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M. 123

(1. Blatt)

Samstag, den 13. Oktober 1928 (Werbennmmer) 80. Jahrg.

Amtliche Bekanntmachungen.

Kreisausschuß.

Baumpflegekurse.

J.=Rr. 4506 K. R. In den Kommenden Vintermona- hen sollen wie alljährlich Baumpflegekurse abgehalten | werden.

Bei günstiger Witterung findet der 1. Lehrgang vom 17. November d. 3s. ab an der Kreisstraße Tlm-Hutten I statt. Der 2. Lehrgang soll an der Straße Breitenbach- liressenbach-Zchmidtmühle ab geh alten werden. Jeder Kur= [us dauert voraussichtlich 2 Wochen. Den Kursus-Teilneh- [ mern entstehen außer den Kosten für die Beschaffung der s aotwendigen Werkzeuge, die etwa 10 bis 11 Rill, betra- gen werden, keinerlei Unkosten. Unmeldungen für die bei- den Kurse sind schon jetzt an Herrn Kreisobergärtner hol- istein in Schlüchtern, Dreibrüber strafe 16, zu richten.

Den Kreiseingesessenen ist durch die Teilnahme an einem der Kurse günstige Gelegenheit geboten, ihre Kennt­nisse in der Baumpfiege zu vervollständigen und zu ver­tiefen.

Die Herren Bürgermeister des Kreises ersuche ich, in ihren Gemeinden in ortsüblicher Weise die Interessenten auf die Lehrgänge aufmerksam zu machen und sie zur Teil­nahme an denselben zu bewegen.

Schlüchtern, den 10. Oktober 1928.

Der Vorsitzende des Kreisausschusse;. Dr. Müller.

Katasteramt.

Bekanntmachung.

Bezugnehmend auf die Besprechung bei der letzten Bürgermeisterversammlung werden die Herren Bürgermei­ster ersucht bis zum 25. b. Mt§. dem Katasteramt ange­ben zu wollen :

B wieviel Volnaonröhren (wie norgeneigt) und

2) wieviel Drainröhren für die dauerhaft . R rn^ t- ng

der Messungspunkte beantragt werden. :

Da eine Sammelbestellung erfolgen soll, wird ersucht , obigen Termin pünktlich innezuhalten.

preußisches Katasteramt. 3. V.: Merse. |

Stadt Schlüchtern.

In der Zeit vom 17. Oktober bis einschl. 2. November d. 3s. findet die Reinigung und das Ausbrennen der Zchorn- steine in der Tlmer- und Rhlersbacherlandstraße, Hosvital- strahe, Elmweg, Grabenstraße, Kaiserstraße, Kronprinzen- straße, Gartenstraße, Dreibrüderstraße, Kurfürstenstraße, 5chmied§-, Neu- und Linfengaste, Breitenbacherstraße, Loti- ^msstraße, Bahnhofstraße, Klosterstraße, Brückenauerstraße, Braugasse, Fuldaerstraße, Amtsberg, Weinbergstraße und 6ltestraße statt.

Schlüchtern, den 11. Oktober 1928.

Die Polizeiverwaltung: Gaenßlen.

Sozialdemorvstke b-antragt Einstellung des Panzerkreuzer-baues.

Zu der gemeldeten Ankündigung des sozialdemokratischen Abgeordneten Wels auf dem Brandenburger Bezirksyartei- Eag, daß die Sozialdemokratie demnächst dem Reichstage einen Antrag vorleaen werde:Der Bau des Panzerkreu­zers st wird eingestellt", bemerkt der S03. Pressedienst: "Dann und in welcher Form ein derartiger Antrag dem Reichstag vorgelegt werden wird, ist Sache der Sozialdemo- «ratischen Reichstagsfraktion. Aber daß ein derartiger An« frag kommt und zwar bald kommt, ist unseres Trachtens 1° gut wie sicher".'

Der neue Wehr-tat.

Der neue Reichswehretat ist, wie eine linksstehende Zei- uiNgsKorrespondenz mitteilt, auf Anregung des Reichsspar- «ommissars wesentlich übersichtlicher und einfacher gestal- als. die früheren Wehretats. 3m übrigen ist ein großer ^gamsationsplan für Heer und Marine ausgearbeitet, eine Vereinfachung des ganzen inneren Geschäftsganges und besonders Vermeidung von Doppelarbeit vorsieht. Das ^eiü'smeßrminifterium hat darauf verzichtet, Mittel für Entsendung von Militär- und Marineattaches anzufor- oern.

