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Der Sachverständigenausschuß.

Vor den neuen Reparationsverhandlungen.

Nach Meinung des „Petit Parisien" wird der deutsche Botschafter in Paris in Kürze am Quai d'Orsay Mitteilun­gen seiner Regierung bezüglich der Bildung des Sachver­ständigenausschusses zur endgültigen Regelung der Repara­tionen überreichen. Zu der deutschen Absicht, unabhängige Sachverständige zu benennen, schreibt das Blatt, man wisse noch nicht, ob diese Methode von den alliierten Regierungen günstig ausgenommen werde.

Es scheine aber auf den ersten Blick, daß eine so lebens­wichtige Frage, wie die endgültige Festsetzung der deutschen Schulden durchaus Sache der Regierungen sei und daß die Finanzsachverständigen Berechnungen aüfstellen und Zahsen vorschlagen könnten. Der Ort der Zusammenkunft des Aus­schusses sei ebenfalls eine Frage, die zum Besten der sechs in» teressierten Mächte gelöst werden müsse.

Französische und englische Liebenswürdigkeiten.

Der „Temps" knüpft in einem Leitartikel an die An­spielung Poincares in seiner Rede in Caen auf die kom­menden Reparationsverhandlungen an, um noch einmal den französischen Standpunkt klarzulegen. Er kritisiert besonders die nicht nur in Deutschland vertretene Auffassung, die vor­zeitige Rheinlandräumung sei ohne irgendeine Gegenleistung als eine für die endgültige Konsolidierung des Friedens not­wendige Maßnahme als gebieterische Pflicht anzusehen. Daß die Deutschen eine neue und beträchtliche Verringerung ihrer Pflichten verlangten, sei selbstverständlich.

Weniger selbstverständlich sei es aber, daß andere sie dazu ermutigten, ihre Ansprüche zu übertreiben, und die internationale öffentliche Meinung zu gewinnen ver­suchten, einen Druck auf die verantwortliche Regierung auszuüben, damit diese alle Zugeständnisse machen und neue Opfer bringe, aus denen dann Berlin für seine Politik der Wiederherstellung der germanischen Macht (!) in Europa Nutzen ziehen würde. Nach der Rede Poincares werde man wohl im Auslande die vergeblichen Bemühungen einsehen, die man mit soviel Hartnäckigkeit verfolge, um auf den einmal festgelegten Willen Frankeichs zu drücken, das zwar bereit sei, ein gerechtes Abkommen zu erleichtern, aber nicht willens sei, sich zu einer Regelung herzugeben, die eine Täuschung bedeuten werde.

Die Londoner Blätter des Rothermere - Konzerns be­nutzen die Wiederaufrollung der Reparationsfrage zu heftigen Angriffen gegen Deutschland. Die Blätter gehen so weit" zu betonen, daß der britische Steuerzahler nicht vergessen habe, daß Deutschland, das durch den Krieg über die Welt gebrachte Unglück bewußt heraufbeschworen habe, und nach seiner Niederlage mit sehr leichten Bedingungen davongekommen sei. Die finanziellen und wirtschaftlichen Bedingungen Deutsch­lands feien weit bester als es sie verdiene. (!!)

„Bitte Platz zu nehmen, Monsieur, der Stuhl ist eigens für Sie reservierst v

Dr. Stresemann über die Saarsrage

Die Saarbevölkerung ist und bleibt deutsch.

Saarbrücken, 30. Oft. Die „Saarbrücker Zeitung" ver­öffentlicht heute das Geleitwort, das Dr. Stresemann einer Saarnummer der Zeitschrift des Verbandes Deutscher Di­plomingenieure „Technik und Kultur" gewidmet yat. Nack einer kurzen Skizzierung der durch den Versailler Vertrag vorübergehend im Saargebiet geschaffenen Veränderungen, die jedoch nach Ansicht Dr. Stresemanns die Grundlage der Wirtschaftsstruktur.des Landes unberührt gelassen ba­den, was sich in dem Fortbestand der innigen, von der Na­tur vorgezeichneten Verflechtung der Saarwirtschaft mit der deutschen Gesamtwirtschaft zeige, erklärt der deutsche Außenminister:

„Was uns im Saargebiet aber unvergleichlich höher steht, als sein materieller Reichtum und seine Wirtschaft^, güter und seine Technik, das sind seine Menschen; nur mit Stolz können Teutsche von ihren Landsleuten an der Saar sprechen; ihr Denken und Fühlen ist so rein deutsch geblie­ben, wie es im Laufe langer Jahrhunderte immer war. Die Deutschen an der Saar haben selbst die beste Widerlegung der einstigen Behauptung von einer „gemischten" Bevölke­rung des Saarlandes geliefert.

