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Rr. 130 (1. Blatt) Dienstag, den 3«. Oktober 1928 80. Jahrg.
Amtliche Bekanntmachungen.
Landratsamt.
I.-Nr. 9290. Die durch meine Verfügung vom 13. September d. 3s. — 3.=Rr. 7891 — Zchlüchterner Zeitung Nr. 111 — für die Miesbrücke bei den Barackenhöfen (Gemarkung Marjoß) ungeordnete Verkehrssperre wird hiermit wieder ausgehoben.
Schlächtern, den 26. Oktober 1928.
Der Landrat. 3. V.: Zchultheis.
3.=Rr. 9361. Für die bevorstehende Unterrichtsperiode der ländlichen Fortbildungsschulen bestimme ich den 12. November d. 3s. als Anfangs- und den 15. März 1929 als Endtermin. Die Zahl der gesamten Unterrichtsstunden wird somit in den Schulen mit 4 wöchentlichen Unterrichtsstunden 64 betragen. Diese Stundenzahl ist ein- zuhalten.
Der Unterricht soll an den Tagesstunden, spätestens zwischen 17 und 19 Uhr (5 und 7 Uhr nachm.) erteilt werden.
Die Herren Bürgermeister werden aus Veranlassung des Herrn Uegierungs-Präsidenten erneut daraus aufmerksam gemacht, daßAdie Gemeindebehörden nicht befugt sind, ohne Genehmigung der Aufsichtsbehörde den Unterricht in der 5ortbildungsschule auszusetzen oder zeitweise ausfallen zu lassen.
Schlüchtern, den 25. Oktober 1928.
Der Landrat: Dr. Müller.
Kreisausschutz. Wohnungsbau.
I.-Nr. 10696/10603 F. Die Landesversicherungsanstalt hat zur Förderung des Arbeiterwohnungsbaues für tuberkulöse versicherte ihres Bezirks Sondermit- - tel im Betrag von 100 ÖOO,— MK zur Verfügung gestellt, die in Einzeldarlehen in Höhe bis zu 4000,— N^ gegen jährlich 6 P/o Zinsen und l°/o Abtrag nach Maßgabe der bestehenden Darlehensbestimmungen vergeben werden sollen. Sie will dadurch über den Rahmen ihrer allgemeinen Varlehensbewilligungen hinaus den Bau eines Hauses m't gesunden Wohnungen versicherten ermöglichen, die selbst oder deren nächste Familienangehörigen tuberkulös sind und infolgedessen in der jetzigen unzureichenden Wohnung (die Weiterverbreitung der Krankheitskeime auf die noch gesunden Familienangehörigen begünstigen.
Ich mache die Herren Bürgermeister hierauf besonders aufmerksam und ersuche, für entsprechende Bekanntmachung Sorge zu tragen.
I , Darlehnsanträge sind unter Beifügung der laufenden Mittungskarte des Bewerbers und eines ärztlichen Zeugnisses bei mir einzureichen.
Schlüchtern, den 26. Oktober 1928.
gez. Dr. Müller.
Ostffedlnng.
I.-Nr. 4723 K. A. Der Landesausschuß zu Kassel W die Grundsätze über die Ansiedlung von hessischen Landwirten in östlichen Provinzen in einigen Punkten ge- lanoert.^ Diejenigen Landwirte des Kreises, welche gewillt sich an einer Siedlung zu beteiligen oder sich um solche zu bewerben, ersuche ich, sich zwecks näherer uterweisung an mich zu wenden.
„ m Grundsätze des Landesausschusses über die Gst- ledlung können im Kreisausschußbüro hierselbst — Zim- 12 — jederzeit eingesehen werden.
Schlüchtern, den 26. Oktober 1928.
L Der Vorsitzende des Kreisausschusses: Dr. Müller.
L. 3n der Nähe des an der mecklenburgischen Grenze d e9enen Gutes Gerdshagen ereignete sich Sonntag ein leeres Autounglück. Es handelt sich um einen Kraft- in dem die bekannten Berliner Künstler Frau Wilma M^mg und Werner Pitschau saßen. Der wagen geriet ins rn un^ sauste gegen einen Baum. Die beiden I *a|len wurden getötet.
[ v Nach dem Brüsseler „Soir" soll die Verlobung des I »»^'Punzen Olaf von Norwegen mit der Prinzessin Martha M Schweden bevorstehen.
^ T Der Berliner Polizeibericht meldet von sieben Selbst* I k'n T ^ a(^^ Selbstmordversuchen, die in der Zeit vom K ^btag Abend bis Sonntag mittag verübt worden sind.
| . Der Thristliche Metallarbeiterverband, der Deutsche L mliarbeiterverband und der Gewerkverein haben am 15 in Versammlungen in Dortmund und Essen den e S eösfprud) für die nordwestdeutsche Metallindustrie an= Ui^^^^ und die Bezirksleitungen ersucht, die verbind- W "Veitserklärung zu beantragen.
„Graf Zeppelin ' auf dem Rückflug.
