Ar. 135
Gchlüchterner Zeitung
2. Blatt
Hoover der neue Mann.
Das neueste amtliche Ergebnis der amerikanischen Wahlen in den 48 Staaten ergibt 18 261 879 abgegebene Stimmen für Hoover und 12 994 275 Stimmen für Smith. Hoover hat demnach eine Mehrheit von 5 267 604 Stimmen aufzuweisen. In den Bundessenat werden die Republikaner mit sieben oder acht Sitzen mehr als bisher und in das Repräsentantenhaus mit 75 Sitzen mehr als bisher einziehen. Wie aus Chicago berichtet wird, wurde dort ein Reger in den Kongreß gewählt.
I» dem Wahlmännerkollegium, das die eigentliche Wahl vorzunehmen hat, verfügt Hoover über die Rekordzahl von 444 Wahlmännern, Smith dagegen nur über 87.
Die Entscheidung der Wahlmänner wird offiziell erst tm Januar bekannt werden; im Februar verkündet der Kongreß in feierlicher Sitzung beider Häuser das Ergebnis. Hoover wird sein Amt am 4. März 1929 antreten' Das Ergebnis bedeutet die Bestätigung des bisherigen Regierungskurses auf weitere vier Jahre. Wenn man auch allgemein mit einem Erfolge der Republikaner gerechnet hatte, so kommt das Ergebnis immerhin ziemlich überraschend. Im demokratischen Lager herrscht große Enttäuschung, da das demokratische Bollwerk in den Südstaaten gesprengt wurde. Sogar im Gouvernement Newyork, wo der Ge- genkandidat Smith amtiert, hat Hoover eine Mehrheit von rund 100 000 Stimmen erhalten. Hier wurde auch der frühere Botschafter in Berlin, Houghton zum republikani- schen Senator gewählt.
Herbert Hoover, der neue Mann, stammt aus den aller- einfachsten Verhältnissen Er wurde im Fahre 1874 in dem Dorf West Vranch im Staate Iowa als Sohn eines Dorf- schmiedes geboren. Mit sieben Jahren war er Waise und wurde von seinen Verwandten großgezogen. Im Alter von 13 Jahren schon mußte er sich als Fornver sein Geld selbst verdienen. Durch einen Onkel kam er nach Newberg im Staate Oregon, wo er Gelegenheit hatte, sich als Ingenieur auszubilden. Die Mittel dazu verdiente er sich noch Jtöenbei als Zeitungsverkäufer und als Bote in einer Waschanstalt. Nach Beendigung seiner Studien im Iabre W arbeitete er in einer Mine in Kalifornien. Durch die Vermittlung seines Chefs, der die überragenden Fähigkeiten des jungen Hoover schon sehr früh erkannte, erhielt der erst 23jährige eine leitende Stellung in einem großen internationalen Minenunternehmen, das in Australien ar= bettete. Ein Jahr später schon wurde er von seiner neuen Firma der chinesischen Regierung, als Chefingenieur für das Minewesen empfohlen.
Run begann ein ununterbrochener Ausstieg. Als der Krieg ausbrach, war Hoover vielfacher Millionär und harre Aincninteressen in 20 verschiedenen Ländern
Seinen eigentlichen internationalen Ruhm begründete Hoover aber im Kriege und in der Nachkriegszeit. Sofort vach Ausbruch des Krieges organisierte er das belgische Hilfswerk. Die dort gemachten Erfahrungen tn der Lebensmittelversorgung größerer Bevölkerungsmassen konnte er nach Eintritt Amerikas in den Krieg sofort im eigenen
Lande nutzbringend verwerten, als er von WNson zum Lebensmitteldiktator berufen wurde Nach dem Kriege war Hoover Leiter des amerikanischen Hilfswerkes in Europa, und er hat hier in uneigennütziger Weise seine Kraft in den Dienst der Mildtätiakeit aestellt. Auch in Deutschland bürb lt VlVf^ UOltl^ututM/v ^/1 tf~, -V »v |VyvnWHHlt VH4UV,.*|T-* noch allgemein bekannt sein.
