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(I. Blatt)

Dienstag, den 16. Oktober 1928

Amtliche Bekanntmachungen.

Landratsamt.

I.-Nr. 8241. Unter Bezugnahme auf die Besprechung t yM 8. d. Mts. ersuche ich die Herren Bürgermeister und Zchulverbandsvorsteher mir den etwaigen Bedarf an Neichs- präsidentenbildern für die Schulen bis zum 25. d. Mtr. mzumelden.

preis des Bildes in Eichenrahmen 16. H Schlächtern, den 10. Oktober 1928.

Der Landrat: Dr. Müller.

Die Finanzlage des Reichs.

Eine Rede des Reichssrnanzministcrs.

Auf der Tagung der Hauptgcmeinschast des Deutschen Einzelhandels sprach Reichsfinanzminister Dr. H! ferdiug über den Stand der Reichsfinanzen. Er führte aus, daß man für den nächsten Etat mit einer Steigerung der Reparations­ausgaben um 312 Mill. Mark rechnen müsse. Auf der anderen

Seite kämen laufende Einnahmen in Wegfall. Man habe in& gesamt für einen Ausfall von etwa 600 Mill. Mark zu sorgen

gesamt für einen Ausfall von etwa 600 Mill. Mark zu sorgen, ohne Berücksichtigung der ressortmäßigen Mehrforderungen. Zur Balanzierung des Etats habe man drei Wege: den Weg der Er parnisse, die Hoffnung auf Steigerung der Einnahmen aus bestehenden Steuern und neue Steuern. Die Möglichkeit der ErParnisse sei gering. Was den zweiten Weg anlange, so entspräche die Entwicklung der Einnahmen aus den bestehenden Steuern den Erwartungen. Die pessimistischen Erwartungen in bezug auf die Konjunktur hätten sich nicyt in vollem Maße bewahrheitet, und man dürfe wohl annehmen, daß eine schwere Krise der deutschen Volkswirtschaft erspart bleibe.

Er hoffe, daß es möglich sei, die Schritte auf dem dritten Wege, nämlich dem Wege der neuen Steuern, nicht allzu zahl­reich werden zu lassen. Erst nach vollständiger Aufstellung des Haushalts werde man einen Ueberblick über das Steueraufkom- wen haben. Er sei sich vol ommen bewußt, daß der bemiafT Steuerdruck groß sei. Um so Vorsicht ger müsse man bei der Auswahl etwaiger neuer Sten rn sein.

Zum Schluß erklärte der Minister, daß der Dalves-Plan Otter Revision unterzogen werden müsse, da die Ungewißheit die endgültige Genesung Deutschlands hindere. Gelinge es, eine wirtschaftlich tragbare Lösung zu finden, dann erst sei der Krieg endgültig zu Ende, dann erst sei es möglich, die Fort- schr-tw der Technik in den Dienst des Volkswohlstandes zu stellen.

Eine Rede des Reichscrnährtmusministers.

, Nach dem Reichsfinanzminister sprach NeichsernährnngS- miniher Dietrich. Er sagte u. a., er sei außerordentlich Lumich darüber, daß gerade der Einzelhandel volles Ver­ständnis für die Maßnahmen der Regierung zugunsten der Landwirtschaft habe. Es handele sich ja schließlich auch bicht darum, bei dieser Arbeit dem Einzelhandel Konkurrenz 5 wachen, sondern die Landwirte zu dem Zweck in Genossen­schaften zusammenzufassen, damit sie einheitliche, gewissen -Qualitätsansprüchen genügende Ware in Masse herstellen, die 1C nicht selbst vertreiben, sondern an den Großhandel zur Weitergabe an den Kleinhandel überleiten. Der Minister rotes auf die katastrophale Lage hin, die in der Landwirtschaft entstauben ist, daß die Großhandelsrichtzahl für Agrar- stojfe Mitte September 133,5 war, während die Richtzahl für twrtiafabrikate sich auf 150 bis 160, bei Textilwaren und ^chuhzeug auf nahezu 180 belaufe.