Lakeh urst U. S. A., 29. 1 0. Das Luftschiff „Graf
Zeppelin" ist um 1,58 Uhr amerikanischer Zeit (7,58 Uhr mitteleuropäische Zeit) zum Rückflug nach Deutschland aufgestiegen.
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New Vork, 29. 10. Das Luftschiff „Graf Zeppelin" befand sich 316 nachts (916 mitteleuropäischer Zeit) über New Pork. Es war in der Mondnacht deutlich zu sehen.
New pork, 29. 10. Das Luftschiff „Graf Zeppelin" überflog um* 5 Uhr früh (11 Uhr mitteleuropäische Zeit)
Block Island, nordöstlich von Lang 3slanb.
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Das Luftschiff über dem Meer.
Providense, 29. 10. Das Luftschiff „Graf Zeppelin" hat heute früh 635 Uhr amerik. Zeit in der Nähe von Thatham die Küste verlassen und Kurs auf das offene Meer genommen.
Große Schlägerei.
Berlin, 29. 10. 3n Friedrichsfelde bei Berlin entstand in der Nacht zum Sonntag eine große Schlägerei. hierbei wurden sechs Personen durch Messerstiche und hiebe mit Bierflaschen schwer verletzt. Eine Person schwebt in Lebensgefahr.
Blutige Denkmalsweihe.
Paris, 28. 10. Anläßlich der Einweihung eines Denkmales für den ehemaligen Ministerpräsidenten Tombes in Pons kam es zu schweren Ausschreitungen seitens einer Gruppe von ca. 20 Ropaliften. Einer von diesen zerschlug mit einem Hammer das Gesicht der Büste Tombes. Die Gendarmerie, die sehr bedrängt wurde, gab Feuer und auch aus der Menge heraus sollen Zchüsse gefallen sein. Es wurden einige der Manifestanten verletzt, darunter einer tödlich. 3m ganzen sind 42 Verhaftungen vorgenommen worden.
Hochwasser im Kanton Tessin
Zürich, 29. 10. Infolge gewaltiger Ueberschwemmun- gen im schweizerischen Kanton Tessin ist die Gotthardlinie unterbrochen worden. Andauernde Regengüsse haben den Talamchinibach in gefahrdrohender Weise anschwellen lassen und eine Strecke von 150 Meter bei Molinazzo für jeglichen Zugverkehr unbenutzbar gemacht. Die Ueberschwemmung hat viele Häuser des Dorfes Molinazzo unter Wasser gesetzt. Zur Hilfe für die Bewohner ist Militär aus Bellinzona herangezogen worden. Da die Bahnlinie voraussichtlich einige Tage unterbrochen sein wird, werden bie. Neisenden der Züge von Mailand und von Basel her in Bellinzona und in Tastione mit allen verfügbaren Automobilen weiterbefördert. Das Umladen des Gepäcks und der Post geht in der gleichen Weise vonstatten. Auch die Misoxer Bahn hat ihren Betrieb einstellen müssen. Der Tessin hat außerdem bei Bellinzona die rechte Dammseite überflutet und.große Geländeteile unter Wasser gesetzt. Dom Monte Arbino bezw. der Talsperre fließt unaufhörlich ein ziemlich breiter Bergbach hinunter, der das viele Geschiebe mit sich führt, das bei der Einmündung des Baches in den Tessin zur ersten Stauung geführt hat.
wie weiter gemeldet wird, hat sich die Lage im Hochwassergebiet seit Sonntag gebessert, da die Kegengüsse abnehmen. Man rechnet damit, daß der Eisenbahnverkehr bis zum Dienstag wieder durchgeführt werden kann.
Zuviel Kartoffel« in Berlin.
Der Kartoffeleinaang in Berlin ist, wie die Keichs- bahndirektion mitteilt, so groß, daß die Ware nicht mehr untergebracht werden kann. Die Eingänge gingen über das hinaus, was die Bahnhöfe fassen können. Die Sage wird dadurch noch verschlimmert, daß sich unter den Eingängen viel Kommissionsware befindet, die ohne Bestellung nach Berlin kommt. Z. B. sind auf dem Ostbahnhof von 206 wagen im ganzen 73 Wagen Kommissionsware.
Haag, 29. Oktober. Die Schlußsitzung der 13. Internationalen Roten Kreuz-Konferenz, der Prinz Heinrich von Holland bis zum Ende beiwohnte, brächte die Wahl des fünfgliedrigen ständigen Ausschusses des neu organisierten internationalen Roten Kreuzes, der in Genf präsidieren wird.
— poincare hat am Sonntag in Taon eine Rebe gehalten, in der er erklärte, daß die Notifizierung der Zchulden- abkommen mit England und Amerika habe vermieden werden können, weil die Erfüllung des Dawesplanes durch Deutschland pünktlich erfolgt sei.