Ein «»euer Hauseinsturz in Prag.

9rag, 12. 10. (WB) Die Volizeikorrespondenz teilt mit, M kurz vor Mitternacht in Lieben, einem Stadtteil Prags, Hälfte eines Neubaues samt dem Gerüst eingestürzt

Es handelt sich um einen zwei- bis dreistöckigen Ziegel- oau. Die Schuttmassen fielen auf die Bürgersteige. Men- 'aKnleben sind voraussichtlich nicht zu beklagen. Feuer­sichren und Sanitätsmannschaften mit Scheinwerfern be= Jaben sich an der Unglücksstelle. Nähere Tinzelheiten Teilen noch.

Graf Zeppelin über dem Ozean.

Friedrichs Hafen, 11. 10. Um 19.50 Uhr wurde der Graf Zeppelin" zum letzten Male über Barcelona gesehen. Man nimmt an, daß er an der Ostküste Spaniens entlang nach Gibraltar fahren wird, um von dort aus den Weg über die Rzoren zu wählen, um die in dieser Gegend herr­schenden günstigen Luftströmungen auszunutzen. Bis 2,30 .Uhr nachts war es seit der Sichtung über Barcelona keiner spanischen und auch deutschen Funkstation trotz angestreng­tester Bemühungen gelungen, mit dem Luftschiff in Funkver­kehr zu treten.

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Madrid, 12. Oktober. Das Luftschiff Graf Zeppelin überflog heute früh 5 Uhr die Straße von Gibraltar mit der Richtung auf die Rzoren. Es befindet sich über dem Ozean.

(Weitere Meldungen über den Zeppelinflug im 7. Blatt)

Die RäumungsdeSÄte.

Der belgische Standpunkt.

Der Brüsseler Vertreter desTemps" berichtet seinem Blatte ausführlich über die Einstellung der amtlichen belgi­schen Kreise zu den bevorstehenden Räumungs- und Repara- tionsverhandlungen. Die Auffassung der belgischen Regie­rung, so führte der Berichterstatter u. a. aus, gehe nach wie vor dahin, daß die vorzeitige Räumung des Rheinlandes nur gegen Garantien und bestimmte Vorteile erfolgen könne. Es könne keine Rede davon sein, eine zweiseitige Kontrolle nach 1935 zuzulassen, da die Deutschen auf diese Weise Einblick in bie belgischen Ostprovinzen bekommen würden (!!).

Gewisse belgische Sachverständige fragen sich, ob es nicht klüger wäre, als Gegenleistung für eine vorzeitige Räumung durchzusetzen, daß die militärische Kontrollkommission des Völkerbundes ausgedehntere Vollmachten erhielte und ihre Tätigkeit tatsächlich wirksam gestalten würde. And. j "# jet , Zan der Ansicht, als Gegenleistung für eine v^zeitige Räumung sollte beschlossen werden, daß die Alliierten bis 1935 die Eisenbahnknotenpunkte des Grenzge tes. und zwar Aachen, Trier, Saarbrücken, Pirmasens und Kehl, besetzen.

Großfeuer im Warenhaus Tietz.

Berlin, 12. Oktober. Um die Mittagsstunde des Donners­tags ist bei der Firma Tietz am Dönhoffplatz in der Triko- tagenabteiluug, wahrscheinlich infolge Kurzschlusses, ein Feuer ausgebrochen. Das Personal hat unter Zurücklassung seiner Garderobe sofort das Stockwerk verlassen. Auch die übrigen Stockwerke sind dann geräumt worden. Die Feuerwehr ver­suchte, von der Leipziger und von der Krausenstraße aus das Feuer zu löschen.

Errichtung des Reichseyrenmals in Bad Breka.

Berlin, 12. Oktober Nach einer Meldung hat sich das Neichsministerium des Innern im Einvernehmen mit der Mehrzahl aller F^ptkämpferverbände für die Errichtung des Ehrenmals in Berka entschlossen. Eine entsprechende Vorlage werd« in absehbarer Zeit das Reichskabinett beschäftigen.

Fünf R^ionen im Autobus verbrannt.