, Der Minister richtete die Bitte an den Kleinhandel, dem wländtschen Erzeugnis den Vorzug zu geben. Diese Aufforde­rung müsse aber auch an das ganze deutsche Volk gerichtet werden. Die möglichst weitgehende Ernährung des Gesamt- Kolkes aus den Erzeugnissen der deutschen Scholle sei für die Lebenshaltung und die Zukunft unseres Volkes die wichtigste »rage.

Zwei Tote, zehn Verletzte bei dem Explofions Unglück auf berKnngsholm"

E u x h aven, 15. 10 (WB) Bei dem auf einer Wertprobe- Wt. sich befindlichen MotorschiffNungsholm" ereignete R eine schwere Nesselexplosion. Die Verluste betragen zwei ^ote und zehn verletzte, die kurz vor 1 Uhr nachts von dem VampferWotan" in Tuxhaven gelandet wurden. Die beiden Toten sind ein Däne und ein Schwede. Die Namen noch unbekannt. Die Verletzten sind gleichfalls über« wollend Schweden, und zwar sind die Verletzungen vielfach ^cht schwerer Natur.

Familientragovie.

Eine furchtbare Familientragödie ereignete sich Sonntag Hoenb am Dortmund-Herne-Nanal. Eine etwa 35 Iahre

$rau, die den Leinpfad entlang ging, stieß an der .rucke von Nieden-Bladenhorst plötzlich ihre drei Kinber p ben Kanal und sprang selbst nach. In der Nähe besind- uche Personen vermochten die vier nur als Leichen zu bergen.

x von Hünefeld und sein Begleiter, der Pilot Lingner, von Hanoi kommend Samstag Abend in Kanton einge« offen.

Zeppelin besteht im Sturm.

Leichte Havarie des Luftschiffes. Der Schaden be­hoben. Mit aller Kraft der Neuen Welt entgegen.

Graf Zeppelin", der in geradezu genialer Weise von Dr. Eckener durch und um alle Gefahren und Stürme gesteuert worden ist, hat nun als tapferer Kämpfer doch eine leichte Verwundung bavongerragen. Er geriet am Sonnabend in ein Tief und wurde vom Sturm arg bedrängt. Eine Vertikalbö von ungeheurer Gewalt faßte ihn und versuchte ihn niederzuzwingen. Er widerstand; nur eine Schramme trug er davon. Aus Friedrichshafen wird uns hierüber folgendes ge­meldet:

Gegen 22 Uhr verbreitete sich am Sonnabend wie ein Lauffeuer in Friedrichshafen das Gerücht, daß Graf Zeppelin" SOS-Rufe sende. Dos kleine Städt­chen war in wenigen Augenblicken in Heller Aufregung. In den Hotels und auf der Straße standen erregte Gruppen beisammen und besprachen das Gerücht. Die zwei Beamtinnen des Postamtes Friedrichshafen, die den Nachrichtendienst versehen, konnten den Ansturm der Anrufe an die Werft kaum bewältigen. Glück­licherweise war die Leitung des Zeppelin-Baues aber in der Lage, das Gerücht sofort entschieden zu demen­tieren und den Anrusenden zur Beruhigung mitzu- teilen, daß die Havarie des Schiffes geringfügig und bereits behoben sei und daß das Luftschiff zur Zeit s ne Fahrt mit 30 Sekunden-Meter Rückenwind bei gutem Wetter nach Lakehurst fortsetze. Die Beschädi­gung sei dadurch entstanden, daß das Luftschiff Plötz- Ach in eine schwere Regenbö hineingeraten sei, wobei die Havarie erfolgte.

Wie die Wunde aussieht.