Noch dauert die unnatürliche Trennung an; noch ist die Saarfrage ein Zukunstsvrdblem, dessen Lösung nicht ein­fach sein wird. Die Neichsregierung betrachtet,' es als eine ihrer vornehmsten Aufgaben, diese Lösung sorgfältig nach allen Richtungen hin vorzubereiten, mit dem Ziel das Saar­gebiet entsprechend dem klar bekundeten Willen seiner Be­

völkerung ungeteilt und ohne die geringste territoriale Beschneidung mit dem Vaterlande wieder zu vereinigen. Haben die vergangenen Jahre die tief begründete, keiner Lockerung fällige innere Verbundenheit des Saargebietes mit Gesamtdeutschland hundertfältig erhärtet, so, können wir mit freudiger Zuversicht auch der äußeren Wiederver­einigung entgegenseben, auf die wir ein elementarstes na­türliches Recht haben."

Im Saargebiet werden diese klaren Ausführungen Dr. Stresemanns mit großer Genugtuung ausgenommen.

Mit 90 Jahren noch Hochtourist'

Der Senior der Hochtouristen dürfte der neunzig­jährige Grazer Bürger Schußwald sein, der trotz sei­nes hohen Alters vor kurzem noch eine Hochtour unternommen hat.

— Wie Reuter aus Madrid berichtet, hat die Bank von Spa­nien vorbereitende Schritte ergriffen, um von der Bank von England ein Golddepot von 40 Millionen Mark aufzunehmen, das als erste Grundlage für die Stabilisierung der spanischen Währung dienen wird.

— Wie das Technologische Institut von Kalifornien nach Meldungen aus New Jork bekanntgibt, wird gegenwärtig ein neues Niesenteleskop gebaut, das an Größe alle bisher vorhande­nen übertrifft. Der Standort des Teleskops, in das ein Spiegel mit einem Durchmesser von fünf Meter eingebaut werden soll, wird in der Nähe des bisher größten Teleskops der Welt auf Mount Wilson sein.

— Der Landtag von Mecklenburg-Strelitz hat mit 16 gegen 16 Stimmen das Mißtrauensvotum gegen den fozialdemokratifcheu Minister von Reibnitz abgelehnt.

— In der Urabstimmung der Hamburger Seeleute über An­nahme oder Ablehnung des für die Seeschiffahrt gefällten Schieds­spruches ergab sich keine Mehrheit für den Streik. Man erwartet, daß sich dieses Ergebnis auch durch die Abstimmung in den übri­gen Hafenorten nicht ändern wird.

— Der Neichsparteitag der Zentrumspartei, der zu­nächst in Düsseldorf stattfinden sollte, wird nunmehr am 8. und 9. Dezember in Köln stattfinden. Dr. Stegerwald wird über „Zentrumspartei und deutsche Politik in Gegen­wart und Zukunft" sprechen.

— vor einigen Tagen wurde in Käthen der Kaufmann Frank unter der Beschuldigung verhaftet, einer Witwe Brillanten im Werte von 100 000.— Mark gestohlen zu haben. Der verhaftete stritt dies ganz energisch ab) Jetzt hat man im Garten seines Vaters ein Perlenhalsband im Werte von 30 000 Mark ausgegraben.

— An das Zweibrücker Bürgermeisteramt hat der kom­mandierende General der Besatzungstruppen eine Zuschrift gerichtet, daß die französische Gendarmerie um vier Mann verstärkt werde, wenn bis zum 1. November keine Aufklä­rung des letzten Flaggenzwischenfalls erfolge.

— Die Polizei hat im Zusammenhang mit der Ver­haftung eines Italieners und eines Franzosen unter dem verdacht der Spionage in Lyon in Paris den 59 Jahre alten Italiener Mossetti verhaftet, der in Lyon als Privatdetektiv lebte. Bei der Haussuchung wurde eine umfangreiche Korre­spondenz beschlagnahmt, die über die Art seiner Tätigkeit keinerlei Zweifel läßt.

— Am Dienstag früh stieß auf Bahnhof Kirchhorsten der Strecke Hannover-Minden eine Lokomotive infolge un­richtiger Weichenlage aus mehrere leere Wagen, die durch Weichenwärter und Privatpersonen geschoben wurden. Hier­bei wurden zwei Personen schwer und drei leicht verletzt. Die Schuldfrage ist noch nicht geklärt.

