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Gchlüchterner Zeitung

2. Blatt

Ar. IST

W englischer Sampfer gesunken.

Der Zehntaufend-Tonnen-DampferVestris" gesunken. Die xM 300 Passagiere und Mannschaften gerettet. Der deutsche DampferBerlin" beteiligt sich an den Nettungsarbeiten.

Der Zehntausend-Tonneu-DampferVestris" in schwerer Seenot.

Der Zehntaufend-Tonnen-DampferVestris" befand sich a« Montag 100 Meilen vor der Küste von Virginia bei schwerer See in großer Seenot. Nach den letzten Meldungen mußten die Passagiere die Rettungsboote besteigen, da sich das Schiff bereits auf die Seite legte. Von allen Seiten be- gaben sich Dampfer zur Unfallstelle. Das Marinedepartement in Washington gab dem Oberbefehlshaber der amerikanischen Marine den Befehl, alles aufzubieten, um dem sinkenden Schiff zur Hilfe zu eilen.

Die Ursache des Unglücks

Die Ursachen des Unglücks sind bisher vollkommen un- Wannt. Es steht lediglich fest, daß das Schiff innerhalb vier Stunden gesunken ist. Der Kapitän versuchte zunächst weiter- zufahren, bis das Wasser in die Maschinen eindrang und damit euch den Funker hinderte, weitere Nachrichten zu geben. Der Funker verließ mit dem Kapitän als letzter das Schiff, nachdem vorher anscheinend sämtliche Passagiere die Rettungsboote be­stiegen hatten. Eine bisher unbestätigte Meldung besagt, daß das Schiff ein Leck erhalten habe, während von anderer Seite verlautet, daß die Ladung sich verschoben habe.

Die Fahrgäste und die Besatzung gerettet?

Die Liverpooler Schiffsreeder Lansport und Holt haben in der SPätnacht ein Telegramm erhalten, nach dem Passa- güre und Besatzung des gesunkenen DampfersVestris", ins­gesamt 338 Personen, gerettet wurden.

Der Bordfunker ist mit dem sinkenden Schiff in die Tiefe gerissen worden, da er bis zum letzten Augenblick auf seinem Posten blieb und drahtlose Hilferufe aussandte.

Die Untergangsstelle liegt etwa 300 Meilen im Atlantik zwischen der Küste von Norfolk und New Aork. Der Dampfer Porto Rico" sandte eine drahtloses Telegramm, daß er um 5.45 Uhr nachmittags amerikanischer Zeit an der wahrschein­lichen Untergangsstelle eingetroffen war, bis 6 Uhr aber weder eine Spur von einem untergangenen Schiff noch von den Ret­tungsbooten oder zu Hilfe gekommenen Dampfern entdecken konnte.

An Bord des DampfersVestris" befanden sich der ameri­kanische Konsul in Buenos Aires und seine Frau, der New Forker Korrespondent der in Buenos Aires erscheinenden Zei­tungNacion" und verschiedene bekannte Autofachleute.

Die ersten Trümmer derVestris" gesichtet.

Um 9 Uhr (MEZ.) befanden sich die amerikanischen KriegsschiffeWyoming" undDavis". und der deutsche DampferBerlin" an der Stelle, wo dieVestris" unter- gegangen ist. Gegen 6 Uhr (MEZ.)' sandte dieSaMi Bar­bara"'an dieBerlin" folgenden Funkspruch:Können Euere Blinksignale nicht lesen. Keine Anzeichen von Booten, aber ivir passierten im Augenblick einige Trümmer." Dieser Funk- spruch spricht zum ersten Mal von Trümmern, während alle anderen Schiffe bisher gemeldet hatten, daß sie nichts gesichtet hätten. Im Gegensatz zu den Wetterberichten melden die Schiffe sehr ungünstiges Wetter.

Alle Rettungsboote bis auf eins geborgen.

Der DampferVestris" hatte 129 Mann Besatzung und 209 Passagiere, im ganzen also 338 Personen an Bord. Nach letzten drahtlosen Meldungen amerikanischer Schiffe sind von den Rettungsbooten des untcrgcgangcnen englischen KampfersVestris" es sind 16 Kutter und ein größeres Motorboot bis jetzt alle gerettet, bis auf eins, dessen Schick­sal unbekannt ist.