An dem Luftschiff ist die untere FiäckenbcsPan MMU8 *« der linken StabilifrernugSsläche gevtn,-,. > , reu» das Gerüst trab die obere Fräcke unversehrt ,i»s

Die Reparaturen ließen sich leicht während der Fahrt durchführen, da der Jnnenraum der Fläche einem Mann Platz genug zur unbehinderten Arbeit bietet. Es mußten nur die Stoffetzen beseitigt, bezw. ihre Reste neu befestigt werden.

Die einzige Folge der leichten Havarie wird also eine Verlängerung der Fahrtdauer sein. Diese aber läßt sich zum Teil durch Verkürzung der Fahrtroute ausgleichen. Nach einem Funkspruch des Schiffes ist es nach Beendigung der Reparaturarbeiten sogleich von dem bisher eingehaltenen Westkurs nordwestlich abge- bogen und hat die B.rmudas-Jnseln backbord liegen lassen, unmittelbar das Fahrtziel, Lakehurst, an- steuernd.

Jede Gefahr beseitigt.

Graf Zeppelin" hat, wie aus New Avrk gemel­det wird, am Sonnabend abend sechs Uhr M. E. Z. eine reguläre Funkverbindung mit den Vereinigten Staaten hergestellt. Das Schiff verlangte und erhielt Versuchssignale durch die Station Chatham der Radio­marinekorporation und des Luftschiffhafens Lake­hurst. Die Radio-Corporation von Amerika richtete im Zusammenhang mit Gerüchten, wonach von dem Luftschiff Notsignale ausgesandt worden sein sollen, an denGraf Zeppelin" drahtlos das Ersuchen um Auf­klärung. Von Bord des Luftschiffes wurden diese Ge­rüchte kategorisch dementiert und erklärt, daß es sich in keinerlei Gefahr befinde und Hilferufe nicht ausge- ianbt habe.

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Nach einer New Dörfer Meldung befand sich Graf Zeppelin" am Sonnabend,, % t^ um 11 Uhr amerikanischer Zeit (Sonntag mh; Jt M. E. Z.) bereits auf 63 Grad west.icher Lünge^^ 34,49 Grad

nördlicher Breite. Die Entfernung von dort bis Lake­hurst beträgt noch rund 1400 Kilometer.

Letzte Empfangsvorbereitungen.

In Lakehurst ist in den Hotels kein Platz mehr zu betommen. Wer kein Auto H^r, in dem er übernachten kann, kampiert einfach im Freien. Mit derLos Angeles" hat die letzte Landungsübung der Lakehur- ster Garnison stattgejunden, die ausgezeichnet geklappt hat. Die Alarmbereitschaft ist am Sonntag morgen 6,55 Uhr in eine erhöhte umgewandelt worden.

Western Union" und Radio haben zur Bewälti­gung des RiejeuverkehrS die umfassendsten Maßnahmen getroffen, was natürlich unbedingt notwendig war, wenn man sich vergegenwärtigt, daß bis zum Sonn­abend n'cht w miger als 10 000 Pressekarten ausge­geben waren. Fist sämtliche Nationen sind durch Flot- tenattadt-S und andere Diplomaten auf dem Flug­platz vertreten.

Zeppelinfieber in Amerika.

Die amerikanische L^ffentlichkeit sieht restlos unter dem Eindruck des Amerikafluges desGraf Zeppelin", hinter dem alle anderen Ereignisse in den Hintergrund treten. Die New Yorker Blätter überbieten sich gegenseitig mit Extraausgaben, in denen ausführlich der Flugverlauf geschildert wird.

Besonders groß ist naturgemäß das Jntereffe in Lakehurst, wo sämtliche Hotels vollkommen überfüllt sind. In der Luft- schifshalle wird geradezu fieberhaft gearbeitet, um für die An­kunft desZeppelins" gerüstet zu sein. Die Abspcr'.nngslinie ist auf zehn Meilen im Umkreis erweitert worden. Man rechnet nunmehr mit der Auffahrt von 200 000 Automobilen. Zahl­reiche Filmleute sind bereits mit eigenen Flugzeugen in Lake- Hurst eingetragen. Im Fluqzeugbäfeu Lakehurst liegen viele Flugzeuge bereit, die demZeppelin" entgegenfliegen wollen. Für Sitze in diesen Flugzeugen werden bereits Rieseusummen geboten.