— Bei Beginn der Dämmerung kletterten die auf dem Anstaltshof der Strafanstalt Gollnow befindlichen Strafge= fangenen Straf} und Bosener in einem unbewachten Augen= blick über die Anftaltsmauer und entkamen trotz sofortiger Verfolgung in den Wäldern der Umgegend. (Es wurde ein Kommando der Schutzpolizei aus Stettin nach Gollnow be­ordert, das die Wälder bis Hammer (Kreis Tammin) vor­läufig ergebnislos durchstreifte.

Würzburg. Bei den Beamtenratswahlen im Neichs- buhnbezirk Würzburg erhielten der Thristl.-nat. Bayer. Eisenbahnerverband 2771 Stimmen (8 Sitze), der Sozialde­mokratische Einheitsverband der Eisenbahner Deutschlands 530 Stimmen (1), die Gewerkschaft deutscher Lokomotiv­führer und der Zentralgewerkschaftsbund der Neichsbahn- beamten zusammen 959 Stimmen (1 Sitz).

Gemünden. In den letzten Wochen sind auf der Durch­gangsstrecke Gemünden—Landesgrenze—Jossa in der Ge­meinde Obersinn auf Betreiben des neuen Bezirksamtsvor­standes die für den Kraftfahrzeugverkehr sehr gefährlichen und unangenehmen Straßenquerrinnen endgültig beseitigt und ordnungsgemäße Wasserdurchlässe dafür angelegt wor­den. Die Kosten werden vom Bezirk Gemünden getragen und kommen auf ca. 10 000 Mark.

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Wieviel Schlaf braucht der Mensch s

Der Schlaf ist eine der wohltätigsten Einrichtung« Natur zur Erhaltung unserer Gesundheit und fähigkeit. Seine Aufgabe besteht darin, die wahres Tagesarbeit im Körper angehäuften (Ermüdungs[tof|( beseitigen und dem menschlichen Organismus seine stungsfähigkeit und Spannkraft wiederzugeben. Das eine bestimmte Schlasmenge oder Schlafdauer ersoff ist, versteht sich von selbst. Leider wird aber in Punkte vielfach, teils aus wirtschaftlicher Not, teils 1 Unwissenheit und Leichtsinn, gesündigt. An sich M auf die Frage: „Wie lange soll man schlafen?" nur eine stets zutreffende Antwort: „bis man ausgeschlasenM Den meisten Schlaf braucht der Mensch in den KinderjM Es ist bekannt, daß der Säugling % des Tages veH Das gesunde Kind im Alter von 2—10 Jahren braust Nachtruhe von mindestens 12 Stunden. Die notwe Schlaszeit für den Erwachsenen beträgt daher ausnah^ acht Stunden. wenn von älteren Leuten behauptet ® daß sie mit weniger Schlaf auskommen, so geschieht entweder auf Kosten ihrer Gesundheit und ihrer He oder aber man gibt sich einer Täuschung hin. Wem ni nicht die kleinen Nickerchen bekannt, mit denen man: Leute häufig im Lehnstuhl sitzend, zu den verschied«! Stunden des Tages antrifft. Zählt man diese Hei Schlafzeiten mit der Nachtruhe zusammen, so ergibt auch beim älteren Manne eine Schlafenszeit von 8 Stutz In gleicher Weise muß auch die Annahme, daß Kac^i Friedrich der Große oder Edison mit ungewöhnlich w Schlaf ausgekommen seien, in das Neich der Fabel ük: sen werden. Außer der Schlafenszeit ist auch die Schlaf nach neueren Untersuchungen bei verschiedenen Meß und verschiedenen Altersklassen durchaus wechselnd. (Es Menschen, die zu Beginn der Nacht am tiefsten schlafen, andere wieder deren Schlaftiefe des Morgens gm jröj ist. Man hat daraus Folgerungen über Arbeitsbegi Schulbeginn usw. ziehen wollen, allein unser Wissen in dieser Beziehung noch nicht so umfassend, daß zu eingreifenden Maßnahmen Veranlassung bestände. 3n je Falle aber gilt der Satz „Wer schläft, der sündigt nicht besonders nicht gegen seine Gesundheit!"

