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Schlüchtsrner Zeitung

2 Blatt

Lloyd George kritisiert.

Scharfe Worte gegen das englisch-französische Flottenabkom-

M. Amerika kennt nicht den Wortlaut des Paktes. H Fravkreichs militärische Reserven.Die Sache des Frie­

dens von England und Frankreich verrakn."

Lloyd George über das Flottenabkommen.

Der frühere englische Ministerpräsident Lloyd George übt in einem Zeitungsartikel ungemein scharfe Kritik an dem englisch-französischen Flottenabkommen. Er bezeichnet es als das ungeschickteste und unheilvollste oder gefährlichste Doku­ment der letzten Zeit. Die englische öffentliche Meinung sei durch die amtlichen und halbamtlichen Informationsquellen zu.dem Glauben veranlaßt worden, daß die Regierungen der Vereinigten Staaten, Italiens und Japans von allem Wissens- Mtfen über das englisch-französische Flottenabkommen unter­richtet worden seien.

Es zeige sich jedoch jetzt, daß dies nicht der Fall gewesen sei, da in der amerikanischen Note ausdrücklich betont worden sei, daß Washington nicht den Wortlaut, sondern nur eine zusammenfasiende Inhaltsangabe erhalten habe.

Nachdem Lloyd George die Gefahren der Unterseeboote für England besprochen hatte, fährt er fort:Aber so wichtig auch das Problem der Unterseeboote sein mag, es ist doch nicht so lebenswichtig, wie eine andere Klausel, die sich an- Mch in den Geheimabkommen befindet. Ich beziehe mich auf die englische offizielle Anerkennung der französischen These über die militärischen Reserven, wie sie von Paul-Boncour vor der vorbereitenden Abrüstungskonferenz in Geenf dar- gestellt worden ist.

Frankreich und seine Verbündeten können innerhalb weniger Tage mehr als 8 Millionen ausgebildeter Soldaten unter Waffen stellen. Kein Wunder daher, daß Italien sich dem Pakt gegenüber unbehaglich fühlt und daß Deutschland der frünzösischen Behauptung, die Rheinlandbesetzung sei zur Aufrechterhaltung der französischen Sicherheit unbedingt not­wendig, sehr skeptisch gegenübersteht. Wenn es sich bewahr- heitet, daß der englisch-französische Pakt von feiten Englands eine Klausel enthält, die bei allen Diskussionen über die Ab­rüstung, die Erwähnung dieser bedeutenden Reserven unter­sagt, dann ist die Sache des Friedens von den Regierungen Frankreichs und Englands tu wohlüberlegter Weise einfach verraten und preisgegehen worden."

Der englische Luftfahrtminister antwortet

Mac Donald.

Luftfahrtminister Sir Samuel Hoare antwortete in einer Rede in Cannock aus die Kritik, die Ramsny Mac Donald, der bekannte Führer der Arbeiterpartei, in Birmingham an der Außenpolitik der Regierung geübt hat. Diese Kritik, so er- Mrte der Ministre, sei unberechtigt und enthalte überdies Ungenauigkeiten. Die Behauptung Mac Donalds, daß die Außenpolitik seit der Uebernahme der Regierung durch die Konservativen die Form der Zeit von 1906 bis 1914 anae- nommen habe, sei nur geeignet, Las britische Prestige- in der Welt herabzusetzen.

Während andere Mächte Jahr für Jahr über Abrüstung redeten, habe Großbritannien seine eigenen Rüstungen be­trächtlich vermindert und jede Gelegenheit benutzt, um der Welt darin ein gutes Beispiel zu geben. Die Frage bleibe essen, ob diejenigen, die Großbritannien jetzt wegen des ülottenabkommens angriffen, selbst mehr an der Rustungs- vcrminderung interessiert seien.

Die englische Arbeiterpartei zur Abrüstungsfrage.

Am Schluß des Arbeiterparteitages in Birmingham fand eine Aussprache über die allgemeine Abrüstung statt. Major Aman vertrat die Ansicht, daß eine vollständige Abrüstung in Großbritannien Tausende brotlos machen würde.

Ramsay Mac Donald faßte die Haltung der Partei in Mser Frage dahin zusammen, daß durch internationale Ver- Mbarungen drastische Rüstungsverminderungen erreicht wer-

Aus den Parteien.