Für den verzögerten Abflug des „Graf Zeppelin" war neben der Wetterlage vor allem die Tatsache maßgebend, daß es trotz größter Anstrengungen nicht gelungen war, mit der Versorgung. des Luftschiffes mit Blaugas fertig zu werden, da Schwierigkeiten mit den JDumpapparaten entstanden. Die Ballonhülle wurde mit 140 000 Kubikfuß Wasserstoff und 735 000 Kubikfuß Blaugas gefüllt. Das Blaugas wird für einen Flug von 120 Stunben ausreichen, jedoch hofft Dr. Lckener, den Rückzug in 60—70 Stunben durchführen zu können, sodaß mit der Ankunft in Deutschland in den Vormittagsstunden des Donnerstags gerechnet werden kann. Neben anderen amerikanischen Fluggästen nehmen drei Luftschiffsachverständige des Marineministeriums, Kommandant Pierce, Leutnant Bausch und Leutnant Zettle an dem Flug nach Europa teil.
Dr. Eckener hat an den Oberbürgermeister von Thicago ein Telegramm gesandt, in dem er ihm sein Bedauern über die Aufgabe des Westfluges ausdrückte und gleichzeitig die Hoffnung ausspricht, den Westen beim nächsten Amerikaflug besuchen zu können.
Srüs Westürs Mr ek Rhemlandsrage.
Eure Saartuudgebuug in GoSesberg.
Im überfüllren Saale des Gasthauses „Zum Aenn- chen" in Godesberg verunstaltete die Deutschnationale Voltsparter am Sonnabend abend eine große Saarkundgebung. Nach Begrüßungsworten von Exzellenz Waltras ergriff Gras Westarp das Wort zu der tzauptrede des Abends.
Der Redner schilderte den politischen Sinn des franzvsnchen Geichreis nach Sicher Ai, kennzeichnete die AbrnftungSkvmodke int Kufammenpang mit Den englisch-französischen Abmachungen und wies dann aus Die ungeheuren Gefahren der jetzt eingeleiteten Reparationsverhandlungen hin.
Man fordere u. a. deutsche Zahlungen für die Til- gungsdauer der amerikanischen Forderungen von 62 Jahren und lasse den Artikel 233 des VersaUler Diktates in der Versenkung verschwinden, wonach der Zahlungsplan die Auflösung der Gesamtschuld innerhalb eines Zeitraumes von 30 Jahren, beginnend mit dem 1. Mal 1921, Vorsicht.
Graf Westarp terente Die Notwendigkeit, daß in der Welt durch Wort und Tat gezeigt werde, daß das ganze deutsche Volk sich um seinen Anspruch aus Gleichberechtigung betrogen fühle und daß es auch Die wirtschaftlichen Leistungen gar nicht aufbringen könne, solange die jetzigen Zustände an Rhein und Saar beständen. Nach einer Schilderung der allge- mern betannren Lasten und Bedrückungen des Rhein- landes dup-ch die Besatzung wies der Redner daraus hin, daß an den Ostgrenzen des Reiches gleiche Not Hunderttausende Deutsche belaste.
Gelinge es uns nicht, Ostpreußen wie den Rhein und das Saargebiet gegen die Eroberungs- und Ver- ntchtungsabsichten zu erhalten, versäumten mir es, die Dämme gegen die slawische Flut im Osten §u errichten, so werde für die gesamte Nation die Stunde der Befreiung nicht schlagen.
Nachdem Graf Westarp noch auf die Frage der Bersassungsreform eingegangen war, schloß er mit den Worten: „Herr, mach uns frei!" Im Ansaputz an die Rede gelangte
eine Entschließung
zur Annahme, in der es u. a. heißt:
„Die Voraussetzungen, unter denen man Loearno adschlotz, haben sich als irrig erwiesen. Deutschland steht allein. England und Frankreich sind enger verknüpft denn se. Der Pole droht im Osten. Im besetzten Gebiet herrscht Militärdiktatur. Alan treibt Mobilmachungsmaßnahmen aus deutschem Grund und Boden. Sahet sitzen wir als „Großmacht" in Rat und und Völkerbund.
Das besetzte Gebiet ist sturmerprobt. Es harrt aus, bis die Besatzung an ihrer wachscnvcn Unmöglichkeit zugrunde geht. Es darf aber auch erwarten, daß sie Stärkung seiner seelischen und wirtschaftlichen Widerstandskraft als wichtigste Anfgabe jeder »rationalen Po- litrt anerkannt und betätigt wird. Im Saargebret hat der Völkerbund versagt. Das Ergebnis einer kommenden Volksabstimmung steht schon heute fest. In inniger Schicksalsverbundenheit grnßerr wir unsere Brüder rn Eupen-Malmedh. Die groteske „Volksabstimmung" er- kennell wir nicht an.
Die Einigung" von Genf erfüllt uns mit schwerster Sorge WN-wucueu davor, unser Recht auf Räumung zum Hanbcusgeschaft zu machen. Wir protestieren auf das schroffte gegen irgendwelche dauernden Kontrollorgane.
Niemals darf Deutschland um gegenwärtiger Vorteile willen auf seine Zukunft im Osten verzichten.'