Die gesamte Bemannung und die Passagiere des unter- Wangenen DampfersVestris" sind bis auf 35 Personen ge- *Eet worden. Die vermißten 35 müssen sich in dem über­zähligen Rettungsboot befunden haben,

Ergebnisse der deutschen Bodenbenutzungserhebung des Jahres 1927.

Das Statistische Reichsamt veröffentlicht endlich die Ergebnisse der Bodenbenutzungserhebung, die zum ersten nach vierzehnjähriger Unterbrechung im Sommer 1927 ^gesamten Reichsgebiet durch die Gemeindebehörden durch- Mührt wurde. Hiernach umfaßt die Gesamtfläche des Lutschen Reiches 66,9 Millioneen Hektar, von denen Millionen Hektar = 62,8 v. H. in landwirtschaftliche Atzung genommen sind, weitere 12,7 Millionen Hektar == ^.v-H. von Forsten und Holzungen bedeckt sind und die Wiche Fläche mit insgesamt 4,7 Millionen Hektar = 10 v. H. R auf unkultiviertes Moor- und Oedland, auf Haus- und Wäume, Wege, Straßenbauten und Eisenbahnen, öffent- W Anlagen (Friedhöfe, Parks, Sport- und Flugplätze i°wle auf Wasserflächen (Seen und Flußläufe) verteilt.

Der Umfang der landwirtschaftlichen R u tz - l ?$e weist für das Reichsgebiet im ganzen gegenüber der Willig im Jahre P913, auf das jetzige Gebiet umgerechnet, nie Verringerung um 319 900 Hektar = 1 v. H. auf, die Merseitg auf die inzwischen eingetretene größere Aus- Mung des baulich benutzten Landes, andererseits auf Neu- .^wessnngen zurückzuführen ist. Den weitaus größten Teil landwirtschaftlichen Nutzfläche nimmt, wie auch unser Utes Schnubild zeigt, der Ackerbau einschließlich der feld- "Pgen Bestellung mit Gartengewächse» in einem Gesamt- Wange von 20,7 Millionen Hektar = 70,1 v.H. ein.

Die Hauptgebiete des Ackerbaues liegen in Nordost- und wo sie teilweise 80 bi* 87 v. H. der land- Mschaftlichen Nutzfläche einnehmen. Als nächstwichtigste ?"8Ungsart folgen Wiesen und Viehweiden in einem Um- von insgesamt 8,02 Millionen Hektar = 27,2 v. H. der -Wwtrtschaftltcheti Nutzfläche. Die Hauptwiesengebiete be- sich vor allem in den südlichen Seilen von Bayern, Württemberg und Baden sowie in der nordwestlichen Niede- 11)0 auch neben Ostpreußen unb den Gebirgsland- Msten in West- und Süddeutschland in besonders starkem U^ d^ Viehweiden vertreten sind. An dritter Stelle das Gartenland, das aus Haus- und Kleingärten,

privaten Parkanlagen, Ziergärten, Rasenflächen und Baum­schulen besteht, mit einer Fläche von rund 569 000 Hektar = 2 v. H. der gesamten landwirtschaftlichen Nutzfläche, während der Nest von Weinbergen, Obst- und Korbweidenanlagen in einem Gesamtumfange von 136 000 Hektar 0,3 v. H. in Anspruch genommen wird.

Bei einem Vergleich mit der Bodenbenutzungserhebung des letzten Vorkriegsjahres ergibt sich eine Verringe­rung des Ackerlandes um rund 805 000 Hektar = 3,75 v. H., während sich für Wiesen und Viehweiden eine Zunahme um rund 365 000 Hektar und bei Gartenland um 93 000 Hektar zeigt. In dieser Einschränkung des Acker­landes zugunsten der Wiesenkultur kommt deutlich die Aenderung der landwirtschaftlichen Pro-

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( (insgesamt ^Z7-N^Niüwnen. ha)

duktionsrichtung der Nachkriegszeit zum Ausdruck, die auf Kosten des Getreidebaues auf einen vermehrten Futteranbau abzielt. Zum Teil ist die Verringerung des Ackerlandes auch eine Folge der Vergrößerung der Stadt­gebiete.