Gne Entschließung der Wirtschaftspakte:

Der Reichsausschuß der Reichspartei des Deutschen Ettelstandes^ (Wirtschaftspartei) trat in Gemeinschaft mit Abgeordneten des Reiches und der Länder im Preußischen Landtag zu einer Tagung zusammen. Es wurde nachstehende ^sWießung angenommen:Die Reichspartei des Deutschen Mittelstandes steht grundsätzlich auf dem Boden einer Ber- ^"oigungspolitik auf nationaler Grundlage, erachtet es aber längerer Zeit für notwendig, daß gerade mit Rück- W auf solche Ziele eine größere Zurückhaltung in der aus- Wigen Politik beobachtet wird. Die Partei hat niemals die 8 sitzen Erwartungen auf Rückwirkungen von Locarno geteilt. - £ 9at deshalb auch den Eintritt in den Völkerbund als ver- 'angesehen und seinerzeit abgelehnt.

fc. Sie vertritt jetzt entschieden den Standpunkt, daß unter Umständen von Deutschland irgendwelche Angebote ge- Ml^rdev dürsen, die über das Jahr 1935 hinausreichen, als »l,?1 cl "klärt die Dawes-Lasten in ihrer heutigen Höhe lliilfin a9ar und verlangt in erster Linie eine baldige, end- !vage"^ annehmbare Lösung der gesamten Reparations-

9 Demokraten und Konkordat.

Preubu^ Kreisen der dcuftchdemokratischeu Fraktion des erklärt' Landtages wird zur Konkordatsfrage folgendes

Mitteilung einer Tageszeitung, die deutsch- Wtinn» ^e Landtagsfraktion sei bereit, einem Konkordat zu- böllig !W'' ^MN die Schulfrage dabei unerwähnt bleibt, ist Staat , richtig. Die Beziehungen zwischen dem Preußischen Jabv» ^" Kurie sind durch Vereinbarungen im worden, dic ihren Niederschlag in einer wilden ^^Ka^^uettsorder und in einer päpstlichen Bulle gc»

fiett Anpassung dieser Vereinbarungen an die heuti- ^nbiLac geboten, so wird die deutschdemokratische hr>> E^aEtlon im Geiste der Toleranz sich den: nicht Wider- Rechte unbedingte Voraussetzung ist, daß die staatlichen der «rf>,.rt beeinträchtigt werden. Von einer Behandlung Siebe feiu «^ d°i dieser Gelegenheit kann überhaupt nicht die

Das Volksbegehren desStahlhelm".

In verschiedenen Reden sagte der Vorsitzende desStahl- belm",.Fabrikant Seldte, über das vomStahlhelm" an­gekündigte Volksbegehren:DerStahlhelm" erstrebt, un- bekümmert -um das Geschrei seiner Gegner, die Macht. Er will sie mit gesetzlichen Mitteln erreichen. Zu diesen Mitteln gehört auch das Volksbegehren, mit dem er alles, was m Deutschland deutsch denkt, zu einem Generalappell aufrufr.

Er wird das Volksbegehren auf zwei Punkte stellen: Ver­stärkung der Macht des Reichspräsidenten nach dem Vorbild der amerikanischen Verfassung und Beschränkung der Immunität der Abgeordneten."

Gefahr der Verschleppung des Kelsen-Schatzes ins Ausland.

Privateigentum des letzten Königs von Hannover.

Der Welfen-Schatz, eine Sammlung vieler kostbarer Reli­quien, die der Ueberlieferung nach Heinrich der Löwe im Jahre 1173 von seiner Pilgerfahrt mitgebracht hat, ist in Ge­fahr, ins Ausland zu wandern. Bei der Gründung des Welfenmuseums durch König Georg V. war der Welfen- Schatz der bedeutendste Teil dieser Sammlung. Bei der Aus­einandersetzung zwischen Hannover und Preußen im Jahre 1867 wurde der Schatz dem König als Privateigentum zu­gesprochen und darauf zum größten Teil nach Wien geschafft, wo er sich seit 1869 im Museum für Kunst und Industrie be­fand. In letzter Zeit ist er von dort aus nach Gmunden ge­langt und augenblicklich soll er sich bereits in der Schweiz befinden, um verkauft zu werden.

