3 Uhr statt.
Frankfurter Schlachtvieh markt vom 26. November 1928. Der Auftrieb des heutigen Haupt- markteS bestand aus 2312 Rindern, darunter 390 Ochsen, 780 Bullen, 684 Kühen, 458 Färsen; ferner 584 Kälbern, 121 Schafen und 4842 Schweinen. Marktverkauf: Rinder ruhig, Ueberstand, Schweine lebhaft, mäßiger Ueberstand, Kälber und Schafe ruhig, auöverkauft. Es wurden bezahlt: Ochsen A 1 54—57, II 50—53, B 1 46—50; Bullen A 48—50, B 40 —46; Kühe A 43—46, B 36—42, C 30—35, D 25—29; Färsen A 54—58, B 49—53, C 42—48 ; Kälber A —, B 63—71, C, 56—63, D 48—55; Schafe A 41—57, B 35—40, C 25—34, Schweine A —, B 73—77, C 74—76, D 71—75.
Fast 7 54000 neue Woh nung en seit 1918. Rus einer vom preußischen Finanzministerium aufgestellten Wohnungsbau-Ltatistik ergibt sich, daß seit dem 1. 10. 1918 bis zum 31. 12. 1917 insgesamt mit und ohne Beihilfen aus öffentlichen Mitteln allein in Preußen 753 995 neue Wohnungen fertiggestellt sind. In das Baujahr 1928 wurden außerdem 91 422 unvollendete Wohnungen übernommen.
Elm. Rm Sonntag, den 2. Dezember abends 8 Uhr findet am Bahnhof in der Gastwirtschaft Mönch ein Konzert statt, das von der gesamten Kapelle des Musikvereins Zchlüchtern ausgeführt wird. Damit dürften der Einwohnerschaft Elms wieder einige genußreiche Stunben bevorstehen. Näheres wird in der Freitagnummer bekannt gemacht.
Kassel. Der ©berpräfibent der Provinz Hessen-Nassau, der frühere Statthalter von Elsaß-Lothringen, Staatssekretär Dr. Nudolf Zchwander vollendete am Freitag sein 60. Lebensjahr. Dr. Sefewanber hat sich durch seine hervorragenden beruflichen und menschlichen Eigenschaften ein so großes Maß allgemeinen Vertrauens bei allen Parteien
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in Hessen-Nassau erworben, wie dies selten einem Manne zuteil geworden ist. Nudolf Zchwander ist von einer bewun- dernsroerten geistigen Frische, und bei allen Fragen des Fortschritts und der Weiterentwicklung steht er mit fast jugendlichem Eifer noch in vorderster Stelle. Zchwander ist geborener Elsäßer. Er hat in Tolmar die Volksschule besucht und studierte in Strafeburg Nechts- und Ltaatswissen- schaften. Seit 1906 war er Bürgermeister in Strafeburg. 3m Jahre 1918 wurde er Statthalter von Elsaß-Lothringen, nachdem er 1917 als Staatssekretär in das Neichswirt- schaftsamt berufen worden war. Nach dem Umsturz stellte er sich der Republik zum Neuaufbau zur Verfügung und hat seitdem an der Festigung des republikanischen Staates erfolgreich mitgearbeitet.
hünseld. Dem Werkführer Friedrich Malkmus wurde beim Ueberschreiten der Gleise in der Nähe der Drehscheibe im Bahnhof Hünfeld durch eine Lokomotive der rechte Fuß abgefahren. Nach Rnlegen eines Notverbandes wurde der verletzte nach dem Landkrankenhaus in Fulda überführt.
Regen und Sturm verhinderten die Futzball- spiele am Totensonntag.
Die Fußballspiele, die an verschiedenen Plätzen des Kreises schlüchtern am Totensonntag zum Rustrag gebracht werden sollten, mußten teils schon begonnen wegen des herrschenden Regens und der Grundlosigkeit der Spielfelder ausgegeben werden.
Das gleiche Schicksal wurde den Spielen der Verbandsliga der Gruppe Main zuteil. Abgesagt oder abgebrochen wurden die Treffen Fußballsportverein Frankfurt — Kickers Dffenbach a. M., Union Niederrad — 1. L. T. 1893 Ijanau, Germania Bieber — Not-Weiß Frankfurt a. M. Zum teilweisen Rustrag mit allerdings zu Necht bestehenden Ergebnissen, kamen lediglich die Spiele Sp. vgg. 60/94 tjanau — Eintracht Frankfurt (0 :4) und Viktoria Nschaf- fenburg — F. vgg. 03 Fechenheim (6 :1).
Buch die anderen Bezirke und Gruppen litten stark unter den ungünstigen Witterungsverhältnissen, sodaß es am Totensonntag zu klaren Ergebnissen nicht kam.
Die Fußballspiele der Kreisliga fielen in sämtlichen vier Kreisen des Maingebietes aus dem nämlichen Grunde aus.
HauSfrauen-Verein Schlüchtern
Mittwoch, den 28. d. Mts. abends 8 Uhr Versammlung in der Turnhalle. Tagesordnung: Besprechung über die am 2 ten Dez. nachm. 3 Uhr in der Turnhalle stattfindende Weihnachtsfeier. Die Mütter der Kleinen werden ganz besonders gebeten zu erscheinen.
Der Borstand.
verantroortlich für den Inkalt: Fr. Steinselb.
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Die sorgfältig Blatt für Blatt gelösten Tabaksorten gleiten auf Transportbändern bis zu den Mischtrommeln, die aus einer Reihe von rotierenden Kästen bestehen.
In einem bestimmten System von Bewegungen fallen die Tabakblätter einzeln durch einen breiten Schacht langsam und leicht, von der Luft getragen, in die vorbeikreisenden Kästen, senkenfsich schwebend aufden Boden und legen sich dort Blatt für Blatt übereinander.
Durch diese Erfindung werden die Tabaksorten mit einer bisher ' unbekannten mathematischen Ge- > nauigkeit und Gleichmäßigkeit rezeptgemäß gemischt.