Die Bestellung von Lieferland erfolgt im Reichsdurch- schnitt in Höhe von nahezu 95 v.H.; der Rest bleibt mit 485 200 Hektar als Brache und 518 400 Hektar als Acker­weide liegen. Die feit den Ergebnissen der Bodenbenutzungs- erhebunq des Jahres 1913 eingetretene Verringerung des Umfanges der Brache und Ackerweide mit insgesamt 149 000 Hektar bringt die Verbesserung der landwirt- s ch a f t l i ch en Technik deutlich zum Ausdruck.

Während bei den Hauptgetreidearten der Weizenanbau sich gegenüber der Vorkriegszeit um 3,43 v. H. erweitert hat, ist der Roggenanbau um 11 v. H. zurückgegangen. Unter den Hackfrüchten weisen namentlich die Runkelrüben eine Zu­nahme von rund 160 000 Hektar = 29 v. H. und die Kohl­rüben eine solche von 60000 Hektar = 31 v.H. auf. Ins- gesamt ist eine Zunahme des Hackfruchtbaus um 4,1 v. H., des Hülsenfruchtbaus um 15,1 v. H., des Gemüsebaus um 8 v. H. und des Futterpflanzenbaus um 5,6 v. H., dagegen eine Abnahme des Anbaus von Getreide um 7,7 v. H. und von Handelsgewächsen um 16,3 v. H. zu verzeichnen.

A Kassel. (E i n Z u nftjubiIäu m.) Die hiesige Zunft der Haarformer und Perückonmacher konnte auf ein 200jäh- riges Bestehen zurückblicken. Aus diesem Anlaß fand eine Feier statt, der Regierungs- und städtische Vertreter beiwohnten. Obermeister Krug hielt eine Begrüßungsrede, worauf Pfarrer Zeidler einen Rückblick über das Werden der Zunft gab.

Zum Ableben des Allbürgermelsters und Ehrenbürgers der Stadt Soden, Herrn Hauptmann Rudolf Berta.

Am 12. November 1928 starb in Bad Soden bei Salmün« ster der Altbürgermeister und Ehrenbürger der Stadt Soden, herr Hauptmann Rudolf B e r t ä im 80. Lebensjahre.

Der Dahingeschiedene wurde am 12. April 1849 zu Fulda geboren, absolvierte 1868 die höhere Schule in Hanau und erlangte das Offizferspatent des ehem. 2. Nass. 3nf. Regiments Nr. 88 im Jahre 1870. 3m Feld- zuge 1870/71 erlitt der Verstorbene bei Sedan eine schwere Verwundung, die noch nach Jahren im Januar 1925 zur Amputation des linken Beines führte. 3m Weltkrieg 1914/18 stellte Hauptmann Berta sich dem Vaterlande wieder zur Verfügung und leistete als Kommandant des Gefangenenlagers Darmstadt anerkannt wertvolle Dienste.

Schon früh zeigte der Verblichene besondere Neigung zur Nommunalverwaltung und folgte 1886 dem Rufe der Lürgerschafts Sodens, die ihn zum Oberhaupt auserwählt hatte. Drei Wahlperioden von 18861906 leitete Bürger« Meister Berta die Geschicke unseres Städtchens. Seit Ein­führung der Kreisordnung im Jahre 18861926 gehörte der verstorbene ununterbrochen den Körperhaften des Krei= fes als Kreisdeputierter, 2. Nreisausschußvorsitzender Mit­glied des Nreisausschusses, sowie mehreren Nreiskvmmissio- nen an. Außerdem war er von 18861920 Mitglied des Kurhess. Nommunallandtages, von 1901 bis 1920 des Lan­desausschusses, sowie ab 1906 gewähltes Mitglied des Be= zirksausschusses in Kassel. Daneben betätigte Herr Berta sich jahrelang in vielen Ausschüssen der Provinzialverwal- tung mit segensreichem Erfolge.

Zahlreich waren auch die Beziehungen des verstorbenen zu Kunst und Wissenschaft, zumal er sich selbst auf dem Gebiete der Heimatforschung gern literarisch betätigte und seine große treue Liebe zu seiner Heimat in vielen Skizzen und Oelgemälden (namentlich Tagdstücken) treffend Aus­druck verlieh.