Wie hierzu von amtlicher Seite mitgeteilt wird, hat der Herzog von Cumberland, der Nachkomme des Königs von Hannover, einem Händler den Auftrag gegeben, den Schatz zu Verkäufen, allerdings unter der Bedingung, daß er nur im ' ganzen abgegeben wird.

Ein neuer Steuerflandal im Saargebiet.

Zwei französische Großfirmen flüchtig.

Nach einer Saarbrücker Blättermeldung haben zwei französische Großfirmen unter Hinterlassung großer Steuer­schulden unbehindert das Saargebiet verlassen können. Die französische Autmobilhandelsfirma Gebrüder Biquep, die im Jahre 1922 aus Frankreich nach Saarbrücken gekommen ivar, hatte damals in der Nachinflation für nur 50 000 Franken eine wertvolle Garage gebaut. Im vergangenen Jahre hatte sie die Garage wieder unter günstiger: Bedingungen verkauft. Dabei verstand es die Firma, in den fünf Jahren ihres Hier­seins die gestundete Steuerschuld von 700-000 Franken, um deren Zahlung sie sich mit Erfolg drückte, von sich abzuwälzen. Der zweite Fall betrifft einen französischen Geschäftsmann, der mehrere Jahre hindurch einen Lebensmittelhandel be­trieben hatte und seit einiger Zeit unter Hinterlassung von rund 200 000 Franken unbezahlter- Twm-cfchnld über die französische Grenze verschwunden ist. Das Saarbrücker Blatt bemerkt zu diesen sensationellen Vorfällen:

Wenn es der reelle einheimische Geschäftsmann ablehnt, durch Flücht, Verschwindenlassen von Büchern und dergl., Selbsthilfe zu üben, so kann er doch zum wenigsten verlangen, das; die Steuerbehörde eingewanderten Franzosen nicht eine bevorzugte Behandlung einräumt, oder zwingt man sie von höherer Stelle dazn? Schon genug, daß die französische Grubenverwaltung von ihrer Steuerpflicht befreit ist."

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Bei der Kriminalinspektion in Saarbrücken stellte sich am Freitag Vormittag der Reisende Hübschen aus Neunkirchen, der bei der Neunkirchener Mühlenprodukten A.-G. insgesamt 80 000 Franken unterschlagen hatte. Bei seiner Vernehmung legte er ein volles Geständnis ab. H. hatte sich in einer klei­neren Ortschaft in der Eifel versteckt gehalten und war mit feinem letzten Gelde nach Saarbrücken gefahren, um sich frei­willig der Polizei zu stellen.

Preußischer Landtag.

Berlin, 6. Oktober.

Im Preußischen Landtag wurde am Samstag die Fest­setzung der kommunalen Wahlen in namentlicher Ab­stimmung mit 204 gegen 155 Stimmen angenommen. Danach sollen die Wahlen bis zum Herbst 1929 vertagt werden.

Das Haus setzt dann die Beratung eines deutschnationalen Urantrages fort, der eine Amnestie für die wegen Dienstvergehens aus politischen Gründen diszi- plinierten Beamten fordert. Nach kurzer Aussprache wurde der Antrag dem Beamtenausschuß überwiesen.

-.Wach kurz-er Aussprache schließt sich das Haus noch einem Antrag des Handelsausschusses an, wonach kommunistische Anträge auf Verhinderung der Stillegung der Schacht- a n l a g e R h e i n I als durch die von der Regierung im Ausschuß abgegebenen Erklärungen erledigt bezeichnet werden sollen. >

Darauf vertagt sich das Haus auf Montag, den 5. November.

ASchtMes MergeseHt im Berliner Norden.

Zwischen Polizei und Verbrechern.

Zu wüsten Szenen kam es, einer Meldung derB. Z-" zufolge, in der Nacht zum Samstag in Berlin, als ein Pollze:- wachtmeister in Zivil mehrmals von einer zehn Mann starken Verbrecherbande angegriffen und in ein Feuergesecht ver­wickelt wurde. Vor einem Lokal im Berliner Norden wurde dieser Polizeibeamte in Zivil von mehreren Burschen an- gerempelt und niedergeschlagen. Ein ihm zu Hilfe geeilt er Polizeiwachtmeister wurde ebenfalls umringt, gewürgt und sogar beschossen. Nichtsdestoweniger gelang es dem Polizei- wachtmeister, die Burschen in einem Berbrecherlokal in der Linienstraße zn stellen. Während er sich als Polizeibeamter legitimierte, erlosch plötzlich das Licht, und die Verbrecher fielen im Dunkeln über ihn her. Der Polizeiwachtmeister machte nun von seiner Schußwaffe Gebrauch und verletzte drei von den Verbrechern schwer. Drei andere wurden durch hcrbeigeeilte Revierbeamte gefesselt zur Wache gebracht.