Interessant ist übrigens, daß die Familie Hoovers deutscher Abstammung ist. Seine Vorfahren sind aus Deutichland eingewa-ndert und haben ursprünglich den Namen Huber getragen.
*
Republikanisch ist in Amerika rechts.
Die politische Einstellung der amerikanischen Republikaner läßt — wie bekannt sein dürste — durchaus keine Uebereinstimmung mit ihren Gesinnungsgenossen in Deutschland zu. Die Republikaner der vereinigten Staaten bilden vielmehr gleichsam den rechten Flügel der amerikanischen Volksvertretung.
Hoovers erste öffentliche Erklärung.
In seiner ersten öffentlichen Erklärung nach der Wahl erklärte Hoover, daß er sich noch nicht über das spätere Kabinett schlüssig fei. Er richtete an alle Führer des Landes einen dringenden Appell, zusammenzuarbeiten. In Washingtoner politischen Kreisen beschäftigt man sich weiterhin mit Mutmaßungen über die Absichten Hoovers, wobei die Ueberzeugung vorherrscht, daß der neue Präsident eber ein Kabinett von Sachverständigen als von hervorragenoen Politikern bilden werde.
Einer Washingtoner Meldung zufolge gedenkt Hoover, den bekannten Senator Borah, Vorsitzender der auswärtigen Senatskommission, zum Staatssekretär zu ernennen. Während Borah und der neue Präsident in innerpolitischen Fragen ziemlich übereinstimmen, gehen ihre Ansichten in außc^ politischen Dingen über manche Punkte auseinander. Borah setzt sich beispielsweise für die Anerkennung Sowjetrußlands ein, während Hoover einer Anerkennung abhold ist. Auch über die Rolle Washingtons in Mittelamerika gehen die Ansichten de» beiden Politiker auseinander.
Der besiegte Präsidentschaftskandidat ist trotzdem guter £au= ne, da er auch ohne den Präsidentenposten sein „Kus- kommen" hat. Er beabsichtigt, sich aus dem öffentlichen Leben zurückzuziehen.
Befriedigung in England.
Der starken Aufwärtsbewegung der New Docker Börse nach Bekanntwerden der Wahl Hoovers ist auch die Londoner Börse gefolgt. In politischen Kreisen Englands beschränkt man sich vorläufig auf formale Glückwünsche zu der Wahl Hvoverk und vermeidet jeden Hinweis, als ob sich die englische Politt irgendwie m;t Der republikanischen oder demokratischen Seite verbunden fühle. Trotzdem ist ziemlich sicher, daß die Wahl Hoovers mit einiger Genugtuung ausgenommen wurde, da zunächst einmal die Gefahr einer Nichtratifizierung des Kellogg- Paktes durch den amerikanischen Senat im Falle einer Wahl Smiths endgültig beseitigt ist.
Die Stellungnahme der Bereinigten Staaten zu den großen schwebenden europäischen Problemen ist, wie man weiß, nicht an die Person des Präsidenten gebunden. Die gute Kenntnis europäischer Verhältnisse Hoovers werden aber, wie man in Bonbon annimmt, diese Verhandlungen nicht unwesentlich
Sie Katastrophe am Aetna.
Die Ausbrüche dauern fort.
Nach den neuesten Meldungen aus Catania bringt der Lavastrom zurzeit in einer Breite von etwa 400 Metern mit steigender Geschwindigkeit gegen das Städtchen Nunziata vor und verwüstet auf seinem Wege Ortschaften, Brücken, Straßen, Bahnen und Weingärten. Die Flüchtlinge aus dem von der Lava begrabenen Städtchen Mascali und dem bedrohten Nunziata werden nach Garre gebracht. Auf den bis jetzt noch unbe- drohten Straßen bewegen sich endlose Züge von Flüchtlingen, daneben Arbeiterabteilungen, sizialiamsche Truppen, Mrliz-- abteilungen, viele Neugierige und Zeitungsberichterstatter.