Die Beerdigung der Brüder Heidger. I beiden Brüder heidger, geborene Essener, sind am DToni auf dem Essener Friedhof begraben worden. Die KngehW. gen der Erschossenen hatten die Freigabe der Leichen em und sie nach Essen überführen lassen, wo sie in einer klein Friedhofskapelle auf gebaut wurden. Die Mutter der! den Brüder, die durch die Aufregung erkrankt im Spin lag, hatte es durchgesetzt, daß sie zum Leschenbegang der Söhne entlassen wurde. AIs sie in die Kapelle kam, die beiden Söhne noch in unverschlossenen Särgen lagt

schrie sie „meine Sungens". Etwa sechzig verwandte ir Bekannte waren bei dem Begräbnis anwesend, Leute b' , ^gerlicher Kreise, die viele Blumen und Kränze gebra® ■ galten. Am Grabe war kein Geistlicher erschienen, hatte die Mutter, eine fromme Katholikin, ein Fläscht mit geweihtem Wasser mitgebracht, das sie in das 6r schüttete. Unter den Anwesenden herrschte tiefe ErschA

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rung. Die Mutter wurde sofort nach dem Leichenbegäng ins Krankenhaus Zurückgebracht, da sie dem Wahnsinn nai zu sein schien.

„Leute mit ausländischen Autos werd! nicht empfangen". Ueber ihrem Fabrikeingang h eine Eisengießerei in Eisenberg (Pfalz) ein Schild mit genden Worten anbringen lassen: „Lieferanten, die mit a ländischen wagen Vorfahren, werden nicht empfangen. W vom Ausland kauft, schädigt die deutsche Industrie und daß den deutschen Arbeiter".

rangen gestellt.

meinen die

# Sind Frauen vorsichtiger als Männer? In gegenwärtigen Zeit gewaltiger Zunahme des Verkehrs weich an die Vorsichtigkeit der Fußgänger zuweilen große Anfor^

llt. Interessant ist, festzustellen, daß im W _________ weiblichen Fußgänger sich einer größeren ficht befleißigen als ihre männlichen Kollegen. Wenigst.» geht das auch aus einer Statistik der Kraftwagen- und n® stigen Verkehrsunfälle in Berlin hervor. Dort ivurN infolge Unachtsamkeit im Monat September 161 Perst» das Opfer des Verkehrs und zwar 95 männliche, 66 weiM Personen. Auch eine andere Statistik kann als Beweis heM gezogen werden: durch Auf- und Abspringen verunglückten i» gleichen Monat 29 männliche und 13 weibliche Personen.

# Vorsicht mit Original-Zeugnissen! Es muf} davor warnt werden, Originalzeugnisse au unbekannte $^1» oder Firmen, besonders nach auswärts, zu senden, ^i1 schon erforderlich, sollten beglaubigte Abschriften überlaf! und die für den Eigentümer wichtigen Dokumente zuM behalten werden. Nicht selten kommt es vor, daß durch Zeitungsinserat eine verlockende Stellung angeboten wird,/" gleichzeitig Interessenten aufgefordert werden, ihre Orig»/ Zeugnisse usw. und Chiffre an sie Expedition des betreffen^ Blattes oder sonst wohin einzusenven. Dies geschieht in vm Fällen nur in der Absicht, brauchbare Zeugnisse zu erhob» die dann irgendwie, meist zum Nachteil der Eigentümer, ” ' wendet werden, denn, wie sich später herausstellt, ist ‘ Empfänger der Papiere unbekannt und nicht mehr zu erm teln. Die wichtigen Dokumente sind für immer verloren.

# Wohlfahrtsmarken. In der Zeit vom 15. NoveM bis 31. Januar werden durch die Postanstalten und 1 Deutsche Nothilfe Wohlfahrtsmarken mit Länderwappen » 5, 8, 15, 25 und 50 Npfg. und eine WohlfahrtsPostkaF 8 Rpfg. zum doppelten Nennwert (die Wertzeichen zu 8 für 15 Npfg.) vertrieben werden. Die Wertzeichen fum Ende April 1929 zum Freimachen von ■ F ''" " ’ landS- und Auslandsverkehr gültig.

* Studentennot. Vom Verwaltungsrat der WirtsckE Hilfe der Deutschen Studentenschaft wurde mitgeteilt, daß Kosten für das akademische Studium gegenwärtig zwischf" 13 000 und 15 000 Mark liegen. Von den Studenten leb 30 Prozent mit dem knappsten Existenzminimum, weiteres Prozent kaum darüber. Dabei drücken auf den Studenten schlechten Berufsaussichten und schließlich stehe das Gest^ der Arbeitslosigkeit mit dem 26. Lebeusjahre drohend vor Studenten. '