Berlin, 12. Oktober. Nach einer Meldung derDAZ." aus London ist auf der Straße nach Shastesbury am Donners­tag kurz nach Mitternacht ein Automobilomnibus in Brand geraten, der Landbevölkerung von einem Fest aus der Stadt zurückbeförderte. Fünf Personen verbrannten.

Wieder ein Zug auseinandergerissen.

Aschaffenburg, 12. Oktober. Am Donnerstagvormittag fand bei der Einfahrt eines Güterzuges in den Bahnhof Laufach aus Richtung Haigenbrücken eine Zugtrennung statt. Der abgerissene Teil' des Zuges ist auf den vorderen Teil aufgefahren, wobei fünf bis sechs Wagen entgleisten und beide Hauptgleise sperrten.

Eine schwere Explosion bei Venedig.

Rom, 12. Oktober. In C a st a g n i 0 l e in der Provinz Treviso (Italien), 40 Kilometer von Venedig entfernt, ereig­nete sich am Mittwoch eine schwere Kesscicxplosion in einem Munitionslager, in dem noch aus dem Kriege stammende Geschosse eingeschmolzen werden. Die Explosion entstand wahrscheinlich dadurch, daß eine noch nicht entleerte Granate irrtümlich mit in den Schmelzofen gelangte. Die Zahl der Toten steht noch nicht fest. Die von der Explosion Betroffenen wurden buchstäblich in Stücke gerissen. Unter den Toten be­finden sich auch Der Direktor und der Stellvertreter des Munitionslagers. Vier Personen wurden schwer verletzt ins Krankenhaus verbracht. Eine behördliche Untersuchung ist eingeleitet.

Die Zahl der Toten des großen Bauunglücks in Prag hat sich auf 32 erhöht. 3m Laufe des Donnerstag mittags wurden grauenhaft verstümmelte Leichen geborgen.

In einem Dortmunder Bergwerk ging eine Fahr­strecke zu Bruch und begrub vier Arbeiter. Drei der ver­schütteten konnten nur noch als Leichen geborgen werden, der vierte wurde in schwerverletzten Zustande ins Kran­kenhaus gebracht, wo er hoffnungslos darniederliegt.

So» Woche zu Woche.

Von Argus.

Der Bund zur Erneuerung des Reiches hat feine Vorschläge für die Neugestaltung des Verhältnisses zwi­schen Reich und Ländern veröffentlicht. werden gegen­wärtig in der Presse eifrig diskutiert. Daß sie durchführbar sind, glauben wir nicht. Preußen als das größte, volksreichste und kapitalkräftigste der deutschen Länder wird feine Selb­ständigkeit nicht aufgeben wollen, wenn die süddeutschen Staaten als seiche bestehen bleiben. Immerhin hat der Bund des früheren Reichskanzlers Dr. Luther durch die Formulie­rung konkreter Vorschläge zur Reichsreform sich ein Verdienst erworben. Man hat nun einmal eine Diskussionsgrundlage, von der auch der amtliche ReichsreformauSschuß, der demnächst zusammentritt, wird Gebrauch machen können. Bemerkens­wert ist, daß dieBayerische Staatszeitung", daS Organ der bayerischen Regierung die Vorschläge Luther glatt a b l e h n t.

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Am 7. Oktober hat sich in Oesterreich wieder einmal die Wahrheit des Wortes erwiesen, daß Revolutionen, deren Beginn für einen bestimmten Tag vorausgesagi werden, nicht eintreten. Die Aufmärsche der beiden großen, einander in lebhafter Gegnerschaft gegenüberstehenden Verbände: Heim­wehren einerseits, Republikanischer Schutzbund. andererseits sind in Wiener-Neustadt ohne jeden Zwischenfall verlaufen. Freilich nur weil man sich aus behördliches Eingreifen vor­her geeinigt hatte, daß die Demonstrationen zu verschiedenen Stunden erfolgten: Erst marschierte die Heimwehr aus, dann der Schutzbund. Außerdem war ein großes Aufgebot von Gendarmerie und Militär zur Stelle. Wenn nun auch in Wiener-Neustadt kein Blut geflossen ist: der 7. Oktober hat die schleichende innere Krisis des österreichischen Staates scho­nungslos enthüllt. Eine tiefe, vorläufig unüberbrückbar . scheinende Kluft geht mitten durch das österreichische Volk. Man versteht sich gegenseitig nicht mehr, der bürgerliche Heim­wehrverband, der sich gegen den Marxismus wendet, und der .^sr^bunb, dessen Mitgl-eder zum größten Teil Soziaidemo« ' JExLmi " ' Mußte« 1 dahin kommen.- Mußten die gar­reim - sa. ' Gegensätze fc weit getrieben werden? Man geht zur Zeit in beiden Lagern mit sich selbst zu Rat« und spricht voninner?" stung", die allerdings sehr, sehr nötig wäre. Ob nur ist v. .erreich und nicht auch anderswo darüber kasa man sich so seine eigenen Gedanken Machen . . . Ab?-- Oesterreich, dieses in seinen jetzigen Grenzen auf die Dauer ohnehin nicht lebensfähige Gebilde, leidet unter solchen inneren Schwierigkeiten natüÄich besonders schwer!