Köpenickiade vor dem Mikrophon.

Ein unglaublich dreister Handstreich der Kommunisten.

Der sozialdemokratische Redner im Auto entführt. Der Kommunist Schulz spricht im Rundfunk.

Ein unglaublich anmutendes Vorkommnis bei der Berliner Funkstunde erregt überall größtes Aufsehen. Laut Programm der Funkstunde sollte am Sonnabend der Redakteur desVorwärts" Wolfgang Schwarz einen Bortrag über dieProbleme der Friedenssiche­rung" halten. Statt dessen betrat der kommunistische Abgeordnete Schulz den Runvfunksaal, gab sich als Redakteur Wolfgang Schwärz aus und nahm dann zu dem angesagten Vortrag das Wort. Nach wenigen einleitenden Sätzen hielt Schulz eine heftige Agita­tionsrede gegen die Sozialdemokraten. Zum Schluß forderte er die Zuhörer auf, an dem kommunistischen Volksbegehren gegen ven Bau von Kriegsschiffen teil- zunehmen. Als man ihm n«h der Beendigung des Bortrags das übliche Honorar auszahlen wollte, lehnte Schulz die Unterzeichnung der Honorarqnittung mit der Begründung ab, er sei gar nicht Schwarz, son­dern ein Kommunist.

Noch ernster als die Köpenickiade vor dem Mikro­phon ist die von den Kommunisten Schwarz gegenüber angewandte Methode zu beurteilen. Schwarz wurde 45 Minuten vor dem Vortrag

in seiner Wohnung im Berliner Vorort Britz an­gerufen und im Namen der Funkstunde gebeten, das in wenigen Minuten vor seiner Wohnung zu erwartende Auto zu benutzen. Das Auto war pünktlich zur Stelle. Schwarz trug keine Bedenken, den Wagen zu besteigen, hing doch im Innern ein Pla­kat mit der Aufschrift:Auto für Rundfunk- Vorträge". Die im Wagen befindlichen drei Män­ner knüpften mit Schwarz sofort ein Gespräch über den Rundfunk an. Das Auto schlug zunächst die Richtung zur Sendestation ein, fuhr jedoch alsbald rasch weiter. Als Schwarz Verdacht schöpfte, zogen seine Begleiter Revolver und erklärten, daß ihm nichts geschehe, daß sie aber bei dem geringsten Widerstand von der Waffe Gebrauch machen müßten. Sie erklärten ihm weiter, daß sie Kommunisten seien und er entführt worden sei, damit an Stelle seines Vortrages eine kommunistische Propagandarede gehalten werden könne. Das Auto setzte ihn dann nach »Aftünbiger Fahrt in die dunkle Nacht hinaus auf der Landstraße in der Nähe einer Ortschaft ab. Diese Ortschaft erwies sich, als Schwarz sie erreicht hatte, als Groß-Ziethen im Kreise Teltow.

Zu der Köpenickiade teilt die Funkstunde mit, Re­dakteur Schwarz habe erstmals am Mikrophon sprechen wollen, er sei daher den leitenden Herren nicht per­sönlich bekannt gewesen. Der fremde Ankömmling habe ordnungsgemäß mit dem Portrag des gebilligten Manuskriptes begonnen. In einem Nebenraum sei

ver Vortrag durch den Ansager mit angehört üvordkn. Im weiteren Verlaufe des Bortrags sei der Ansager dann an das Telephon gerufen worden; wäh­rend dieser Zeit sei der Lautsprecher abgesteM worden.

DieRote Fahne" macht thren Lesern in großer Aufmachung von dem Geschehenen Mitteilung und erklärt dabei, der Handstreich sei deshalb ausgeübt worden, weil die Kommunisten von der Benutzung des Rundfunks ausgeschlossen worden seien. Der Abgeord­nete Schulz sei der Generalsekretär des Reichskomitees für das Volksbegehren.

Schlüchterner Zeitung

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