Es konnte nicht ausbleiben, daß ein Mann wie der Da­hingeschiedene auch auf religiös- und kirchlichem Gebiete Hellen Auges da eingriff, wo es not tat. Und wenn beim Ableben unseres lieben Herrn Pfarrers Schulz gesagt wurde, daß er mit zäher Energie und eiserner Entschlossenheit trotz der Wirrnisse und Nachwirkungen des Kulturkampfes, die Begründung der Pfarrei Soden und die Errichtung eines herrlichen Gotteshauses daselbst durchsetzte, so darf nicht verschwiegen werden, daß Altbürgermeister Berta in seinbe- rechnender, überlegender Weise Hand in Hand mit unserem ersten Pfarrer Schulz" maßgebend die Wege ebnete, die endlich zum Ziele führten. Auch bei der Begründung der Ninderheilanstalt und des bischöflichen Bades war Bertas Einfluß^ unverkennbar. Die Stadt Soden aber gedieh zu­sehends unter der Leitung ihres Altbürgermeisters, den eine seltene herzliche Freundschaft mit dem geistlichen Führer und Seelsorger Schulz verband, wesentlich für Soden mit seiner blühenden Industrie war auch die Nutzbarmachung seiner kostbaren Herzheilquellen. Dies klar erkennend, schuf der teuere Dahingeschiedene ein gut angelegtes Verkehrs­und Wegenetz u. a. den Landweg Soden nach Salmünfter, sowie in'den Hütten'schen Grund. Für die Durchsetzung So­dens als Nur- und Badeort tat Hauptmann Berta was immer möglich. Leider vereitelte die Ungunst der Verhält­nisse das Reifen vieler Pläne, jedoch hat Berta den Glau­ben an Sodens besondere Sendung als Heilsaktor nie aus­gegeben.

Es ist nicht möglich dieses lange außerordentlich frucht- bare Menschenleben in einigen Zeilen darzustellen.

wer je mit Herrn Berta zusammengekommen ist der Kreis seiner Bekannten und Freunde ist recht groß, der konnte sich des Zaubers dieser klugen, energischen bei allem liebenswürdigen Persönlichkeit nicht entziehen, dem wird die leicht gebeugte anspruchslose Greisengestalt im brau­nen Sammtrock mit dem munteren Augenspiel und dem fein abgestimmten Humor unvergeßlich sein.

Still wie er gelebt, ist unser Ehrenbürger Hauptmann Berta für immer von uns gegangen, dieser Schmerz erfüllt uns und in Wehmut nehmen wir Abschied von chim Das Andenken an ihn aber wird fortleben in seinen Werken und in der Erinnerung von Geschlecht zu Geschlecht bis in die fernste Zukunft.

yoütifche Attentate.

M glückter Anschlag auf bett Zug des lettischen Staats­präsidenten.

Wie aus Riga gemeldet wirb, ist auf den Zug, mit dem der lettische Staatspräsident Semgal zusammen mit dem Vor- sitzenden des Parlaments Dr. Miün und mehreren Generalen aus Libau von einem Militärardensfest heimkehrte, ein Atten­tat'verübt worden. In der Nähe der Station Mitau nmr in verbrecherischer Absicht eine Weiche verstellt worden, um den Zug zur Entgleisung zu bringen. ,

Kurz vor dem Eintreffen des Zuges konnte ein Polize,- beaniter das geplante Attentat aufdecken. Er fand in der Welche eine Art eingeklemmt. Durch Signale wurde der Zug des Staatspräsidenten zum Halten gebracht. Im Zusammenhang mit dem Attentatsversuch sind mehrere lmksradikalen Kreisen angehörende Personen verhaftet worden. Es ist bisher sedoch noch nicht gelungen, die Täter einwandfrei festzustellen.

Zunahme der politischen Morde in Sowjetrutzland.

Die politischen Morde -haben nach Moskaner Meldungen in Sowjetrußland in der letzten Zeit wieder angenommen. In einem nordkaukasischen Dorf wwrden ein Kommunist und eine Kommunistin ermordet. Der Kommunist leitete im Dorfe die Prokiaganda gegen die Großbauern und die Geistlichen.^ ^.ue politische Polizei verhaftete 16 Personen, denen die Todesstrafe droht. Die eigentlichen Täter sind jedoch entkommen.