Die H 0 he Politik" Europas ist zurzeit 'äußerst interessant. Ja, sie ist so bewegt, daß man von einem kleinen Hexensabbath sprechen kann. Die Ursache für die allgemeine Unruhe ist das famose englisch-französische Flottenabkommen angeblich ein Vertrag über Rüstungsbeschränkungen, in Wirklichkeit eine Art Versicherung auf Gegenseitigkeit: Frank­reich anerkennt die englische Vorherrschaft zur See, England die Frankreichs zu Lande. Ein glattes Geschäft. Nur daß es Amerika heillos verschnupft hat weil man da drüben auch auf die Vorherrschaft zur See spekuliert! und daß neuer­dings auch Italien aufbegehrt, weil es im Mittelmeer die stärkste Seemacht sein möchte. Ueber diesen italienischen Widerspruch wäre man ja wohl noch hinweggekommen (Italien wird in London und Paris trotz seiner großen Gesten doch wohl immer noch zu den ,Meinen" gerechnet!). Aber die Verstimmung Amerikas! Sie hat namentlich Paris sehr ner­vös gemacht? So nervös, daß man sich zunächst ein wenig mit London herumzankte, well London auf der Geheimhaltung des Abkommens bestand, obwohl Amerika seine Veröffentlichung forderte. Dann verlor man in Paris völlig den Kopf und wies den amerllanischen Journalisten aus Frankreich aus, der vor einiger Zeit den Text eines geheimen Rundschreibens des französischen AußenministeriumS an seine Botschafter nach. Amerika gegeben hatte. Dieser Journalist ist der Pariser Vertreter der sogenanntenHearst-Presse", eines Zeitungs- konzerns, der dem Amerikaner Hearst gehört und bekannt ist für seine verhältnismäßig objektive Haltung zu den europäi­schen Fragen, Verhältnissen und Händeln. Die Hearst-Presse gibt also England und Frankreich nicht immer recht, findet zu­weilen auch ein paar anerkennende Worte für Deutschland Grund genug, daß sie in Paris recht unbeliebt ist. Deshalb war man auch mit dem Ausweisungsbefehl für ben Pariser Vertreter dieser Blätter so rasch bei der Hand. Daß man damit eine kapitale Dummheit gemacht hat, steht außer Zweifel. Herr Briand, der gegenwärtig nicht in Paris weilt, wird wohl recht erschrocken gewesen sein, als er erfuhr, was ihm seine Räte da angerichtet haben. Namentlich auch, weil der ausge- iöiefene Journalist sich gar nicht selber in den Besitz des Doku­ments gesetzt hat, sondern es von seinem Chef, dem Amerikaner Hearst selbst erhielt, der sich damals gerade in Paris befand. Aber, woher hatte es nun Hearst? Darüber geht das Rätsel­raten in der französischen Presse weiter. Schließlich muß ja doch irgendwo ein französischer Beamter das Dokument ver­raten, oder für teures Geld verkauft haben. Der amerikanische Jounalist, der seinen Inhalt nur nach Amerika telephonierte, ist wirklich der Allerunschuldigste daran. Aber im französi­schen Außenamt hatte man so den Kopf verloren, daß man gerade ihn packte. Es trägt nicht zum Ansehen der französi­schen Behörden bei, daß man ihm hinterher noch einen länge­ren Aufenthalt gestatten will und dann den Ausweisungs- befchl vielleicht überhaupt zurückninrmt.