Die deutschen Gesellschaften in Amerika forderten die New 9)orfer Bevölkerung auf, bei der Ankunft desZspsi die amerikanische und die deutsche Flagge zu zeigen.

k) amilton, 14. 10 (OB) Der amerikanische Dampfer £afcoma" berichtete, daß er denGraf Zeppelin" um 3,55 Uhr nachmittags etwa 62 Meilen östlich von St. Davis-

Island gesichtet habe.

Hamilton, 14. 10. (OB) DerGraf Zeppelin" über- flog die Bermudas heute abend um 6,41 Uhr amerikanischer Zeit (etwa 12,30 Uhr nachts mitteleurop. Zeit). Das Luft­schiff flog ziemlich niedrig mit mäßiger Geschwindigkeit die auf 32 bis 40 Kilometer geschätzt wurde. Das Luftschiff hatte gegen Nordwestwind anzukämpfen.

j Die Schwierigkeiten der letzten Etappe i der Zeppelinfahrt.

Friedrichshasen, 14. 10. (OB) Nach den hier vor­liegenden Meldungen u. a. hat Generaldirektor Tolsmann Sonntag Abend gegen 11 Uhr ein Nadiotelegramm aus Amerika bekommen. Nach dem steuert das LuftschiffGras Zeppelin" mit Dampfergeschwindigkeit, südöstlich an den Bermudas-Inseln vorbei in Richtung auf Süd-Earolina. Damit ist bestätigt worden, daß die schweren Stürme, die an der amerikanischen Küste in der Höhe von New I)ork herrschen, das Luftschiff zwangen, zurückzugehen und einen ganz anderen Kurs einzuschlagen. Es ist anzunehmen, daß Dr. Eckener die Absicht hat, von Süb Carolina aus oder vielleicht auch schon etwas früher, sobald er eine atmosphä­risch günstige Fahrtrinne antrifft, nach Norden abzudrehen. um auf diesem Wege Lakehurst zu erreichen. Man zweifelt hier keinen Augenblick daran, daß das Schiff sich gut durchkämpft und auf diesem südlichen Umweg sein Ziel sicher erreicht. Die Männer, die das Sd)iff führen, sind alte sturmerprobte Luftschisführer, die schon manche schwere Zeppelinfahrt hinter sich haben. Es wird auch betont, daß derGraf Zeppelin" reichlich Brennstoff an Bord hat, um auch diesen Umweg durchzuführen. Schwieriger sind die Verhältnisse allerdings wohl mit den Lebensmitteln. Bisher sind aber noch keine Meldungen eingegangen, daß irgendwie ein Mangel aufgetreten wäre, der Besatzung und Passagiere in Not bringen könnte.

Ankunft desGraf Zeppelin" nicht vor Montag nachmittag.

Lakehurst, 14. 10. (WB) Bei der hiesigen Marine­station ist ein Funkspruch von Eommander Nosendahl von Bord desGraf Zeppelin" eingetroffen, in dem es heißt, daß das Luftschiff wahrscheinlich nicht vor Montag Nach­mittag in Lakehurst eintreffen wird.

Washington, 15. 10. Das Marine-Nachrichten-Amt meldet, daß sich das Luftschiff um 11 Uhr amerikanischer Zeit (5 Uhr mitteleuropäische Zeit) 150 Meilen von F)er Bermuda-Gruppe befand. Das Marineamt hat drei Zer­störern Anweisung gegeben, dem Luftschiff entgegenzufahren und sich für eventuelle Hilfe bereitzuhalten.

Rückflug nach 10 Tagen.

Wie demB. T." aus New Pork gemeldet wird, ist der Aufenthalt desGraf Zeppelin" in Amerika nur für zehn