In den bedrohten Ortschaften veranstalten die Bewohner Prozessionen, um die Hilfe des Himmels anzurufen. Herzzerreißende Szenen spielten sich ab, als die Bewohner von Mascali machtlos zusehen mußten, wie die feurigen Massen in ihre Häuser eindrangen, sie alles in Flammen hüllten und wie ganze Straßen von der Lavamasse ausgefüllt wurden.
Sachverständige rechnen damit, daß die Bahnlinie Ca- tonia—Messing durch den Lavastrom unterbrochen werden wird. Ein kleiner Strom, der vom Hauptstrom der Lava sich abzweigte, bedroht den Ort Carramba. Die Ausbrüche des Aetna dauern mit unverminderter Heftigkeit an. Im Hafen von Catania wurde eine Funkstation eingerichtet, um wichtige Funkmeldnivgen über das ganze Land verbreiten zu können»
Die Vulkanologen rechnen den jetzigen Ausbruch zu den schwersten, sowohl wegen der Heftigkeit als wegen der Größe der ausgeworfenen Massen.
Einbruch in ein Polizeipräsidium.
B e r l i n, 9. November. In die Höhle des Löwen wagten sich Einbrecher, die in das Tienstzlmmer des Kriminalkommissärs Hassow im Polizeipräsidium einzudringen suchten und es ohne Zweifel aus die Akten des Kriegsanleihcschwindels, die von dem Kommissar bearbeitet werden, abgesehen hatten. Sie öffneten mit einem Nachschlüssel die Zimmertür im Flur, ohne zu wissen, daß diese Tür auf der anderen Seite durch ein großes Regal verstellt war. Als sie daher die Tür auszudrücken suchten, fiel das Regal mit seinem Akteninhalt mit lautem Krach in die Stube hinein. Die Eindringlinge flüchteten rechtzeitig genug, um einer Schupostreife, die sofort die Verfolgung aufnahm, zu entweichen. Es ist ihnen nichts in die Hände gefallen.
— Der Relchstagsausschuß für soziale Angelegenheiten beschäftigte sich mit der dritten Novelle zur Unfallversicherung, die den Zweck hat, die Unfallversicherung auf eine Sieihe von Betrieben auszudehnen, in denen die Arbeitnehmer besonders gefährdet find.
— Die in verschiedenen Blättern aufgetauchten Gerüchte, wonach man int Wirtschafts- und Finanzministerium die Errichtung eines Tabakmonopols plane, entbehren, wie an zuständiger Stelle erklärt wird, jeder Grundlage.
— Die Kreisverwaltungen von Kroatien, Bosnien und Dal- matien wollen zur Trockenlegung von Sümpfen eine Ausländsanleihe von 5 Millionen Pfund Sterling ausnehmcm
kaufen
kaufen
die was wirklich billig und gut ist-
die }hren Wintermantel
Nie
Nie
Nie
brächte ich war meine war ich so
bei
kleidsamere Formen
Auswahl grösser preiswert -
darum gibt’s für Sie jetzt nur einen Weg, ein Ziel:
Carl Selber!
Friedrichsmarkt 10
Neben d. Pfarrkirche
Die gute Fertigkleidung für Herren und Damen.
I>ÖG<>OO<DKI>O<^>CI>C>CXZ3Ö!O<l>C>OeCX:
GLAS u. SPIEGEL
aller Art für Bauten u. Möbel in jeder Bearbeitung
Messingverglasungen • Kitt • Möbelkacheln
• Glasmalerei u. Kunstverglasungen •
für Kirchen und Profanbauten.
H. LEINWEBER, FULDA
X Fernruf 449 / Gegr. 1903 / Frankfurterstrasse 2
X ............ Größtes Spezialgeschäft am Platze. .
Bcxaac^xxixxsocK^ixxxxxixxaoic
- W Dill WWWlM r ♦----------■■■■■-■■■....... I. 0
^ kaufen Sie zu den billigsten Preisen bei r Heinrich Lins, r J Baustoffe, Eisen- und Kohlenhandlung £
^ Fuldaerstr. SchlÜchtern Telefon 67 0 E Auf Wunsch werden die Platten J J auch sachgemäß verlegt J
♦♦♦❖v» ♦♦♦♦♦♦:♦♦♦♦♦♦♦♦♦♦♦